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Willkommen bei Mordlust, einem Podcast der Partner in Crime.
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Wir reden hier ĂŒber wahre Verbrechen und ihre HintergrĂŒnde.
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Mein Name ist Paulina Kraser.
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Und ich bin die erkÀltete Laura Wohlers.
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In jeder Folge erzÀhlen wir einen bedeutsamen, wahren Kriminalfall nach,
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ordnen den fĂŒr euch ein, erörtern und diskutieren die juristischen,
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psychologischen oder gesellschaftlichen Aspekte
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und sprechen mit Menschen mit Expertise.
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Hier geht es um True Crime, also auch um die Schicksale von echten Menschen.
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Bitte behaltet das immer im Hinterkopf, das machen wir auch.
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Selbst dann, wenn wir zwischendurch mal etwas abschweifen,
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das ist fĂŒr uns so eine Art Comic Relief, aber natĂŒrlich nicht despektierlich gemeint.
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Bevor wir mit dem heutigen Fall starten, der uns und vermutlich auch euch so wĂŒtend macht,
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dass man stellenweise wirklich am liebsten einfach nur laut schreien wĂŒrde,
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wollte ich mit dir, Paulina, noch ĂŒber ein ganz anderes Thema sprechen.
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Und zwar hat sich der EDV-Gerichtstag, von dem ich nicht wusste, dass es ihn gibt,
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dieses Jahr, und das war letzten Donnerstag, mit dem Einsatz von KI in der Justiz beschÀftigt.
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Und zwar ging es jetzt nicht so um total konkrete Dinge,
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sondern auch viel darum, dass man das generell diskutiert, das Thema,
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inwieweit man sich das vorstellen kann, in der Justiz mit einer KI zu arbeiten.
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In der Justiz, soweit wir wissen, ist man noch nicht mal im digitalen Zeitalter angekommen.
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Das ist sowas von richtig.
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Nur ein kleines Beispiel fĂŒr euch.
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Wir arbeiten ja immer mit Urteilen und es ist ja wichtig, dass die geschwÀrzt werden,
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die Namen der Beteiligten, ne, aus persönlichkeitsrechtlichen GrĂŒnden.
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und manchmal dauert es aber sehr lange, weil manche Gerichte tatsĂ€chlich quasi sich gefĂŒhlt
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dieses Urteil nehmen, das Kopieren, dann jeden einzelnen Namen mit einem Edding durchstreichen,
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dann einscannen oder auch nicht einscannen und direkt per Post verschicken.
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Ja, wobei die das dann immerhin sauber machen.
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Es gibt nÀmlich auch einige Mitarbeitende bei Gerichten, die versuchen, das digital zu machen
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und dann irgendeine SchwÀrzungsfunktion benutzen, die nicht funktioniert,
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wenn wir dann die PDF davon bekommen.
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Denn wenn man dann den entsprechenden Text kopiert und irgendwo anders einsetzt,
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kann man dann trotzdem die Namen lesen.
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Ich meine, es ist ja egal, wir sind uns ja unserer Verantwortung bewusst.
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Egal, was möchte die Justiz jetzt mit KI machen?
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Ja, und zwar, dass man zum Beispiel Vergleichs- oder EntscheidungsvorschlÀge von der KI vorschlagen lÀsst.
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Also zum Beispiel, man speist die ganze Ermittlungsakte und alle Zeuginnenaussagen,
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alle Gutachten und so weiter in einen Computer oder in eine Datenbank ein
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und dann soll die KI anhand von alten Urteilen und alten Ermittlungsdaten sozusagen zu einer Konklusio kommen,
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was fĂŒr ein Urteil denn gefĂ€llt werden soll.
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Und da wurde natĂŒrlich auch heiĂ darĂŒber diskutiert, ob das theoretisch was Gutes wĂ€re oder was Schlechtes.
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Wie siehst du das, Paulina?
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Ich weiĂ nicht, also angesichts dessen, dass wir hier in Deutschland nicht wie im angloamerikanischen Common Law
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diese PrÀzedenzfÀlle haben und unsere Gerichte nicht an den Entscheidungen anderer gebunden sind,
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weiĂ ich nicht, ob das so sinnvoll ist.
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Genau, weil man ja viele FĂ€lle einfach auch gar nicht miteinander vergleichen kann.
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Die Frage ist natĂŒrlich, wenn man alle FĂ€lle, die es je gab oder so in der Datenbank hat,
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dann hat man wahrscheinlich schon viele Ăberschneidungen oder so.
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Was ich aber problematisch finde, ist die Idee, dass dann ja nicht mehr ein Mensch oder mehrere Menschen hat,
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die Kammer darĂŒber entscheidet, sondern eine KI, also weil es geht ja schon um Menschenleben
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oder langjÀhrige Haftstrafen, die dann am Ende von so einer Entscheidung stehen.
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Also was ich mir tatsĂ€chlich eher vorstellen könnte, ist, dass Entscheidungen, wenn sie auf Rechtsfehler geprĂŒft werden,
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also beispielsweise, wenn man eine Revision einlegt und der BGH dann entscheiden soll,
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dass da eine KI zur Hilfe gezogen wird, weil man da ja wirklich nur auf Rechtsfehler prĂŒft
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und nicht nochmal Beweismittel neu bewerten soll und so.
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Ansonsten weià ich nicht, ob das so zutrÀglich ist, wenn man beispielsweise bei entscheidenden Prozessen
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so eine groĂe Verantwortung in die KI legt.
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Ja, in diesem Szenario, ĂŒber das jetzt hier da explizit diskutiert wurde,
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war es dann so, dass die KI dann einen Entscheidungsentwurf prÀsentiert
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und wenn dann beide Parteien damit einverstanden sind,
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dann kommt eine Entscheidung mit diesem Inhalt zustande,
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ohne dass das Gericht auch nur in die Akte geschaut hat.
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Okay, aber das ist natĂŒrlich auch schwierig, wenn beide Parteien mit dem Inhalt einverstanden sind.
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Das klingt ja fast so ein bisschen wie TĂ€ter-Opfer-Ausgleich.
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Ja, genau. Wann ist das in zum Beispiel FĂ€llen, die wir hier besprechen, so?
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Aber Jutta Kemper vom Bundesjustizministerium sagt, das alles sei unzulÀssig,
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weil eben die letzte Entscheidung bei einem Richter oder einer Richterin liegen mĂŒsste.
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Das Szenario sei technologisch aber auch erst in 15 bis 30 Jahren umsetzbar.
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Wo ich mir auch denke, ja schön, dass man das jetzt schon mal bespricht.
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Ja, und bei unserer Justiz kannst du dann noch mal das Doppelte wahrscheinlich an Zeit draufpacken.
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Der Fall, von dem wir euch jetzt gleich erzÀhlen, handelt von einem kleinen MÀdchen,
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das einen schweren Kampf zu kĂ€mpfen hat und von Eltern, die zwar das Beste fĂŒr ihre Tochter wollen,
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aber all ihre Hoffnung nicht in echte Hilfe, sondern in einen Heiler aus der Hölle setzen.
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Einige Namen sind geÀndert und die Trigger-Warnung findet ihr in der Folgenbeschreibung.
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Mai 1995 in Ăsterreich.
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Mama, ich hab Bauchweh.
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Gerade hat Olivia noch im Garten gespielt, nun wird die SechsjÀhrige schon wieder von KrÀmpfen geplagt.
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Das zarte MĂ€dchen mit den langen braunen Haaren hat momentan oft Bauchschmerzen.
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Mutter Erika und Vater Helmut ist schon aufgefallen, dass sie vor allem dann kommen,
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wenn Erika am nĂ€chsten Morgen frĂŒh zur Arbeit muss und Olivia nicht selbst in den Kindergarten bringen kann.
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Seit die 27-JÀhrige nach der Elternzeit wieder als Handarbeitslehrerin tÀtig ist
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und die Familie zu Erikas Eltern gezogen ist, auf deren groĂem GrundstĂŒck Erika und Helmut bald selbst ein Haus bauen möchten,
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klagt das MĂ€dchen regelmĂ€Ăig ĂŒber Bauchweh.
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Ihrem groĂen Bruder Alexander und ihrer jĂŒngeren Schwester Elisabeth machen die VerĂ€nderungen in ihrem Leben wenig aus,
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aber der sensiblen Olivia, die gern mit ihren Barbies spielt und bunte Bilder malt, gefÀllt das gar nicht.
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Dabei haben Erika und Helmut Pehlhaar schon öfter festgestellt, dass Schmerzen bei ihrer Mittlerin oft nur ein Zeichen dafĂŒr sind,
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dass sie mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung braucht.
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Doch an diesem Mittwoch, den 17. Mai 1995, ist es anders.
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So lange und so intensiv klagte Olivia noch nie.
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Diesmal zweifeln sie nicht daran, dass es tatsÀchlich der Bauch und nicht vielleicht doch der Kopf ist, der Olivia zu schaffen macht.
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Hat sie vielleicht eine BlinddarmentzĂŒndung?
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Um das abzuklÀren, fahren sie in die Kinderklinik in der Wiener Neustadt.
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Mit der Diagnose, die Olivia dort nach einigen Untersuchungen bekommt, hÀtten Erika und Helmut nie gerechnet.
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Olivia hat Krebs.
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Genauer gesagt einen sogenannten Wilmstumor.
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Eine bestimmte Art von Nierenkrebs, der vor allem bei kleinen Kindern auftritt und sehr schnell wÀchst.
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Der Kinderarzt hat aber auch gute Nachrichten fĂŒr Erika und Helmut.
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Wilmstumore sind gut behandelbar.
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Die Heilungschance liegt bei 95 Prozent, wenn der Krebs wie bei Olivia im FrĂŒhstadium entdeckt wird und so schnell wie möglich mit Operation und Chemotherapie behandelt wird.
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DafĂŒr ĂŒberweist der Kinderarzt Olivia in das St. Anna Kinderspital.
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Obwohl der Mediziner Optimismus vermitteln möchte, sorgen seine Worte dafĂŒr, dass Helmut in TrĂ€nen ausbricht.
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Er hört nur eins.
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Olivia hat Krebs.
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Und an Krebs sterben doch so viele Menschen.
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Was, wenn es auch seine kleine Tochter trifft, die noch ihr ganzes Leben vor sich hat.
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Das darf nicht sein.
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Also machen sich die Eltern mit Olivia auf den Weg ins Kinderspital.
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Die Flure dort sind mit Tierbildern dekoriert, damit sich die kleinen PatientInnen wohlfĂŒhlen.
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Als sie einige von den krebskranken Kindern, die hier behandelt werden, in ihren Betten liegen oder mit dem Dreirad ĂŒber den Gang flitzen sehen,
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macht sich in Erika und Helmut ein beklemmendes GefĂŒhl breit.
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Viele von den Kindern hier sind ganz schmal.
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Weil sie durch die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie ihre Haare verloren haben, wirken ihre kahlen Köpfe seltsam ĂŒberdimensioniert.
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Es reicht ein Blick, um zu wissen, diese Kinder sind schwer krank.
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Und sicherlich werden nicht alle von ihnen wieder gesund.
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Jetzt muss man dazu sagen, natĂŒrlich, wer schon mal auf einer Kinderkrebsstation war, das ist natĂŒrlich saubedrĂŒckend.
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Also das sind ja jetzt auch nicht nur kahle Köpfe, die man sieht.
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Also bei einigen Krebsarten, wie zum Beispiel bei Knochenkrebs, da muss man ja auch manchmal amputieren oder so.
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Ja, oder manche sind auch so schwach, dass die gar nicht nach drauĂen gehen können an die frische Luft,
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sodass, ja, das ist die einzige Möglichkeit ist, dass man sozusagen sie in ihrem ganzen Bett nach drauĂen fĂ€hrt,
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dass die dann einmal ein bisschen frische Luft schnappen können und mal was anderes sehen als ihre eigenen vier WÀnde des Krankenhauszimmers.
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Ja, aber so bedrĂŒckend das aussehen mag, mir wurde mal gesagt, dass solange man immer noch auf diese Kinderstationen kann,
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vom Alter her sollte man das machen, weil die halt da eben mehr betreut werden
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und weil es denen da auch besser gehen soll, als jetzt mit Erwachsenen zusammen auf einer Station.
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Das glaube ich zu 100 Prozent.
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Auch schon alleine, weil Kinder einfach so das in sich haben, dass sie auch spielen wollen und irgendwie, ja, ihre Zeit so nutzen wollen.
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Das ist dann irgendwie anders als bei Erwachsenen, die sich dann vielleicht schon selber abgeschrieben haben
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oder dann nur wirklich total deprimiert sind, dass sie ihr Leben nicht so leben können.
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Und bei Kindern, wenn da ein bisschen Energie dann da ist, dann wollen die das auch ausleben.
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Und auf der Kinderstation kommen auch mal FuĂballer vorbei oder so.
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Oder Mickey Maus und Minnie Maus.
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Ja, das finde ich cool. Das finde ich auch cool, wenn Leute in der Ăffentlichkeit sowas machen.
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Weil das gibt denen ja so viel in dieser Zeit da.
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Also Olivia bleibt jetzt eben auf dieser Kinderstation und Erika bleibt mit ihr da.
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Helmut aber kehrt nach Hause zu Olivias Geschwistern zurĂŒck, die von Erikas Eltern betreut werden.
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Dort weint er heimlich in der KĂŒche.
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Er kann nicht begreifen, warum ausgerechnet sein kleines MĂ€dchen so ein Schicksal erleiden muss.
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Als der 29-jÀhrige Elektrotechniker am nÀchsten Tag wieder ins Krankenhaus fÀhrt, gibt er sich kÀmpferisch.
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Er wird stark sein fĂŒr Olivia.
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Die 6-JĂ€hrige wird mehrfach untersucht, muss Blut- und Stuhlproben abgeben.
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Als alle Testergebnisse da sind, erlĂ€utern die Ărztinnen das Vorgehen.
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Die Behandlung beginnt mit 6 Wochen Chemotherapie.
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Dann wird der Tumor operativ entfernt und die Chemo zu Ende gefĂŒhrt.
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Helmut hat groĂe Angst vor den möglichen schweren Nebenwirkungen der Chemo in Olivias kleinem Körper.
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Aber er lĂ€sst sich von den Ărztinnen ĂŒberzeugen.
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Noch viel mehr Angst hat er nÀmlich vor dem, was passiert, wenn sie die Behandlung nicht bekommt.
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Denn eine Alternative dazu gÀbe es nicht, machen die MedizinerInnen deutlich.
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Klar ist, bleibt der Tumor unbehandelt, wird Olivia sterben.
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An dem geplanten Behandlungsplan fĂŒhre also kein Weg dran vorbei.
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Erika sieht das jedoch anders als die MedizinerInnen im Krankenhaus.
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Die 27-JÀhrige beschÀftigt sich schon lÀnger mit alternativen Heilmethoden.
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Denn sie selbst hat eine Schuppenflechte, die sie medizinisch nicht in den Griff bekommt.
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Als Erika vorschlĂ€gt, Olivia nicht im Krankenhaus behandeln zu lassen, ist Helmut entsetzt ĂŒber den Vorschlag seiner Frau.
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Das erscheint ihm sehr gefÀhrlich.
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Drei Tage nach Olivias Krebsdiagnose bekommt sie im Krankenhaus eine neue Bettnachbarin aufs Zimmer.
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Anna ist zwei Jahre Àlter als Olivia und wird seit einem Jahr wegen Knochenkrebs behandelt.
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Helmut erschrickt erneut, als er sieht, wie mager das MĂ€dchen ist.
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Als er mitbekommt, dass Anna schon mehrfach operiert wurde, Knochen zum Teil durch Implantate ersetzt wurden und die aggressive Chemo die SchleimhÀute in ihrem Mund und Darm schwer beschÀdigt hat, wird ihm Himmel Angst.
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Anna sieht nicht aus, als sei sie auf dem Weg der Heilung, sondern als sei es bald mit ihr vorbei.
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Nachdem ihr Vater Helmut dann auch noch sagt, dass die Chemo viel lÀnger gedauert hat, als eigentlich vorgesehen, knickt Helmut ein.
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Das will er seiner Tochter nicht antun.
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So ein Martyrium hÀlt doch kein Kind aus.
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Nein, vielleicht hat seine Frau doch recht.
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Und so gibt Helmut Erika das Go, doch nach alternativen Behandlungsmethoden zu suchen.
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Erika hat von ihrer Cousine die Adresse einer Wiener KinderÀrztin bekommen.
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Die alternativen Heilmethoden ebenfalls zugeneigt ist.
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Die nennt den PLHs bei einem Termin dann einen Namen, den auch Erikas Cousine schon einmal erwÀhnt hat.
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In Deutschland gĂ€be es einen auĂergewöhnlichen Arzt, der Olivia bestimmt helfen könne.
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Und zwar ganz ohne Chemotherapie.
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Rieke Gerd Hamer
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Eine Woche nach Olivias Krebsdiagnose steigen Erika und Helmut mit ihr am Wiener Hauptbahnhof in einen Zug nach Köln.
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Dort angekommen, stehen die drei wenig spÀter vor der angegebenen Adresse.
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Hinter der Hausfassade verbirgt sich im ersten Stock allerdings keine gewöhnliche Arztpraxis,
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in der die Farbe weiĂ dominiert, sondern die etwas chaotischen RĂ€ume des Verlags, den der Arzt betreibt.
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In den Ecken stehen Kartons herum, BĂŒcher stapeln sich.
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Dr. Hamer fordert die PLHs auf, sich zu setzen.
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In ihrem pastellgelben Kleid nimmt Olivia auf einem dunklen Ledersessel vor dem groĂgewachsenen Mann mit den stechend blauen Augen und der markanten Nase Platz.
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Der 60-JĂ€hrige strahlt eine natĂŒrliche AutoritĂ€t, eine gewisse Strenge, aber vor allem auch groĂe Kompetenz aus.
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QualitÀten, die einem Arzt SeriositÀt verleihen.
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Der ruhige, freundliche Klang in seiner Stimme gibt ihm wiederum aber etwas EinfĂŒhlsames.
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Hamer begutachtet die CT-Bilder von Olivias Kopf, Bauchraum und Unterleib, die Erika und Helmut aus Wien mitgebracht haben mit einer Lupe.
00:13:33
Nach einiger Zeit ist er sich sicher.
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Das GeschwĂŒr, das die Wiener Ărztinnen als Tumor identifiziert haben, ist eigentlich eine Zyste.
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Diese sei aufgrund eines sogenannten Wasserkonflikts gewachsen.
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Davon haben die PLHs noch nie gehört.
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Hamer erklÀrt es.
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Ein Wasserkonflikt entstehe, wenn eine Person ein Schockerlebnis in Verbindung mit einer FlĂŒssigkeit erlebe.
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Ob Olivia so etwas widerfahren sei, will Hamer wissen.
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Erika und Helmut fÀllt spontan nichts ein.
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Sie mĂŒssen eine Weile ĂŒberlegen, bis ihnen ein Vorfall, der vor langer Zeit passiert ist, in den Sinn kommt.
00:14:05
Als Olivia eineinhalb Jahre alt war, saĂ sie einmal mit ihrer Tante in einem Schlauchboot auf einem Schwimmteich.
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Plötzlich bemerkte die Tante, dass das Boot wegen eines offenen Ventils Luft verlor.
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Es bestand keine Gefahr, aber die Tante erschrak sich und schrie.
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Weswegen sich die eineinhalbjÀhrige Olivia möglicherweise ebenfalls erschrocken hat.
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An diese Szene erinnern sich Olivias Eltern.
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Könnte das etwa das Erlebnis sein, dass Olivias Wasserkonflikt ausgelöst hat?
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Ja, das ist durchaus möglich, zeigt sich Hamer ĂŒberzeugt.
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Er erklÀrt aber auch, dass es unsinnig sei, die Zyste sofort zu entfernen.
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Seiner Ansicht nach könne man sie frĂŒhestens in neun Monaten operieren, wenn sie sich verfestigt habe.
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Doch selbst das sei nicht zwingend nötig.
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Wenn die Zyste nicht gröĂer werde als eine Apfelsine, mĂŒsse man gar nichts unternehmen.
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Denn Olivia befinde sich ja noch im Wachstum.
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Daher wĂŒrde die Zyste an der Niere im VerhĂ€ltnis zu ihrer KörpergröĂe immer kleiner und unbedeutender werden.
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AuĂerdem stellt Hamer an Olivias Leber eine Zyste fest.
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Diese sei ausgelöst durch einen Verhungerungskonflikt.
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Ob Olivia etwa Probleme mit dem Essen habe, fragt er die beiden.
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Die Pilhas berichten, dass Erika seit ein paar Monaten wieder arbeitet und die Familie daher zu den GroĂeltern gezogen sei, um mehr UnterstĂŒtzung zu haben.
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Statt Olivias Mama Erika kocht nun die Oma und oft gibt es das Gericht, das als Lieblingsspeise der ĂsterreicherInnen gilt.
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Olivia mag das allerdings gar nicht.
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FĂŒr Hamer liegt der Grund fĂŒr die Leberzyste auf der Hand.
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Der Verhungerungskonflikt und die Zyste an ihrer Leber hÀtten sich entwickelt, weil Olivia das Essen der Oma ablehnt.
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Aber auch dafĂŒr hat Hamer eine Lösung.
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Erika soll ihren Job an den Nagel hĂ€ngen und sich wieder ganz um ihre Kinder kĂŒmmern.
00:15:44
Wenn Olivia nur mehr Zeit und Liebe von ihrer Mama bekomme, dann werde sie auch wieder gesund.
00:15:49
Ja, also wir sehen hier ganz deutlich, die Schuld fĂŒr die Zyste liegt natĂŒrlich in der Frau, die statt zu Hause zu kochen arbeiten geht.
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Was fĂŒr Leid arbeitswillige Frauen ĂŒber die Menschheit bringen, das ist schon groĂartig.
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Ja, aber ich finde es auch gut, wie er das sozusagen einfach anhand dieser CT-Bilder alles erkennen kann, ohne sich das vielleicht mal das Material anzugucken.
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Einfach sehen, ja, das ist eine Zyste, das ist kein Tumor, obwohl die anderen ĂrztInnen alle sagen, das ist ein Tumor.
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Kann er sehen, nee, das ist eine Zyste, nur mit seiner Lupe.
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Er kann das auch alles alleine machen.
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Normalerweise hat man ja mehrere ĂrztInnen, die an so einer Diagnose beteiligt sind.
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Er kann das alleine mit einer Lupe.
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FĂŒr Erika steht es sofort auĂer Frage, dass sie ihren Job aufgibt.
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Hamas Worte beflĂŒgeln die Eltern richtiggehend.
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Kein Nierentumor, dafĂŒr eine Zyste, die vielleicht nicht mal operiert werden muss.
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Das sind so viel bessere Nachrichten und eine ganz andere Diagnose, als sie im Krankenhaus bekommen haben.
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Wie auf Wolke 7 schweben Erika und Helmut mit Olivia aus Hamas BĂŒro.
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Anders als das Krankenhaus verlassen sie den Doktor mit einem guten GefĂŒhl.
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Und er verlangt noch nicht einmal ein Honorar fĂŒr Olivias Begutachtung.
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Die PLHs geben ihm trotzdem 300 Mark, immerhin hat er sich Zeit fĂŒr sie genommen.
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Hamas nimmt das Geld aber nur unter der Bedingung an, dass sich Erika und Helmut vor der Heimreise mit BĂŒchern und Kassetten ĂŒber seine Heilmethode eindecken.
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Im Zug zurĂŒck nach Ăsterreich beginnt Helmut, Hamas Veröffentlichung zu studieren.
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Und je mehr er liest, desto mehr faszinieren ihn dieser Mann und seine Lehren.
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Rieke Gerd Hamer kommt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Nordrhein-Westfalen zur Welt.
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Er studiert Humanmedizin und evangelische Theologie, macht seinen Doktor und legt mit 37 Jahren die FacharztprĂŒfung zum Internisten ab.
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Doch die Arbeit als Arzt reicht dem ambitionierten Mann nicht.
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Er macht sich auch daran, medizinische GerÀte wie ein eigenes Skalpell, das laut seiner Aussage 20 Mal schÀrfer als eine Rasierklinge schneiden soll, oder eine elektrische KnochensÀge auf den Markt zu bringen.
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Das gelingt mit der finanziellen UnterstĂŒtzung von GlĂ€ubigerInnen.
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Allerdings stellt sich bald heraus, dass Hamas Werkzeuge nicht besser, sondern schlechter sind als die, die bereits auf dem Markt sind.
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Weil immer mehr GlĂ€ubigerInnen ihr Geld zurĂŒckfordern, setzt er sich 1978 mit seiner Frau Sigrid, die ebenfalls Ărztin ist, und den vier Kindern nach Italien ab.
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Dort ereignet sich wenig spÀter eine Tragödie.
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Und was diese schreckliche Wendung des Schicksals nach sich zieht, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen.
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In einer Augustnacht 1978 im Hafen von Cavallo, einer Insel im Mittelmeer zwischen Sardinien und Korsika, kommt es im Jachthafen nÀmlich zu einem schrecklichen Unfall.
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Auf einem der Boote befindet sich Hamas Sohn Dirk.
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Der 19-jÀhrige Student hat Semesterferien und die verbringt er auf dem Wasser.
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Zur gleichen Zeit genieĂt Victor Emmanuel von Savoyen, der letzte italienische Kronprinz, den Sommer auf der Insel.
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Prinz Victor ist sauer, weil er allem Anschein nach eine Gruppe junger Leute sein Schlauchboot geklaut hat.
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Er schieĂt in die Nacht.
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Eine Kugel zertrĂŒmmert das Fenster von Dirks KajĂŒte und bohrt sich in den Unterbauch des schlafenden 19-JĂ€hrigen.
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Das Geschoss verletzt die Hauptschlagader.
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Dirk verliert schnell viel Blut und es dauert lange, bis er von der Insel aufs französische Fest dann in eine Klinik kommt.
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Weil sich die Schusswunde derart infiziert hat, muss sein rechtes Bein amputiert werden.
00:19:13
Zwei Wochen lang kÀmpft man im Marseilla Krankenhaus um Dirks Leben.
00:19:17
Doch sein Vater Rieke Gerd Hamer, selbst Mediziner, findet Dirk in dem Krankenhaus nicht gut aufgehoben.
00:19:23
Deshalb lĂ€sst Hamer seinen schwer verletzten Sohn nach Deutschland fliegen, obwohl ihm die Ărztinnen eindringlich davon abraten.
00:19:30
Dirk sei zu schwach.
00:19:31
Ein Transport in diesem Zustand könne schwerwiegende Folgen haben.
00:19:35
Doch Hamer ist davon ĂŒberzeugt, dass Dirk nur in Deutschland wieder gesund werden kann.
00:19:39
Aber der 43-JÀhrige tÀuscht sich.
00:19:41
Nach der Verlegung geht es seinem Sohn immer schlechter.
00:19:44
Anfang Dezember, knapp vier Monate nachdem er angeschossen wurde, stirbt er in den Armen seines Vaters.
00:19:51
Und sein Tod löst einen Dominoeffekt aus, der in den nÀchsten Jahrzehnten noch etlichen weiteren Menschen das Leben kosten wird.
00:20:00
FĂŒr Rieke Gerd Hamer ist Dirks Tod die schwĂ€rzeste Stunde seines Lebens.
00:20:04
Schlimmer, als wenn er selbst gestorben wÀre, sagt er.
00:20:07
Und als wÀre dieser Schicksalsschlag nicht schlimm genug, folgt kurze Zeit spÀter ein zweiter.
00:20:13
Bei Hamer wird Hodenkrebs diagnostiziert.
00:20:15
Aber die Prognose ist gut.
00:20:17
Der Tumor kann operativ entfernt werden und Hamer wird wieder gesund.
00:20:20
FĂŒr ihn ist jedoch klar, dass er so kurz nach dem tragischen Tod seines Sohnes an Krebs erkrankt, kann kein Zufall sein.
00:20:27
Im Kopf des Mediziners keimt ein Gedanke auf.
00:20:30
Was, wenn Krebs infolge einer psychischen Belastung entsteht?
00:20:33
Das könnte durchaus naheliegend sein, meint er und will es in seinem Arbeitsalltag ĂŒberprĂŒfen.
00:20:39
ZufÀlligerweise arbeitet er gerade auf einer Krebsstation.
00:20:42
So beginnt Hamer, die PatientInnen bei der Visite nach potenziellen psychischen Belastungen zu befragen.
00:20:48
In seinen Aufzeichnungen hÀlt er fest, dass so gut wie jede Person von irgendeinem Problem berichten kann.
00:20:53
In der Beziehung, wegen einer Trennung, Differenzen mit der Mutter oder Schwiegermutter, Sexualkonflikte.
00:20:58
Weil ich auch nicht sicher weiĂ, ob man da den Filter setzen muss, die die Krebs haben.
00:21:03
Ja, also alle Personen, die ich kenne, haben irgendwelche psychischen Belastungen oder Probleme.
00:21:09
Ja, genau. Sie sprechen vielleicht nicht immer drĂŒber, aber wenn man sie explizit danach fragt, wie der Hamer das da macht,
00:21:17
dann, denke ich, fÀllt jedem schon irgendwas ein auch.
00:21:20
Ja, und alles, was die PatientInnen Hamer berichten, protokolliert er.
00:21:24
Und irgendwann ist er ĂŒberzeugt.
00:21:26
Die rund 300 Krankengeschichten, die er zusammengetragen hat und die alle zeigen,
00:21:30
dass sie KrebspatientInnen mit einer psychischen Belastung zu kĂ€mpfen haben, können nicht lĂŒgen.
00:21:34
Seiner Forschung zufolge gibt es einen ursÀchlichen Zusammenhang zwischen einer seelischen Belastung und einer Krebserkrankung.
00:21:41
In Erinnerung an seinen Sohn bezeichnet Hamer das als Dirk-Hamer-Syndrom.
00:21:46
Nach einigen Jahren seiner Forschung zieht er sein Fazit.
00:21:49
Das besagt, dass Krebs seinen Ursprung immer im Gehirn hat.
00:21:53
Laut ihm ist das mittels Computertomographie ĂŒberprĂŒfbar.
00:21:56
Hamer will auf den CT-Bildern vom Gehirn Stellen erkennen, die er als Auslöser fĂŒr die Konflikte sieht und die er als Hamersche Herde bezeichnet.
00:22:04
Im jeweiligen Organ wĂŒrde sich dann der Konflikt als KrebsgeschwĂŒrt zeigen.
00:22:08
Das vom Krebs betroffene Organ hat laut Hamer einen direkten Bezug zum persönlichen Konflikt.
00:22:13
So ist es fĂŒr ihn logisch, dass er als Vater nach dem Verlust seines Kindes an Hodenkrebs erkrankt ist.
00:22:18
Ein Streit zwischen Mutter und Kind könne bei der Frau Brustkrebs hervorrufen.
00:22:23
Komplexer wird es, wenn eine Frau ihren Mann in Flagranti erwischt.
00:22:26
Je nachdem, was der Betrug in ihr auslöst, entwickelt sich laut Hamer eine andere Krebsart.
00:22:32
Wenn die Frau schockiert ist, dass ihr Mann mit einer anderen Frau Sex hat, könne das zu GebĂ€rmutterhalskrebs fĂŒhren.
00:22:37
Wenn es ihr weniger um die andere Frau als um ihren beeintrĂ€chtigten Selbstwert geht, könne sich das in Form von Knochenkrebs Ă€uĂern.
00:22:44
Das muss man sich ein bisschen so bildlich vorstellen.
00:22:46
Gebrochener Selbstwert, man sackt in sich zusammen und Hamer ĂŒbertrĂ€gt das dann auf die Knochen, die brĂŒchig werden.
00:22:52
Die Behandlung liegt fĂŒr Hamer auf der Hand.
00:22:55
Sie ist immer gleich und bedarf keiner Operation oder Chemotherapie, sondern psychischer Arbeit.
00:23:01
Hamer sagt, Erkrankte könnten den Krebs nur besiegen, indem sie ihren Konflikt lösen.
00:23:05
Dass er mit seiner Theorie recht habe, erklÀrt er seinem Umfeld mit salbungsvollen Worten.
00:23:10
Im Traum sei ihm sein toter Sohn erschienen und habe ihn an seiner Denkweise bestÀtigt.
00:23:15
Diese postuliert Hamer nun als eiserne Regel des Krebses.
00:23:20
Auf dieser Basis forscht er weiter und entwickelt daraus die fĂŒnf biologischen Naturgesetze der germanischen neuen Medizin.
00:23:27
Und ĂŒber die mĂŒssen wir jetzt mal ein bisschen ausfĂŒhrlicher sprechen.
00:23:31
Und man hat es ja gerade schon gemerkt bei den Beispielen, von denen du erzÀhlt hast, das ist wirklich wild.
00:23:38
In dieser germanischen neuen Medizin, die Hamer entwickelt hat, gibt es fĂŒnf biologische Naturgesetze.
00:23:44
Die gelten laut Hamer nicht nur fĂŒr Erkrankungen bei Menschen, sondern auch fĂŒr Tiere und Pflanzen.
00:23:50
Und diese Gesetze besagen unter anderem, die Ursache nicht nur von Krebs, sondern von allen Krankheiten sind psychische Schockerlebnisse,
00:23:58
sobald ein Ereignis den Werten, Erfahrung oder Konditionierung eines Menschen widerspricht.
00:24:04
Und alle Infektionen sind psychosomatisch.
00:24:08
Bakterien und Viren sind laut Hamer nicht der Auslöser von Krankheiten,
00:24:12
sondern Heilungshelfer, die in der Regenerationsphase auftreten.
00:24:18
AuĂerdem sieht er Krankheiten als sinnvolle biologische Sonderprogramme,
00:24:22
als Zeichen einer positiven Reaktion des Körpers auf ein Schockerlebnis.
00:24:27
Also so eine Art Test fĂŒr Menschen, wie gut sie mit Konflikten zurechtkommen.
00:24:32
Manche halt besser und andere schlechter.
00:24:34
Und die, die schlechter damit umgehen können, sterben halt dann eher.
00:24:37
Wörtlich sagt Hamer, Zitat,
00:24:40
Im Grunde können wir einen Konflikt auch als Test der Natur auffassen,
00:24:44
ob unser Organismus noch in der Lage ist, mit einem solchen Sonderprogramm fertig zu werden.
00:24:49
Bestehen wir den Test nicht, mĂŒssen wir unseren Platz freimachen
00:24:52
fĂŒr einen anderen Artgenossen, der diesen Test bestehen kann.
00:24:57
Und ganz kurz, das klingt ja schon sehr nach einer Art Ausleseprogramm wie bei den Nazis.
00:25:01
Also bei denen hatte ja auch Gesundheit körperlich wie geistig einen hohen Stellenwert.
00:25:06
Da wurde der Wert eines Menschen daran gemessen, wie krÀftig und gesund man ist.
00:25:10
Und deswegen waren ja auch Kranke oder Menschen mit Behinderung das sozusagen nicht wert,
00:25:15
in deren Augen zu ĂŒberleben.
00:25:18
Und so haben die NationalsozialistInnen dann ja auch halt die Tötung von Menschen mit Behinderung gerechtfertigt.
00:25:25
Und Goebbels hat das damals ja auch so gesagt.
00:25:27
Wir mĂŒssen ein gesundes Volk besitzen, um uns in der Welt durchsetzen zu können.
00:25:32
Ja, und Hamer schwimmt nicht nur, was die Gesundheit angeht, mit den Nazis auf einer WellenlÀnge.
00:25:37
Also er vertritt auch rassistische Theorien.
00:25:39
Karies zum Beispiel ist in seinen Augen ein Konflikt des Nicht-ZubeiĂen-Könnens,
00:25:44
der bei Kindern auftritt, wenn diese von Ă€lteren auslĂ€ndischen MitschĂŒlerInnen eingeschĂŒchtert werden.
00:25:51
Ja, okay, alles klar.
00:25:52
Hamer meint, Zitat,
00:25:54
in einer Heilungsphase regenerieren sich die Organe von selbst,
00:25:57
insofern der ursÀchliche psychische Konflikt verstanden und gelöst wurde.
00:26:01
Hamer hat fĂŒr alle diese Konflikte, egal ob jetzt Karies oder Krebs,
00:26:07
Er nennt sie Konfliktolyse und sie funktioniert immer gleich.
00:26:10
Es geht immer darum, den Konflikt zu finden und aufzulösen.
00:26:14
Egal, wie schwer die Krankheit ist.
00:26:16
Es braucht keine Medikamente, keine Operationen, gar keinen Eingriff.
00:26:19
Das ist alles unnötig.
00:26:21
Nur die Psyche kann die körperliche Krankheit heilen.
00:26:24
So, und diese Theorie, die tut der auch 82 in der NDR Talkshow 3 nach 9 Kund.
00:26:30
Und mit dabei mit ihm ist ein Patient, und zwar aus Weizemelka, der an Lungenkrebs erkrankt war.
00:26:37
Und an einem Board hĂ€ngen Röntgenaufnahmen, auf denen man den Humor deutlich am rechten LungenflĂŒgel erkennen kann.
00:26:43
Und wir hören da jetzt einmal kurz rein, wie Hammer und sein Patient da von der angeblichen Heilung durch die germanische neue Medizin berichten.
00:26:52
Sie haben einen Konflikt gehabt, den Herr Dr. Hamer hier geschildert hat, mit einem Arbeitskollegen, mit einem Meister in Ihrem Unternehmen, der Sie sehr belastet hat.
00:27:04
Und dann ist der Meister ins Krankenhaus gekommen und Sie haben sich versöhnt.
00:27:08
Das war sicherlich dann aus der Sicht von Dr. Hamer die Lösung des Konfliktes.
00:27:12
Ja, das war der erste Schritt zu bessern.
00:27:14
Und das war direkt ein Wunder.
00:27:16
Ich muss sagen, es war direkt ein Wunder, dass er zufÀllig gerade mich rausgesucht hat.
00:27:21
Und ich muss sagen, ab der Zeit ging es mir doch besser.
00:27:24
Herr Dr. Hamer, Sie haben vielleicht noch kurz Gelegenheit, jetzt das letzte Röntgenbild zu zeigen.
00:27:30
Ăber den Zustand, Sie können ruhig dabei sitzen bleiben, ĂŒber den Zustand.
00:27:33
Der Zustand hat sich also nun innerhalb von gut vier Wochen, also dramatisch gebessert.
00:27:40
Sie sehen hier, dass sich die Lunge wieder aufhÀlt, ganz dramatisch.
00:27:44
Und hier ist sehr wenig noch zu sehen.
00:27:47
Die Lunge ist also so weit aufgehÀlt, dass der Röntgenologe heute gesagt hat,
00:27:51
das habe ich in 20 Jahren Röntgen praktisch noch nicht ein einziges Mal erlebt.
00:27:55
Das gibt es doch gar nicht.
00:27:56
Hamer, Sie schwindeln mich ja an.
00:27:58
Ich habe gesagt, ich schwindel Sie nicht an.
00:27:59
Sie haben da den Befund des Stuttgarter Kollegen und des Dekants.
00:28:04
Also hier, das ist kein Schwindel, das ist Wahrheit.
00:28:06
Also ich bin keine Spezialistin fĂŒr Röntgenbilder, aber diese Röntgenbilder, die die da zeigen,
00:28:13
die sehen jetzt nicht so aus, als könnte man die miteinander vergleichen.
00:28:16
Ja, also es sieht auf jeden Fall anders aus.
00:28:19
Und darĂŒber hat dann die Sendung Panorama auch ein paar Monate spĂ€ter einen Beitrag gemacht.
00:28:24
Da sieht man auch Hamers Werbevideos und Patienten, die er behandelt hat.
00:28:27
Und da zeigen die eben auch diesen Ausschnitt.
00:28:29
Und der entsprechende Röntgenologe, der da eben zitiert wurde von Hamer, der sagt in dem Panorama-Beitrag,
00:28:36
also der Befund ist immer noch vorhanden und es gab drei Bilder und er war nur auf den beiden korrekt belichteten Aufnahmen zu sehen
00:28:44
und nicht auf der ĂŒberbelichteten Aufnahme.
00:28:47
Also das Bild, was er zeigt, ist die ĂŒberbelichtete Aufnahme.
00:28:50
Und er wĂŒrde ihn bitten, nur die ersten beiden in der Talkshow zu zeigen.
00:28:55
Das hat er gesagt.
00:28:56
Von solchen Falschzitierungen gibt es noch ein paar.
00:29:00
Also es gab danach ein paar Ărztinnen, die sich dann an Magazine und an Stern und SchieĂmichtod gewendet haben und gesagt haben,
00:29:07
also das habe ich garantiert so nicht gesagt.
00:29:10
Eine Ărztin hat dann auch gesagt, das ist ein Spinner.
00:29:13
Also was der mir da unterstellt, was er gesagt haben soll.
00:29:15
Am Ende stirbt Oswald Zemelka trotz der germanischen neuen Medizin an dem Lungenkrebs.
00:29:22
Neben diesem Lösen des Konflikts, wie das jetzt auch der Oswald ja gemacht hatte mit seinem Arbeitskollegen,
00:29:29
gibt es aber noch andere Sachen, die man unterstĂŒtzend machen kann laut Hamer, damit man geheilt wird.
00:29:36
Er hat nÀmlich zum Beispiel selbst ein Lied komponiert und eingesungen und in diesem Lied geht es um seine Frau
00:29:42
und das heiĂt Mein StudentenmĂ€dchen.
00:29:45
Und die Melodie dieses Liedes, die ist angelehnt an die urachalische Zaubermelodie des germanischen Gottes Wodan
00:29:52
und kann laut Hamer wegen seiner Frequenz wunderheilend wirken, wenn man sich das nur anhört.
00:29:58
Wunderheilend, ja.
00:30:00
Deswegen hören wir uns das jetzt auch mal an.
00:30:01
WeiĂ nicht, wie es dir geht, aber ich fĂŒhle mich jetzt krank.
00:30:25
Schön und heilend wirkte das jetzt nicht auf mich.
00:30:28
Es wirkte eher irritierend auf mich.
00:30:30
Aber nach Hamers Lehre hat er ja immer recht.
00:30:33
Wenn jemand wieder gesund wird, sagt er, ja klar, habe ich ja behandelt.
00:30:37
Und wenn die Person aber stirbt, sagt er, ja, dann hat sie halt ihren Konflikt nicht gelöst und den Test dann eben nicht bestanden.
00:30:45
Allerdings, und das ist jetzt ganz wichtig, gibt es fĂŒr diese ganzen Behauptungen ĂŒberhaupt gar keine Belege.
00:30:50
Die Deutsche Krebsgesellschaft wertet die germanische neue Medizin in einer öffentlichen Stellungnahme als eine Zitat
00:30:57
Denn es gibt mehrere Studien, die den kausalen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Krebs untersucht haben und die alle zu dem Schluss gekommen sind,
00:31:25
Und dass einschneidende Lebensereignisse wie jetzt der Verlust von nahestehenden Personen oder des Jobs, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen.
00:31:37
Hamer ist davon jedoch ĂŒberzeugt.
00:31:40
Und mit dieser Logik erklÀrt er auch einen weiteren Todesfall in seiner Familie.
00:31:43
Sieben Jahre nach seinem Sohn Dirk stirbt Hamers krebskranke Ehefrau Sigrid an einem Herzinfarkt.
00:31:48
So tragisch dieser Verlust fĂŒr Hamer ist, er sieht auch darin eine BestĂ€tigung seiner Theorie.
00:31:54
Sein System stimme immer.
00:31:56
Wenn ein Patient oder eine Patientin den Konflikt nicht lösen könne und deshalb sterbe, entspreche das exakt den Regeln der germanischen neuen Medizin.
00:32:04
Der Herzinfarkt, den seine Frau erlitten habe, wÀhrend ihr Krebs bereits am Heilen gewesen sei, sei ein Test gewesen, ob sie den inneren Konflikt, der ihren Krebs verursacht habe, tatsÀchlich gelöst habe.
00:32:15
Also, ich dachte, das andere ist schon der Test.
00:32:22
Und die Frau muss jetzt dann nochmal einen Test bestehen, obwohl sie den Test ja eigentlich schon bestanden hat, weil der Krebs schon am Heilen war.
00:32:32
Ja, du Mann legt sich das zurecht, wie man das haben will.
00:32:36
Mit seinen Erkenntnissen will Hamer damals Karriere in der Wissenschaft machen.
00:32:40
DafĂŒr reicht er eine Habilitationsschrift ĂŒber das Hamer-Syndrom und die eiserne Regel des Krebses an der Uni TĂŒbingen ein.
00:32:47
Die lehnt die Arbeit jedoch ab.
00:32:49
Die BegrĂŒndung, fehlende Belege fĂŒr seine Theorie und mangelnde Wissenschaftlichkeit.
00:32:53
Hamer ist trotzdem von der Richtigkeit seiner Thesen ĂŒberzeugt.
00:32:56
Mit dieser Einstellung geht er auf Patientinnen-Empfang.
00:32:59
Das fĂ€llt ihm nicht schwer, denn er weiĂ, dass viele Menschen, die eine Krebsdiagnose erhalten, sich an jeden Strohhalm klammern.
00:33:05
AuĂerdem kommt ihm sein Auftreten zugute.
00:33:08
Als groĂer, massiger Mann wirkt er zugleich vĂ€terlich liebevoll, aber auch autoritĂ€r.
00:33:12
AuĂerdem ist er extrem charismatisch und schafft es mĂŒhelos, Menschen von seiner alternativen Krebstherapie zu ĂŒberzeugen.
00:33:19
Und das macht er in den nĂ€chsten Jahren an verschiedenen Orten in Deutschland und Ăsterreich.
00:33:24
Weil Hamer keine kassenĂ€rztliche Zulassung hat, eröffnet er Privatkliniken, denen er Namen wie Rosenhof und Damersmoor gibt und fĂŒr die er keine Genehmigung einholt.
00:33:34
Doch die Menschen kommen trotzdem.
00:33:36
Zu verlockend ist sein Versprechen, das gefÀhrliche Monster Krebs durch das Lösen von psychischen Konflikten heilen zu können.
00:33:42
Doch Hamers illegal eröffnete Privatkliniken rufen nicht nur Heilsuchende, sondern auch die Behörden auf den Plan.
00:33:49
Als sie herausfinden, welche kruden Behandlungsmethoden Hamer anwendet, entzieht ihm die Bezirksregierung 1986 die Approbation.
00:33:58
Hamer darf nun nicht mehr als Arzt praktizieren.
00:34:00
Das will er nicht zulassen und zieht vor das Verwaltungsgericht.
00:34:03
Das lehnt seine Klage jedoch ab.
00:34:05
Auf Basis zweier psychiatrischer Gutachten, die ihm unter anderem einen Wahn bescheinigen,
00:34:09
attestiert ihm das Gericht eine SchwÀche der geistigen KrÀfte,
00:34:13
eine ungeeignete psychopathologische Persönlichkeitsstruktur und mangelnde EinsichtsfÀhigkeit.
00:34:19
Deshalb sei er nicht mehr zu einer gewissenhaften Àrztlichen Arbeit in der Lage.
00:34:23
AuĂerdem muss er seine illegal eröffneten Privatkliniken schlieĂen.
00:34:27
Von dem Berufsverbot lÀsst sich Hamer jedoch nicht abhalten, weiter zu praktizieren.
00:34:31
Offiziell zwar nicht mehr als Arzt, sondern als Berater.
00:34:34
Den Doktortitel von der Uni benutzt er aber nach wie vor.
00:34:37
Seine Erfolgsquote ist allerdings mĂ€Ăig.
00:34:40
Medienberichten zufolge ĂŒberlebten von 50 Krebspatientinnen,
00:34:44
die zur Behandlung zu Hamer kamen und deren Schicksal deutsche Behörden ĂŒberprĂŒften, nur sieben.
00:34:49
Einer davon ist Tommy.
00:34:50
Der 18-jĂ€hrige SchĂŒler aus Hamburg lag 1989 seit Monaten ĂŒber Schmerzen im Knie.
00:34:56
Die Diagnose der Ărztinnen ist eindeutig.
00:35:00
Doch statt sich einer krÀftezehrenden und langwierigen Behandlung im Krankenhaus zu unterziehen,
00:35:05
vertraut Tommy seinem Onkel.
00:35:07
Der empfiehlt dem 18-JÀhrigen, sich an Dr. Hamer in Köln zu wenden.
00:35:11
Der weiĂ sofort, was zu tun ist.
00:35:13
Das Bein muss eingegipst werden, damit das, was im Krankenhaus als Tumor erkannt wurde,
00:35:19
Ansonsten bestehe kein Grund zur Sorge.
00:35:22
In sechs Wochen bist du geheilt, sagt Hamer dem jungen Mann.
00:35:25
Doch es kommt anders.
00:35:26
Der Tumor verkalkt nicht, sondern nagt weiter an den Knochen.
00:35:29
Tommy weiĂ das zu diesem Zeitpunkt nicht.
00:35:31
Er stöhnt nur unter den quÀlenden Schmerzen in seinem Bein, die immer stÀrker werden.
00:35:35
Letztlich geht er doch in die Hamburger Uniklinik.
00:35:38
Dort stellen die Ărztinnen fest, dass nur noch eine OP den SchĂŒler retten kann,
00:35:42
bei der sein vom Krebs zerfressenes Bein abgenommen wird.
00:35:46
zehn Wochen Chemotherapie folgen, bis Tommy endlich krebsfrei ist.
00:35:49
Hamer wird in diesem Fall angeklagt.
00:35:52
Vor dem Kölner Landgericht muss er sich wegen VerstoĂes gegen das Heilpraktikergesetz verantworten.
00:35:57
Denn er ist nach dem Entzug seiner Approbation, der Àrztlichen Berufserlaubnis,
00:36:01
nicht dazu berechtigt, Heilkunde auszuĂŒben.
00:36:04
Er tat es aber trotzdem und brachte Tommy dadurch in groĂe Gefahr.
00:36:07
Auf der Anklagebank gibt der 54-JĂ€hrige allerdings vor, sich keiner Schuld bewusst zu sein.
00:36:13
Mit dem Gips habe er nur erste Hilfe geleistet.
00:36:16
Seine plumpen Versuche, sich herauszureden, helfen Hammer nichts.
00:36:20
Er wird zu vier Monaten Haft verurteilt, aber nur auf BewÀhrung.
00:36:23
Und so hindert ihn nichts daran, weiterhin Patientinnen zu beraten.
00:36:28
Damit hat er sich in den vergangenen Jahren in Kreisen, die auf alternative Heilmethoden setzen,
00:36:33
schon einen guten Ruf erarbeitet.
00:36:35
So gut, dass nach und nach auch andere Ărztinnen in Deutschland und Ăsterreich
00:36:39
ihre Patientinnen mit Hamers Methoden behandeln.
00:36:43
Ăber diese Mund-zu-Mund-Propaganda landen 1995 schlieĂlich auch Olivias Eltern bei ihm.
00:36:48
Als sie nach dem Termin in Köln wieder zu Hause in Ăsterreich sind,
00:36:52
ist nicht nur Erika begeistert von Hamers Art der Therapie, sondern auch Helmut.
00:36:56
Wie ein Schwamm hat er sĂ€mtliche Informationen ĂŒber Hammer und seine germanische neue Medizin aufgesaugt.
00:37:02
Nun ist er sich sicher, dieser Mann ist ein Entdecker, ein Pionier auf seinem Gebiet.
00:37:07
Er denkt in eine Richtung, die bisher nicht gesehen wurde und die die Medizin von Grund auf revolutionieren wird.
00:37:13
Dass Hamers Theorie von anderen MedizinerInnen nicht akzeptiert wird, bedauert Helmut.
00:37:18
Aber anscheinend ist der Konkurrenzkampf groĂ und die anderen MedizinerInnen neidisch,
00:37:23
dass Hamer allein solch bahnbrechende Thesen entwickelt hat, ĂŒberlegt sich Helmut.
00:37:27
Dabei mĂŒsste Hamer noch viel mehr Gehör finden, findet er.
00:37:32
Denn anders als diese aggressiven Chemotherapien können seine MaĂnahmen Menschen wirklich wieder gesund machen.
00:37:37
Zumindest ist Helmut davon felsenfest ĂŒberzeugt.
00:37:42
Deshalb kehren er und Erika nun dem Kinderspital in Wien den RĂŒcken.
00:37:45
Niemals soll Olivia wieder einen FuĂ in die Kinderkrebsstation setzen mĂŒssen.
00:37:50
Von all dem Elend, das sie dort sehen mĂŒsste, wĂŒrde sie nur noch krĂ€nker werden.
00:37:54
Die Pielhars beherzigen stattdessen Hamers Rat.
00:37:57
Erika kĂŒndigt ihre Stelle als Handarbeitslehrerin, um ganz fĂŒr ihre Tochter da zu sein.
00:38:01
So wollen sie Olivias vermeintliche LeberzĂŒste, die Hamer entdeckt hat, bekĂ€mpfen.
00:38:06
Auch was die Geschwulst an ihrer Niere angeht, vertrauen Erika und Helmut Pielhaar auf den Kölner Wunderheiler.
00:38:12
Demnach mĂŒssen sie davor erst gar nichts unternehmen.
00:38:14
Genau das halten die ĂrztInnen im Kinderspital aber fĂŒr gefĂ€hrlich.
00:38:19
Vier Tage nachdem Erika und Helmut das Kinderkrebszentrum mit Olivia verlassen haben, klingelt das Telefon der Pielhars.
00:38:24
Am anderen Ende der Arzt aus der Klinik.
00:38:27
Mit eindringlichen Worten macht der Mediziner Helmut klar, dass Olivia dringend behandelt werden muss.
00:38:32
Das MÀdchen brauche eine Chemo und eine OP, um den Krebs in ihrem Bauch zu bekÀmpfen.
00:38:36
Nur so könne Olivia ĂŒberleben.
00:38:39
Helmut will das nicht hören.
00:38:40
Die Chemo ist in seinen Augen brandgefÀhrlich.
00:38:42
Die Nebenwirkungen wĂŒrden in Olivias Körper schweren Schaden anrichten.
00:38:46
Wer weiĂ, ob sie dadurch nicht sogar unfruchtbar wird.
00:38:48
Die Behandlung kommt fĂŒr ihn auf gar keinen Fall in Frage.
00:38:51
Aber er weiĂ, dass er mit dem Mediziner darĂŒber nicht zu diskutieren braucht.
00:38:55
Er will einfach seine Ruhe vor dem Gott in WeiĂ.
00:38:57
Um ihn zu beschwichtigen, entscheidet sich Helmut fĂŒr eine LĂŒge.
00:39:00
Er behauptet, er und seine Frau hÀtten entschieden, Olivia in einem anderen Krankenhaus behandeln zu lassen.
00:39:05
Dort wĂŒrden die ĂrztInnen von einer sofortigen Chemo abraten.
00:39:09
Welches Krankenhaus das denn sei, will der Mediziner aus dem St. Anna-Spital wissen.
00:39:14
Den Namen möchte Helmut geheim halten.
00:39:17
Er merkt aber selbst, dass der Arzt misstrauisch wird.
00:39:20
Dann sagt der etwas, womit Helmut gar nicht gerechnet hat.
00:39:23
Er mutmaĂt, ob die Pilhas mit Olivia Rath bei einem gewissen Dr. Hamer gesucht haben.
00:39:29
Warum der Arzt ausgerechnet auf ihn kommt, kann sich Helmut nicht erklÀren.
00:39:33
Er weiĂ jetzt aber, dass Erika und er wachsam sein mĂŒssen.
00:39:36
Vor allem, weil der Arzt deutlich macht, dass er rechtliche Schritte einleiten werde,
00:39:40
wenn Olivia nicht fachgerecht behandelt werde.
00:39:42
Der SechsjÀhrigen geht es in den darauffolgenden Tagen schlechter.
00:39:46
Immer wieder klagt sie ĂŒber Kopf- und Bauchweh.
00:39:49
Ab und zu hat sie Fieber.
00:39:50
Dann trösten Erika und Helmut ihre Tochter zwar und geben ihr homöopathische Mittel,
00:39:54
aber Olivias Klagen ĂŒber die Schmerzen versetzen die Eltern nicht in Panik.
00:39:58
Denn Hamer hat ihnen erklÀrt, was es mit den Schmerzen auf sich hat.
00:40:01
Laut seiner Lehre sind die nicht nur normal, sondern sogar ein Zeichen dafĂŒr,
00:40:05
dass der Heilungsprozess begonnen hat.
00:40:07
Dasselbe gelte fĂŒr Blutungen und Eiter.
00:40:10
Doch die Ărzte in Wien lassen nicht locker.
00:40:20
In den nÀchsten Tagen erhalten die PLHS weitere Anrufe.
00:40:24
Sowohl vom Leiter des Kinderspitals, als auch von dem Arzt, der den Tumor als erster diagnostiziert hat.
00:40:29
Sie fordern Helmut dazu auf, seine Tochter schnellstmöglich zurĂŒck ins Krankenhaus zu bringen,
00:40:34
um ihr die dringend nötige Krebstherapie zu ermöglichen.
00:40:37
Sollten er und seine Frau Olivia die Behandlung verwehren und sie so willentlich in Lebensgefahr bringen,
00:40:42
werde man sich nicht scheuen, rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten.
00:40:45
SchlieĂlich könnten die Eltern wirklich an einen Kurfuscher geraten sein,
00:40:49
der mit ihrem Vertrauen in Olivias Leben spielt.
00:40:52
Und man werde sicherlich nicht tatenlos zuschauen, wie die Eltern ihre Tochter sterben lassen.
00:40:57
Doch je mehr die MedizinerInnen reden, desto mehr verfestigt sich in Helmuts Kopf ein Gedanke.
00:41:02
Sein MĂ€dchen darf auf keinen Fall in dieses Krankenhaus zurĂŒckkehren.
00:41:06
Es wĂ€re Irrsinn, wenn ihr Kind zu Tode therapiert werden wĂŒrde, wo es sich doch auf dem Wege der Heilung befindet.
00:41:12
So hat es ihnen Hamer erklÀrt.
00:41:14
Das Misstrauen der PLHS gegenĂŒber dem Kinderspital schlĂ€gt langsam in Panik um.
00:41:19
Was, wenn die ĂrztInnen ihre Drohungen wahr machen und auf einmal wirklich das Jugendamt vor der TĂŒr steht?
00:41:25
Mit diesem Gedanken fĂŒhlen sich Erika und Helmut in ihren eigenen vier WĂ€nden nicht mehr sicher.
00:41:29
Bestimmt wird ihr Telefon, mit dem sie immer wieder Kontakt zu Hamer aufnehmen, auch abgehört.
00:41:33
Also schmieden sie einen Plan.
00:41:35
Damit Olivia in Ruhe gesund werden kann, wollen sie untertauchen.
00:41:38
Ein Tag spĂ€ter klingelt es bei den Pilats an der HaustĂŒr.
00:41:42
An der Schwelle steht ein Mann, der sich als Mitarbeiter des Jugendamtes vorstellt.
00:41:46
Helmut ist entsetzt.
00:41:47
Die ĂrztInnen haben ihre Drohungen also wahrgemacht.
00:41:50
Der Mann will den Namen des Arztes wissen, der Olivia behandelt.
00:41:53
Doch Helmut bleibt stur.
00:41:55
Auf keinen Fall wird er Hamers Namen nennen.
00:41:57
Auch nicht, als er erfÀhrt, dass, wenn er sich weiterhin weigert,
00:42:00
das Bezirksgericht Erika und ihm ansonsten das Sorgerecht fĂŒr Olivia entziehen wird
00:42:04
und das MĂ€dchen dann gegen den Willen der Eltern im Kinderspital behandelt wird.
00:42:07
Als Helmut das hört, wird ihm klar, die, Zitat, Schergen der MÀchtigen sind ihnen dicht auf den Fersen.
00:42:14
Er und seine Familie mĂŒssen ihnen immer einen Schritt voraus sein.
00:42:17
Nur so kann Olivia heilen, meint der 29-JĂ€hrige.
00:42:20
Und so entwirft er gemeinsam mit Erika einen Plan, der lebensgefÀhrlich wird.
00:42:25
Am Mittwoch, den 14. Juni, knapp einen Monat nach Olivias Krebsdiagnose,
00:42:31
verladen Helmut und Erika mehrere GepĂ€ckstĂŒcke in den Kofferraum ihres Autos.
00:42:35
Olivia und ihre Geschwister klettern auf die RĂŒckbank und dann geht's auch schon los in den Urlaub.
00:42:41
So erzÀhlen es Helmut und Erika ihren Kindern, um sie nicht zu verunsichern.
00:42:45
Dabei ist ihnen der Ernst der Lage eindeutig bewusst.
00:42:47
Wenn die Familie zu Hause in Niederösterreich bleibt, wird es nicht mehr lange dauern, bis ihnen Olivia weggenommen wird.
00:42:53
Daher tauchen alle fĂŒnf nun unter.
00:42:55
Ihr Ziel ist KĂ€rnten.
00:42:57
Dort lebt Erikas Cousine, die damals empfohlen hat, Olivia einen Termin bei Hamer zu besorgen.
00:43:02
Auf ihrem Hof bemĂŒhen sich die Pilhars um einen normalen Alltag fĂŒr ihre Kinder.
00:43:06
Das, glauben sie, ist das Beste, damit auch Olivia die Konflikte, die Hamer ihr diagnostiziert hat, lösen kann.
00:43:12
AuĂerdem wendet sich Helmut an die Medien, um auf das Schicksal seiner Familie aufmerksam zu machen.
00:43:17
Er will seinem Ărger ĂŒber das Krankenhaus und die Behörden Luft machen.
00:43:21
Er möchte es in die Welt hinausschreien, wie ungerecht seine Familie behandelt wird.
00:43:25
Dass Erika und er einfach nur das Beste fĂŒr Olivia wollen und dass eine Chemo das ganz sicher nicht ist.
00:43:32
Und so erfĂ€hrt nun auch die Ăffentlichkeit von Olivias Schicksal.
00:43:36
Wenig spÀter erhalten die Pilhars einen Anruf aus der Heimat.
00:43:39
Erikas Mutter berichtet ihnen, dass Polizei und Jugendamt da gewesen seien, um Olivia abzuholen.
00:43:44
Sie hatten ein Schreiben vom Gericht dabei, dass Erika und Helmut das Sorgerecht fĂŒr Olivia aberkennt und eine sofortige Krebstherapie anordnet.
00:43:52
Helmut ist geschockt.
00:43:54
Er fragt sich, in welcher Gesellschaft es erlaubt ist, dogmatisch und mit Polizeigewalt gegen Eltern und Kinder vorzugehen.
00:44:00
Ihm ist klar, dass sie bei Erikas Cousine nicht mehr sicher sind.
00:44:04
Bestimmt werden sie in ganz Ăsterreich gesucht.
00:44:06
Die Pilhars fackeln nicht lange.
00:44:08
Sie mĂŒssen weiter.
00:44:09
Ăber Deutschland fahren sie in die Schweiz, weit weg von den österreichischen Behörden.
00:44:13
Doch nicht nur die österreichische Justiz bereitet Helmut und Erika Sorgen, sondern auch Olivia.
00:44:19
Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht ĂŒber Schmerzen in ihrem kleinen Körper klagt.
00:44:23
Der Bauch, der Kopf, mal brennen die Augen, dann hat sie keinen Appetit und ihre Stirn glĂŒht.
00:44:28
Am schlimmsten ist fĂŒr Helmut jedoch, wie sich der Bauch seiner Tochter verĂ€ndert.
00:44:32
GefĂŒhlt wird er von Tag zu Tag gröĂer.
00:44:34
In der Hoffnung, die Schwellung damit zu verringern, legen sie immer wieder KohlblÀtter und Heilerde auf Olivias Bauch.
00:44:42
Weise, ohne Erfolg.
00:44:44
Als sie Hammer um Rat fragen, findet er wieder einmal Worte, die beruhigend auf Helmut und Erika wirken.
00:44:49
Die Schwellung unterhalb der Rippen sei ein Zeichen fĂŒr den Heilungsprozess.
00:44:52
Olivia sei auf dem richtigen Weg.
00:44:55
Als Helmut dann auch noch von einem Freund erfĂ€hrt, dass die Staatsanwaltschaft im Fall von Olivia wegen Kindesmisshandlung und EntfĂŒhrung ermittle und inzwischen auch Interpol eingeschaltet sei, ist er der Verzweiflung nahe.
00:45:06
Wie soll Olivia denn je gesund werden, wenn sie wie Hasen gejagt werden?
00:45:10
Helmut nimmt Kontakt mit Hammer auf.
00:45:12
Der befindet sich momentan in Spanien und sagt ihm, auch Helmut solle mit seiner Familie dorthin reisen.
00:45:18
In Malaga gĂ€be es drei Ărzte, die Olivia entsprechend der Germanischen neuen Medizin behandeln wĂŒrden.
00:45:23
Im Idealfall bucht Helmut noch heute einen Flug.
00:45:26
Und das lÀsst er sich nicht zweimal sagen.
00:45:28
Schon am nÀchsten Tag landen Helmut und Erika mit Olivia und ihren Geschwistern in Malaga.
00:45:34
WÀhrend Olivias Geschwister herumtollen, tapst die SechsjÀhrige langsam an der Hand ihrer Mutter.
00:45:38
Es ist ein grotesker Anblick.
00:45:41
Das kleine, magere MĂ€dchen, dessen RĂŒcken ein Hohlkreuz formt und dessen Bauch so gewaltig aussieht wie der einer hochschwangeren Frau.
00:45:47
Das kann auch ihre weitgeschnittene Latzhose nicht verbergen.
00:45:51
Der Tumor in ihrem Bauch ist inzwischen fast so groĂ wie ein FuĂball.
00:45:55
Als die Familie am Flughafen von Hamer empfangen wird, ist Helmut erleichtert.
00:46:00
Jetzt wird alles gut.
00:46:01
Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Hotel Las Vegas, in dem Hamer nicht nur fĂŒr sich, sondern auch fĂŒr die Pilhars Zimmer gebucht hat.
00:46:08
Mit einem Pool um die Ecke und dem Meer vor der TĂŒr.
00:46:11
Und Fernsehkameras vor der Nase.
00:46:13
Denn die Medien, die Helmut noch in Ăsterreich selbst informiert hat, verfolgen Olivias Schicksal nun weiter.
00:46:19
Allerdings rufen die FernsehbeitrÀge auch die auf den Plan, von denen die Pilhars seit Wochen fliehen.
00:46:24
Die Strafverfolgungsbehörden.
00:46:26
Und so geschieht nur einen Tag nach der Ankunft in Malaga das, was Helmut am meisten befĂŒrchtet.
00:46:32
Als er abends in die Lobby geht, um zu telefonieren, fallen ihm zwei MĂ€nner auf, die sich mit dem Portier unterhalten und dabei mehrmals in seine Richtung zeigen.
00:46:39
Helmut wird misstrauisch, doch es ist zu spÀt, um zu verschwinden.
00:46:43
Schon stehen die MĂ€nner vor ihm und zĂŒcken ihre Ausweise.
00:46:47
Dann sagen sie ihm, dass er und seine Frau vorlÀufig festgenommen sind.
00:46:51
Allerdings dĂŒrfen sie im Hotel bleiben.
00:46:54
In den nÀchsten Tagen ermitteln dann sowohl die spanischen als auch die österreichischen Behörden.
00:46:58
Doch oberste PrioritÀt hat Olivia.
00:47:01
Ihr geht es immer schlechter.
00:47:03
Der Tumor drĂŒckt auf ihre Organe und nimmt ihnen den Platz, um richtig zu arbeiten.
00:47:07
Die SechsjÀhrige bringt kaum noch ein bisschen runter.
00:47:10
Auch das Atmen fÀllt ihr zunehmend schwer und sie hechelt wie ein Hund.
00:47:13
Selbst zum Schreien ist sie zu schwach.
00:47:15
Mehr als wimmern kann sie nicht mehr.
00:47:17
Der kleine Körper ist viel zu erschöpft.
00:47:19
Olivia muss dringend behandelt werden.
00:47:21
Weil Helmut und Erika aber keinesfalls nach Wien zurĂŒckkehren wollen
00:47:24
und die österreichischen Behörden sie zugleich nicht mit Polizeigewalt dazu zwingen wollen,
00:47:29
macht der Leiter des Wiener Kinderspitals einen anderen Vorschlag.
00:47:32
Olivia kann auch im Krankenhaus in Malaga behandelt werden.
00:47:35
Hauptsache, sie bekommt endlich die Hilfe, die sie braucht.
00:47:38
Wenn das ĂŒberhaupt noch geht.
00:47:40
Denn weil der Tumor so massiv gewachsen ist,
00:47:42
schĂ€tzen die Ărztinnen Olivias Ăberlebenschance nur noch auf 10 Prozent.
00:47:46
WĂ€hrend Olivia also ins Krankenhaus in Malaga eingeliefert wird,
00:47:49
wo man ebenfalls meint, eine Chemo sei unumgÀnglich,
00:47:52
können die Pilhars kaum noch einen FuĂ vor die TĂŒr ihres Hotelzimmers setzen,
00:47:56
ohne belagert zu werden.
00:47:57
Immer mehr Journalistinnen und PressevertreterInnen tummeln sich in der Hotellobby
00:48:01
und versuchen von ihnen und Hamer ein Interview zu bekommen.
00:48:04
Weil ihnen der Medienrummel schlieĂlich ĂŒber den Kopf wĂ€chst,
00:48:07
lassen sie sich doch umstimmen.
00:48:09
Sie willigen in eine RĂŒckkehr in ihre Heimat ein.
00:48:11
DafĂŒr fahren die österreichischen Behörden das groĂe Besteck auf.
00:48:15
Im Auto des Konsuls werden die Pilhars zum Flughafen gebracht
00:48:18
und steigen wenig spÀter in eine Maschine der österreichischen Flugambulanz.
00:48:21
WĂ€hrenddessen setzt sich Hamer dafĂŒr ein,
00:48:24
dass Olivia in Ăsterreich weiter nach seiner Lehre behandelt wird.
00:48:27
Denn die Pilhars sind immer noch strikt gegen eine Chemotherapie.
00:48:31
Olivia kommt ins nÀchste Krankenhaus.
00:48:33
Als Helmut sie dort am nÀchsten Tag besucht, trifft ihn fast der Schlag.
00:48:37
Ein Infusionsschlauch fĂŒhrt in Olivias kleinen HandrĂŒcken und pumpt ihr eine durchsichtige FlĂŒssigkeit in die Adern.
00:48:44
Wer weiĂ, was ihr dadurch eingeflöĂt wird.
00:48:46
Helmut ist auĂer sich vor Zorn.
00:48:48
Ihn beschwichtigt auch die ErklÀrung nicht, dass Olivia völlig untererinnert sei,
00:48:52
groĂe Schmerzen habe und die Medikamente daher unerlĂ€sslich seien.
00:48:55
Auf einmal fÀllt es ihm wie Schuppen von den Augen.
00:48:58
Er und Erika wurden hinters Licht gefĂŒhrt.
00:49:01
Sie hatten geglaubt, Olivia könne nach Hamers Lehre gesund werden.
00:49:05
Dabei hatte man sie nur ins Krankenhaus gelockt, um ihr endlich eine Chemo zu verabreichen.
00:49:09
Aber so sehr Helmut auch tobt, es Àndert nichts.
00:49:12
Nachdem ihm und Erika das Sorgerecht fĂŒr Olivia entzogen wurde,
00:49:16
haben sie kein Mitspracherecht mehr bei der Behandlung ihrer Tochter.
00:49:19
Es gibt nur zwei Möglichkeiten.
00:49:21
Entweder fĂŒgen sie sich und sind fĂŒr ihre Tochter da,
00:49:23
oder sie verlassen das Krankenhaus.
00:49:26
Egal wie sie sich entscheiden, Olivia fÀngt die Chemo an
00:49:29
und wird so bald wie möglich operiert.
00:49:31
Ansonsten wird sie der Krebs in den nÀchsten Tagen töten.
00:49:34
Als Helmut und Erika erkennen, dass ihr Widerstand zwecklos ist,
00:49:38
akzeptieren sie die MaĂnahmen, die die Ărztinnen ankĂŒndigen,
00:49:41
wenn auch widerwillig.
00:49:42
Trotzdem will Helmut nicht kampflos aufgeben.
00:49:45
In einem Brief an den BundesprÀsidenten schreibt er,
00:49:47
fĂŒr eine nochmalige Flucht sind wir zu mĂŒde.
00:49:50
Olivia brÀuchte Àrztliche Kontrolle.
00:49:52
Nun habe ich mich zum letzten Schritt im Kampf um das Leben meiner Tochter Olivia entschlossen.
00:49:56
Ich trete hiermit in den Hungerstreik.
00:49:59
Wir verweigern jede Art der Chemotherapie und fordern fĂŒr unsere Tochter eine Therapie
00:50:03
entsprechend der neuen Medizin unter Leitung des Dr. Hamer.
00:50:07
Seine kruden Botschaften verhallen jedoch ungehört.
00:50:10
Und international hofft eine breite Ăffentlichkeit, dass nun endlich das geschieht,
00:50:14
was schon vor zwei Monaten hÀtte geschehen sollen.
00:50:16
Dass die Chemo anschlÀgt und den Tumor so verkleinert,
00:50:19
dass er operiert und dadurch Olivias Leben gerettet werden kann.
00:50:23
Doch Worte der Hoffnung will inzwischen niemand mehr laut aussprechen.
00:50:26
Zu gewaltig ist das GeschwĂŒr in ihrem Bauch geworden.
00:50:28
Zu lange blockierte die Sturheit ihrer Eltern die medizinische Behandlung.
00:50:32
Denn ihre Eltern lieĂen den Tumor zwei Monate lang wuchern,
00:50:36
weil sie dem Mann vertrauten, der Krebs nicht als potenziell tödliche Krankheit anerkennt,
00:50:40
sondern als ein sinnvolles biologisches Sonderprogramm gefÀhrlich verharmlost.
00:50:46
Diesen Mann nimmt nun die Wiener Justiz ins Visier.
00:50:48
Sie erlĂ€sst gegen Rieke Gerd Hammer Haftbefehl wegen des QuĂ€lens oder VernachlĂ€ssigens unmĂŒndiger Personen.
00:50:55
Derweil geben ihm die Medien eine unkritische BĂŒhne, die Hamer bereitwillig nutzt,
00:51:00
um seine Thesen, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt, in die Ăffentlichkeit zu tragen.
00:51:04
Ihm geht es nicht um Olivias Schicksal, sondern vielmehr darum,
00:51:08
seine germanische Neumedizin als Heilmittel zu propagieren.
00:51:11
Auf die Frage nach Olivia sagt der 60-JĂ€hrige, der von sich selbst gern als der Hamer spricht.
00:51:17
In einem Spiegelinterview, seine Informanten hÀtten ihm mitgeteilt, dass Olivia schon blaue Beine hÀtte.
00:51:22
Die ist doch schon tot, sagt er. Getötet von der Chemo.
00:51:26
Er spricht von der Chemo-Mafia und davon, dass 95 bis 98 Prozent der Chemo-Patientinnen sterben wĂŒrden.
00:51:32
Olivia wĂŒrde nur noch kĂŒnstlich am Leben gehalten, um ihn als auszuwischen.
00:51:37
Also da muss man ja sagen, der hat ja Verfolgungswahn.
00:51:40
Der hat wirklich diesen Wahn, den die Ărztinnen ihm da schon vorher diagnostiziert haben.
00:51:45
Dabei sei er nicht der Gejagte, sondern der JĂ€ger.
00:51:49
Hamer ist ĂŒberzeugt, Olivia werde ein Meilenstein sein, weil sie seiner Medizin zum Durchbruch verhelfen werde.
00:51:55
Wie genau er das meint, erklÀrt er nicht, aber die Vermutung liegt nahe,
00:51:59
dass er quasi regelrecht darauf hofft, dass Olivia stirbt.
00:52:03
FĂŒr ihn wĂ€re das nĂ€mlich der endgĂŒltige Beweis, dass eine Chemotherapie Krebs-PatientInnen nicht rettet, sondern tötet.
00:52:10
Vor der Strafverfolgung hat er keine Angst.
00:52:14
Sollen die mich doch ins GefÀngnis stecken, dann machen sie mich wirklich zum MÀrtyrer.
00:52:18
Aber es kommt anders, als Hamer sagt.
00:52:20
Olivias Chemotherapie schlÀgt an.
00:52:22
In den nÀchsten Wochen wird die Schwellung in ihrem Bauch nach und nach kleiner.
00:52:26
Am 18. September, vier Monate nachdem der Krebs entdeckt wurde, ist es endlich soweit.
00:52:32
Die SechsjÀhrige wird in den OP geschoben.
00:52:34
In einer dreistĂŒndigen Operation wird der Tumor entfernt und mit ihm die befallene Niere.
00:52:39
Als Helmut, Hamer, davon berichtet, gibt der sich verwundert.
00:52:43
Es sei seltsam, dass die Entfernung des Tumors und der Niere ganze drei Stunden gedauert habe.
00:52:48
Und er ist sich sicher, dass Olivia nie die ganze Ladung Chemo bekommen hÀtte,
00:52:52
denn sonst hĂ€tte sie eine solche lange OP nicht ĂŒberleben können.
00:52:56
In den darauffolgenden Monaten geht Olivias Chemo weiter.
00:53:00
Die Prozedur ist krĂ€ftezehrend, aber mit jedem Tag, der vergeht, wird sie ein bisschen gesĂŒnder.
00:53:05
Dass das an der Chemo und der OP liegt, erkennen ihre Eltern jedoch nicht an.
00:53:09
Helmut und Erika sind ĂŒberzeugt, Olivia sei jetzt nur auf dem Weg der Genesung,
00:53:13
weil die Heilungsphase nach Hamer schon vor der Chemo im Krankenhaus begonnen habe.
00:53:18
Sie sind vor allem froh, dass Olivia lebt, denn wie Hamer glauben auch die Pilhars,
00:53:22
dass die allermeisten Chemotherapien zum Tod fĂŒhren.
00:53:25
Behauptungen wie diese stellt Hamer in mehreren Interviews und TV-Auftritten auf.
00:53:31
Durch die Scheinwerfer, die auf ihn gerichtet sind,
00:53:34
wÀchst zwar einerseits die Zahl derer, die in ihm einen gefÀhrlichen Spinner und Scharlatan sehen,
00:53:38
der leichtfertig mit dem Leben kranker Menschen spielt.
00:53:40
Andererseits melden sich aber auch immer wieder Menschen bei ihm,
00:53:44
die seinen Thesen glauben und dafĂŒr oft mit dem Leben bezahlen.
00:53:47
So und darĂŒber mĂŒssen wir jetzt mal sprechen.
00:53:50
Wir haben uns jetzt schon gefragt,
00:53:51
wie so ein Typ mit solch abstrusen Theorien ĂŒberhaupt so einen Erfolg haben kann.
00:53:56
Und das erklÀrt Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
00:54:01
im Interview mit dem Format Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks.
00:54:04
Und sie sagt, dass viele Menschen, wenn sie so eine schlimme Diagnose wie Krebs bekommen,
00:54:08
erst einmal diese Haltung einnehmen, ja warum denn ausgerechnet ich?
00:54:12
Und bei Olivia war das ja auch so, dass ihr Vater Helmut sich da gefragt hat,
00:54:16
warum denn genau so ein kleines Kind, warum denn dieses Kind, warum denn mein Kind?
00:54:20
Aber auf diese Frage gibt es halt oft keine einfache medizinische Antwort.
00:54:24
Und das ist natĂŒrlich super unbefriedigend.
00:54:26
Und Hama geht jetzt aber hin und sagt, pass auf, ich kann dir ganz einfach den Grund dafĂŒr erklĂ€ren,
00:54:32
wieso du oder dein Kind jetzt diese und jene Krankheit hat.
00:54:36
Und das klingt erstmal ganz wunderbar, wenn man da auf einmal eine leichte, verstÀndliche Antwort hat.
00:54:41
Und was ich ja auch finde, Diagnosen von Krankheiten zu bekommen, lassen einen ja oft,
00:54:46
also gerade wenn sie lebensgefÀhrlich sind, oft in so einer Art Ohnmacht fallen.
00:54:51
Weil das einfach ja Kontrollverlust bedeutet.
00:54:54
Und der Hama bietet dir jetzt eine Lösung an, wo du die Kontrolle zurĂŒckbekommst,
00:54:58
weil du selbst denkst, ach ja, wenn ich das mache, dann habe ich ja tatsÀchlich Einfluss auf den Krankheitsverlauf hier.
00:55:05
Ja, und im Fall von Olivia ist es ja auch so, dass Hama sagt, das ist nur eine Ziste.
00:55:10
NatĂŒrlich möchte man lieber dem Arzt glauben, der eine Diagnose fĂŒr einen bereithĂ€lt,
00:55:16
die nicht so schlimm ist, wie der andere Arzt das sagt.
00:55:21
Birgit Hiller sagt auch, einfache ErklÀrungen sind immer attraktiv und einfache Lösungen,
00:55:26
so wie die hier jetzt, das ist noch attraktiver.
00:55:29
Ja, und was vielleicht ja auch noch dazu kommt, ist, dass manche Menschen oder viele Menschen
00:55:34
Angst vor dem Krankenhaus haben, also generell vor dem Krankenhaus.
00:55:38
Und dann, weil man diese ganzen Bilder kennt und von frĂŒher, von Chemotherapien,
00:55:44
auch einfach sehr dolle Angst vor dieser Art von Behandlung.
00:55:49
Und ja, die hat sich schon weiterentwickelt und es ist heute sicherlich oft mit den Nebenwirkungen
00:55:55
nicht mehr so schlimm wie frĂŒher.
00:55:56
Aber es ist natĂŒrlich in gewisser Weise eine sehr aggressive Behandlungsmethode, die auch immer noch gewaltige Nebenwirkungen haben kann.
00:56:03
Und wenn dann jemand sagt, die brauchst du nicht, diese Behandlung, die auch ganz viele gesunde Zellen angreift und deinen Körper schwÀcht, die brauchst du nicht.
00:56:13
Ich habe hier eine andere, dann möchte man das glauben und man möchte das dann auch lieber machen, weil man eben einfach zu dolle Angst hat.
00:56:22
Naja, zwei Jahre spÀter ist der selbsternannte JÀger aber dann doch geschnappt.
00:56:26
In Köln muss er sich wegen VerstöĂen gegen das Heilpraktikergesetz und wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.
00:56:32
Drei FĂ€lle wingen besonders schwer.
00:56:35
Einem 29-JĂ€hrigen sagte er, seine LeukĂ€mie wĂŒrde verschwinden, wenn er die Konflikte mit seiner Freundin löse.
00:56:41
Medikamente soll er nicht einnehmen.
00:56:43
Und als der Mann dann im Koma lag, riet er den Angehörigen davon ab, den Notarzt zu rufen.
00:56:48
Sie hörten auf ihn und sahen zu, wie der 29-JÀhrige starb.
00:56:54
Die Krebserkrankung einer 59-JÀhrigen Frau wollte Hamer mit einer einfachen Entscheidung lösen.
00:56:58
Er sagte zu ihr, trennen Sie sich oder ziehen Sie mit Ihrem Freund zusammen.
00:57:02
Dann werden Sie gesund.
00:57:04
Auch diese Behauptung war tödlich.
00:57:06
Und ein Junge, der an Knochenkrebs litt, starb vier Wochen, nachdem Hamer dazu geraten hatte, als Therapie einen Urlaub in Spanien zu machen.
00:57:15
Vom Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung wird er freigesprochen, aber die VerstöĂe bestĂ€tigt das Gericht.
00:57:21
Es attestiert Hamer eine geistesschwache, psychopathische Persönlichkeit mit wahrenhaft unbeeinflussbaren Ăberzeugungen.
00:57:28
Die RichterInnen verurteilen ihn zu 19 Monaten Haft.
00:57:31
Als er 1998 wieder freikommt und dann auch im Fall Olivia ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet werden soll, setzt er sich nach Spanien ab.
00:57:39
Letztendlich wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.
00:57:42
Trotzdem bleibt der Fall nicht ohne juristische Konsequenzen.
00:57:46
Olivias Eltern werden wegen fahrlÀssiger Körperverletzung angeklagt.
00:57:50
Nur weil Olivia durch die zwangsangeordnete Chemotherapie und die darauf folgende Operation quasi in letzter Sekunde ĂŒberlebt hat,
00:57:57
mĂŒssen sich Helmut und Erika nicht einem Tötungsdelikt, sondern wegen fahrlĂ€ssiger Körperverletzung verantworten.
00:58:04
Als der Prozess gegen die beiden in Wien beginnt, sind zahlreiche PolizistInnen im Einsatz, um fĂŒr einen geordneten Ablauf zu sorgen.
00:58:11
Etliche MedienvertreterInnen, ausgerĂŒstet mit Schreibblöcken, Mikrofon und Kameras, drĂ€ngen sich in das Gericht mit der weiĂ getĂŒnchten Fassade,
00:58:18
die an einen griechischen Tempel erinnert.
00:58:20
Hinzu kommt eine ganze Schar von Hamas AnhĂ€ngerInnen, um den Pederhast den RĂŒcken zu stĂ€rken.
00:58:25
Davon getragen bahnen sich Helmut und Erika ihren Weg durch die Menschenansammlung.
00:58:29
Er mit dunklem Anzug und Krawatte, sie im grauen Trenchcoat.
00:58:32
Als sie auf der Anklagebank aus dunklem Holz Platz nehmen, beschuldigt sie der Staatsanwalt,
00:58:37
Olivia durch ihre Flucht nach Spanien aus der Macht des erziehungsberechtigten Vormunds entzogen zu haben,
00:58:43
da sie selbst das Sorgerecht gar nicht mehr hatten.
00:58:45
AuĂerdem sei die Gesundheit des MĂ€dchens durch die verspĂ€tete Behandlung schwer geschĂ€digt worden.
00:58:50
Die Verteidigung hÀlt dagegen.
00:58:52
Helmut und Erika hĂ€tten sich verantwortungsvoll um eine alternative Behandlung ihrer Tochter bemĂŒht.
00:58:57
Die PLHs sehen das genauso.
00:58:58
Das Gericht jedoch nicht.
00:59:01
Es kommt zu dem Schluss, dass sich Helmut und Erika der fahrlÀssigen Körperverletzung schuldig gemacht haben.
00:59:05
Und zwar nur, weil der Staat so Druck gemacht hat.
00:59:08
Sonst wĂŒrden die PLHs wegen fahrlĂ€ssiger Tötung auf der Anklagebank sitzen.
00:59:11
Und dann wÀren sie vermutlich ins GefÀngnis gegangen.
00:59:14
Aber so lautet das Urteil nur acht Monate auf BewÀhrung.
00:59:18
Ja, und sie hÀtten ja am liebsten sie gar nicht behandeln lassen.
00:59:22
Also ihr gar keine Chemobehandlung ermöglichen wollen.
00:59:25
Und nur, weil sie halt so breitwillig da im Fernsehen und ĂŒberall sich gezeigt haben, sind dann auch die Behörden ihnen sozusagen auf die Spur gekommen und konnten das Kind retten.
00:59:36
Aber das wÀre ja gar nicht dazu gekommen.
00:59:38
Also dafĂŒr, dass die echt haarscharf an der fahrlĂ€ssigen Tötung ihres eigenen Kindes vorbeigeschlittert sind, ist auch acht Monate sau wenig.
00:59:47
Da haben die richtig Schwein gehabt.
00:59:48
Verantwortung ĂŒbernehmen oder gar Schuld eingestehen wollen Helmut und Erika nicht.
00:59:53
Als sie das Kreisgericht nach dem Urteilsspruch verlassen, sind sie nach wie vor davon ĂŒberzeugt, dass nicht die Chemo das Entscheidende dabei gewesen sei, sondern die Tatsache, dass Hamas Heilprozess schon vorher begonnen habe.
01:00:04
AuĂerdem wĂŒrde es ihr jetzt noch viel besser gehen, wenn sie komplett nach Hamas Methoden behandelt worden wĂ€re.
01:00:11
Der macht auch nach seinem GefÀngnisaufenthalt weiter wie bisher.
01:00:14
Nicht nur in Deutschland und Ăsterreich, sondern auch in Frankreich ist Hamer aktiv.
01:00:18
Allerdings haben die Strafverfolgungsbehörden sein Treiben ganz genau auf dem Radar.
01:00:23
Und so steht er im MĂ€rz 2000 wieder vor Gericht, diesmal in Frankreich.
01:00:27
Mehrere Menschen klagen gegen ihn.
01:00:29
Es sind Angehörige von Personen, die krebskrank waren, aber klassische Behandlungen abgebrochen und stattdessen auf Hamas Lehre vertraut haben und das mit dem Tod bezahlt haben.
01:00:38
Hamer wird zu 18 Monaten Haft, die HÀlfte davon auf BewÀhrung verurteilt.
01:00:43
Ein Berufungsverfahren nĂŒtzt ihm nichts.
01:00:45
Im Gegenteil, das Berufungsgericht verschÀrft die Strafe auf drei Jahre Haft ohne BewÀhrung.
01:00:50
Als er 2007 freikommt, setzt sich der inzwischen 72-JĂ€hrige nach Norwegen ab, um sich weiterer potenzieller Verfahren zu entziehen.
01:00:58
Dort grĂŒndet er die UniversitĂ€t Sandefjord.
01:01:02
Doch hinter dem hochtrabenden Namen steckt keine Bildungseinrichtung, sondern ein kleiner Verlag,
01:01:07
ĂŒber den Hamer seine eigenen BĂŒcher und Schriften zu seiner germanischen neuen Medizin vertreibt.
01:01:12
Dabei werden seine Ansichten immer radikaler.
01:01:15
Er driftet auch auĂerhalb der Medizin in VerschwörungserzĂ€hlungen ab und nĂ€hert sich der ReichsbĂŒrgerszene.
01:01:21
Er leugnet die Mondlandung und 9-11.
01:01:24
Deutschland ist in seinen Augen nur eine Firma.
01:01:26
Und auch das kennen wir von ReichsbĂŒrgerInnen.
01:01:31
AuĂerdem propagiert er weiter Rassismus und Antisemitismus.
01:01:35
Nicht nur, dass er auch den Holocaust leugnet.
01:01:39
Und Hamer ist ĂŒberzeugt davon, einflussreiche jĂŒdische Menschen wĂŒrden seine Strafverfolgung beeinflussen.
01:01:44
Mit dem Ziel, die germanische neue Medizin zu unterdrĂŒcken und nicht jĂŒdische Menschen zu vernichten.
01:01:50
In einem Fall, der sich 2009 ereignet, wo er einer ZwölfjÀhrigen, die gerade eine Chemotherapie durchlÀuft, dazu rÀt, diese abzubrechen und die dann daraufhin stirbt,
01:01:59
treibt er es mit seinen Verschwörungstheorien auf die Spitze.
01:02:02
Hamer erklÀrt, die erste Chemotherapie sei vermutlich schuld gewesen, sagt er.
01:02:08
Mit der Infusion sei ihr nÀmlich ein Chip injiziert worden.
01:02:11
Diese Chips haben Giftkammern und können per Satellit ausgelöst werden.
01:02:16
So könne man Menschen quasi per Knopfdruck töten.
01:02:19
Erfunden hĂ€tten diese Giftchips laut Hamer auch natĂŒrlich wieder jĂŒdische Menschen.
01:02:24
Und zwar mit dem Ziel, alle nicht jĂŒdischen Menschen zu töten.
01:02:27
Hamer sagt, ĂŒbrigens in Deutschland kriegt kein Jude Chemo.
01:02:31
Kein Jude kriegt Chemo, das wollen wir mal festhalten.
01:02:34
Und die allermeisten Onkologen gehören dieser Glaubensgemeinschaft an.
01:02:37
Sie behandeln ihre jĂŒdischen Patienten ohne Chemo und die nicht jĂŒdischen mit Chemo.
01:02:42
So, und dieser Typ sagt von sich selbst, er sei kein Antisemit.
01:02:46
Also ihn mĂŒsste man auch mal behandeln.
01:02:48
Ihn mĂŒssten mal PsychiaterInnen und PsychologInnen behandeln.
01:02:52
Also das ist so absurd, was der den Menschen in den Kopf setzt, ja.
01:02:56
Ja, und diese antisemitischen Thesen vertritt Hamer noch bis zu seinem Tod im Juli 2017.
01:03:02
Im Alter von 82 Jahren stirbt er an einem Schlaganfall.
01:03:07
Doch seine germanische neue Medizin lebt auch danach weiter.
01:03:10
Vor allem dank Helmut Pielhaar.
01:03:12
Olivias Vater ist auch ĂŒber 20 Jahre nach der Krebserkrankung seiner Tochter ein glĂŒhender AnhĂ€nger der Hamerschen Lehren.
01:03:19
Er wird nicht mĂŒde, Hamers Genie zu preisen und dafĂŒr zu kĂ€mpfen, dass seine Theorien weiterverbreitet werden.
01:03:25
So lange, bis auch er 2022 im Alter von 57 Jahren an einem Schlaganfall stirbt.
01:03:33
Er hinterlÀsst unter anderem seine Tochter Olivia, die inzwischen geheiratet hat und selbst Mutter geworden ist.
01:03:38
Helmuts groĂe Sorge, die Chemo könne seine Tochter unfruchbar machen, hat sich also nicht bewahrheitet.
01:03:44
Körperlich hat der Krebs bis auf die OP-Narbe auf Olivias Bauch keine Spuren hinterlassen.
01:03:49
Sie kann heute mit ihrem Sohn herumtollen, denn sie wurde rechtzeitig aus Hamers FĂ€ngen befreit.
01:03:55
Doch viele andere Menschen hatten dieses GlĂŒck nicht.
01:03:58
In Deutschland gibt es vier Menschen, die laut Gerichtsurteilen infolge von Hamers Behandlung gestorben sind.
01:04:03
Die Dunkelziffer wird deutlich höher vermutet.
01:04:06
SchĂ€tzung zufolge gibt es ĂŒber 500 Todesopfer.
01:04:09
Denn der angebliche Heiler brachte kein Heil und keine Erlösung.
01:04:14
Und er verbrachte auch keine Wunder.
01:04:16
Er brachte schwer kranken Menschen, die ihm ihr Vertrauen schenkten, nichts als Leid und den Tod.
01:04:23
Also ich glaube, wir sind uns einig, dass uns dieser Fall einfach sehr, sehr wĂŒtend gemacht hat.
01:04:28
Mir tun aber natĂŒrlich die Leute leid, die daran glauben und die selbst erkrankt sind.
01:04:33
In diesem Fall, muss man aber ja dazu sagen, ist quasi das Fiese daran, dass die Eltern fĂŒr Olivia entscheiden sollen.
01:04:41
Und die sich dann dazu entscheiden, dem Quacksalber da zu glauben, der ihre Tochter halt in gröĂte Gefahr bringt.
01:04:49
Und da habe ich dann auch kein Mitleid mit denen.
01:04:51
Weil wenn dir so viele ĂrztInnen sagen, das ist der einzige Weg, dann musst du nicht nur, weil du selbst eine Schuppenflechte, nicht mit herkömmlicher Medizin in den Griff bekommen hast, deine Tochter dem aussetzen.
01:05:05
Ja, und ich muss auch sagen, ich habe da schon am Anfang Red Flags gesehen bei der Familie, wie die da das Leid ihrer Tochter eingeschÀtzt haben.
01:05:13
NĂ€mlich von wegen, ja, die klagt oft ĂŒber Schmerzen, wenn sie Aufmerksamkeit will.
01:05:19
Also wenn ich schon sowas höre, dann denke ich mir schon, oh, das arme Kind, ja.
01:05:24
Was ich wirklich erschreckend finde, ist, was dieser Hammer fĂŒr Zuspruch hatte.
01:05:28
Also, dass der mittlerweile schon auch in den KrankenhĂ€usern so bekannt war, dass die ĂrztInnen da gleich auch schon so alarmiert waren auf den Stationen und schon genau wĂŒssten,
01:05:37
ah ja, ja, die sind bestimmt an denen da hier jetzt irgendwie geraten.
01:05:41
Und ich frage mich immer, wie kann sowas eigentlich sein, wenn eigentlich schon relativ schnell nach Herausgabe von BĂŒchern, bestimmten Theorien, blablabla, bekannt sein muss, dass die Leute trotzdem sterben.
01:05:57
WeiĂt du, also, der muss halt so ein Marketinggenie gewesen sein.
01:06:00
Der hatte ja auch damals eine Kassette rausgebracht, wo angebliche PatientInnen von ihm gesprochen haben, die gesagt haben, oh ja, und dann habe ich meinen Konflikt gelöst und dann war ich auf einmal wieder gesund.
01:06:10
Aber das allein reicht ja nicht.
01:06:13
Und ich glaube, dass ein GroĂteil natĂŒrlich auch die Medien dazu beigetragen haben, weil ich kann mir heutzutage gar nicht vorstellen, dass man so jemanden in eine Talkshow einlĂ€dt und den da wirklich in so ein TV-Duell steckt,
01:06:25
mit einem normalen Mediziner, wie das bei dem Hammer war, der war nÀmlich unter anderem bei so einer Talkshow von HabeTV eingeladen, wo sich da duelliert wurde mit einem herkömmlichen Mediziner.
01:06:36
Mit einem, der halt Peilung hat von dem, was er da sagt.
01:06:39
Ach so, ĂŒbrigens der Arzt von der Olivia.
01:06:42
Die beiden sind da im Schlagabtausch und ja, die Moderatorin war auch schon auf der Seite des Mediziners, aber das bringt bei solchen Leuten ja nichts.
01:06:49
Dann sagt der Hammer, die Medizin, die wir hier alle benutzen, das sind alles nur Theorien, davon ist nichts wissenschaftlich bewiesen.
01:06:56
Dann sagt die Moderatorin, doch ist wissenschaftlich bewiesen.
01:07:00
Dann sagt der Hammer, nein.
01:07:01
Ja, gut, wenn mir jemand sagt, die Erde ist eine Scheibe, ich sag nein und die sagt, ja, aber doch, ja, wie willst du denn mit denen reden?
01:07:09
Also das ist ja sau frustrierend, weil die behaupten einfach immer das Gegenteil.
01:07:14
Ja, und der Zuschauer oder die Zuschauerin, die sagt dann einfach, ja, guck, da steht halt Aussage gegen Aussage, ich glaube halt dem, dem ich glauben möchte.
01:07:22
Ja, man wĂŒrde sich wirklich erhoffen, dass sowas heute nicht mehr passieren wĂŒrde, dass man solche Leute nicht mehr einladen wĂŒrde, weil es halt eben gefĂ€hrlich ist, wenn man die so auf eine Stufe stellt.
01:07:34
Weil ja der Krebsmediziner mit seinen Aussagen fĂŒr tausende von KrebsmedizinerInnen spricht und fĂŒr WissenschaftlerInnen und so.
01:07:42
Dagegen der Hammer, aber eben nur fĂŒr seine eigenen kruden Theorien, was es am Ende ja nur sind.
01:07:49
Genau, also offenbar sind die Medien da viel zu wenig kritisch ins Gericht gegangen mit dem und haben halt seine Aussagen, die er dann da getÀtigt hat, in dem Moment auch nicht genug infrage gestellt.
01:08:01
Was ich mich, ich meine, das haben wir vorhin auch kurz mal angesprochen, was ich mich bei dem gefragt habe, der muss wirklich einen Wahn gehabt haben, weil das ist ja kein einfacher BetrĂŒger gewesen, der sich da die Taschen komplett voll gemacht hat.
01:08:15
Ich meine, klar, wir wissen, der hat von Spenden gelebt und der hat da seine Kassetten und BĂŒcher vertrieben und so, aber der war jetzt nicht so ein Sektenguru, wo du irgendwie monatlichen Beitrag zahlen musstest und deswegen hat er in Saus und Braus gelebt.
01:08:28
Was ich ehrlicherweise noch gruseliger finde, weil wenn der gar nicht diesen Antrieb hat, dadurch Geld zu verdienen, sondern wirklich denkt, dass das stimmt.
01:08:36
Ja, also ich glaube, das ist auch zu 100 Prozent, dass der das genauso geglaubt hat.
01:08:40
Ja, ja, genau, aber das finde ich gruselig.
01:08:43
Weil diese Leute, die wissen ja gar nicht, dass sie was falsch machen.
01:08:47
Die denken, die ganze Welt hat sich gegen die verschworen.
01:08:49
Ja, und es ist natĂŒrlich auch schwierig, was will man machen, ja, wenn er jetzt nicht, sag ich jetzt mal, direkt fĂŒr den Tod einer anderen Person verantwortlich ist, sondern indirekt, oder haben wir jetzt auch bei ihm gesehen, er ist keinmal ins GefĂ€ngnis, also er war im GefĂ€ngnis, ja, aber nicht lange und zwar offensichtlich den Strafverfolgungsbehörden nicht möglich, ihn in eine forensische Psychiatrie oder so zu stecken, um andere Leute vor ihm zu schĂŒtzen.
01:09:15
Und sich vielleicht selber auch irgendwie vor sich selber.
01:09:18
Weshalb ich den Fall auch unbedingt erzÀhlen wollte, ist, dass man ja immer denkt, naja, das war halt damals, das fing in den 80ern an, ne, mittlerweile sind wir alle mehr Medien geschult, wir hinterfragen mehr, was wir serviert bekommen und so, ja.
01:09:33
Aber trotzdem hat das immer noch eine brenzlige AktualitÀt, dieses Thema, dass MedizinerInnen oder eben auch Nicht-MedizinerInnen die Theorie verbreiten, dass man durch Gedanken oder durch was auch immer seine Krankheiten heilen kann, ja.
01:09:50
Und was ich mich damals wirklich schon immer gefragt habe, zum Beispiel, du kennst das Buch The Secret, es war ein riesiger Erfolg und ich habe das nie verstanden.
01:10:00
WeiĂt du, Manifestationen und so in allen Ehren, ne, kann jeder machen, wenn mir jemand sagt, ich habe die und die tolle Sache manifestiert und das ist dann eingetreten, dann sage ich super, toll und das meine ich nicht mal sarkastisch, ne.
01:10:12
Ich meine, das kann ja im Grunde genommen nichts anderes als ein Placebo-Effekt sein, den es ja gibt und ich bin eh der Ăberzeugung, dass du dich mehr mit den positiven Gedanken beschĂ€ftigen solltest, gerade wenn du irgendwie erkrankt bist, als mit den negativen und dass dir und deiner Seele das was Gutes bringt.
01:10:27
Aber wenn dann jemand anfĂ€ngt zu behaupten, dass einem eine Krankheit widerfĂ€hrt und das auf die eigenen Gedanken zurĂŒckzufĂŒhren ist, dann kriege ich echt die absolute Vollkrise und genau das tut dieses Buch, ja.
01:10:40
Klar, es gibt Hinweise darauf, dass Stress oder Rauchen oder Alkoholkonsum oder so das Krebsrisiko direkt erhöhen, ne.
01:10:48
Aber es gibt halt eben keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und der Entstehung von jetzt beispielsweise Krebs, ja.
01:10:55
Also im Gegenteil, es gibt Studien, die zeigen, dass da viele Faktoren dran beteiligt sind, ne.
01:11:01
Genetische, umweltbedingte, natĂŒrlich auch ErnĂ€hrung und natĂŒrlich auch die Umgebung, in der man sich befindet.
01:11:07
Aber was die Autorin von The Secret propagiert, ist, dass die Ăberzeugungskraft des Denkens so mĂ€chtig ist, dass man sich damit selbst heilen kann.
01:11:17
Und damit ist die nicht alleine.
01:11:18
Das Buch ist ja jetzt auch schon ein bisschen Àlter.
01:11:20
Es gibt so viele Autoren, die erfolgreich mit so einer ScheiĂe sind, muss man ganz ehrlich mal so sagen, ja.
01:11:27
Gabor Matei, Joe Dispenza, der sagt zum Beispiel, dass man Krebs durch Meditation heilen kann.
01:11:33
Nee, oh Mann, das wusste ich nicht.
01:11:35
Also The Secret kenne ich, aber ich wusste nicht, dass da so viele drauf aufspringen.
01:11:39
Und Deepak Chopra und einige davon auch Mediziner.
01:11:44
Und das Àrgert einen ja so.
01:11:46
Hier der Chopra, der vermischt halt spirituelle und wissenschaftliche AnsÀtze und hat den Begriff Quantenheilung erfunden und sagt quasi, dass der Geist Krankheiten, also die Zellen heilen kann, indem man auf diesen Quantenbereich zugreifen kann und so.
01:12:03
Das heiĂt, das ist einfach irgendein wissenschaftlicher Begriff gemischt in so eine spirituelle ErzĂ€hlung, sodass manche Leute halt glauben, ja, der weiĂ mehr als andere.
01:12:14
Und die machen einen Haufen Kohle damit.
01:12:17
Und das ist ja dieses GefĂ€hrliche, wenn die dann auch noch einen Doktortitel haben und Medizin studiert haben, weil sie dann fĂŒr viele Menschen natĂŒrlich glaubwĂŒrdiger sind.
01:12:25
Und ja, und wenn die dann diese Begriffe dann da reinbringen, dann hört sich das noch ein bisschen kompetenter an.
01:12:31
Nee, aber man wird einfach nur sauer, wenn man sowas hört.
01:12:34
Weil jeder kann alles sagen, aber wenn sie mir keine Studien liefern oder das irgendwie mit Statistiken irgendwie belegt ist, wieso dĂŒrfen die das alle veröffentlichen?
01:12:47
Das ist ja eben auch das Ding, die sagen ja immer, das wÀre durch Studien belegt.
01:12:50
Das sagt ja der Hamer immer.
01:12:52
Also der hat auch in seinem Buch, hat der irgendwie so eine BestÀtigung von irgendeiner UniversitÀt drin, ne?
01:12:58
Die haben wir angeschrieben.
01:13:00
Da kam auch nie eine Nachricht zurĂŒck von wegen, ja, wir glauben das, wir bestĂ€tigen hiermit seine Theorien.
01:13:06
Also kompletter Quatsch.
01:13:08
Aber das musst du kurz noch erzÀhlen.
01:13:09
Also oder ich, wie Paulina hat diese Uni angeschrieben und dann hat sie mir gezeigt, wie diese Homepage von dieser Uni aussieht und wie die Leute da auf den Fotos aussehen.
01:13:20
Und das könnt ihr euch nicht vorstellen, sieht aus wie einem Karnevalsprospekt.
01:13:22
Ich weiĂ nicht, ob das irgendwas ganz Traditionelles in Bratislava ist oder so.
01:13:29
Und du hast gerade gesagt, dass das bei diesen MedizinerInnen ja das Problem ist, dass man dann halt eben denkt, die wissen es besser als andere Menschen und die haben selber irgendwas erforscht und so.
01:13:43
Und das finde ich so spannend, weil wir haben uns nochmal damit beschÀftigt, wie man eigentlich Wunderheiler und so dran kriegt, ne?
01:13:49
Und da ist uns aufgefallen, dass man gegen HeilpraktikerInnen zum Beispiel schon vorgehen kann, wenn sie gegen das Heilpraktikergesetz verstoĂen.
01:13:58
Und es gab aber mal einen Fall, da hatte das Bundesverfassungsgericht 2014 entschieden, dass ein Wunderheiler nach verfassungskonformer Auslegung nicht unter den Begriff der Heilkunde fÀllt.
01:14:11
Und zwar, weil ein sogenannter Wunderheiler, der spirituell wirkt und den religiösen Riten nÀher steht als der Medizin, der weckt im Allgemeinen die Erwartung auf heilkundlichen Beistand schon gar nicht.
01:14:22
Das finde ich auch interessant, dass man quasi dann sagt, Wunderheiler, wozu der nicht zÀhlt, der Hamer, ne?
01:14:28
Die sind so weit weg von der Medizin, dass man die dafĂŒr gar nicht verknacken kann, weil man dann auch sagen kann, hier, so, damit habe ich dich jetzt geheilt, ja?
01:14:39
Und dann ist es so, ja, okay, wer das glaubt, der hat irgendwie eigene Verantwortung, so nach dem Motto, ne?
01:14:44
Und dann habe ich mir gedacht, naja, aber solchen Leuten glaubt man ja auch dann vielleicht ein bisschen weniger als MedizinerInnen.
01:14:51
Und dann ist mir aber eingefallen, dass ich ja mal eine Reportage gemacht habe ĂŒber so einen Wunderheiler aus der Ukraine, dieser Wladimir Muntian.
01:14:57
Und da war ich bei einer seiner Messen in Berlin und der hat quasi vorher versprochen, ja, bei jeder Messe, die ich gebe, wird ein Wunder passieren, ja?
01:15:05
Also der sagt, der hat ĂŒbernatĂŒrliche KrĂ€fte, der ist selbsternannter Apostel und der hat gesagt, vor vier Jahren ist der Heilige Geist in ihn gefahren und seitdem behandelt der Menschen damit und treibt DĂ€monen aus und Krankheiten und so.
01:15:17
Und da waren sehr viele Menschen, sehr viele kranke Menschen, die du das auch angesehen hast, die, die letzten, also zum Teil letzte Hoffnung.
01:15:24
Dann finde ich es okay, wenn du quasi eh ja nichts mehr tun kannst und dann einfach, ne, auf ein Wunder hoffst, okay.
01:15:31
Schwierig wird es natĂŒrlich aber bei den Leuten, die eigentlich noch eine Therapie brauchen oder so, ne?
01:15:36
Und er hat da auch gesagt, Gott lehnt jegliche Diagnose ab.
01:15:41
Also das, was die ĂrztInnen da sagen, das stimmt alles gar nicht.
01:15:45
Und eine Frau hat mir dann auch da erzÀhlt, ja, die Leute, die nicht genug glauben, die gehen zum Arzt.
01:15:50
Die mĂŒssen da hingehen, weil sie halt nicht den Glauben an Gott haben.
01:15:53
Und dann waren da natĂŒrlich Leute im Rollstuhl, Blinde, die halt wirklich gehofft haben,
01:15:59
hoffentlich passiert mir heute dieses Wunder und hoffentlich kann ich danach nach Hause gehen oder danach wieder sehen.
01:16:04
Und das ist so traurig, ja, dass man damit spielt, mit dieser Hoffnung.
01:16:09
Und weiĂt du, und die gehen dann nach Hause und fragen sich, warum?
01:16:11
Habe ich nicht genug geglaubt?
01:16:13
Das ist ja das, was die machen.
01:16:15
Die legen die Verantwortung fĂŒr die Erkrankung, legen die zurĂŒck in deren HĂ€nde und sagen,
01:16:21
Du musst nur glauben daran, du musst dich nur mit deiner Psyche auseinandersetzen.
01:16:24
Du musst nur ganz viel meditieren und ganz viel bei dir sein.
01:16:27
Und dann wird es dir wieder gut gehen.
01:16:29
Und wenn es dir dann nicht gut geht.
01:16:30
Ja, wie bei Hama, wenn es dir dann nicht gut geht, dann hast du den Konflikt halt nicht gelöst und den Test nicht bestanden.
01:16:36
Und diese Leute, die hoffen, die hoffen natĂŒrlich, weil Menschen wie Hama, Menschen wie Vladimir Munchan
01:16:43
immer irgendwelche Beispiele vorbringen, die angeblich geheilt worden sind.
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Panorama hat da diese Menschen gecheckt, die da in seinem Bewerbungsvideo von Hama da erzÀhlt
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haben, wie sie geheilt wurden.
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Die sind alle danach gestorben an den Erkrankungen, ja.
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Vladimir Munchan, sein angebliches Wunder, da sind auf der BĂŒhne zwei Menschen umgekippt, ja.
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Also, und ich wÀre fast die dritte gewesen, weil ich nach vier Stunden da sowas von den Ranzen
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Was mir einfĂ€llt, was wir frĂŒher, glaube ich, ganz am Anfang von Mordlust manchmal gemacht
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haben, sind Empfehlungen.
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Und die so total in diese Richtung gehen und zeigen, dass man auch heute mit dieser, ja,
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mit so einer Verarsche auch richtig viel Geld an der Börse machen kann, zeigt der Fall aus
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der ersten Podcast-Staffel von Dr.
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Da geht es nÀmlich auch um so einen Krebsheiler, der in Amerika sein Unwesen treibt und sich da
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als Mediziner ausgibt.
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Aber er ist eigentlich Magier.
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Ja, ist eine ganz spannende Geschichte.
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Wir sehen uns hier nÀchste Woche auch wieder mit einer spannenden Geschichte.
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Und zwar geht es da um ein tödliches Liebesdreieck.
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Das war ein Podcast der Partner in Crime.
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Hosts und Produktion Paulina Graser und Laura Wohlers.
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Redaktion Magdalena Höcherl und wir.
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Schnitt Pauline Korb.
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Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.