00:00:00
Also ich weiĂ, dass einige Leute Anfang und Ende gerne skippen, aber ich rate euch, es diesmal nicht zu tun.
00:00:16
Denn bevor wir mit unserem sehr speziellen Crime-Thema fĂŒr heute beginnen, in das Laura kein Vertrauen hatte, haben wir Neuigkeiten, die Mordlust betreffen und die keine Werbung sind.
00:00:29
Die keine Werbung sind. Und wenn ihr diesen Podcast gerne hört, dann wird euch das auch interessieren.
00:00:34
Laura, wenn man dich fragt, gute oder schlechte Nachricht zuerst, was nimmst du dann?
00:00:38
Immer die schlechte zuerst.
00:00:41
Damit ich mit einem guten GefĂŒhl aus der ganzen Sache rausgehe.
00:00:45
Na, und ich hĂ€tte auch immer Sorge, dass die schlechte Nachricht die gute dann so einschrĂ€nkt, dass ich, wenn ich erst die gute höre, dann freue ich mich zu sehr ĂŒber etwas, was dann halt nachher geschmĂ€lert wird von der Information, die noch kommt.
00:00:59
Okay, also dann die schlechte zuerst.
00:01:00
Die schlechte ist, dass Paulina und ich Reise in den Tod nicht mehr weitermachen werden.
00:01:04
Genau, das ist unser Podcast auf Podimo. Den kennen nicht alle von euch, aber doch einige. Den haben wir zwei Jahre lang gemacht. Und da haben wir jetzt die letzten Folgen aufgenommen und werden den nicht weiterfĂŒhren.
00:01:15
DafĂŒr. Und das ist die gute Nachricht.
00:01:18
Darauf habt ihr so lange gewartet, Leute. Das muss hier richtig angekĂŒndigt werden. Vielleicht auch mit einem Jingle oder mit so einem langsamen Aufbau. So ein richtig spannendes Musikelement jetzt.
00:01:31
Denn Mordlust wird...
00:01:33
Keiner kann es sich jetzt denken, nachdem wir es gerade gesagt haben. Also Dramaturgie können wir eigentlich, aber jetzt gerade können wir darauf nicht zurĂŒckgreifen.
00:01:42
DafĂŒr sind wir zu aufgeregt.
00:01:43
Naja, also Mordlust wird ab nÀchstem Jahr wöchentlich erscheinen.
00:01:49
Genau, aber nicht mit diesen Mammut-Folgen, die wir jetzt gerade alle zwei Wochen rausbringen. Das schaffen wir von der Vorbereitung her nicht. Wir hatten ja dieses Jahr einmal diesen Testlauf mit zwei Einzelfolgen.
00:01:57
Da hatte Laura einen Fall erzÀhlt und ich dann die nÀchste Woche einen anderen Fall. Und da haben wir gemerkt, das ist so gar nicht unser Bier.
00:02:04
Also war gut, dass wir den Testlauf gemacht haben. Und deswegen greifen wir auf ein schon bewĂ€hrtes Konzept zurĂŒck. Laura und ich erzĂ€hlen nĂ€mlich einen Fall gemeinsam.
00:02:12
Das haben wir in der Hanau-Folge gemacht und auch bei der Costa Concordia. Also wird es so sein, alle zwei Wochen im selben Rhythmus wie jetzt die normalen Folgen mit Oberthema.
00:02:21
Und in den Wochen, wo wir normalerweise keine Folge rausbringen wĂŒrden, erzĂ€hlen wir gemeinsam einen Fall.
00:02:26
Und wir wissen, dass sich da viele drĂŒber freuen werden, weil das auch schon immer mal wieder an uns herangetragen wurde.
00:02:32
Aber wir freuen uns auch wirklich sehr darĂŒber, weil wir jetzt unsere ganze Kraft und unsere ganze Zeit eben in unser Mordlust-Baby stecken können.
00:02:41
Naja, und weil das fĂŒr uns auch noch mal wieder eine Ănderung bedeutet. Also nach fĂŒnf Jahren hat man dann auch mal Lust, Sachen mal wieder ein bisschen anders zu machen und so neue Impulse reinzubringen.
00:02:51
Und wir sind da schon in der Vorbereitung und das gefÀllt uns bisher ganz gut.
00:02:54
Und auch deswegen, weil wir dann jetzt durch diese Off-Woche, die wir jetzt bespielen, ein GefÀà haben, in dem wir auch mal neue Sachen ausprobieren können, FÀlle behandeln können, die nicht zu einem Oberthema so richtig passen, die aber schon ewig lang auf unserer Liste stehen.
00:03:08
Ja, und vielleicht auch halt so MammutfÀlle, also die auch schwer sind, irgendwie in 15 bis 20 Minuten zu erzÀhlen.
00:03:15
Das ist dann auch immer ein bisschen schade, wenn man so groĂe FĂ€lle dann so abkatten muss.
00:03:20
Genau, also so geht es nĂ€chstes Jahr weiter. Aber jetzt kommt erst mal das fĂŒr dieses Jahr letzte Oberthema.
00:03:26
Auf das sich Laura schon die ganze Zeit gefreut hat.
00:03:30
Und damit herzlich willkommen zu Mordlust, einem Podcast der Partner in Crime. Wir reden hier ĂŒber wahre Verbrechen und ihre HintergrĂŒnde. Mein Name ist Paulina Kraser.
00:03:37
Und ich bin Laura Wohlers.
00:03:38
Noch gibt es in jeder Folge ein bestimmtes Oberthema und zwei wahre KriminalfĂ€lle, die wir dazu erzĂ€hlen, darĂŒber diskutieren und auch mit Menschen mit Expertise sprechen.
00:03:48
Hier geht es um True Crime, also auch um die Schicksale von Menschen. Bitte haltet das immer im Hinterkopf. Das machen wir auch.
00:03:53
Selbst dann, wenn wir zwischendurch etwas ungehemmter mal miteinander reden. Das ist fĂŒr uns einfach eine Art Comic Relief, aber natĂŒrlich nicht despektierlich gemeint.
00:04:02
Ich weià nicht, ob sich noch alle daran erinnern, aber ich habe hier letztens von einem Ausschnitt aus einer Datingshow oder so erzÀhlt, in dem ein Mann einer Frau bei deren ersten GesprÀch ganz begeistert erzÀhlte, dass eine Zimmerpflanze den Mörder einer anderen Zimmerpflanze identifizieren konnte.
00:04:19
Also das war quasi seine Pick-up-Line. Die Frau wirkte auf jeden Fall wahnsinnig irritiert.
00:04:23
Und er erzÀhlte also von einem Experiment, bei dem eben die eine Pflanze gesagt hat, wer ihrem Pflanzenfreund das Blatt abgeschnitten hat.
00:04:33
Wie das passiert sein soll, dazu kommen wir gleich.
00:04:36
X-Faktor, das Unfassbare, hatte mal eine Àhnliche Folge dazu gemacht.
00:04:40
Und das ist das heutige Oberthema. Und jetzt fragt ihr euch doch, hÀ, wieso fand Laura das denn so seltsam?
00:04:46
Da freut man sich doch drauf.
00:04:48
Also ich war sehr, sehr skeptisch, als ich dann wirklich in unserem Folgenordner einen Unterordner gefunden habe, der den Arbeitstitel trug, Pflanzenkunde.
00:05:01
Ich glaube, das war in der Zeit, als du im Urlaub warst und ich mich quasi um die Themenplanung alleine gekĂŒmmert habe.
00:05:06
Was lernen wir daraus? Lass mich einfach nie alleine in dieser Firma.
00:05:10
Ich habe mittlerweile auch das GefĂŒhl, dass ich das alles unterschĂ€tzt habe.
00:05:14
Ich habe ja auch gedacht, dass es dieses Pflanzenexperiment, von dem dieser Pick-up-Artist gesprochen hat, tatsÀchlich gegeben hat.
00:05:25
Aber ja. Und zwar hat das der US-Amerikaner Cleve Baxter durchgefĂŒhrt.
00:05:30
Der Typ war Experte fĂŒr LĂŒgendetektoren und hat auch unter anderem CIA-MitarbeiterInnen darin geschult.
00:05:37
Und zu den Pflanzen kam der dann, als der 1966 den Drachenbaum in seinem BĂŒro gieĂen wollte und sich gefragt hat, wie lange dauert das eigentlich, bis das Wasser, das ich hier gerade reingieĂt hier unten, von den Wurzeln bis zu den BlĂ€ttern kommt.
00:05:54
Klar, was man sich halt so fragt, wenn man im BĂŒro sitzt und eigentlich an LĂŒgendetektoren arbeitet.
00:05:59
Naja, auf jeden Fall, um das rauszufinden, hat er den Baum dann, klar, an einen LĂŒgendetektor angeschlossen.
00:06:05
Und ich habe mich halt auch gefragt, als ich das gelesen habe, wie das aussieht.
00:06:10
Und es sieht so aus, wie du dir das vorstellst.
00:06:12
Also er hat quasi eines der BlÀtter in so einer Art Klemme aus zwei Elektroden gespannt, ja?
00:06:19
Und warum an einem LĂŒgendetektor?
00:06:22
Es ist ja so, dass so ein GerÀt unter anderem die elektrische LeitfÀhigkeit misst, also von unserer Haut eigentlich.
00:06:28
Und wenn wir lĂŒgen, so ist die Idee, schwitzen wir und das messen diese Detektoren durch die LeitfĂ€higkeit.
00:06:35
Also dachte Baxter sich, dass sich ja vielleicht auch die LeitfÀhigkeit des Blattes erhöht, wenn es Wasser aufnimmt.
00:06:41
Und dass er dann dadurch sehen kann, wann das Wasser bei den BlÀttern ankommt.
00:06:44
Das Ding ist nur, er hat nicht herausgefunden, wann das Wasser bei den BlÀttern ankommt.
00:06:49
Aber die Kurve, die sein GerĂ€t aufgezeigt hat, die fand er sehr merkwĂŒrdig.
00:06:55
Und zwar, weil der Ausschlag aussah wie der eines Menschen.
00:06:58
Und Baxter wollte dann gucken, ob das jetzt Zufall war oder ob die Pflanze tatsÀchlich irgendwie reagiert hat.
00:07:04
Und dann dachte er sich, Menschen reagieren ja am stÀrksten auf Bedrohung.
00:07:08
Also hat er versucht, die Pflanze eben so einer Situation auszusetzen.
00:07:12
Und dann hat er zum Beispiel ein Blatt der Pflanze in Kaffee getunkt.
00:07:16
Und wir versprechen, es wird gleich wieder seriös.
00:07:21
Ja, und der Kaffee, der hat jetzt nichts bei dem Drachenbaum ausgelöst.
00:07:26
Erst als Baxter ein Blatt anzĂŒnden wollte, schlug der LĂŒgendetektor wieder aus.
00:07:32
Aber schon bevor Baxter ĂŒberhaupt zu den Streichhölzern gegriffen hatte, also schon in dem Moment, in dem er nur darĂŒber nachdachte, das hier gleich anzuzĂŒnden, stieg die elektrische AktivitĂ€t der Pflanze.
00:07:46
Und danach war er sich sicher, Pflanzen haben telepathische FÀhigkeiten und können Gedanken lesen.
00:07:52
Also erst ging es nur darum, können sich Pflanzen bedroht fĂŒhlen?
00:07:56
Und dann ist das weiter eskaliert in Untersuchungen zu telepathischen FĂ€higkeiten.
00:08:00
Und es folgten dann noch andere Experimente.
00:08:02
Zum Beispiel warf er lebendes Schrimms in kochendes Wasser, woraufhin der Drachenbaum dann wieder reagierte und Baxter schlussfolgerte, der Baum hat Mitleid.
00:08:13
Und so absurd das jetzt alles klingt, das waren wirklich ernst gemeinte wissenschaftliche Experimente von diesem Mann.
00:08:18
Und spĂ€ter schlossen seine Mitarbeitenden und er dann auch noch Salate, Zwiebeln, Orangen und Bananen an LĂŒgendetektoren an.
00:08:27
Und das erinnert mich doch sehr stark an diese Reportage, die ich mal ĂŒber diese Bioresonanzscanner gemacht habe, wo man angeblich ermitteln kann, ob man Vitamin C-Mangel hat beispielsweise oder so.
00:08:38
War das das bei dieser Heilpraktikerin oder nein?
00:08:42
Also ich war auch bei einer Heilpraktikerin, ich war aber auch in Apotheken, also bei verschiedenen Einrichtungen, die das angeboten haben.
00:08:47
Und ich habe mich dann mit so einem Experten hingesetzt, der halt diese Teile auseinandergenommen hat und der hat dann mit mir auch eine Kartoffel an dieses BioresonanzmessgerÀt angeschlossen und hat dann da auch einen erheblichen Vitamin D-Mangel festgestellt.
00:09:00
Ja klar, aber es gab dann eben auch ein Experiment, in dem es darum ging, zu gucken, ob Pflanzen auch ein GedÀchtnis haben.
00:09:09
Und dafĂŒr wollte Baxter dann eben mithilfe einer Pflanze den Mörder, in AnfĂŒhrungszeichen, einer anderen Pflanze identifizieren.
00:09:17
Und dazu lieĂ er sechs Personen nacheinander in einen Raum gehen, in dem zwei Zimmerpflanzen standen.
00:09:23
Und eine von diesen Personen tötete dann eine der Pflanzen, indem sie sie mit den Wurzeln ausriss und auf ihr herumtrampelte.
00:09:33
WĂ€hrend die andere Pflanze direkt daneben stand und quasi alles mit ansehen musste, ja.
00:09:40
Das ist wirklich ein, ja, Folter hier.
00:09:42
Und diese Pflanze, die halt daneben stand, die war dann ja quasi die einzige Zeuge in der Tat.
00:09:48
Und die schloss Baxter dann auch an einen LĂŒgendetektor an und prĂ€sentierte dann der Reihe nach die sechs VerdĂ€chtigen.
00:09:54
Und jetzt kommt's.
00:09:55
Auf fĂŒnf der Personen reagierte die Pflanze ĂŒberhaupt nicht.
00:09:58
Aber jedes Mal, wenn sich der Mörder nÀherte, schlug der Detektor wie wild aus.
00:10:06
Naja, und er ist dann also zu dem Schluss gekommen, dass Pflanzen eine Art GedÀchtnis haben und Menschen wiedererkennen können, die halt irgendeine schlimme Tat begangen haben.
00:10:14
Die ganze Sache hat natĂŒrlich, wie ihr es schon ahnt, einen Haken, weil viele von Baxter's Thesen und Experimenten in den darauffolgenden Jahren von anderen WissenschaftlerInnen wiederholt wurden.
00:10:24
Und siehe da, niemand konnte diese Ergebnisse bestÀtigen.
00:10:27
Ist auch kein Wunder, spĂ€ter kam raus Baxter, hatte nicht sauber gearbeitet, zu wenig Kontrollexperimente durchgefĂŒhrt und offenbar auch viele dieser Ergebnisse einfach so gedeutet, wie es ihm in den Kram gepasst hat.
00:10:37
Mal ganz abgesehen davon, dass LĂŒgendetektoren an sich ja schon sehr umstritten sind.
00:10:42
Und deshalb sind sie hier in Deutschland in Ermittlungsverfahren und als Beweismittel vor Gericht ja auch nicht zugelassen.
00:10:47
Ja, und heute sind sich die meisten WissenschaftlerInnen auch einig, dass Pflanzen zwar zum Beispiel auf Verletzungen reagieren und sogar auch aus dem, was sie wahrnehmen, in gewisser Weise lernen und sich halt an die Umwelt anpassen können.
00:11:00
Stichwort Evolution.
00:11:01
Aber sie sind sich sicher, sie haben keine GefĂŒhle oder Gedanken, die jetzt irgendwie Ă€hnlich sind zu denen von Menschen.
00:11:09
Das geht ja auch gar nicht allein schon, weil Pflanzen eben keine Nervenzellen und auch gar kein Gehirn haben.
00:11:15
Und trotzdem können Pflanzen, so wie Baxter das ja eigentlich vermutet hatte in seinem Experiment, dabei helfen, Verbrechen aufzuklÀren.
00:11:25
Aber halt auf andere Art und Weise. Und wie, darum geht es jetzt in den nÀchsten zwei FÀllen.
00:11:29
Meine Geschichte zeigt, dass ein eiserner Wille gepaart mit technischem Fortschritt manchmal das Unmögliche möglich macht.
00:11:37
Einige Namen habe ich geÀndert. Und die Triggerwarnung findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung.
00:11:44
Deckenstrahler erhellen das Labor des Bundeskriminalamts in Wiesbaden an diesem FrĂŒhlingstag im Jahr 2005.
00:11:50
Ein Mann, dessen Haar so schneeweià ist wie der Kittel, den er trÀgt, sitzt vor einem Mikroskop.
00:11:56
Auf der Nase eine Brille, durch die seine Augen den unscheinbaren Inhalt einer Petrischale unter dem Objektiv fixieren.
00:12:03
Die Spur 102 wird durch das Mikroskop tausendfach vergröĂert.
00:12:07
Eine Spurenauswertung wie diese gehört beim BKA zwar zum Alltag, aber das, was hier vor sich geht, ist anders.
00:12:14
Es ist etwas, das die Welt noch nie zuvor gesehen hat.
00:12:17
Ein Experiment, das nicht nur die Grenzen der Wissenschaft auslotet, sondern auch ein Verbrechen aufklÀren könnte.
00:12:23
Doch noch weiĂ niemand, ob es gelingt und damit eine furchtbare Tat gesĂŒhnt werden kann.
00:12:30
Etwa sechseinhalb Jahre zuvor.
00:12:32
Es ist ein kĂŒhler Morgen, als die niederlĂ€ndischen Beamtinnen Ende November 1998 an einer StraĂe zwischen Felden und Venlo,
00:12:40
wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, eintreffen.
00:12:43
Neben der Fahrbahn schlÀngelt sich ein rund 80 Zentimeter tiefer Graben entlang.
00:12:47
Ein Junge, der mit dem Rad auf dem Weg zur Schule war, hatte der Polizei gemeldet, dass in dem Graben eine leblose Person liege.
00:12:55
Nach dieser suchen die Polizistinnen jetzt.
00:12:57
Bei jedem Schritt raschelt Herbstlaub unter ihren FĂŒĂen.
00:13:00
Der Graben ist voll davon, was die Suche erschwert.
00:13:03
Doch dann entdecken sie etwas.
00:13:06
Aus dem braunen BlÀttermeer ragen zwei Beine, die in einer Leggings mit Leopardenmuster stecken.
00:13:11
Die Beamtinnen befreien den leblosen Körper vom Laub.
00:13:15
Es ist eine tote Frau.
00:13:16
Sie ist jung, schlank, schwarz und trÀgt kurze, lockige Haare.
00:13:20
AuĂer der Leggings trĂ€gt sie einen blauen Pullover und Socken.
00:13:23
Keine Schuhe, keine Jacke, keine Tasche.
00:13:25
An den Hand- und FuĂgelenken erkennen die Polizistinnen kreisförmige rote AbdrĂŒcke.
00:13:31
Auch an ihrem Hals zeichnen sich rote Striemen ab.
00:13:34
FĂŒr die Polizei deutet alles darauf hin, dass die Frau Opfer eines Verbrechens wurde.
00:13:39
Diese These stĂŒtzen auĂerdem die zwei abgeschnittenen gelben Spannseile mit Metallhaken, die neben der Toten liegen und offenbar als Fesseln benutzt wurden.
00:13:47
Die Rechtsmedizin bestÀtigt die Vermutung.
00:13:50
Die Frau wurde erdrosselt, anschlieĂend an Arm und Beinen gefesselt und in dem Graben abgelegt.
00:13:55
Einen Detail im Obduktionsbericht haben die Ermittlerinnen aber nicht kommen sehen.
00:13:59
Die Frau war in der zehnten oder elften Woche schwanger.
00:14:03
Um aufklÀren zu können, wer sie und damit auch den Fötus in ihrem Bauch getötet hat, muss zunÀchst ihre IdentitÀt ermittelt werden.
00:14:09
Ein Abgleich ihrer FingerabdrĂŒcke ergibt in den niederlĂ€ndischen vermissten Datenbanken allerdings keinen Treffer.
00:14:15
Weil die Frau ganz in der NĂ€he der deutschen Grenze gefunden wurde, ĂŒberlegen die Beamtinnen daher, ob sie aus Deutschland kommen könnte.
00:14:21
Sie fragen beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden nach.
00:14:24
Zwei Tage spÀter steht fest, bei der Toten handelt es sich um Anna Toso.
00:14:28
Eine 30 Jahre alte Asylbewerberin aus Togo, die zuletzt in Wuppertal lebte, etwa 100 Kilometer vom Fundort entfernt.
00:14:35
Daher ist ab sofort die Wuppertaler Polizei dafĂŒr zustĂ€ndig, das RĂ€tsel um den Tod der 30-JĂ€hrigen,
00:14:41
die seit ĂŒber vier Jahren mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in Deutschland lebte, zu lösen.
00:14:45
DafĂŒr nehmen sie zunĂ€chst Annas Umfeld unter die Lupe.
00:14:48
Den Anfang machen die NachbarInnen in dem Mehrfamilienhaus, in dem das Opfer wohnte.
00:14:53
Als die ErmittlerInnen an den TĂŒren des Altbaus im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld klingeln, hören sie immer wieder die gleiche Geschichte.
00:14:59
Es ist die einer Frau, die unter hÀuslicher Gewalt litt.
00:15:02
Ihr Ehemann Philipp soll Anna nicht nur regelmĂ€Ăig betrogen, sondern auch geschlagen haben.
00:15:07
Mehrere NachbarInnen berichten der Polizei von einem besonders krassen Streit vor anderthalb Monaten.
00:15:12
Annas mag erschĂŒtternde Schreie seien damals durch den Gang geheilt.
00:15:16
Die HausbewohnerInnen hÀtten beunruhigt in den Flur gelugt.
00:15:19
Und dort hÀtten sie gesehen, wie Philipp seine Frau an den Haaren gepackt und die Treppe nach unten geschleift habe.
00:15:24
Und die NachbarInnen erwÀhnen, dass Anna mit ihren Töchtern, der vierjÀhrigen Kaya und der zwei Jahre alten Luena,
00:15:30
zwischenzeitlich Zuflucht in einem Frauenhaus gesucht habe.
00:15:33
Auch die MitarbeiterInnen dort berichten der Polizei, Anna habe so sehr unter Philipp gelitten, dass sie sich habe trennen wollen.
00:15:40
Ein gewalttÀtiger Ehemann und eine Frau, die sich aus seinen FÀngen befreien wollte.
00:15:44
Bei den ErmittlerInnen schrillen alle Alarmglocken.
00:15:47
Gegen Philipp wird Haftbefehl erlassen.
00:15:49
Doch als die BeamtInnen am 30. November 1998 vor seiner TĂŒr stehen, fehlt von dem 30-JĂ€hrigen jede Spur.
00:15:56
Also machen sie sich daran, die Wohnung zu durchsuchen, in der vor kurzem auch noch Anna lebte.
00:16:00
Vielleicht gibt es Hinweise, dass Anna hier getötet wurde.
00:16:04
Das wĂŒrde erklĂ€ren, wieso sie nur Pulli, Leggings und Socken trug.
00:16:07
Die ErmittlerInnen inspizieren jeden Zentimeter der Wohnung im ersten Obergeschoss.
00:16:11
Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und KĂŒche.
00:16:13
Alle RÀume sind unauffÀllig.
00:16:15
Keine umgestĂŒrzten Möbel, keine Blutspuren.
00:16:18
Doch eine Sache fÀllt den PolizistInnen ins Auge.
00:16:21
Eine kleine schwarze Kunststoffkappe im Wohnzimmer.
00:16:24
Sie passt auf die Spannseile, die neben Annas Leiche gefunden wurden.
00:16:28
Ein erstes Indiz dafĂŒr, dass Anna hier gefesselt wurde.
00:16:32
Weitere Erkenntnisse bleiben aber aus.
00:16:34
DafĂŒr haben die ErmittlerInnen tags darauf anderweitig Erfolg.
00:16:37
Sie finden heraus, dass Philipp eine Woche vor Annas Tod eine eigene Wohnung angemietet hat.
00:16:42
Bei der ĂberprĂŒfung treffen sie den 30-JĂ€hrigen auch an und nehmen ihn mit aufs PrĂ€sidium.
00:16:47
Im Vernehmungsraum beteuert der groĂgewachsene Mann mit den kurzgeschorenen Haaren und der bulligen Statur,
00:16:53
seine Frau aus tiefstem Herzen geliebt zu haben.
00:16:55
Vehement betont er nicht, fĂŒr Annas Tod verantwortlich zu sein.
00:16:59
AuĂerdem sei er dort, wo sie gefunden wurde, noch nie gewesen.
00:17:03
Die PolizistInnen kaufen Philipp seine Unschuldsbeteuerung nicht ab.
00:17:07
Er kommt in Untersuchungshaft.
00:17:08
Denn die Aussagen der MitarbeiterInnen im Frauenhaus und die der NachbarInnen sprechen eine deutliche Sprache.
00:17:13
Genau wie die Kunststoffkappe in der Wohnung.
00:17:16
Die ErmittlerInnen sind ĂŒberzeugt, Philipp hat seine Frau getötet und seinen Töchtern damit die Mutter genommen.
00:17:22
Allerdings brauchen sie dafĂŒr Beweise.
00:17:25
Daher wird als nĂ€chstes Philips weiĂer BMW ĂŒberprĂŒft.
00:17:27
Der Innenraum ist sauber, der Kofferraum dagegen vollgestopft mit einem Kindersitz, einer GetrÀnkekiste und einem Haufen Krempel.
00:17:34
Die ErmittlerInnen rÀumen alles aus.
00:17:37
Als der Kofferraum bis auf einige Brösel und ein paar BlĂ€tter leer ist, macht sich ErnĂŒchterung breit.
00:17:41
Keine heiĂe Spur.
00:17:44
Doch dann bleibt ihr Blick an den drei LaubblÀttern hÀngen.
00:17:46
Das eine ist nur ein Teil eines Blattes, das sie nicht zuordnen können.
00:17:50
Im anderen erkennen sie ein Birkenblatt, beim dritten tippen sie auf Stieleiche.
00:17:55
Birke und Stieleiche, da klingelt etwas.
00:17:58
Solche BĂ€ume standen auch an dem Graben, in dem Annas Leiche gefunden wurde.
00:18:02
Die niederlÀndischen Kolleginnen hatten damals einige BlÀtter, die an der Leiche hafteten, gesichert.
00:18:07
Könnten die vom selben Baum wie die BlÀtter in Philips Kofferraum sein?
00:18:11
Das wĂ€re der Beweis dafĂŒr, dass seine Behauptung nicht am Leichenfundort gewesen zu sein, eine LĂŒge war.
00:18:16
Die BeamtInnen schicken die BlÀtter also einer Biologin.
00:18:20
Die bestÀtigt kurz darauf, sowohl die BlÀtter von der Leiche als auch die aus dem Kofferraum sind tatsÀchlich von Stieleichen und Birken.
00:18:27
Aber weil diese Baumarten so verbreitet sind, lÀsst sich nicht sagen, ob die BlÀtter wirklich vom Fundort stammen.
00:18:32
Die Information bringt nicht den erhofften Durchbruch.
00:18:35
Es ist wieder nur ein Indiz, das auch Philipp als TĂ€ter hindeutet, ihn aber nicht endgĂŒltig ĂŒberfĂŒhren wird.
00:18:41
Dabei sind die Ermittlerinnen von seiner Schuld mittlerweile fest ĂŒberzeugt.
00:18:45
Philipp hat ein Motiv und andere VerdÀchtige gibt es nicht.
00:18:48
Umso mehr Hoffnung setzen die ErmittlerInnen auf zwei DNA-Tests.
00:18:52
Denn jetzt wird klar, unter zwei von Annas FingernÀgeln und an den gelben Spannseilen, die neben der Leiche sichergestellt wurden, haftete DNA.
00:19:00
Wenn die von Philipp stammt, hÀtten die BeamtInnen endlich etwas Handfestes gegen ihn in der Hand.
00:19:04
Und tatsÀchlich, die Tests ergeben, dass sowohl die DNA an den Seilen als auch die unter Annas NÀgeln eindeutig ihrem Ehemann zugeordnet werden kann.
00:19:12
Ein starkes Indiz dafĂŒr, dass es vor Annas Tod zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Beinen gekommen sein muss.
00:19:18
Jetzt gibt es endlich genug Anhaltspunkte, um Anklage gegen Philipp zu erheben.
00:19:23
Doch Philipps Anwalt legt Beschwerde ein.
00:19:25
Die BegrĂŒndung, sein Mandant könne die DNA-Spuren, die die Polizei als eindeutige Hinweise auf seine Schuldwerten, anderweitig erklĂ€ren.
00:19:33
Die DNA an den Spannseilen legitimiert Philipp damit, dass sie aus Annas und seiner gemeinsamen Wohnung stammen.
00:19:39
Er sie also natĂŒrlich mal in der Hand gehabt habe.
00:19:42
Die DNA unter ihren FingernĂ€geln kommt laut Philipp daher, dass er am Abend vor Annas Verschwinden noch bei ihr war und sie ihm Pickel im Gesicht ausgedrĂŒckt habe.
00:19:53
Also ich weiĂ, es gibt Leute, die gucken sich sowas auf TikTok und so super gerne an.
00:19:59
Das scheint offenbar was Befriedigendes zu haben und wir machen jetzt hier ja kein King-Shaming, wobei es ist eigentlich eher oddly satisfying, um genau zu sein.
00:20:10
Ja, ich finde es interessant, dass man das bei seinem Partner gerne machen möchte.
00:20:13
Also ich kann mir anheizendere AktivitÀten vorstellen als das, aber ja.
00:20:20
Nee, weiĂt du, wo das bei mir in dieselbe Schublade fĂ€llt?
00:20:23
FuĂnĂ€gel des Partners schneiden.
00:20:27
Also ich persönlich kenne niemanden, aber ich kenne auch niemanden, der die Pickel des Partners ausdrĂŒckt.
00:20:32
Aber was ich mal erlebt habe, die Mutter meines Ex-Freundes hat ihm noch die FuĂnĂ€gel geschnitten.
00:20:42
Nee, also das, wow.
00:20:44
Ja, und das war damals noch keine Red Flag fĂŒr dich.
00:20:46
Da hast du dir gedacht, und bald werde ich diese Aufgabe ĂŒbernehmen.
00:20:51
Aber was hat es auf sich mit diesen, weil, guck mal, FingernÀgel, wenn du die so jetzt bei mir siehst, sind ja nicht eklig, ne?
00:20:58
Aber sobald sie abgeschnitten sind und irgendwo liegen, kotz einfach.
00:21:05
Wobei, weiĂt du, was ich ja gerne mache?
00:21:07
WĂŒrde ich auch bei dir gerne mal tun.
00:21:13
Ich sÀubere ja gerne Augenbrauen.
00:21:17
Also ich zupfe gerne Haare raus bei anderen Menschen.
00:21:20
Finde ich nicht so schlimm wie mit FingernÀgeln oder Pickeln.
00:21:24
ZurĂŒck zu den Pickeln in Philips Gesicht.
00:21:28
Dass Anna sie ausgedrĂŒckt haben soll und deshalb Philips DNA unter den FingernĂ€geln hat, lĂ€sst das Oberlandesgericht des HĂŒltes auf aber gelten.
00:21:36
Vor allem, weil die Tatspuren laut Gericht keine geschlossene Indizienkette ergeben.
00:21:40
Und so wird Philipp Ende Juni 1999 nach gut einem halben Jahr aus der U-Haft entlassen.
00:21:47
Die Ermittlenden wissen nicht mehr weiter.
00:21:49
Die DNA-Ergebnisse waren ihre groĂe Hoffnung.
00:21:51
Aber dem Gericht reichen sie nicht fĂŒr eine Anklage.
00:21:54
Sie mĂŒssten mehr finden, um den einzigen VerdĂ€chtigen, von dessen Schuld sie felsenfest ĂŒberzeugt sind, hinter Gitter zu bringen.
00:22:00
Doch es fehlt ein neuer Ansatz.
00:22:02
Wochen und Monate vergehen.
00:22:03
Annas Akten werden auf den Schreibtischen im PrÀsidium unter neuen FÀllen begraben,
00:22:07
bis sie schlieĂlich ins Archiv verlagert werden und dort in Vergessenheit geraten.
00:22:11
Erst ĂŒber vier Jahre spĂ€ter kommt wieder Bewegung in den Fall.
00:22:16
2003 geht bei der Stadt Wuppertal ein EinbĂŒrgerungsantrag ein.
00:22:19
Philipp will einen deutschen Pass.
00:22:22
Bei der ĂberprĂŒfung seines Antrags fĂ€llt auf, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn noch nicht abgeschlossen ist.
00:22:27
Die Staatsanwaltschaft Wuppertal veranlasst daraufhin, den Fall neu aufzurollen.
00:22:31
Es ist Kriminalhauptkommissar Edward Schweder, der Anfang 2004 damit betraut wird.
00:22:36
Der 43-JĂ€hrige kennt Annas Fall.
00:22:39
Schon vor fĂŒnfeinhalb Jahren gehörte er zum Ermittlungsteam.
00:22:41
Jetzt, als Hauptkommissar, will er ihn endlich aufklÀren.
00:22:45
Edward entstaubt die Akten aus dem Archiv, lÀdt weitere Zeuginnen zur Vernehmung und beauftragt neue Gutachten.
00:22:51
In seinem BĂŒro stapeln sich die Kisten mit den alten Asservaten.
00:22:55
Steckt in einer von ihnen das entscheidende Puzzleteil, um Philipp endlich dingfest machen zu können?
00:23:00
SorgfĂ€ltig prĂŒft der Kommissar den Inhalt jeder Kiste.
00:23:03
Dabei fallen ihm Details auf, die damals ĂŒbersehen wurden.
00:23:06
Wie zum Beispiel eine Blutspur auf der RĂŒckseite von Annas blauem Pullover.
00:23:10
Auch sie kann jetzt durch einen DNA-Test eindeutig Philipp zugeordnet werden.
00:23:14
Und Edward fÀllt beim Durchforsten der Asservate noch etwas in die HÀnde.
00:23:18
Die inzwischen vertrockneten BlÀtter, die 1998 in Philipps Kofferraum sichergestellt wurden.
00:23:23
Er erinnert sich, dass es damals nicht möglich war, die BlÀtter den BÀumen am Leichenfundort zuzuordnen.
00:23:29
Inzwischen hat die Wissenschaft aber groĂe Fortschritte gemacht.
00:23:32
Könnte man es also vielleicht nochmal versuchen?
00:23:34
Er hakt beim LKA nach und wird ans BKA in Wiesbaden weitergeleitet.
00:23:39
Dort lÀuft derzeit ein Forschungsprojekt zur DNA-Analyse von Pflanzen.
00:23:43
Sollte diese Analyse gelingen, wÀre es möglich, die BlÀtter aus Philipps Auto direkt mit den BÀumen vom Fundort zu vergleichen
00:23:50
und so festzustellen, ob sie von denselben BĂ€umen stammen.
00:23:53
Ăhnlich wie bei menschlicher DNA, die einer bestimmten Person zugeordnet werden kann.
00:23:57
Doch es gibt ein Problem.
00:23:59
Bisher wurde eine solche Analyse noch nie erfolgreich durchgefĂŒhrt.
00:24:03
Edward findet trotzdem, dass es einen Versuch wert ist.
00:24:07
Daher setzt er sich Ende Mai 2004 ins Auto und fÀhrt von Wuppertal nach Wiesbaden.
00:24:11
Voller Hoffnung ĂŒbergibt er den Forschenden eine TĂŒte mit der Aufschrift Spur 102.
00:24:16
Darin befinden sich die unscheinbaren BlÀtter aus Philipps Kofferraum.
00:24:20
Der BKA-Experte mit dem schneeweiĂen Haar inspiziert sie mit geschultem Blick und meint,
00:24:25
vor allem das Stieleichenblatt sei fĂŒr die DNA-Analyse geeignet.
00:24:28
Um die durchzufĂŒhren, braucht der Forscher Vergleichsmaterial.
00:24:31
Da sich die DNA nur schwer aus den vertrockneten BlÀttern extrahieren lÀsst, die an Annas Leiche hafteten,
00:24:37
möchte er frische BlÀtter von den BÀumen am Fundort verwenden, um Parallelen zu denen aus dem Kofferraum zu ziehen.
00:24:43
Anfang Oktober 2004 machen sich also mehrere WissenschaftlerInnen auf den Weg zum Leichenfundort,
00:24:48
an dem noch immer dieselben BĂ€ume stehen wie damals.
00:24:51
Es sind Unmengen, die die StraĂen zwischen Felden und Fennlo sĂ€umen.
00:24:54
Alle BÀume zu untersuchen wÀre wie die Nadel im Heuhaufen finden.
00:24:59
Daher erstellt das Team mit Hilfe von Karten, die aufzeigen, wie das Wetter an Annas aufhunde Tag war
00:25:04
und wie der Wind zu welcher Uhrzeit stand, eine Skizze des Areals.
00:25:08
Der Plan erinnert an eine Schatzkarte, nur dass es darauf nicht ein Kreuz gibt, das das Gesuchte markiert,
00:25:14
sondern zahlreiche Kreuze, dazu KĂ€stchen und Kreise.
00:25:17
Lauter BĂ€ume, die anhand der meteorologischen Daten fĂŒr die DNA-Analyse in Frage kommen.
00:25:22
Insgesamt nehmen die WissenschaftlerInnen Proben von ĂŒber 100 Stieleichen und Birken.
00:25:26
ZurĂŒck im Labor wird die DNA jeder einzelnen Probe untersucht.
00:25:30
Wochenlang sitzen die Forschenden in Wiesbaden vor den Mikroskopen und versuchen, das bisher Unmögliche
00:25:36
möglich zu machen, den genetischen Fingerabdruck einer Pflanze zu erstellen.
00:25:40
WĂ€hrenddessen ermittelt Edward in Wuppertal weiter, mit Erfolg.
00:25:44
Anders als damals schafft er es, Annas Schwester, die in den Niederlanden lebt, ausfindig zu machen.
00:25:50
Das, was sie zu Protokoll gibt, belastet Philipp schwer.
00:25:52
Er habe Anna mehrfach mit dem Tod bedroht.
00:25:55
Die Worte von Annas Schwester sind fĂŒr den Kommissar das letzte fehlende Glied der Indizienkette.
00:26:00
Etwas ist sich sicher, ihre Aussage in Verbindung mit den neu entdeckten Blutspuren auf Annas Pullover
00:26:05
reicht fĂŒr einen neuen Haftbefehl aus.
00:26:07
Jetzt kriegt er Philipp dran, auch wenn das Ergebnis der Pflanzen-DNA-Analyse noch nicht vorliegt.
00:26:13
Die Staatsanwaltschaft sieht das genauso.
00:26:15
Edward hofft instĂ€ndig, dass es auch fĂŒr das Gericht diesmal genĂŒgend Anhaltspunkte fĂŒr eine
00:26:19
Verurteilung sind.
00:26:20
Als der Prozess gegen Philipp im FrĂŒhling 2005 vor dem Wuppertaler Landgericht beginnt,
00:26:26
sitzt Edward wie auf heiĂen Kuhlen.
00:26:28
Der inzwischen 37-jĂ€hrige Philipp wird in den Gerichtssaal gefĂŒhrt.
00:26:31
Angeklagt ist er wegen Totschlags.
00:26:33
Denn genau wie die Polizei ist auch die Staatsanwaltschaft davon ĂŒberzeugt,
00:26:37
dass Philipp im November 1998 seine Frau samt seines ungeborenen Kindes erdrosselt,
00:26:41
mit Spannseilen gefesselt und die Leiche schlieĂlich in den Niederlanden wie MĂŒll entsorgt hat.
00:26:47
Doch das streitet Philipp in seiner Einlassung weiter ab.
00:26:50
Vor allen Anwesenden im Saal beteuert er, dass er Anna nicht getötet habe.
00:26:54
Sie hĂ€tten eine, Zitat, gute Ehe gefĂŒhrt.
00:26:57
Warum Anna dann kurz vor ihrem Tod ins Frauenhaus gegangen sei, fragt der Vorsitzende Richter.
00:27:02
Das wisse er nicht, antwortet Philipp, betont aber, dass er den Willen seiner Frau akzeptiert habe.
00:27:07
Anna habe machen können, was sie wollte.
00:27:10
Bei Beziehungsproblemen mĂŒsse man, Zitat, stets der Sache Zeit geben, erklĂ€rt er.
00:27:14
Um Zeit geht es auch an den darauffolgenden Verhandlungstagen,
00:27:19
als ein SachverstÀndiger zu den neu entdeckten Dutspuren auf Annas Pullover aussagt.
00:27:23
Denn der Experte bestÀtigt zwar, dass das Blut von Philipp stammt,
00:27:26
allerdings kann er nicht sagen, wie alt der Fleck ist.
00:27:29
Theoretisch könnte das Blut also schon an das KleidungsstĂŒck gelangt sein,
00:27:32
bevor Anna getötet wurde.
00:27:34
FĂŒr Edward ist das eine Hiobsbotschaft.
00:27:37
Damit fÀllt ein wichtiges Indiz weg.
00:27:39
Doch gerade als die Ungerechtigkeit zu siegen droht,
00:27:42
kningelt am 13. Juni das Telefon des Kommissars.
00:27:45
Es ist das BKA Wiesbaden mit einer Information,
00:27:48
die fĂŒr die entscheidende Wendung im Prozess sorgt.
00:27:50
Das Stieleichenblatt aus Philipps Kofferraum konnte einem Baum,
00:27:54
der nur zweieinhalb Meter vom Fundort der Leiche entfernt steht, zugeordnet werden.
00:28:00
Eine unter 2,4 Millionen Stieleichen hat diese DNA,
00:28:04
sagt der forensische Botaniker mit den weiĂen Haaren,
00:28:06
der in den letzten Monaten unzÀhlige BlÀtter unter seinem Mikroskop untersucht hat,
00:28:10
wenig spÀter vor Gericht, als er sein Gutachten prÀsentiert.
00:28:13
Somit lÀge die Wahrscheinlichkeit, dass das Blatt aus Philipps Kofferraum
00:28:17
von der Eiche in unmittelbarer NĂ€he von Annas Leiche stammt, bei 99,999%.
00:28:23
Und damit steht fest, Philipp war am Fundort.
00:28:27
Es ist das allererste Mal ĂŒberhaupt in der Geschichte der Wissenschaft,
00:28:30
dass die DNA einer Pflanze einen TĂ€ter ĂŒberfĂŒhrt.
00:28:33
Dabei ist das gelungene Experiment der DNA-Analyse bei Pflanzen nicht nur ein wissenschaftlicher Meilenstein.
00:28:38
Es ist auch das letzte PuzzlestĂŒck, das der Kammer jetzt ermöglicht,
00:28:42
Anas Schicksal zu rekonstruieren.
00:28:44
Im MĂ€rz 1994 steigt Anna ins Flugzeug nach Deutschland.
00:28:49
Im GepÀck hat die 26-JÀhrige mit dem kurzen Afro viele TrÀume,
00:28:52
die sie mit ihrem Ehemann in der neuen Heimat wahrmachen möchte.
00:28:56
Den gleichaltrigen Philipp hat sie wÀhrend des Studiums in Togo kennengelernt
00:29:00
und wenige Jahre spÀter geheiratet.
00:29:02
Das junge Paar beschloss, sein GlĂŒck in Deutschland zu suchen.
00:29:04
Philipp ging vor.
00:29:06
Jetzt, vier Monate spÀter, kommt Anna nach.
00:29:08
In Wuppertal beginnt das Leben, das sich die ruhige Frau immer gewĂŒnscht hat.
00:29:12
Die Wohnung, in der Anna und Philipp leben, ist bald von Kinderlachen erfĂŒllt.
00:29:16
Ihre Töchter Kaja und Luena machen das Ehepaar zu Eltern.
00:29:20
Trotzdem wird Annas Traum von einer glĂŒcklichen Familie nicht wahr.
00:29:22
Sie bemerkt bald, dass Philipp ihr nicht treu ist.
00:29:25
Anna fĂŒhlt sich gedemĂŒtigt und stellt ihn zur Rede.
00:29:28
Sie scheut sich nicht vor Auseinandersetzungen.
00:29:30
Doch damit kommt Philipp nicht klar.
00:29:32
Jedes Mal, wenn Anna ihm widerspricht, wird er wĂŒtend und beleidigt sie.
00:29:35
So kommt es stÀndig zu Streitereien, die Philipp mit Gewalt gewinnen will.
00:29:39
RegelmĂ€Ăig bedroht und schlĂ€gt er Anna.
00:29:41
Weil die allerdings nicht möchte, dass Kaja und Luena ihren Vater verlieren,
00:29:45
akzeptiert sie Philips Entschuldigung immer wieder und bleibt unglĂŒcklich.
00:29:50
Ohne Freundinnen oder Familie in Deutschland fĂŒhlt sie sich einsam.
00:29:53
Ihr einziger Bezugspunkt sind Philips Eltern, die kurz nach ihr nach Wuppertal gekommen sind.
00:29:57
Die zeigen aber kaum VerstĂ€ndnis fĂŒr Anna.
00:30:00
Sie habe doch wissen mĂŒssen, wie Philipp zu Frauenbekanntschaften stehe, heiĂt es.
00:30:04
Anna solle eher dankbar sein.
00:30:06
SchlieĂlich habe Philipp sie nach Deutschland geholt.
00:30:08
Anna fĂŒhlt sich komplett alleingelassen.
00:30:11
Sie zieht sich zurĂŒck, ist nur noch zu Hause,
00:30:13
wo sie sich um die MĂ€dchen und den Haushalt kĂŒmmert.
00:30:15
Sie gibt ihr Bestes, um es Philipp recht zu machen.
00:30:18
Aber egal, wie sehr sie sich anstrengt,
00:30:20
Wenn Philipp will, findet er einen Grund, um Anna zu verletzen.
00:30:22
So schleudert er ihr zum Beispiel einmal einen Teller mit heiĂer Suppe ins Gesicht,
00:30:26
weil ihm diese zu scharf gewĂŒrzt war.
00:30:28
Und wÀhrend Anna in diesem GefÀngnis aus Gewalt gefangen ist,
00:30:31
genieĂt Philipp sein Leben.
00:30:32
Abends hÀngt er in Bars ab,
00:30:34
trifft Kumpels und andere Frauen
00:30:35
und spielt den groĂen Macker.
00:30:37
Weil er dafĂŒr als Fertigungsmitarbeiter
00:30:39
aber gar nicht das nötige Kleingeld hat,
00:30:41
fordert er Anna auf, ihm ihre Sozialleistungen zu geben.
00:30:44
Doch Anna stellt sich quer.
00:30:45
So entbrennen immer neue Streitigkeiten ĂŒber immer dieselben Themen.
00:30:49
Geld und Philipps AffÀren.
00:30:51
So auch am 17. Oktober 1998.
00:30:54
Anna hat erfahren, dass Philipp ihr erneut untreu war.
00:30:57
Im Vorjahr war er ohne sie in ihrer gemeinsamen Heimat Togo
00:31:01
und hat dort mit einer anderen Frau ein Kind gezeugt,
00:31:03
dem er jetzt monatlich 100 Mark schickt.
00:31:05
Dass Philipp sie wieder betrogen hat, verletzt Anna.
00:31:08
Und sie sieht es nicht ein,
00:31:10
dass er ein uneheliches Kind finanziert,
00:31:11
wo doch das Geld fĂŒr Kaya und Duena schon knapp ist.
00:31:14
Also fliegen zu Hause wieder mal die Fetzen.
00:31:16
Anna schreit Philipp an,
00:31:18
so laut, dass die NachbarInnen es hören.
00:31:20
Er schreit zurĂŒck,
00:31:21
bevor er sich in seiner ganzen GröĂe vor ihr aufbaut
00:31:23
und zu mehreren SchlÀgen ausholt.
00:31:25
Einer trifft Annas rechtes Ohr.
00:31:27
Ihr Trommelfell platzt.
00:31:29
Verzweifelt rennt sie zum Festnetztelefon,
00:31:31
um die Polizei zu rufen.
00:31:32
Doch Philipp reiĂt die Telefonschnur aus der Wand.
00:31:35
Panik steigt in Anna hoch.
00:31:37
Aber sie hat keine Chance.
00:31:38
Sie spĂŒrt, wie Philipp sie packt und zu Boden drĂŒckt,
00:31:41
bevor er sie an den Haaren die Treppe hinunterschleift.
00:31:43
TrĂ€nen flieĂen ĂŒber Annas rotgeschwollene Wangen.
00:31:46
Lautlos tropfen sie auf den Boden,
00:31:47
wo all die TrÀume,
00:31:48
die sie damals nach Deutschland mitgebracht hat,
00:31:50
in Scherben liegen.
00:31:51
Nach diesem Vorfall hat Anna endgĂŒltig genug.
00:31:55
Sie will die Scheidung und verstÀndigt die Polizei.
00:31:58
ihre Kinder und sich selbst zu schĂŒtzen.
00:32:00
Vor allem seit sie vergangene Woche
00:32:02
bei einem Besuch ihrer FrauenÀrztin erfahren hat,
00:32:04
dass sie wieder schwanger ist.
00:32:05
Das hat sie Philipp nicht erzÀhlt.
00:32:07
Genauso wenig, wie das sie ausziehen will.
00:32:09
Nicht auszudenken, was passiert, wenn er davon erfÀhrt.
00:32:12
WĂ€hrend Philipp bei der Arbeit ist,
00:32:14
packt Anna also heimlich ihre Sachen
00:32:16
und geht mit der vierjÀhrigen Kaya
00:32:17
und der zwei Jahre alten Luina in ein Frauenhaus.
00:32:19
Dort fĂŒhlt sie sich zum ersten Mal seit Jahren sicher.
00:32:22
Doch wÀhrend es Anna mit jedem Tag besser geht,
00:32:24
macht ihren Töchtern die ungewohnte Umgebung zu schaffen.
00:32:27
Nach knapp einem Monat im Frauenhaus
00:32:30
setzen bei Anna Zwischenblutungen ein.
00:32:31
Ein potenzielles Zeichen fĂŒr Komplikationen in der Schwangerschaft.
00:32:34
Die Ărztinnen meinen, sie mĂŒsse sich schonen.
00:32:37
Ihr Körper brauche Kraft fĂŒr das kleine Wesen in ihr.
00:32:39
Doch das geht nicht.
00:32:41
Weil im Frauenhaus Renovierungsarbeiten anstehen,
00:32:43
muss Anna in eine andere Einrichtung umziehen.
00:32:45
Das will sie ihren Töchtern aber nicht zumuten.
00:32:48
Also beschlieĂt sie Mitte November
00:32:50
mit den Kindern zu ihren Schwiegereltern zu ziehen.
00:32:52
Denn trotz ihrer angespannten Beziehung
00:32:54
ist sie sich sicher,
00:32:54
dass Kaya und Luina bei Oma und Opa gut aufgehoben sind.
00:32:57
Bei ihrer Ankunft erzÀhlt Anna,
00:32:59
was vorgefallen ist
00:33:00
und auch, dass sie und Philipp noch ein Baby bekommen.
00:33:03
Ihre Schwiegereltern teilen ihrem Sohn die Neuigkeiten mit.
00:33:06
Kurz darauf kreuzte er bei seinen Eltern auf
00:33:08
und entschuldigt sich bei Anna.
00:33:10
Weil er ihr auĂerdem sagt,
00:33:11
dass er aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei,
00:33:13
entscheidet Anna mit Kaya und Luina zurĂŒck nach Hause zu kommen.
00:33:17
dass ihre Töchter wieder einen geregelten Alltag
00:33:19
in einer vertrauten Umgebung haben.
00:33:20
Die Angst vor Philipp,
00:33:22
die mit dieser Entscheidung in ihr aufkeimt,
00:33:24
Anna ist zwei Tage wieder zu Hause,
00:33:28
als Philipp am Nachmittag des 22. November
00:33:30
im TĂŒrrahmen steht,
00:33:31
um wie vereinbart Kaya und Luina abzuholen.
00:33:33
Anna will ihren Kindern den Kontakt zu ihrem Vater nicht verbieten.
00:33:37
Und das scheint die richtige Entscheidung zu sein,
00:33:39
denn am Abend bringt Philipp die MĂ€dchen
00:33:41
wie abgemacht wieder zurĂŒck.
00:33:42
Anna ist erleichtert.
00:33:45
dass das die Ruhe vor dem Sturm ist.
00:33:47
Nur wenige Stunden spÀter
00:33:49
steht Philipp nÀmlich wieder vor Anna,
00:33:50
um nochmal ĂŒber die Trennung zu reden.
00:33:52
Doch fĂŒr Anna gibt es nichts mehr zu besprechen.
00:33:55
Sie will die Scheidung, Punkt.
00:33:56
Philipp wird wĂŒtend.
00:33:58
Es kommt wieder einmal zum Streit.
00:33:59
Und diesmal artet er aus.
00:34:01
Anna spĂŒrt plötzlich eine Schlinge um ihren Hals,
00:34:03
die ihr die Luft abschnĂŒrt.
00:34:05
Sie versucht sich zu wehren,
00:34:06
aber sie hat keine Chance
00:34:07
gegen den viel gröĂeren und stĂ€rkeren Philipp.
00:34:09
Er ĂŒberwĂ€ltigt sie
00:34:11
und drĂŒckt sie mit dem Bauch voran zu Boden.
00:34:12
Verzweifelt dringt sie um Luft.
00:34:14
Ein qualvoller Kampf beginnt.
00:34:16
Nicht nur um ihr eigenes Leben,
00:34:17
sondern auch um das des Babys in ihrem Bauch.
00:34:20
Aber Philipp zieht weiter zu.
00:34:21
So lange, bis die zwei Herzen
00:34:23
in Annas Körper aufhören zu schlagen.
00:34:26
Beim Anblick seiner leblosen Frau erschrickt Philipp.
00:34:29
Aber nicht, weil er sie getötet hat,
00:34:30
sondern weil er fĂŒrchtet,
00:34:31
dass der Verdacht schnell auf ihn fÀllt.
00:34:33
Also beschlieĂt er,
00:34:34
Annas Leiche zu entsorgen.
00:34:35
Um sie leichter transportieren zu können,
00:34:37
fesselt er ihre Hand und FuĂgelenke mit Spannenseilen,
00:34:40
die er in der Wohnung findet.
00:34:41
Dann schleppt er sie am Abend durchs Treppenhaus,
00:34:43
verfrachtet sie in seinen BMW und fÀhrt drauf los.
00:34:46
Irgendwann kommt ihm Annas Schwester in den Sinn,
00:34:49
die in den Niederlanden wohnt.
00:34:51
wenn er Annas Leiche in ihrer NĂ€he ablegen wĂŒrde,
00:34:53
wĂŒrde es vielleicht so aussehen,
00:34:54
als sei seine Ehefrau auf dem Weg zu ihrer Schwester gewesen.
00:34:57
Und er wÀre fein raus.
00:34:59
Also steuert Philipp seinen Wagen Richtung Grenze.
00:35:02
Gegen 1 Uhr nachts kommt er an eine StraĂe,
00:35:04
die durch ein WaldstĂŒck zwischen Felden und Fennow fĂŒhrt.
00:35:07
Hier hÀlt er an.
00:35:08
Die Dunkelheit legt sich wie ein schĂŒtzender Mantel um ihn.
00:35:11
Keine Menschenseele ist in Sicht,
00:35:12
als Philipp Annas Körper aus seinem Wagen hebt
00:35:15
und ihn in einen Graben voller Laub neben der StraĂe wirft.
00:35:18
Die MĂŒhe, ihn zu vergraben, erspart er sich.
00:35:20
Er zerschneidet nur eilig die Fesseln aus Schwannenseilen
00:35:23
und nimmt sie mit, um keine Spuren zu hinterlassen.
00:35:25
Dass er zwei Teile ĂŒbersieht, merkt er nicht.
00:35:28
Und auch nicht, dass der Novemberwind ein Eichenblatt in seinen Kofferraum weht,
00:35:32
das ihn Jahre spĂ€ter ĂŒberfĂŒhren wird.
00:35:34
Philipp setzt sich hinters Steuer,
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fÀhrt die etwa 100 Kilometer nach Hause
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und erscheint pĂŒnktlich um 6 Uhr bei der Arbeit,
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als wÀre nichts gewesen.
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Das ist der Tatablauf, der fĂŒr das Gericht feststeht.
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Alle Details, gerade die Einzelheiten in der Wohnung,
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kann die Kammer nicht rekonstruieren.
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Doch die sind fĂŒr das Urteil, das am 1. MĂ€rz 2006 fĂ€llt, unerheblich.
00:35:54
Philipp tötete Anna, weil sie ihn verlassen wollte.
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Daher wird er wegen Totschlags in Tateinheit mit Schwangerschaftsabbruch
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zu acht Jahren Haft verurteilt.
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Obwohl es keine eindeutigen Beweise gibt,
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sind wir von der TĂ€terschaft des Angeklagten fest ĂŒberzeugt,
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verkĂŒndet der Richter in seiner schwarzen Robe.
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Von dem Urteilsspruch ist Kriminalhauptkommissar Edward Schweder
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noch heute, 17 Jahre spÀter, bitter enttÀuscht.
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Acht Jahre dafĂŒr, dass ein Mann seine schwangere Frau brutal ertrosselt,
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den Tod seines ungeborenen Kindes in Kauf genommen
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und seinen beiden Töchtern die Mutter geraubt hat.
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Und zwar nur, weil er es nicht ertragen konnte, dass sie ihn verlÀsst.
00:36:29
FĂŒr Edward ist Andersfall ein klassischer Femizid.
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Daher hÀtte Philipp seiner Meinung nach nicht wegen Totschlags,
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sondern wegen Mordes aus niedrigen BeweggrĂŒnden verurteilt werden sollen.
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Aber Edward ist auch erleichtert,
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dass Philipp nach acht Jahren ĂŒberhaupt zur Rechenschaft gezogen wurde.
00:36:43
Und das, weil es am Ende einem Team von WissenschaftlerInnen gelungen war,
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aus einem Eichenblatt den Fingerabdruck einer Pflanze zu erstellen.
00:36:50
Der unscheinbaren Spur 102.
00:36:54
Also warte nochmal, der hat acht Jahre gebraucht, um ihn zu ĂŒberfĂŒhren.
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Und acht Jahre hat er aber auch fĂŒr den Totschlag bekommen.
00:37:02
Und 2006 fehlt das Urteil, ja?
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Also bin ich total bei ihm, dass ich das StrafmaĂ auch wirklich sehr gering,
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vor allem fĂŒr Totschlag in Tateinheiten mit diesem Schwangerschaftsabbruch finde.
00:37:14
Passt du dazu noch vielleicht eine kurze Sache.
00:37:16
Das Gericht hatte ein Jahr abgezogen.
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Sie wollten eigentlich neun Jahre geben, haben aber dann nur acht Jahre gegeben.
00:37:23
Und zwar mit der BegrĂŒndung, dass die Ermittlungen so lange gedauert haben.
00:37:28
Also er hat nochmal weniger bekommen, als sie eigentlich geben wollte.
00:37:31
Das ist natĂŒrlich fĂŒr alle denkbar ungĂŒnstig, wenn die Ermittlungsarbeiten so lange dauern.
00:37:37
Also ich meine, vor allem sollte jemand Unschuldiges in Untersuchungshaft sitzen.
00:37:42
Also wie gesagt, ich finde es auch sehr wenig.
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Ich habe natĂŒrlich die Hoffnung, dass das Urteil heute anders ausfallen wĂŒrde,
00:37:48
weil wir ja wissen, dass Femizide mittlerweile eben auch unter das Mordmerkmal der niedrigen BeweggrĂŒnde fallen können,
00:37:54
wenn sich eben ein Mann in seiner Ehe gekrĂ€nkt fĂŒhlt und durch die Tötung wieder diese Kontrolle ĂŒber die Frau erlangen möchte.
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In diesem Fall muss man sagen, kann man ja leider froh sein, dass er ĂŒberhaupt verurteilt wurde.
00:38:04
Und die sich da so reingefuchst haben in dieses Eichenblatt.
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Und ich meine, gerade wenn es das erste Mal war, dass sowas als Beweis vor Gericht zugelassen wurde
00:38:13
und damit jemand ĂŒberfĂŒhrt wurde, dann hĂ€tte es ja auch gut sein können, dass das Gericht das nicht anerkennt.
00:38:18
Ja, aber was ich auch an diesem Fall wieder so interessant finde, ist, dass er zeigt, was möglich sein kann sozusagen,
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was man vielleicht zum Zeitpunkt des Falles noch nicht vermutet hÀtte.
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Und deshalb ist es ja auch so wichtig, dass bei der Spurensuche wirklich alles ordentlich verpackt wird,
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dass es sozusagen in der Asservatenkammer gelagert wird, weil vielleicht in zehn Jahren oder in 20 Jahren oder so irgendwas VerrĂŒcktes möglich ist
00:38:44
und man dann einen TĂ€ter oder eine TĂ€terin anhand eines Blattes oder was weiĂ ich ĂŒberfĂŒhren kann.
00:38:51
Weswegen wir uns ja auch mit der Idee hÀtten anfreunden können, dass man Jahre spÀter dann doch ein Wiederaufnahmeverfahren zu Ungunsten eines VerdÀchtigen oder einer VerdÀchtigen erstreben kann,
00:39:00
wenn neue Beweismittel aufgetaucht sind.
00:39:03
Also wie eben diese Sache mit der DNA-Analyse.
00:39:06
Wir hatten hier neulich ĂŒber den Fall von Friederike von MĂŒhlmann gesprochen.
00:39:10
Ja, und deswegen war es ja vielleicht auch ganz gut, dass hier in dem Fall am Anfang gesagt wurde,
00:39:16
ja, ja, nee, reicht ja alles gar nicht.
00:39:18
Wir machen jetzt hier noch keinen Prozess, weil vielleicht wÀre der dann mit einem Freispruch davon gekommen.
00:39:22
Und dann hÀtte dieses Blatt am Ende eben gar nichts gebracht.
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NatĂŒrlich, ja. Ich habe ja auch bei meinen Dokus fĂŒr ZDF-Info, da gab es auch einen Fall, den haben wir ja so am Rande erzĂ€hlt,
00:39:33
wo uns die Ermittlerin auch gesagt hat, also wir sind ziemlich sicher, dass wir wissen, wer es ist,
00:39:38
aber wir wagen nicht, den Prozess jetzt anzustreben, weil es vermutlich nicht in einem Schuldspruch enden wĂŒrde.
00:39:43
Mal abgesehen davon, dass das ja auch eine Voraussetzung dafĂŒr ist.
00:39:46
Aber ist die Gefahr dann auch einfach zu hoch, dass das am Ende dann in einem Freispruch endet
00:39:50
und dass man die Person dann deswegen nicht nochmal Strafverfolgen kann?
00:39:53
Ja. Und war es ja jetzt in meinem Fall so, dass diese Pflanzen-DNA-Analyse weltweit zum ersten Mal erfolgreich durchgefĂŒhrt wurde.
00:40:01
Und es war auch das erste Mal, dass dadurch ein TĂ€ter ĂŒberfĂŒhrt werden konnte.
00:40:05
Seit 2005, also seit Philips Prozess, ist aber viel passiert.
00:40:09
Und natĂŒrlich hat sich auch die pflanzliche DNA-Analyse weiterentwickelt.
00:40:12
Damals wurde das Experiment ja noch anhand von BlĂ€ttern durchgefĂŒhrt.
00:40:16
Heute kann man aber zum Beispiel einen pflanzlichen Fingerabdruck auch aus Samen, Nadeln, BlĂŒten
00:40:22
oder anderen pflanzlichen Ăberresten erstellen.
00:40:24
2019 gab es in Baden-WĂŒrttemberg zum Beispiel einen Fall, bei dem ein Verkehrsunfall durch die DNA-Analyse
00:40:31
eines Ahornsamens geklÀrt werden konnte.
00:40:34
Und zwar war das da so, dass sich eine Eisplatte vom Dach eines LKW gelöst hat, runtergerutscht ist
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und dann in die Windschutzscheibe eines entgegenkommenden Autos geknallt ist und die Person darin schwer verletzt hat.
00:40:48
Anstatt anzuhalten, fuhr der LKW-Fahrer einfach weiter.
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Wobei ich dazu sagen muss, dass ich jetzt nicht herausfinden konnte, ob er das wirklich sicher mitbekommen hat,
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dass diese Eisplatte den anderen getroffen hat.
00:41:01
Aber die Ermittelnden konnten jedenfalls damals dank einiger ZeugInnen-Aussagen einen LKW aufspĂŒren,
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der auf die Beschreibung passte und der auch noch immer Eisreste auf dem Dach hatte.
00:41:10
Und in dem Eis fand die Polizei dann zwei Ahornsamen.
00:41:13
Und so einen Samen konnte auch in der Eisplatte in dem Auto sichergestellt werden, das eben getroffen wurde.
00:41:19
Aber Ahorn ist ja weit verbreitet.
00:41:21
Durch die DNA-Analyse konnte man aber dann herausfinden, dass die drei Samen von einem und demselben Baum stammten.
00:41:28
Also wahrscheinlich einem Baum, unter dem der LKW eine Zeit lang geparkt hatte.
00:41:32
Und damit war der Mann ĂŒberfĂŒhrt.
00:41:34
Aber solche Analysen sind trotzdem heute noch sehr selten.
00:41:37
Dr. Dorothee Ritzinger, SachverstĂ€ndige fĂŒr biologische Spuren am LKA Stuttgart,
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mit der wir in Vorbereitung auf diese Folge gesprochen haben,
00:41:44
schÀtzt, dass deutschlandweit innerhalb von einem Jahr weniger als zehn pflanzliche DNA-Analysen
00:41:49
im Zusammenhang mit KriminalfÀllen stattfinden.
00:41:52
AuĂer DNA-Analysen an Cannabis. Warum? Darauf komme ich gleich nochmal zurĂŒck.
00:41:56
Aber generell passiert das eben wenig, weil pflanzliche Spuren zum einen an sich eine eher seltene Spurenart sind,
00:42:03
weil natĂŒrlich nicht in jedem Kriminalfall jetzt Pflanzen die Ermittlungen irgendwie weiterbringen.
00:42:08
Zum anderen stehen fĂŒr die Polizei halt immer erstmal menschliche Spuren im Fokus.
00:42:14
Also wie menschliche DNA oder FingerabdrĂŒcke,
00:42:16
wenn man damit natĂŒrlich einen unbekannten TĂ€ter oder eine unbekannte TĂ€terin am ehesten zweifelsfrei identifizieren kann.
00:42:23
Aber DNA-Analysen an Cannabis gibt es laut Frau Dr. Ritzinger allein im LKA Stuttgart etwa 30 pro Jahr.
00:42:29
Denn im Fall von Cannabis haben sich die forensischen BotanikerInnen
00:42:32
einen eigentlichen Nachteil der pflanzlichen DNA-Analyse zum Vorteil gemacht.
00:42:37
Pflanzen, die durch Stecklinge gezĂŒchtet werden, also indem ein StĂŒck einer Mutterpflanze abgeschnitten und in die Erde gesteckt wird,
00:42:43
können nÀmlich bis heute nicht mit einer DNA-Analyse untersucht werden.
00:42:47
Beziehungsweise bringt das in so einem Fall nichts, weil sich die Stecklingspflanzen genetisch ja nicht voneinander unterscheiden,
00:42:54
weil die alle von derselben Mutterpflanze abstammen.
00:42:57
Eine Pflanze, die aber sehr gerne mit Hilfe von Stecklingen angebaut wird, ist eben Cannabis.
00:43:01
Das bedeutet, wenn die Polizei jemanden festnimmt, der illegalerweise Cannabis bei sich hat,
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können sie mit Hilfe von Pflanzen-DNA-Analysen den Weg zurĂŒckverfolgen.
00:43:11
Vorausgesetzt natĂŒrlich, die Plantage ist bereits bei der Polizei bekannt.
00:43:15
Aber so können die Ermittlenden dann Handelsrouten aufdecken und herausfinden, ob und welche Plantagen zusammenhÀngen.
00:43:22
Naja, also ich hoffe, dass damit nicht zu viele Ressourcen verschwendet werden und ab nÀchstes Jahr ist es dann ja vermutlich noch weniger interessant.
00:43:32
Also die DNA-Analyse von Pflanzen kann die Arbeit der Polizei erleichtern.
00:43:37
Verbrechen jetzt nur anhand von Pflanzenspuren zu klÀren, ist schwierig.
00:43:41
Aber die können eben helfen, ZusammenhÀnge aufzudecken und Indizienketten zu vervollstÀndigen, so wie das ja jetzt in meinem Fall auch war.
00:43:49
Ein Zusammenhang, den Pflanzen auch aufdecken können, ist, wie lange eine Leiche bereits an einem bestimmten Ort liegt.
00:43:55
In einem Sternartikel erklÀrt der britische Botaniker Mark Spencer dazu, dass sich die ExpertInnen dazu das Alter, die Position, die Anzahl und das Wachstum der Pflanzen anschauen,
00:44:04
die unter und um die Leiche herum bzw. durch sie hindurch gewachsen sind.
00:44:08
Und von einem Fall, bei dem ein japanischer Staudenknöterich den entscheidenden Hinweis geliefert hat, erzÀhlt der Mark Spencer auch in diesem Artikel.
00:44:18
Und zwar ging es dabei um einen Mann, dessen Leiche im Winter an einem Bahndamm entdeckt wurde.
00:44:23
Diese Leiche war stark verwest und lag auf dem RĂŒcken und eng um ihn herum waren halt ganz viele StrĂ€ucher und Brennnesseln.
00:44:30
Als Spencer sich diese dann genauer ansah, konnte er aber keine abgeknickten Ăste oder plattgetrampelten Stellen feststellen.
00:44:38
Das heiĂt, es gab erstmal nicht unbedingt einen Hinweis auf einen Kampf oder so.
00:44:41
Allerdings fand er unter der Leiche einige Pflanzen, die durch das Gewicht des Toten zerdrĂŒckt worden waren.
00:44:49
Und da konnte Spencer dann kleinere SeitenstĂ€ngel eines japanischen Staudenknöterichs entdecken, die noch weiĂe BlĂŒtenreste an sich hatten.
00:44:57
Knöterich ist wie FusselkĂŒter.
00:45:00
Ich möchte schon alleine wegen des Namens, möchte ich jetzt diesen Baum oder Strauch oder in meinem Garten haben wollen.
00:45:08
Naja, aber weil sich diese weiĂen BlĂŒten normalerweise im SpĂ€tsommer öffnen,
00:45:14
konnte Spencer kombinieren, dass der Mann schon seit mehreren Monaten da liegen musste.
00:45:19
Wobei man jetzt ehrlicherweise auch sagen muss, dass man das eigentlich auch am Zustand der Toten sagen kann.
00:45:24
Aber wenn eine Leiche jetzt beispielsweise sehr stark verbrannt ist, dann kann das auf jeden Fall hilfreich sein.
00:45:29
Weil das fĂŒr die Polizei natĂŒrlich viel besser ist, zu wissen, ob eine Person jetzt seit ein paar Monaten oder seit ein paar Jahren da liegt, theoretisch.
00:45:37
Weil sie dann auch anders in den Vermisstenakten gucken kann.
00:45:39
Es gab auch mal einen Fall, bei dem anhand von Jahresringen an einem Baum der Zeitpunkt der Ablage eingegrenzt werden konnte.
00:45:46
Da wurde die Leiche einer Frau halt erst so spÀt entdeckt, dass ein Baum dann eben schon in ihrem leblosen Körper Wurzeln geschlagen hatte.
00:45:54
Das finde ich ganz eine gruselige Vorstellung.
00:45:58
Ja, aber irgendwie auch schön.
00:45:59
Und auf der anderen Seite hat der Baum eben dann geholfen, zumindest zu sagen, wann sie da abgelegt wurde.
00:46:05
Ja, bei dem Fall, von dem ich jetzt gleich nach einer kurzen Unterbrechung erzĂ€hle, hat natĂŒrlich auch eine Pflanze bei der AufklĂ€rung geholfen.
00:46:12
Mein Fall zeigt, dass der Versuch, Spuren zu verwischen, manchmal auch dazu fĂŒhren kann, dass neue Hinweise entstehen.
00:46:19
Mein Fall spielt in Amerika.
00:46:21
Ich habe alle Namen geÀndert und die Triggerwarnung findet ihr in der Folgenbeschreibung.
00:46:26
Die kleine Stadt Farmersville im Nordosten von Texas ist bereits in Dunkelheit gehĂŒllt, als die 20-jĂ€hrige Emily und ihre Mutter Carol sich auf den Weg zu einem Laden auf der Main Street machen.
00:46:39
Das rote Neonschild mit der Aufschrift McClouds Food Store hebt sich vor dem Schwarz des Himmels ab.
00:46:44
Muttermilch, Ersatzpulver und Windeln fĂŒr ihre fĂŒnf Monate alte Tochter Lucy stehen auf Emilies Einkaufsliste.
00:46:50
WĂ€hrend sich die zierliche Frau mit den schulterlangen braunen Haaren und dunklen Augen durch die Regale sucht, steht Emilies Mutter ihr, wie so oft, unterstĂŒtzend zur Seite.
00:46:58
Die beiden haben ein gutes VerhÀltnis.
00:47:01
Ihre Mutter lebt noch immer gemeinsam mit Emilies Vater John in dem Haus in Farmersville, wo sie aufgewachsen ist.
00:47:06
Eine texanische Kleinstadt, in der Emily ihr ganzes Leben verbracht hat.
00:47:10
Hier wird Tradition groà geschrieben und der Geist des wilden Westens ist noch allgegenwÀrtig.
00:47:15
Heute zieht es Emily allerdings bald nach dem Einkauf schon wieder in die eigenen vier WĂ€nde, unweit von ihrem Elternhaus.
00:47:21
Sie hat Kopfschmerzen, möchte sich ausruhen.
00:47:24
Es ist gegen 10 Uhr abends, als Emily ihr Haus mit weiĂer Holzfassade und Veranda betritt.
00:47:29
Seit Emily sich kĂŒrzlich von ihrem Ehemann Ryan getrennt hat, leben sie und Lucy hier allein.
00:47:34
Die Kleine ist Emily wie aus dem Gesicht geschnitten.
00:47:36
Emily ist eine hingebungsvolle Mutter, Familie bedeutet ihr alles.
00:47:40
Deswegen liebt sie auch alle Feste, bei denen die gesamte Familie zusammenkommt.
00:47:44
Ihr Lieblingsfamilienfest ist Weihnachten.
00:47:47
Deshalb tönt bei Emily, auch wenn, so wie gerade, gar nicht Winter ist, Weihnachtsmusik aus dem CD-Player in Dauerschleife.
00:47:54
Doch heute ist der 20-JĂ€hrigen nicht mehr danach.
00:47:57
Vielleicht noch ein wenig Fernsehen und dann will sie ab ins Bett.
00:48:00
Die Sonne ist gerade ĂŒber Farmersville aufgegangen, als Carol am nĂ€chsten Morgen um halb acht Uhr die Stufen von Emilys Veranda hinauf geht.
00:48:07
Es ist ein warmer FrĂŒhlingstag, in dem Emilys Mutter wie so oft mit einem Besuch bei ihrer Tochter und ihrer Enkelin starten will.
00:48:14
Sie klingelt, doch niemand öffnet ihr.
00:48:16
Hört Emily die TĂŒr etwa nicht?
00:48:18
Carol beschlieĂt einmal, um das Haus herumzulaufen zum Hintereingang.
00:48:21
Als sie dort ankommt, ist sie verwundert.
00:48:23
Die TĂŒr steht sperrangelweit offen.
00:48:25
Mit einem mulmigen GefĂŒhl im Bauch betritt sie das Haus.
00:48:29
Ein GefĂŒhl, das sich verstĂ€rkt, als sie sieht, dass auf dem Boden zwischen KĂŒche und Schlafzimmer ein Kissen liegt,
00:48:34
offenbar achtlos auf den Boden geworfen.
00:48:36
Vorsichtig bahnt sich Carol ihren Weg in das Schlafzimmer ihrer Tochter.
00:48:40
Kaum hat sie jedoch einen Schritt ĂŒber die Schwelle gesetzt, rutscht ihr Eheherz in die Hose.
00:48:44
Das Schlafzimmer ist ein einziges Durcheinander.
00:48:47
Papiere liegen ĂŒberall auf dem Boden verstreut.
00:48:49
Der Nachttisch ist verschoben.
00:48:51
Die Matratze vom Bett ist verrutscht.
00:48:53
Das Kopfteil nach vorne gekippt und der Fernseher lÀuft.
00:48:55
Doch das Schlimmste, auf dem Bett liegt die kleine Lucy, Mutterseelen allein und offenbar unterkĂŒhlt.
00:49:01
Von Emily fehlt jede Spur.
00:49:04
Angst steigt in Carol auf.
00:49:05
Sie weiĂ, dass Emily ihre Tochter Lucy unter keinen UmstĂ€nden einfach so allein zurĂŒcklassen wĂŒrde.
00:49:10
Emily dringt Carols panische Stimme durch das Haus, wÀhrend sie in jedes Zimmer hastet,
00:49:15
in der Hoffnung, ihre Tochter doch noch aufzufinden.
00:49:18
Sie schaut sogar in den KleiderschrÀnken nach.
00:49:20
Als sie wieder zurĂŒck ins Schlafzimmer kehrt, sticht ihr ein Dokument, das auf dem FuĂboden liegt, ins Auge.
00:49:26
Es ist Emilies Antrag auf Scheidung.
00:49:29
In einer Ecke ist der Teil eines Schuhabdrucks zu sehen.
00:49:33
Jemand muss darauf getreten sein.
00:49:35
Und wenn sie ohne Rögt ruft, ruft sie ihren Noch-Schwiegersohn Ryan an, um ihn zu fragen, ob er etwas von Emily gehört habe.
00:49:40
Doch der ist kurz angebunden und will mit Carol ab.
00:49:44
Mit Baby Lucy unterm Arm ruft Carol ihren Mann John an.
00:49:47
Auch der hat ein schlechtes GefĂŒhl und verstĂ€ndigt sofort die Polizei.
00:49:52
Es dauert nicht lange, bis die BeamtInnen die TĂŒren der Nachbarschaft abklopfen, um nach Hinweisen auf Emilies Verschwinden zu fragen.
00:49:58
Doch niemand hat etwas VerdÀchtiges beobachtet.
00:50:00
Eine riesige Suchaktion beginnt.
00:50:03
200 Freiwillige, darunter NachbarInnen, FreundInnen und Bekannte von Emily, sowie PolizistInnen und Feuerwehrleute durchkÀmmen die naheliegende Umgebung.
00:50:11
Zu FuĂ, zu Pferd und mit der Hilfe von Hunden drehen sie jeden noch so kleinen Stein um, wĂ€hrend ein Helikopter aus der Luft versucht, sich einen Ăberblick zu verschaffen.
00:50:20
Emilies Familie verteilt derweil FlugblĂ€tter, auf denen in fetten Buchstaben vermisst oder entfĂŒhrt Emily Heffernan steht.
00:50:28
Darunter sind zwei Fotos von ihr zu sehen, auf denen sie einen roten Pullover trĂ€gt und schĂŒchtern in die Kamera lĂ€chelt.
00:50:33
FĂŒnf Tage lang hĂ€lt die Suche nach der 20-JĂ€hrigen an.
00:50:37
Doch Emily bleibt verschwunden.
00:50:38
Bis am 23. MĂ€rz, sechs Tage nachdem Emily als vermisst gemeldet wurde, im Farmersviller Polizeirevier ein Anruf eingeht.
00:50:46
Ein Wanderer hat an einem Bach in einer kleinen Stadt östlich von Farmersville eine Leiche entdeckt.
00:50:51
Neuigkeiten, die das Schlimmste befĂŒrchten lassen.
00:50:55
Um zu ergrĂŒnden, ob es sich bei der Leiche tatsĂ€chlich um Emily handelt, stehen kurze Zeit spĂ€ter sieben MĂ€nner in weiĂen SchutzanzĂŒgen in einer verlassenen Einöde.
00:51:02
Hier soll sich laut dem Anrufer die Leiche befinden.
00:51:06
Das Terrain ist von wildem GestrĂŒpp ĂŒberwuchert.
00:51:08
StĂŒck fĂŒr StĂŒck kĂ€mpfen sich die Beamtinnen durch das undurchdringliche GrĂŒn, rĂ€umen einen Ast nach dem anderen beiseite,
00:51:15
bis sie auf das stoĂen, was der Anrufer gesehen haben will.
00:51:18
Es ist der leblose Körper einer Frau, oder eher das, was davon ĂŒbrig geblieben ist.
00:51:23
Denn die Leiche ist stark verbrannt.
00:51:25
Ihre Haut an einigen Stellen schwarz verkohlt, von den Haaren ist kaum noch etwas zu erkennen.
00:51:29
An dem Oberkörper der Frau kleben Fetzen verbrannter Kleidung.
00:51:32
Unterhalb der Taille ist sie nackt.
00:51:34
Sie liegt mit dem Gesicht nach unten.
00:51:36
An ihrem Kopf machen sich bereits erste Insekten zu schaffen.
00:51:39
Ein Zeichen dafĂŒr, dass der Leichnam schon seit mindestens zwei Tagen hier liegen muss.
00:51:44
Von der Leiche ausgehend erstreckt sich eine Spur aus verkohlten Hautfetzen ĂŒber den Boden.
00:51:49
Sie fĂŒhrt die Ermittlenden zu einem hohen Baum, der etwa 30 Meter vom Fundort entfernt steht.
00:51:54
Unter dem Baum entdecken die Beamtinnen die Ăberreste einer Feuerstelle, in der sich ebenfalls Reste von Haut- und HaarbĂŒschel befinden.
00:52:01
Könnte es also sein, dass die Frau hier verbrannt wurde?
00:52:04
Nachdem sie Asche und Brennenholz eingesammelt haben, ĂŒbergeben sie die Leiche der Rechtsmedizin, um mehr herauszufinden.
00:52:11
Der Zahnvergleich bestÀtigt die Vermutung der Polizei.
00:52:14
Die Tote ist Emily Heffernan.
00:52:16
Laut der Autopsie wurde sie erwĂŒrgt und erstochen, nachdem sie zuvor vergewaltigt wurde.
00:52:21
Eine Nachricht, die fĂŒr Emilies Mutter Carol kaum zu ertragen ist.
00:52:24
Wie soll sie ohne ihre einzige Tochter und Lucy ohne ihre Mutter weitermachen?
00:52:29
Wie soll das Leben weitergehen?
00:52:31
TatsĂ€chlich ist es, nachdem sich die Nachricht von Emilies Tod verbreitet hat, in dem kleinen Ort Farmersville fast so, als wĂŒrde die Welt kurz innehalten.
00:52:39
Vor Emilies Haus tĂŒrmt sich ein Berg aus Kuscheltieren auf.
00:52:42
Um ihr MitgefĂŒhl auszudrĂŒcken, schmĂŒcken die BewohnerInnen die StraĂenschilder, LaternenpfĂ€hle und BĂ€ume der Stadt mit BĂ€ndern in Lavendel.
00:52:48
Emilies Lieblingsfarbe.
00:52:50
Die Anteilnahme ist riesig.
00:52:52
Auch zu Emilies Beerdigung ist fast ganz Farmersville da.
00:52:55
Neben dem Verlust eines Gemeindemitglieds, das schon sein ganzes Leben lang hier verbracht hat,
00:53:00
sind die Trauernde noch aus einem anderen Grund erschĂŒttert.
00:53:02
Wer begeht so eine grausame Tat?
00:53:04
Ist es womöglich jemand aus der Umgebung selbst?
00:53:07
Und wenn ja, wie war es der Person gelungen, ihre dunkle Seite vor der Gemeinde geheim zu halten?
00:53:11
TatsÀchlich geht die Polizei davon aus, dass Emilies den TÀter gekannt haben muss.
00:53:17
Ihre Erfahrung sagt den BeamtInnen, dass in einer kleinen Stadt wie Farmers, die nur knapp 4000 EinwohnerInnen zÀhlt,
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der TĂ€ter in aller Regel zumindest aus Emilies erweiterten Bekanntenkreis stammen muss.
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Bei der darauffolgenden Befragung von Emilies Umfeld kristallisiert sich auĂerdem heraus,
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dass es in ihrem Leben jemanden gab, der ein Motiv gehabt haben könnte.
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Ryan, Emilies Ex-Mann.
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Ein Blondschopf mit Babyface, der aussieht wie der typische Promking einer US-amerikanischen Highschool.
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Ryan soll die Scheidung nicht gewollt haben, erfahren die Ermittelnden.
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Emily soll sich daran gestört haben, dass sich Ryan in der Beziehung mit ihr nicht weiterentwickelte.
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Gerade seitdem Lucy auf der Welt ist, soll Emily das GefĂŒhl gehabt haben, dass sie erwachsener wurde
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und Ryan eher stehen blieb und sie irgendwie ausbremste.
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Ein erster Verdacht kommt auf.
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Wollte Ryan sich an Emily fĂŒr die Scheidung rechnen?
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Kann man nicht darĂŒber hinweg, dass seine Frau ihm entglitt und wollte er die Kontrolle zurĂŒck?
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Ein möglicher Anhaltspunkt.
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Der erste, den die Ermittlungen ĂŒberhaupt haben.
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Doch Ryan gibt bei seiner polizeilichen Vernehmung an ein Alibi zu haben.
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In der Nacht von Emilies Verschwinden will er mit einigen FreundInnen ausgiebig auf einer Party gefeiert haben.
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Irgendwann habe ihn dann jemand nach Hause gefahren, weil er so stark alkoholisiert gewesen sei.
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Die BeamtInnen versuchen seine Aussage zu verifizieren und tatsÀchlich bestÀtigen gleich mehrere Personen von der Party,
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dass Ryan irgendwann sturzbesoffen in den Pkw eines Bekannten eingestiegen sei und von ihm nach Hause kutschiert wurde.
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Und damit ist der erste Ansatz auch schon wieder dahin.
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Laut ZeugInnen-Aussagen war Ryan zu betrunken gewesen, um an diesem Abend ĂŒberhaupt noch irgendwas zu tun.
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Weil Emily verbrannt wurde, ist die Spurenlage schlecht und eine andere Person, die ein Motiv gehabt haben könnte,
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konnte bei der Befragung nicht ausfindig gemacht werden.
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Die Polizei tappt also erstmal weiter im Dunkeln, bis sie eine Information erhÀlt,
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die doch noch einmal zur Party verweist, auf der Ryan war.
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Anscheinend hat es dort ein groĂes Lagerfeuer gegeben.
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Die BeamtInnen mĂŒssen an Emilies verbrannte Leiche denken und kommen ins GrĂŒbeln.
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Könnte es vielleicht irgendeine Verbindung zwischen dem Lagerfeuer auf der Party und der Feuerstelle am Fundort der Leiche geben?
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Um dem auf den Grund zu gehen, sichern sie einige Scheite Holz, die noch von der Party ĂŒbrig geblieben sind,
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und schicken sie gemeinsam mit den HolzstĂŒcken vom Fundort der Leiche zu einem Professor der UniversitĂ€t Tennessee,
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der ihnen bei ihren Ăberlegungen helfen soll.
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Ăber 1000 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sich das schreckliche Verbrechen gegen Emily ereignet hat,
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folgt sich also Tage nach der Tat ein Wissenschaftler ĂŒber sein Mikroskop, um bei der KlĂ€rung des Falls zu helfen.
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Das HolzstĂŒck auf dem ObjekttrĂ€ger zeigt feine Maserungen, die durch die Lampe des Mikroskops zum Vorschein kommen.
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Mit seinem geschulten Blick durch das Okular analysiert der Experte zunÀchst die Struktur des Holzes von dem einen und dann des anderen Orts.
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TatsÀchlich kann er an der Feinmaserung der Scheite festmachen, dass sowohl das Holz der Party als auch das Holz,
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mit dem Emilys Leiche verbrannt wurde, von einem SĂŒĂhĂŒlsenbaum stammt.
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Allerdings ist sein Holz ein beliebtes Brennholz in der Region.
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Ein Zusammenhang zwischen den beiden Feuerstellen kann also nicht bewiesen werden.
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Dazu mĂŒsste der Experte herausfinden, ob das Holz von demselben Baum stammt.
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Doch die StĂŒcke weisen keine auffĂ€lligen SĂ€gestellen auf.
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Und da die Jahresringe auf dem Holz wenig ausgeprÀgt sind, helfen sie auch dem Wissenschaftler nicht weiter.
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Die Polizei ist enttÀuscht.
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Doch gerade als die Hoffnung der Ermittelnden wieder zu verschwinden droht, kommt dem Wissenschaftler eine Idee.
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Ein neuer Test, von dem er gelesen hat.
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Die laserinduzierte Plasmaspektroskopie.
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Kurzer Exkurs und damit mein vorgezogenes Aha.
00:56:45
Durch die laserinduzierte Plasmaspektroskopie lassen sich die verschiedenen Elemente von festen, flĂŒssigen,
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aber auch von gasförmigen Materialien identifizieren.
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Einige werden sich vielleicht noch an diese bunte Tafel aus dem Chemieunterricht erinnern.
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Und mit dieser Methode kann man also jetzt herausfinden, aus welchen Elementen von dieser Tafel beispielsweise ein StĂŒck KĂ€se besteht oder ein Bier oder halt ein Haarspray.
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Und zwar, indem ein Laser auf diese OberflÀche der Probe, also auf das, was man untersuchen will, gerichtet wird.
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Und in diesem Fall ist das jetzt halt eben das Holz.
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Und das wird dann durch diesen Laserstrahl so heiĂ, dass eine kleine Menge des Holzes verdampft und ein heiĂes Gas entsteht.
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Und wenn dieses Gas abkĂŒhlt, gibt es Licht ab.
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Und dieses Licht wird dann in seine verschiedenen Farben zerlegt, Àhnlich wie bei einem Regenbogen.
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Denn jedes chemische Element, ich habe keine Ahnung, also...
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Ich verstehe es, ich verstehe es.
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Okay, okay, okay, okay.
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Erzeugt bestimmte Linien im Lichtspektrum.
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Und wenn man diese analysiert, kann man bestimmen, welche Elemente im Material erhalten sind.
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Und auch, wie viel von jedem Element darin vorkommt.
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Und ich sage dir was, fĂŒr mich ist Chemie eine fucking Zauberwelt.
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Und weniger verstÀndlich, als das, was bei Harry Potter passiert.
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Also, weiĂt du, wie ich das jetzt verstehe?
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Also, das ist dann mit dem Licht und dann ist da was Blaues.
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Und das Blaue, da guckt man auf die Tabelle.
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Und da ist dann was Blau.
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Und das ist dann da drin.
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Das lÀsst uns hier nicht sonderlich intelligent wirken.
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Ich will wieder ĂŒber Themen sprechen, von denen ich verstehe, was ich sage.
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Auf jeden Fall ist das eine vielversprechende Methode.
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Denn sollte sich diese chemische Zusammensetzung des Holzes vom Leichenfundort mit der des Holzes von der Party decken,
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dann wĂŒrde das darauf hinweisen, dass beide von demselben Baum stammen.
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Der Professor, der die HolzstĂŒcke untersucht, kann dieses Verfahren jetzt aber nicht durchfĂŒhren.
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Aber im Oak Ridge National Laboratory in Tennessee kennt man sich aber damit aus.
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Also schickt er das Holz dorthin.
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In diesem Labor steht kurz darauf eine Frau mit weiĂem Kittel und Schutzbrille vor einem Apparat aus metallenen StĂ€ben, unter dem ein Holzscheit liegt.
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An dem GerÀt ist ein Laser befestigt, der einen roten Strahl abgibt.
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Es ist ein farbenprĂ€chtiges Spektrum, das nur kurz darauf in der Mitte des PC-Bildschirms im Labor erstrahlt und preisgibt, wie das untersuchte StĂŒck Holz zusammengesetzt ist.
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Elf Proben werden auf diese Art getestet.
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Acht Hölzer vom Leichenfundort und drei von der Party.
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Die meisten Elemente, die die Spektren enthĂŒllen, sind ganz typisch fĂŒr Holz, Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff.
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Alle Proben enthalten aber auĂerdem auch noch Titan und zwar in einer identischen Menge.
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Titan kommt in der Regel nicht in Holz vor.
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HeiĂt, dass der Baum, von dem das jeweilige Holz stammt, es durch das Grundwasser aufgenommen haben muss.
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Allein, dass alle Proben das seltene Titan aufweisen, ist schon Grund genug zur Freude.
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ZusĂ€tzlich lassen sich die Spektren der Proben aber auch noch perfekt ĂŒbereinanderlegen.
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Das heiĂt, alle Hölzer haben eine identische chemische Zusammensetzung.
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Das Holz von der Party ist also mit einer Wahrscheinlichkeit, wie beim Vaterschaftstest, von 99,99% dasselbe Holz, wie das, mit dem Emelies Leiche verbrannt wurde.
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Ein Volltreffer.
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So Laura, was könnte das jetzt bedeuten?
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Was sagt uns das?
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Dass das Holz, was bei der Party, bei der Feuerstelle benutzt wurde, vom selben Baum stammt, wie das, was beim Leichen von Ort gefunden wurde, ja?
01:00:24
Das ist Fakt, ja.
01:00:25
Okay, was uns das sagt, istâŠ
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Oder was können wir daraus Schlussfolgern? Welche Optionen gibt es jetzt?
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Ja, daraus Schlussfolgern kann man, dass wahrscheinlich jemand, der bei der Party war und dort Feuer gemacht hat,
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auch irgendwie mit dem Mord an Emily was zu tun hat.
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Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten.
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Also es kann sein, dass jemand, der auf der Party war, Holz von der Party mitgenommen hat und damit Emelies Leiche verbrannt hat.
01:00:54
Es könnte aber auch bedeuten, jemand hatte das Holz zu Hause und war auf der Party fĂŒr das Holz verantwortlich, hat das also von zu Hause mitgebracht und spĂ€ter Emelies Leiche mit weiteren Holzscheiten, die er noch zu Hause hatte, verbrannt.
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Was könnte noch sein?
01:01:13
WeiĂ ich nicht.
01:01:14
Also es kann ja auch sein, dass der TĂ€ter und die Person, die das Brennholz zur Party mitgebracht hat, beide im selben Baumarkt zum Beispiel das Holz von derselben Palette gekauft haben.
01:01:24
Wobei man sich da natĂŒrlich auch fragen muss, wie wahrscheinlich ist es, dass Holzscheite desselben Baumes in verschiedenen Packungen im selben Baumarkt landen. Null Ahnung, ja.
01:01:35
Oder der TĂ€ter und die Person, die auf der Party fĂŒr das Holz verantwortlich war, die wohnen zusammen im selben Haus.
01:01:42
Ja, genau. Und haben dasselbe Brennholz, was sie sonst immer benutzen.
01:01:45
Das sind die Optionen, die mir eingefallen sind. Vielleicht gibt es noch mehr, weiĂ ich nicht, ja.
01:01:50
Aber diese Ăberlegung wird die Polizei da ja auch gehabt haben.
01:01:53
Was die Ermittlerinnen jetzt machen ist, nicht alle PartygĂ€ste nochmal unter die Lupe zu nehmen, sondern sie prĂŒfen erstmal Ryans Alibi nochmal nach und erfragen seine Beteiligung am Lagerfeuer.
01:02:05
Weil er ja der Einzige ist, den sie bisher auf dem Schirm haben, mit Motiv. Und daher erscheint ihnen das jetzt erstmal als guter Anhaltspunkt, ja.
01:02:13
Und bei diesen Befragungen kommt jetzt raus, dass Ryan also nicht das Holz fĂŒr die Feuerstelle mitgebracht hat, sondern der 21-jĂ€hrige Jaden Smith.
01:02:23
TatsÀchlich steht auch der mit Emily in Verbindung. Die beiden sind nÀmlich gemeinsam zur Schule gegangen.
01:02:28
Das wissen die Beamtinnen bereits, denn bei den Befragungen von Emilies Umfeld hatten sie erfahren, dass Emily am Freitag vor ihrem Verschwinden eine kleine Party bei sich zu Hause veranstaltet hatte.
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Unter den GĂ€sten war auch Jaden.
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Der Freund von Emilies bester Freundin gab an, dass er mit Jaden am Tag nach der Party erneut zu Emilies Haus gefahren sei, um seine Instrumente, die er am Vorabend dort gelassen hatte, zu holen.
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Allerdings sei Emily nicht daheim gewesen und die TĂŒren verschlossen.
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Der Freund erzĂ€hlt, dass Jaden daraufhin ums Haus zur HintertĂŒr gegangen sei und die einfach aufgebrochen habe, um sich Zutritt zu verschaffen und seine Instrumente herauszuholen.
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Und die Ermittlerinnen erinnern sich jetzt, die HintertĂŒr stand auch nach Emilies Verschwinden offen.
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Ein Blick auf Jadens Vergangenheit verrĂ€t auĂerdem, dass er mehrfach vorbestraft ist und bereits zwei schwere RaubĂŒberfĂ€lle in Dallas begangen hat, was etwa eine Stunde von Farmersville entfernt liegt.
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Bei beiden ĂberfĂ€llen hat Jaden auch versucht, junge Frauen zu entfĂŒhren.
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Eigentlich sollte er wegen einer dieser Straftaten aktuell in Untersuchungshaft sitzen, doch offenbar hatte Jaden eine Kaution hinterlegt.
01:03:32
Somit ist er aktuell auf freiem FuĂ, aber nicht mehr lange, wie die Ermittlerinnen beschlieĂen.
01:03:38
Es wird Haftbefehl erlassen, woraufhin die Ermittlerinnen zu seiner Meldeadresse fahren.
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Es ist Ende MĂ€rz 2004, eine Woche nach Emilies Verschwinden, als die Ermittlerinnen in einem Haus auf der Jackson Street in Farmersville stehen.
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Nur eine Viertelstunde FuĂweg trennt Jadens Haus von Emilies.
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Ein Klicken halt durch die RĂ€ume.
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Es sind die Handschellen, die sich um Jadens Handgelenke schlieĂen.
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Der etwa 1,80 Meter groĂe Klimaanlagenmechaniker wird von den PolizistInnen erst festgenommen,
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bevor die sich ranmachen, sein Zuhause zu durchsuchen.
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Dabei fĂ€llt ihnen ein paar Winterstiefel in die HĂ€nde, das ĂŒbersĂ€t ist von schwarzen Flecken.
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Dazu steigt ihnen ein penetranter Geruch in die Nase, der von Benzin kommt.
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Unweit von den Schuhen stoĂen die PolizistInnen auĂerdem auf eine Jeanshose, die auch mit RuĂ bedeckt ist.
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Darunter sind winzige Blutspritzer zu erkennen.
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Sie stellen die Schuhe und die Hose sicher und geben einen DNA-Test in Auftrag.
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Der soll Klarheit bringen, ob es sich bei dem Blut auf der Hose um Emilies handelt.
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AuĂerdem fordern die Ermittlenden einen Vergleich zwischen den sichergestellten Winterstiefeln und dem Schuhabdruck an,
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den Emilies Mutter Carol auf den Scheidungspapieren in Emilies Schlafzimmer gefunden hat.
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Am Ende lassen alle Spuren nur eine Schlussfolgerung zu.
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Es war Jaden, der auf die Scheidungspapiere getreten war.
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Und es war Jaden, der Emily erstochen haben muss.
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Doch bei seiner Vernehmung wirkt er, als hÀtte er mit all dem nichts zu tun.
01:05:00
Vor den BeamtInnen sitzt der Anfang-20-JĂ€hrige mit dunklen Augen und buschigen Brauen,
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die einen markanten Kontrast zu seinem kahlgeschorenen Kopf bilden
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und guckt rein, als wĂŒrden die Ermittlenden gar nicht ihn mit den erdrĂŒckenden Beweisen konfrontieren.
01:05:13
Als er irgendwann offenbar erkennt, dass er aus der Nummer nicht mehr herauskommt,
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gesteht er dann aber doch, Emily erstochen zu haben.
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Aber von einer EntfĂŒhrung oder gar einer Vergewaltigung will er nichts wissen.
01:05:24
Und so dauert es noch bis zum Prozess, bis Emilies Familie endlich erfÀhrt,
01:05:28
was ihr in den letzten Stunden ihres Lebens widerfahren ist.
01:05:32
Die Blicke der zwölf Geschworenen richten sich gebannt auf Jaden,
01:05:36
als er in den Saal des Collin-County-Courts gefĂŒhrt wird.
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Er nimmt neben seiner Verteidigung Platz, dann wird der Prozess eröffnet.
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Als erstes ergreift der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt das Wort.
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Er klagt Jaden wegen Mordes ersten Grades an
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und prÀsentiert den sechs Frauen und sechs MÀnnern in der Jury,
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wie sich die Tat in seinen Augen zugetragen haben muss.
01:05:55
Dazu lĂ€sst er Fotos von Emilies Autopsie und dem Tatort auf eine 3x3 Meter groĂe Leinwand werfen,
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die die dĂŒsteren Szenen der Nacht des 17. MĂ€rz vor den Augen aller Anwesenden lebendig werden lassen.
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Es ist bereits nach Mitternacht, als Jaden sich mit seinem Pick-up von der Lagerfeuer-Party,
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zu der er zuvor das Holz mitbrachte, auf den Nachhauseweg begibt.
01:06:16
WĂ€hrend er sich durch die menschenleeren StraĂen der kleinen Stadt schlĂ€ngelt,
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fÀllt sein Blick auf Emilies Haus, in dem noch immer Licht brennt.
01:06:22
Jaden weiĂ, dass Emily oft allein zu Hause ist.
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Ryan jedenfalls besucht seine noch Ehefrau und Tochter nicht.
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Den hat er gerade noch komplett dicht auf der Party gesehen.
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Er packt seinen Pkw in der Einfahrt, lĂ€uft um das Haus herum zur HintertĂŒr.
01:06:36
Er weià genau, wie er sie öffnen kann.
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Erst wenige Tage zuvor hatte er sie aufgebrochen, um an seine Instrumente zu kommen,
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als Emily nicht zu Hause war.
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Was genau in welcher Abfolge passiert ist, wissen wir nicht.
01:06:47
Nur, dass im Schlafzimmer ein verzweifelter Kampf entsteht, den Emily nicht gewinnt.
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Jaden ist ihr körperlich ĂŒberlegen.
01:06:53
Er zwingt Emily aus dem Haus und in den Truck einzusteigen.
01:06:56
Die kleine Lucy bleibt allein im Schlafzimmer zurĂŒck.
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Mit Emily im Wagen fÀhrt Jaden, bis er irgendwann anhÀlt, ihren Hals packt,
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seine Finger um ihre Kehle legt und beginnt, sie zu wirken.
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Emily ringt nach Luft.
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Doch Jadens eiserner Griff schnĂŒrt ihr die Luft ab, bis die Welt um sie herum verschwimmt.
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Mit der wehrlosen Emily im GepÀck fÀhrt Jaden dann zu einem Feld, das in der NÀhe seines Hauses liegt.
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Dort parkt er und vergewaltigt sie.
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Als Emily wieder zu sich kommt, zerrt er sie aus seinem Truck auf das Feld und wirkt sie diesmal, bis das Leben aus ihr weicht.
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Um sicherzugehen, dass sie auch wirklich tot ist, sticht er ihr danach ein Messer in den Hals und macht sich dann auf den Weg nach Hause.
01:07:35
Emilies Leiche zu verbrennen, war offenbar nicht Teil des Plans.
01:07:37
Der Bezirksstaatsanwalt fĂŒhrt aus, dass Jaden die Idee erst gekommen sei, als er mitbekommen habe,
01:07:43
dass bereits am nÀchsten Tag ein mehrere hundert Menschen starker Suchtrupp nach Emily gefahndet hat.
01:07:48
Also habe er die Leiche vom Feld hinter seinem Haus weggebracht und im Brachland ein Feuer angezĂŒndet.
01:07:53
Mit demselben Holz, das er am Vortag mit auf die Party gebracht hatte.
01:07:57
WĂ€hrend Emilies Ăberreste in Flammen aufging, habe Jaden am Telefon ausgelassen mit einigen Freundinnen geplaudert.
01:08:04
Danach schleppte er Emilies verbrannte Leiche runter an den Bach und haute ab.
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WĂ€hrend der Staatsanwalt seine Version der Tat ausfĂŒhrt, flimmern 20 Fotos von Emilies Autopsie und dem Leichenfund ĂŒber die Leinwand des Gerichtssaals.
01:08:16
Sie sind fĂŒr die Anwesende nur schwer zu verdauen.
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Viel zu brutal war die Tat, mit der Jaden Emily aus dem Leben gerissen hat.
01:08:22
Und viel zu viele Fragen sind noch offen geblieben.
01:08:25
Warum gerade Emily? Warum musste sie sterben?
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Darauf vermag nicht mal Jaden selbst eine Antwort zu geben.
01:08:32
Zwei Tage nach seiner Festnahme hat er einen Brief an seine Eltern geschrieben, in dem es heiĂt
01:08:36
Ich weiĂ nicht, was in diesem Moment mit mir passiert ist.
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Ich habe mich in den Teufel verwandelt.
01:08:41
In diesen Zeilen bezieht er sich auf die Tötung, nicht auf die Vergewaltigung.
01:08:45
Denn die habe es nach seinen Angaben nicht gegeben.
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Emily sei an diesem Abend freiwillig mit ihm mitgegangen.
01:08:50
Gemeinsam haben sie Zigaretten kaufen wollen.
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Er habe sie abgeholt.
01:08:54
Im Schlafzimmer sei er nie gewesen.
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Und einen Kampf habe es auch nicht gegeben.
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Die beiden hĂ€tten Sex gehabt, einvernehmlich natĂŒrlich.
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Gewirkt habe er sie zu erotischen Zwecken.
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Die Beweise sprechen allerdings eine andere Sprache.
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Denn als die Polizei Emilys Wohnungen durchsuchte, fanden die Beamtinnen eine Dreiviertelvolle
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Schachtel Zigaretten auf ihrem Schreibtisch und eine weitere Schachtel in ihrem Auto.
01:09:15
Dass sie also Zigaretten brauchte, halten die Ermittlenden fĂŒr nicht plausibel.
01:09:19
Und dann wĂ€re da noch Jadens FuĂabdruck auf den Scheidungspapieren.
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Emilys Familie bestĂ€tigt auĂerdem, dass die beiden sich nur flĂŒchtig kannten.
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Niemals hÀtte Emily Lucy alleine gelassen, um mit Jaden so spÀt mitzufahren.
01:09:31
Sie hatte kein Interesse an ihm.
01:09:33
Das bestÀtigt auch Emilys beste Freundin.
01:09:35
Die beiden hatten sich gerade erst kĂŒrzlich auf der Party ĂŒber Jaden ausgetauscht.
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Vielmehr wird in den darauffolgenden Verhandlungstagen vor Gericht klar, welchen Zweck das WĂŒrgen fĂŒr Jaden tatsĂ€chlich hatte.
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Jaden demonstrierte so offenbar seine Macht gegenĂŒber Frauen.
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Eine junge Frau berichtet den Geschworenen, dass sie Jaden auf einer Party ein paar Mal wegen Zigaretten anschnorte.
01:09:55
Als sie erneut nach einer Kippe fragte, tickte der plötzlich komplett aus und wirkte sie fast bewusstlos.
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Er war erst von ihr abzubringen, als zwei MĂ€nner ihn von ihr wegzogen.
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Zwei andere Frauen schilderten, dass sie mit Jaden wegen eines Campingzelts in einen Streit gerieten
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und er ihn daraufhin mit einer rostigen SĂ€ge drohte, ihre Kehlen durchzuschneiden.
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FĂŒr die Geschworenen ergibt sich am Ende ein recht stimmiges Bild von Jaden, von dem sie sicher sind,
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dass er die ihm zu Last gelegten Taten begangen hat.
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Daher sprechen sie ihn am 29. Juni 2005 schuldig.
01:10:26
Er wird wegen Mordes ersten Grades zur Todesstrafe, die es bis heute in Texas gibt, verurteilt.
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Eine Reaktion seinerseits bleibt aus.
01:10:35
Umso ergreifender ist die von Emilies Familie, die zur UrteilsverkĂŒndung zahlreich erschienen ist.
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Am ganzen Körper zitternt hÀlt Carol ein Foto in die Höhe, auf dem Emily und Lucy zu sehen sind,
01:10:44
bevor sie sich direkt an Jaden wendet.
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Du weiĂt, was du getan hast, sagt sie, wĂ€hrend dicke TrĂ€nen ihre Wangen hinunterlaufen.
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Du hast uns unsere einzige Tochter genommen und vor allem hast du Lucy, ihre Mutter, genommen.
01:10:56
Mehr als alles andere im Leben wollte Emily sehen, wie ihr Baby die ersten Schritte macht, ihr erstes Wort sagt.
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Jetzt wird sie nie hören können, wie ihre Tochter sie Mama nennt.
01:11:05
Doch zumindest wird Lucy wissen, wer ihr ihre Mutter so brutal entrissen hat.
01:11:09
Und zwar war einige unscheinbare Scheite Holz zu stummen Zeugen und damit Jaden schlieĂlich zum VerhĂ€ngnis worden.
01:11:16
Die letzte Info, die man zu ihm findet, ist vom August dieses Jahres.
01:11:20
Zu diesem Zeitpunkt saĂ er immer noch im texanischen Todestrakt und wartete auf die Vollstreckung seiner Hinrichtung,
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zu der er vor 18 Jahren verurteilt wurde.
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Direkt nach dem Prozess haben Emilys Eltern beschlossen, Lucy gemeinsam mit ihrem Vater Ryan groĂzuziehen.
01:11:34
Sie möchten ihr Emilys Werte weitergeben, sodass Lucy ihre Mutter nie vergessen wird, auch wenn sie nicht mehr unter ihnen weilt.
01:11:41
Ryan will Lucy Videos von Emily an Weihnachten zeigen, damit sie sieht, wie besonders dieses Fest fĂŒr ihre Mutter war.
01:11:47
Und wer weiĂ, vielleicht liebt Lucy Weihnachten mittlerweile genauso wie ihre Mutter damals.
01:11:54
Boah, also nochmal kurz.
01:11:56
Der war auch schon vorbestraft wegen Vergewaltigung, aber er hat quasi Geld bezahlt.
01:12:01
Nee, was war da?
01:12:05
Aber der hat dabei versucht, Frauen zu entfĂŒhren.
01:12:08
Und man sollte jetzt natĂŒrlich nicht mutmaĂen, was er mit ihnen vorhatte, aber ja.
01:12:14
Und dann kann man einfach auf Kaution frei und das nochmal neu versuchen oder was.
01:12:18
Und letztendlich war es ja dann auch so, dass er nur, weil er Schiss bekommen hat, die Leiche noch verbrannt hat.
01:12:24
Und das hat ihm ja dann das Genick gebrochen, ne?
01:12:26
Genau, also man weiĂ natĂŒrlich nicht, was passiert wĂ€re, wenn sie die Leiche auf dem Feld hinter seinem Haus gefunden hĂ€tten.
01:12:34
Das hĂ€tte natĂŒrlich auch irgendwie einen Anhaltspunkt liefern können.
01:12:37
Und vielleicht hĂ€tte es auf der Leiche dann noch andere Spuren gegeben, die mit seinen ĂŒbereingestimmt hĂ€tten, weil der war ja offenbar auch schon aktenkundig.
01:12:44
Aber ja, das war ja, was ich auch eingangs sagte.
01:12:48
Er hat versucht, Spuren zu verwischen und hat dabei neue hinterlassen.
01:12:51
Und eine Frage, diese Geschichte, dass er die HintertĂŒr einfach so aufbricht, weckt das irgendwie in dir den Wunsch, deine HaustĂŒr öfter abschlieĂen zu wollen oder nein?
01:13:04
Da lÀchelt sie und zieht die Schultern hoch.
01:13:08
Wie viele mir ĂŒbrigens nach dieser Folge geschrieben haben, ob ich irgendwie einen Knall habe und dass ich bitte meine TĂŒr abschlieĂen soll.
01:13:14
Also mir haben ganz viele geschrieben, die HaustĂŒr sollte man niemals abschlieĂen, weil wenn es einen Brand geben wĂŒrde, dann kommt man ja nicht raus.
01:13:22
Ich meinte damit natĂŒrlich die WohnungstĂŒr beziehungsweise die HaustĂŒr von einem Haus.
01:13:29
Da kommt man ja raus, weil man in der Regel den SchlĂŒssel hat.
01:13:31
Ich meine nicht die HaustĂŒr von einem Mehrfamilienhaus, dass man die abschlieĂen soll.
01:13:38
Ja, das ist ja wohl klar.
01:13:39
Ja, einigen nicht.
01:13:41
Wenn wir jetzt an den Tatort und die Spurensicherung da denken, dann liegt die Hoffnung ja oft darin, dass man da DNA findet.
01:13:48
Und so unwahrscheinlich ist das ja nicht, weil wir Menschen eigentlich ja ĂŒberall, wo wir uns aufhalten, DNA hinterlassen.
01:13:55
Ăhnlich ist das ĂŒbrigens auch bei Pollen, wie uns Professorin Martina Weber erzĂ€hlt hat, die als PalĂ€unologin, das ist eine Pollenforscherin, an der Uni Wien lehrt.
01:14:06
Pollen ist eine ganz hervorragende Spur.
01:14:09
Zum einen ist Pollen ĂŒberall.
01:14:11
Sie können sich wirklich alles vorstellen, was Sie sich vorstellen wollen.
01:14:16
Der zweite Punkt ist, dass diese unterschiedlichen Orte auch unterschiedliche Pollenansammlungen haben.
01:14:22
Das heiĂt also, wenn man in einen Raum kommt, dann ist wahrscheinlich bei der TĂŒr eine andere Pollenkonstellation als beim Fenster.
01:14:31
Ja, denn dieser Pollen, der ist mikroskopisch klein.
01:14:34
Und das ist auch einer der groĂen Punkte.
01:14:37
Also Sie sehen nicht, dass Sie irgendwo ein Pollen mitnehmen, beziehungsweise ein Pollen bringen.
01:14:43
Also wenn wir einen Raum betreten, dann haben wir auf unseren Schuhen mit Sicherheit Pollen drauf.
01:14:49
Und wenn wir diesen Raum wieder verlassen, dann haben wir wahrscheinlich eine andere Konstellation an Pollen, die wir am Schuh wieder mitnehmen.
01:14:56
Ein weiterer Punkt ist, dass die Pollenwand extrem widerstandsfÀhig ist.
01:15:02
Also zerstörbar eigentlich nur durch Bakterien, Boden, Pilze.
01:15:07
TatsĂ€chlich sind Pollen so widerstandsfĂ€hig, dass sie extreme Hitze, aber auch extreme KĂ€lte aushalten und Millionen von Jahren ĂŒberdauern können.
01:15:16
Selbst an verbrannten Leichen können Expertinnen hÀufig noch Pollenkörner entdecken.
01:15:20
Und es liegt zum einen daran, dass Pollen, wie Professorin Weber eben schon gesagt hat, wirklich immer und ĂŒberall zu finden sind.
01:15:27
Und zum anderen, weil Pollen so gut wie an allem haften bleiben.
01:15:31
Also an Kleidung, aber auch an unserem Körper.
01:15:32
Und wo genau Pollen an einer Leiche gefunden werden kann, hat uns unsere Expertin erklÀrt.
01:15:37
Da ist in erster Linie die Haare zu nennen, da ist immer ganz viel drinnen.
01:15:41
Aber auch die Augenwinkel, im Grunde alle Körperöffnungen, auf der Haut selber drauf.
01:15:48
Aber die spannendste Probe ist grundsÀtzlich die aus der Nase.
01:15:52
Da gibt es das sogenannte Seedbein.
01:15:55
Das ist mit einer Schleimhaut ĂŒberzogen.
01:15:59
Und alles, was wir einatmen, das passiert dieses Seedbein.
01:16:03
Und wenn wir eben atmen, dann bleibt alles Mögliche dort hÀngen und unter anderem der Pollen.
01:16:10
Und in einer gesunden Nase wird dieses Material so ungefÀhr noch 40 oder 50 Minuten wegtransportiert.
01:16:21
Das heiĂt, wenn wir eine Probe aus der Gegend kriegen, dann können wir etwas ĂŒber die letzten 40, 50 Minuten im Leben eines Menschen aussagen.
01:16:31
Und das geht, weil der Pollen jeder Pflanze einzigartig ist.
01:16:35
Deswegen kann man von den Pollen, die an jemandem haften, erkennen, wo sich die Person halt zuletzt aufgehalten hat, nĂ€mlich da, wo die passenden Pflanzen blĂŒhen.
01:16:44
Und ein Fall, wo das eine Rolle gespielt hat, war der von Friedrich Buchter.
01:16:47
Der Ăsterreicher wurde in den 60er Jahren verdĂ€chtigt, seinen Freund ermordet zu haben.
01:16:52
Buchter stritt zunÀchst alles ab, dann gab er aber doch zu seinem Freund erschossen zu haben.
01:16:57
Aber es soll ein Unfall gewesen sein, sagte er.
01:17:00
Das Problem war, dass die Polizei keine Leiche hatte, um Buchters Aussage zu ĂŒberprĂŒfen.
01:17:05
Am Ende half dann tatsÀchlich eine Pollenanalyse, das Verbrechen aufzuklÀren.
01:17:10
Wie, erzÀhlt uns Professorin Weber.
01:17:13
Der Fall hat sich dann fast ĂŒber ein Jahr hingezogen, weil Buchter immer wieder irgendwelche Orte in der Umgebung von Wien genannt hat, wo er angeblich die Leiche vergraben hĂ€tte.
01:17:24
Die Polizei ist immer wieder hingefahren, hat aber nie was gefunden.
01:17:28
Und dann kam eben der Professor Klaus ins Spiel.
01:17:31
Er hatte die Idee, man könnte mal die Schuhe und die Kleidung des VerdÀchtigen auf Pollen untersuchen.
01:17:38
Das hat er getan und hat verschiedenste Pollenkörner gefunden und unter anderem ein fossiles Pollenkorn, und zwar das der Hickorinuss.
01:17:48
Also diese HickorinĂŒsse, die gab es vor ungefĂ€hr 50 Millionen Jahren auch da in Mitteleuropa.
01:17:55
Heutzutage haben sie es in Nordamerika und in Osterasien.
01:17:59
Aber vor 50 Millionen Jahren war das sogar ein Baum, der bei uns da sehr hÀufig war.
01:18:05
Und der Professor Klaus wusste, wenn man so ein fossiles Pollenkorn finden kann, dann eigentlich nur in Nordwestlich von Wien in der Gegend zum Spillern.
01:18:18
Denn dort ragt so eine Gesteinszunge herein und dort könnte man dieses fossile Pollenkorn finden.
01:18:25
Und er ist dann dort hingefahren, hat Vergleichsmaterial geholt und hat dieses Pollenkorn wiedergefunden.
01:18:32
Und dann war man sich eigentlich ziemlich sicher, also wenn der Tote irgendwo ist, dann dort in der Spillerner Gegend.
01:18:39
Und man hat den VerdÀchtigen dann damit konfrontiert.
01:18:44
Und der war so erstaunt, dass er schlussendlich die Polizei zur Leiche gebracht hat.
01:18:50
Und das war genau die vorhergesagte Stelle in der Spillernau.
01:18:54
Weil die Leiche von seinem Freund aber stark verwest war, konnte Buchter kein Mord mehr nachgewiesen werden.
01:18:59
Und er wurde in AnfĂŒhrungszeichen nur wegen fahrlĂ€ssiger Tötung verurteilt.
01:19:03
Aber dieser Fall war der erste, bei dem eine Pollenanalyse in Ăsterreich durchgefĂŒhrt wurde.
01:19:09
Heute ist es so, dass in der Regel an jedem Tatort und auch an jeder Tatwaffe Pollen Spuren gesichert werden.
01:19:15
Auch, weil man damit manchmal ganze TathergÀnge rekonstruieren kann.
01:19:19
Wie bei einem Fall, bei dem nach einem Einbruchsdiebstahl zwei TĂ€ter gefasst wurden.
01:19:23
Damals war die Polizei nÀmlich nicht sicher, ob beide TÀter in das Haus eingestiegen sind oder nur einer und welcher von ihnen.
01:19:30
Weil man sich aber, um in das Haus zu kommen, durch so einen Strauch schlÀngeln musste, haben die Ermittlungen dann eben eine Pollenanalyse der Kleidung der TÀter in Auftrag gegeben.
01:19:39
Und weil nur auf der Kleidung eines TĂ€ters Pollen dieses Strauches nachgewiesen werden konnten, war halt klar, wer in das Haus eingestiegen war und wer nur Wache gehalten hat.
01:19:48
Und auch bei der Frage, wann ein Opfer zu Tode gekommen ist, kann so eine Pollenanalyse helfen.
01:19:52
Das hat im Sommer 2003 auch ein ganz prominenter Fall gezeigt und zwar der des Ătzi.
01:19:57
In einer Stuhlprobe aus seinem Darm konnten ExpertInnen nÀmlich Pollen der Hopfenbuche finden.
01:20:03
Und die waren ganz frisch.
01:20:05
Also man konnte da noch den Zellinhalt sehen und der verschwindet, wenn ein Pollen Àlter ist.
01:20:11
Und weil die Hopfenbuche im SĂŒdtiroler Schnalztal aber nur im spĂ€ten FrĂŒhjahr und FrĂŒhsommer blĂŒht, konnten die ExpertInnen also dann schlussfolgern, dass Ătzi im spĂ€ten FrĂŒhjahr gestorben ist.
01:20:22
NatĂŒrlich ist es jetzt nicht ganz so wichtig, in welchem Monat Ătzi gestorben ist, sondern vielleicht eher welches Jahr und woran eigentlich.
01:20:30
Aber an dem Beispiel sieht man nochmal, wie wichtig Pollen fĂŒr forensische BotanikerInnen und auch fĂŒr die Polizei sein können.
01:20:37
In deinem Fall war es ja jetzt so, dass ein Wanderer Emilies Leiche gefunden hat.
01:20:41
Aber Pflanzen können ja auch dabei helfen, Vermisster aufzuspĂŒren.
01:20:46
Das hast du ja letztens erzÀhlt, also dass man das zumindest auf dieser Bodyfarm in den USA, dass man da untersucht, wie Pflanzen auf die Verwesung von Menschen reagieren.
01:20:56
Genau, da ging es ja um diese Zersetzungsinseln, also den Bereich von circa drei Quadratmetern rund um eine Leiche.
01:21:02
Und warum drei Quadratmetern?
01:21:04
Weil das ungefÀhr der Bereich ist, den die Leiche beeinflussen kann, also von der Erde her.
01:21:08
Denn ein erwachsener Mensch trÀgt circa 2,6 Kilogramm Stickstoff in sich.
01:21:13
Und wenn der durch die Zersetzung in den Boden gelangt, kann sich das Aussehen der Pflanzen drumherum verÀndern.
01:21:19
Und weil zu viel Stickstoff giftig sein kann, können abgestorbene Pflanzen halt theoretisch auf eine Leiche hinweisen.
01:21:26
Genauso wie zum Beispiel gelbe BlÀtter.
01:21:29
Forschende haben zum Beispiel auch herausgefunden, dass vor allem KettenraucherInnen, deren Leichen dann besonders viel von diesem giftigen Cadmium produzieren,
01:21:37
die BlÀtter von den umliegenden Pflanzen gelblich verfÀrben können.
01:21:41
Aber es ist jetzt halt eben nicht so, dass mit dieser Methode schon ganz viele tote KettenraucherInnen gefunden wurden.
01:21:46
Aber es ist generell so, das haben wir beim letzten Mal auch schon erzÀhlt, dass die Forschung in dem Bereich Pflanzen, Finden, Leichen eh noch relativ am Anfang ist.
01:21:55
Und es ist halt eben auch so, dass man hier auch noch nicht unterscheiden kann, liegt jetzt unter der Erde die Leiche eines Menschen oder beispielsweise die Leiche eines Hirsches oder eines Wildschweins.
01:22:06
Die setzen nÀmlich eine Àhnliche Menge Stickstoff frei, wenn sie verwesen.
01:22:09
Aber es ist natĂŒrlich das Ziel von Forschungsteams, spezifische Reaktionen von Pflanzen zu finden, die eben auf eine menschliche Verwesung hinweisen.
01:22:18
Und das erforschen die eben auch auf dieser Bodyfarm.
01:22:20
Weil dann könnten irgendwann zum Beispiel halt auch Drohnen ĂŒber WĂ€lder fliegen und dann GrĂ€ber aufspĂŒren und auch Suchgebiete eingrenzen.
01:22:28
Jetzt hat unsere Expertin aber gesagt, dass ihr zu diesem Forschungsfeld mit versteckten GrÀbern nicht so viel bekannt ist.
01:22:34
Und sie sich das bei unseren WĂ€ldern auch eher schwierig vorstellt, also gerade was so einzelne vergrabene Leichen angeht.
01:22:40
Aber am ehesten wĂŒrde sie sich das bei MassengrĂ€bern vorstellen können.
01:22:43
Aber sie sieht auf jeden Fall groĂes Potenzial, gerade im Bereich der Pflanzen-DNA-Analyse.
01:22:49
Obwohl man natĂŒrlich auch dazu sagen muss, dass es recht selten pflanzliche Spuren gibt, die Verbrechen aufklĂ€ren könnten.
01:22:56
Aber wer weiĂ, was es in Zukunft noch gibt.
01:23:00
Wir haben ja schon darĂŒber gesprochen, dass die Wissenschaft sich ja immer weiterentwickelt.
01:23:03
Und vielleicht machen wir irgendwann nochmal eine Folge zu dem Thema.
01:23:06
Vielleicht haben wir bis dahin rausgefunden, wie wir mit Pflanzen kommunizieren.
01:23:10
Und dass sie vielleicht doch, wie der Baxter sagt, eine Art menschliches GedÀchtnis haben.
01:23:15
Und dann haben wir einen Fall, bei dem ein Baum mit seinem Ast auf den Mörder zeigt.
01:23:21
Also was du dir immer vorstellst, was wir irgendwann mal fĂŒr Folgen machen.
01:23:25
Neulich, als es darum ging, dass ich dieses Ding im Kopf, was mein Verhalten beeintrÀchtigt.
01:23:36
Diesen Parasiten, wie heiĂt der?
01:23:37
Der Gondoplasmi, oder wie der heiĂt.
01:23:43
Nee, Toxoplasma-Gondi.
01:23:47
Was macht, dass ich mich komisch verhalte?
01:23:50
Deswegen sind meine Verhaltensfehltritte auch nie meine Schuld.
01:23:54
So wie bei, kennst du noch Boston Legal?
01:23:56
Nee, du weiĂt, dass ich das nicht kenne.
01:23:58
Nee, ich weiĂ das nicht.
01:23:59
Ich vergesse das ja offenbar mal wieder.
01:24:00
Das macht auch das Gondi.
01:24:01
Auf jeden Fall hat da, der eine Anwalt hat halt immer so Aussetzer und behauptet dann irgendwann, er hÀtte BSE.
01:24:08
Dabei hat er eigentlich Demenz.
01:24:10
Naja, und was hattest du dir da jetzt nochmal zurechtgesponnen mit?
01:24:14
Ja, ich habe gesagt, ja, dass jemand halt einen Mörder oder eine Mörderin am Ende fĂŒr schuldunfĂ€hig erklĂ€rt wurde, weil ein Parasit im Kopf diese Person zu dieser Tat eben gebracht hat, beziehungsweise gesteuert hat.
01:24:28
Aber weiĂt du was, mein Mann hat letztens gesagt, wir sollen uns jetzt nicht auf Mordlust ausruhen, weil das werden wir ja nicht, bis wir 60 sind, machen.
01:24:36
Dabei habe ich ja jetzt schon einige Themen vorgeschlagen, die wir erst in 50 Jahren oder so machen können.
01:24:42
Also sehe ich uns da schon noch.
01:24:44
Nach dieser Rechnung werden wir jetzt 10 Jahre alt.
01:24:49
Ansonsten werden wir dann 93 und da weiĂ ich wirklich nicht, ob wir da hinkommen.
01:24:53
Wenn wir dann immer noch auf Platz 4 der Podcast-Chart sind, dann schon, dann machen wir das weiter.
01:24:59
Also was sollten wir auch sonst machen?
01:25:01
Keine Panik, Leute, es wird weiterhin Mordlust geben und in zwei Wochen eine ganz besondere Folge.
01:25:07
Genau, weil eigentlich ist das ja die letzte Folge dieses Jahr, die letzte regulÀre Folge.
01:25:12
Aber höchstwahrscheinlich wird es noch eine Ăberraschungsfolge zu Weihnachten geben.
01:25:18
Eine ganz spezielle mit ganz speziellen GĂ€sten.
01:25:21
Eigentlich machen wir ja keine Crossover mit anderen Podcasts, aber vielleicht haben wir uns dieses Mal hinreiĂen lassen.
01:25:27
Ja, wir können gespannt sein.
01:25:29
Das war ein Podcast der Partner in Crime.
01:25:37
Hosts und Produktionen Paulina Kraser und Laura Wohlers.
01:25:41
Redaktion Vera GrĂŒn und wir.
01:25:43
Schnitt Pauline Korb.
01:25:45
Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.