00:00:11
Bekommen bei Mordlust, einem Podcast der Partner in Crime.
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Hier geht es um Wareverbrechen und ihre HintergrĂŒnde.
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Mein Name ist Paulina Kraser und normalerweise sitzt hier mit mir meine Kollegin und Freundin Laura Wolas, mit der ich immer einen bedeutsamen Waren-Kriminalfall nacherzÀhle.
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Gemeinsam ordnen wir den dann immer ein, erörtern und diskutieren die juristischen, psychologischen oder gesellschaftlichen Aspekte und sprechen mit Menschen mit Expertise.
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Heute aber fĂŒhre ich euch alleine durch diese Folge.
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Hier geht es um True Crime, also auch um die Schicksale von echten Menschen.
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Bitte behaltet das immer im Hinterkopf.
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Das machen wir auch.
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Selbst dann werden wir zwischendurch mal etwas abschweiĂen.
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Das ist fĂŒr uns so eine Art Comic Relief, aber natĂŒrlich nicht despektierlich gemeint.
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Es gibt ĂŒbrigens Menschen, die glauben, dass dieser Satz immer nur eingespielt wird, aber sagen wir den immer neu.
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FĂ€llt euch das auf?
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Weil wenn nicht, dann machen wir uns die MĂŒhe einfach in Zukunft nicht mehr.
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Bevor ich mit der heutigen Geschichte starte, in der es um einen Fall geht, der Platz fĂŒr sehr viel Spekulation bietet und nach wie vor fĂŒr groĂe Ratlosigkeit bei den Betroffenen und den Ermittlenden sorgt, will ich nur kurz darauf hinweisen.
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Letztes Jahr zu Weihnachten haben wir ja einen Ugly Christmas-Fetter rausgebracht.
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Und weil der wirklich so schnell weg war, haben wir uns gedacht, wir machen dieses Jahr wieder ein.
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mit einem neuen Motiv.
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Da sind wir gerade in den letzten Schritten.
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Ich wollte es euch nur schon mal sagen, falls ihr im Gegensatz zu mir euer Leben im Griff habt und schon jetzt darĂŒber nachdenkt, was ihr euren Freundinnen zu Weihnachten schenken wollt.
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Habt das einfach im Hinterkopf fĂŒr alle, die gerne Modest hören oder vielleicht wĂŒnscht ihr euch das ja auch einfach vom Weihnachtsmann.
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Wir sagen nochmal rechtzeitig Bescheid, wenn der online geht, es wird vermutlich in ein bis zwei Wochen soweit sein.
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Dann heiĂt es auf jeden Fall Countdown stellen, denn der wird auch diesmal wieder limitiert sein.
00:01:46
So, und jetzt geht es aber los mit einem Fall, der uns alle mal wieder daran erinnert, dass das, was wir von Menschen sehen, oft nur das ist, was sie bereit sind, uns zu zeigen und das unter der OberflĂ€che meist Probleme liegen, die fĂŒr uns alle ein Verborgenen bleiben sollen.
00:02:01
Die passende Triggerwarnung zu dem Fall findet ihr wie immer in der Folgendeschreibung.
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Beeindruckt richtet Sabine ihren Blick auf das Motiv der Torte, die in der Mitte der gedeckten Kaffeetafel steht.
00:02:18
Eigentlich ist das zuckrige Kunstwerk viel zu schade zum Essen, findet sie.
00:02:22
Doch die leuchtenden Kinderaugen ihrer kleinen Schwester machen ihr klar, dass die es kaum erwarten kann, dass der Kuchen endlich angeschnitten wird.
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Sabines Schwester Miriam feiert heute ihren zwölften Geburtstag.
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Zu diesem Anlass findet sich Sabine an diesem Nachmittag gemeinsam mit ein paar verwandten und Nachbarskindern im Wohnzimmer ihrer Mutter Sylvia und ihre Stieffahrt das Marco im niedersÀchsischen Drage wieder.
00:02:44
Schmunzelnd beobachtet die vierundzwanzigjĂ€hrige mit den mittellangen dunkelblonden Hahn und den sanften blauen Augen Miriam dabei, wie sie hasstig das bunte Geschenkpapier zerreiĂt und ihre ausgepackten PrĂ€sente stolz den GĂ€sten zeigt.
00:02:56
Die kindliche Euphorie hat etwas Ansteckendes und dort wird Sabine beim Anblick ihrer Schwester zugleich ein wenig wehmĂŒtig zum Mutter.
00:03:04
Wann ist ihre Miri eigentlich so groĂ geworden?
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Sabine kommt es vor, als sei es gestern gewesen, dass sie damals selbst als zwölfjÀhrige ihre kleine Schwester im Kinderwagen durch die Gegend vor, um sie endlich zum Schlafen zu bringen.
00:03:16
Und nun sitzt sie einem aufgeweckten MĂ€dchen mit langen blonden Haaren gegenĂŒber, das bei jeder Gelegenheit drauĂen spontan ein Rad schlĂ€gt, pern und glitzer fast genauso lieb wie das Reiten und das schon nĂ€chstes Jahr offiziell ein Teenager wird.
00:03:30
Sabine ist froh, dass sie den heutigen Tag mit Miriam und ihrer Familie genieĂen kann.
00:03:35
Vor allem, weil das Familienleben nicht immer so harmonisch war wie jetzt.
00:03:39
Die Beziehung zwischen Sabine und ihrer Mutter Sylvia ist kompliziert.
00:03:43
Als Sabine nineteenhundertneinundneunzig zur Welt kommt, sind ihre Eltern kein Paar mehr.
00:03:47
Der Kontakt zu ihrem Vater bricht ab und so wÀchst Sabine allein mit ihrer Mutter auf.
00:03:52
Viele Jahre gibt es nur sie beide.
00:03:54
Doch ein eingespÀhtes Mutter-Tochter-Do, das wird aus ihnen nicht.
00:03:59
Schon als kleines MĂ€dchen kommt Sabine mit Sylvia strenger, kĂŒhler Art nur schwer zurecht.
00:04:04
Oft wĂŒnscht sie sich, ihre Mutter wĂŒrde sie einfach mal in den Arm nehmen und ihr sagen, dass sie sie lieb hat.
00:04:09
Doch stattdessen hat Sabine das GefĂŒhl, sich ihre Zuneigung regelrecht erkĂ€mpfen zu mĂŒssen und ihren AnsprĂŒchen nie zu genĂŒgen.
00:04:16
sei es bei ihrer Mithilfe im Haushalt oder bei den Hausaufgaben, ĂŒber denen sie oft bis spĂ€t abends sitzt, bis ihre Mutter daran nichts mehr auszusetzen hat.
00:04:25
Heute als erwachsene Frau, die selbst Mama einer zweijĂ€hrigen Tochter ist, weiĂ Sabine, dass ihre Mutter rĂŒckblickend zwar immer nur das Beste fĂŒr sie gegeben hat.
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Teilweise hatte sie sogar drei Jobs gleichzeitig, um gut fĂŒr sie zu sorgen.
00:04:37
Doch wie sich RĂŒckhalt und WĂ€rme anfĂŒhlen, das erfĂ€hrt Sabine erst so richtig mit neuen Jahren.
00:04:41
Als Marco, der neue Mann an Silvia's Seite wird und schlieĂlich mit der Heirat ihrer Mutter wenige Jahre spĂ€ter offiziell ihr Stiefvater wird.
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Sabine ist keines der Kinder, die gegen einen Stiefelternteil rebellieren und dessen Platz in der Familie nicht akzeptieren wollen.
00:04:55
Ganz im Gegenteil.
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Marco, ein groĂer, krĂ€ftiger Mann mit kurzen dunklen Haaren und verschmitzten LĂ€cheln, besitzt all die Eigenschaften, die Sabine stets an ihrer Mutter vermisst hat.
00:05:05
Er ist unkompliziert, herzlich und feinfĂŒhlig.
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Mit seiner liebevollen Art erobert er damals Sabines kindliches Herz im Sturm und vermittelt in Streitmomenten zwischen ihr und ihrer Mutter und macht ihr klar, dass es nichts gebe, ĂŒber das man nicht reden könne und kein Problem zu groĂ sei, um es gemeinsam zu lösen.
00:05:22
Marco wird fĂŒr Sabine zu einer wichtigen Bezugsperson, ein Ersatzpapper, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie sich nach so jemandem gesehen hat.
00:05:30
Als zwei Tausend drei ihre kleine Schwester Miriam geboren wird, hat Sabine mehr denn je das GefĂŒhl Teil einer richtigen, intakten Familie zu sein.
00:05:38
Doch die Harmonie erlebt immer wieder DĂ€mpfer.
00:05:41
Je Àlter Sabine wird, desto öfter fliegen zwischen ihr und Mutter Sylvia die Fetzen.
00:05:45
Sabine liebt ihre Mutter, das tut sie wirklich.
00:05:48
Und obwohl sie sich in vielen Dingen Ă€hneln, zum Beispiel in ihrer Sturheit und Direktheit, passt es menschlich einfach ĂŒberhaupt nicht zwischen ihnen.
00:05:55
Als wĂ€ren sie zwei gleiche Pole, die einander abstoĂen.
00:06:00
Im Teenager-Alter fĂŒhlt sich Sabine von ihrer Mutter zunehmend Unverstanden.
00:06:04
Zwar runen Silvias groĂe blauen Augen oft streng auf ihr, doch wirklich Interesse an Sabines Leben und ihren Gedanken zeigt sie nicht.
00:06:12
Stattdessen kritisiert sie Sabine in einer Tour und treibt sie damit regelrecht zur WeiĂglot.
00:06:17
Sabine ist verzweifelt, egal was sie macht, egal was sie leistet, sie hat das GefĂŒhl fĂŒr ihre Mutter nie gut genug zu sein.
00:06:24
Als sie sechzehn Jahre alt ist, bauscht sich ein banaler Streit zwischen ihnen so sehr auf, dass es zur Eskalation kommt.
00:06:30
Die Familie hat gerade Besuch zum Grillen da, als Sabine ein Brot anhebt, das ihre Mutter fĂŒr diesen Anlass gebacken hat.
00:06:37
Als dabei ein StĂŒck der Kruste abbricht, wird Sylvia richtig sauer und weist ihre Tochter daraufhin vor allen Leuten zurecht.
00:06:43
FĂŒr Sabine steht diese Situation stellvertretend, fĂŒr Sylvia ist Rang nach Perfektionismus, dem Sabine nie gerecht werden kann.
00:06:51
Es ist der Moment, der das Fass endgĂŒltig zum Ăberlaufen bringt.
00:06:55
Obwohl Marco noch versucht, die Situation zu beruhigen, marschiert Sabine wĂŒtend in ihr Zimmer, stopft die wichtigsten Dinge in eine Tasche und stimmt aus dem Haus, um bei ihrem damaligen Freund unterzukommen.
00:07:05
Und sie kommt nie wieder zurĂŒck.
00:07:08
Zumindest nicht, um dort zu wohnen.
00:07:10
TatsĂ€chlich hat die rĂ€umliche Distanz die Lage entspannt und mittlerweile besucht Sabine ihre Familie zwar nicht jede Woche, aber regelmĂ€Ăig.
00:07:18
So wie heute, anlÀsslich Miriams zwölften Geburtstags.
00:07:23
WÀhrend Sabine Schwester samt Geschenken und Nachbarskinder lÀngst in ihrem Zimmer verschwunden ist und Sylvia und Marco um die GÀste herumschwirren, nimmt Sabine an ihrem Kaffee.
00:07:32
Sie ist Kuchen und unterhÀlt sich mit anderen Leuten am Tisch.
00:07:35
FĂŒr die Vier- und ZwanzigjĂ€hrige ist es ein netter, wenn auch unspektakulĂ€rer Nachmittag.
00:07:40
Doch was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, der heutige neunte Mai, Zwei-Tausend-FĂŒnfzehn, wird zu ZĂ€sur werden.
00:07:46
Ihr Leben in ein davor und ein da nachteilen.
00:07:49
Unser Biene wird diesen Tag in Zukunft immer wieder gedanklich durchgehen und sich fragen, ob die Katastrophe sich bereits an diesem Tag abzeichnete.
00:08:00
Etwa zweieinhalb Monate spÀter.
00:08:01
Es ist Freitag, der vierundzwanzigste Juli, als bei Sabine zu Hause in Buchholz am Mittag das Telefon klingelt.
00:08:08
Die vierundzwanzigjÀhrige nimmt ab, worauf sich eine unbekannte weibliche Stimme meldet und ein seltsames Telefonat beginnt, das Sabine uns im GesprÀch so geschildert hat.
00:08:19
Die haben mich dann gefragt, ob sie meine Mutter sprechen könnte.
00:08:27
Dann habe ich sie ĂŒber die WohnverhĂ€ltnisse aufgeklĂ€rt, gesagt, dass mein Mann ich und mein Kind hier wohnen.
00:08:35
Und dass meine Mama hier gar nicht wohnt und so.
00:08:37
Und dann haben sie das quasi aufgelöst und haben gesagt, ja, ihre Mama wird vermisst, sowie auch der Rest der Familie.
00:08:47
Sabine ist irritiert.
00:08:50
Was soll das bedeuten?
00:08:51
Noch bevor sie genauer nachfragen kann, spricht die Beamtin weiter.
00:08:54
Sabine erfÀhrt, dass der Chef ihrer Mutter sie vor wenigen Stunden als vermisst gemeldet hat, nachdem Sylvia die vergangenen zwei Tage unentschuldigt auf ihrer Arbeitsstelle bei einem Discounter gefehlt hat.
00:09:05
Die Polizei habe immer wieder versucht, die dreiundvierzigjÀhrige auf dem Festnetzanschluss zu erreichen, doch niemand habe abgenommen.
00:09:11
Weder sie noch Marco und auch nicht Sabine Schwester Miriam, die angesichts der Sommerferien zu Hause sein dĂŒrfte.
00:09:18
Sabine beginnt zu ĂŒberlegen.
00:09:20
Ihre Mutter ist eine zuverlĂ€ssige Frau, die ihrem Chef vermutlich sogar dann Bescheid geben wĂŒrde, wenn sie sich morgens auch nur um fĂŒnf Minuten verspĂ€tet.
00:09:28
Einfach nicht zur Arbeit zu erscheinen.
00:09:30
Das passt nicht zu ihr.
00:09:32
Die Polizistin möchte von Sabine wissen, ob es einen anderen Weg gÀbe, die Familie zu kontaktieren, worauf die VierundzwanzigjÀhrige ihr die Handynummern derdreidektiert.
00:09:42
Sabine fĂ€llt es schwer, ihre GefĂŒhle in diesem Moment zu ordnen.
00:09:45
Die Situation, das Telefonat, all das kommt ihr einfach so real vor.
00:09:50
Sie selbst beschreibt es so.
00:09:52
Ich war in dem Moment irgendwo zwischen, das ist irgendwie grad gar nicht so richtig real und irgendwie so zwischen, ja, was wird das jetzt wohl sein?
00:10:03
Also... Ja, ich hab mich halt gefragt, nur weil die jetzt mal nicht da sind, was macht man da jetzt fĂŒr eine Polizei-Aufriss, so nach dem Motto, also warum?
00:10:14
Und ich hab mir nichts wirklich dabei gedacht, ehrlich gesagt.
00:10:17
Und hab dann auch gefragt, wie es jetzt weitergehen wĂŒrde.
00:10:20
Und dann haben die gesagt, ja, die werden versuchen, die Handynummern nach und nach immer mal wieder zu erreichen.
00:10:25
Wenn sich da dran nichts tut, dann wĂŒrden sie sich wieder melden.
00:10:29
Nachdem das Telefonat beendet ist, greift Sabine entschlossen zum Handy.
00:10:33
Dass ihre Mutter seit zwei Tagen nicht zur Arbeit erschienen ist, ist das eine.
00:10:37
Doch irgendjemand aus der Familie wird doch wohl zu erreichen sein und eine ErklĂ€rung fĂŒr dieses Verhalten abgeben können.
00:10:43
Sabine weht nun selbst die Handy nochmal ihrer Mutter.
00:10:46
Doch statt ihrer vertrauten Stimme ertönt kurz darauf die automatische Ansage der Mailbox, genau wie auf den Handys von Marco und Miriam.
00:10:54
Die vierundzwanzig Jahre gespĂŒrt, wie sich Unruhe in ihr Breit macht.
00:10:58
Was zur Hölle ist hier los?
00:10:59
Wo stecken die drei nur?
00:11:02
WĂ€hrend Sabine zu Hause nervös auf und abgeht, beginnt sie zu ĂŒberlegen.
00:11:06
Theoretisch könnten ihre Mutter, ihr Stiefvater und ihre Schwester spontan weggefahren sein.
00:11:11
SchlieĂlich haben gestern offiziell die Sommerferien in Niedersachsen begonnen und Marco ist aufgrund einer kleinen Knie-OP seit ein paar Wochen krankgeschrieben.
00:11:20
Doch das wĂŒrde zeitlich keinen Sinn ergeben.
00:11:22
In ein paar Tagen geht es fĂŒr mehrere Jahre in den Reiturlaub, auf den die ZwölfjĂ€hrige schon seit Monaten hin fiebert.
00:11:28
Und dann steht auch noch der gebuchte Ăgyptenurlaub der Familie in wenigen Wochen an.
00:11:32
Ne, eine spontane Reise oder ein Kurztrip, das kann sich Sabine einfach nicht vorstellen.
00:11:37
Zumal das auch nicht erklĂ€ren wĂŒrde, warum ihre Mutter unentschuldigt bei der Arbeit fehlt und die drei nicht erreichbar sind.
00:11:44
Um ihre NervositÀt in Schacht zu halten, ermahnt Sabine sich gedanklich Ruhe zu bewahren.
00:11:49
Es wird schon nicht sein.
00:11:50
Vermutlich handelt es sich hier einfach nur um ein groĂes MissverstĂ€ndnis, dass sich bald aufklĂ€ren wird.
00:11:57
Gegen Abend beschlieĂt Sabine, dass sie es nicht mehr aushĂ€lt zu warten, bis die Polizei sich wieder bei ihr meldet.
00:12:03
Also ruft sie selbst die Dienststelle an und fragt, ob es etwas Neues gibt.
00:12:09
Noch immer weiĂ niemand, wo die drei sind.
00:12:12
Sabine erfÀhrt, dass die Polizei nun plant, das zu Hause ihrer Familie aufzusuchen.
00:12:17
Sie schlĂ€gt vor, dazu zu stoĂen, was die Polizei dankend annimmt.
00:12:21
Und so macht sich die vierundzwanzigjÀhrige kurz darauf auf den Weg zu jenem Haus, in dem sie noch vor zweieinhalb Monaten den Geburtstag ihrer kleinen Schwester gefeiert hat.
00:12:29
Und das nun zum Ausgangspunkt eines Polizeieinsatzes wird.
00:12:34
Mauern aus rotem Backstein, helle Fensterrahmen und einem gepflegter grĂŒner Vorgarten, in dem eine kleine Kurve aus Asphalt den Weg zur SchneewaiĂenhaustĂŒr ebnet.
00:12:44
Das Zuhause von Silvia Marco und Miriam Schulze liegt in einer Neubausiedlung in Drage, sĂŒdöstlich von Hamburg, und ist ein echtes SchmuckstĂŒck.
00:12:53
Die gerĂ€umige Immobilie strahlt sowohl ModernitĂ€t als auch GemĂŒtlichkeit aus.
00:12:57
Doch an diesem Abend erlebt die Idylle einen Bruch durch die Polizeiautos, die ihr kĂŒhles blaues Licht an die Hausfassade werfen.
00:13:05
Als Sabine mit dem Auto ankommt, fÀllt ihr Blick auf die zahlreichen Einsatzwagen, die in Reih und Blied vor dem Haus stehen.
00:13:12
Die EingangstĂŒr steht offen.
00:13:14
Sabine beobachtet, wie Polizistinnen ein- und austreten.
00:13:17
An der StraĂe laufen Beamtinnen mit SpĂŒrhunden an der Leine entlang.
00:13:21
Sabine merkt, wie sich ihr Marken zusammenzieht.
00:13:24
Ihr war klar, dass die Polizei hier vor Ort sein wĂŒrde, aber mit so einem Aufriss inklusive Blaulicht hat sie nicht gerechnet.
00:13:31
Irgendwie wird er erst jetzt so richtig bewusst, dass die Lage offenbar ernst ist.
00:13:37
Sabine wird bereits erwartet.
00:13:38
Ein Beamter kommt auf sie zu und bittet sie, nach kurzem Blick auf ihrem Personalausweis, ihn ins Haus zu begleiten.
00:13:44
Sabine folgt ihm, wenn auch mit ungutem GefĂŒhl.
00:13:48
So viele Male war sie schon hier.
00:13:50
So viele Male ist sie bereits durch diese TĂŒr gegangen.
00:13:53
Doch heute ist alles anders.
00:13:55
Als sie eintritt, suchen ihre Augen nahezu automatisch nach vertrauten Gesichtern.
00:13:59
Denen von Mutter Sylvia, Stiefvater Marco oder ihrer kleinen Schwester Miriam.
00:14:04
Doch die drei sind nicht hier.
00:14:05
Stattdessen öffnen fremde Menschen nach und nach sĂ€mtliche Schubladen, verrĂŒcken Möbel, rĂ€umen SchrĂ€nke aus und stellen ihr altes Zuhause schlichtweg auf den Kopf.
00:14:15
In mitten dieser skurrilen Situation, in der sich Sabine vorkommt, als wĂ€re sie die Protagonistin eines Tatortfilms, fĂŒhren zwei Beamte in Zivil sie ins Wohnzimmer und bitten sie am Ess-Tischplatz zu nehmen.
00:14:26
Dann beginnen sie Sabine zu briefing.
00:14:29
Die VierundzwanzigjĂ€hrige erfĂ€hrt, dass die EinsatzkrĂ€fte vor einigen Stunden angerĂŒckt seien und ihnen trotz mehrfachen Klingelns niemand die TĂŒr geöffnet habe.
00:14:38
Nachbarin, die das Geschehen beobachtet hĂ€tten, seien daraufhin auf sie zugekommen und hĂ€tten sie auf einen versteckten ErsatzschlĂŒssel im Eingangsbereich hingewiesen, mit dem die Polizisten sich dann Zugang verschafft hĂ€tten.
00:14:50
Die beiden Beamten berichten Sabine, dass auf den ersten Blick nichts darauf hindeutete, dass hier etwas Ungewöhnliches passiert sei, etwa ein Unfall oder gar ein Verbrechen.
00:15:01
Man habe weder Spuren eines Einbruchs noch eines Kampfes sicherstellen können und dennoch gĂ€be es einige Dinge, die sie stutzig machen wĂŒrden.
00:15:09
Was das fĂŒr Dinge sind, das hat uns Michael DĂŒker erzĂ€hlt, der damals als Kriminalhauptkommissar in dem Fall ermittelt hat.
00:15:15
Ja, es war also wirklich sehr, sehr eigenartig, als wir das Haus bzw.
00:15:20
die Kollegen das Haus betreten haben.
00:15:22
Da hat man am Eingang, dass die Familie normalerweise das Haus betritt, nĂ€mlich nicht durch die HaustĂŒr, sondern ĂŒber den Hauswirtschaftsraum, durch eine SeitentĂŒr.
00:15:33
Dort befindet sich eine Waschmaschine und auf dieser Waschmaschine stand dann die Handtasche der Frau und die AutoschlĂŒssel und HausschlĂŒssel.
00:15:42
Das deutete also darauf hin.
00:15:44
Die sind nach Hause gekommen oder die Frau zumindest nach Hause gekommen.
00:15:48
Und wenn man sich das Haus dann nĂ€her betrachtet, hat man eben festgestellt, dass der KĂŒhlschrank gut gefĂŒllt war, wie es bei einer normalen Familie ist.
00:15:56
Und es war alles normal aufgerÀumt.
00:15:59
Es war nichts durchwĂŒhlt.
00:16:01
Es deute nichts auf irgendeine Besonderheit hin.
00:16:05
Die Autos waren da.
00:16:06
Das Haus war verschlossen bis auf ein Fenster, was auf Kipp stand und die Hauskatze.
00:16:13
war auch zu Hause.
00:16:15
AuĂerdem wurden die PĂ€sse von Silvia Marco und Miriam gefunden.
00:16:18
FĂŒr die Polizei spricht das alles gegen ein spontanes Verreisen der Familie.
00:16:23
Das einzige, was im Haushalt der Schulzes nachweislich fehlt, sind die Handys der drei und Markus Dunkel-GrĂŒnes Herrenfahrrad, das laut Angaben von Nachbarn stets im Schuppen stehe.
00:16:33
Ansonsten wirke im Haus alles normal.
00:16:39
FĂŒr die Ermittlenden ist klar, irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht.
00:16:42
Alles im Haus vermittelt den Eindruck, als sei die Familie nur kurz weggegangen.
00:16:46
Als hÀtten Sylvia, Marco und Miriam nicht geplant, das Haus lÀnger zu verlassen.
00:16:50
Im Gegenteil, es wirkt, als habe man ihr Leben mitten im Alltag angehalten und sie aus ihrer heimischen Kulisse einfach ausradiert.
00:16:58
Die Schulzes sind wie vom Erdboden verschluckt.
00:17:02
Doch wie kann das sein?
00:17:04
Musste die Familie vielleicht ĂŒberstĂŒrzt weg oder hatte sie jemand gewaltsamer aus dem Haus gerissen und dabei keine Spuren hinterlassen?
00:17:10
FĂŒr die Polizei ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar, womit sie es hier zu tun hat.
00:17:16
Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, beginnen die Beamten daher, Sabine mit Fragen zu löchern.
00:17:21
Sie möchten wissen, ob sie eine ErklĂ€rung fĂŒr das verschwinden habe oder eine Vermutung, wo die drei stecken könnten.
00:17:27
Doch die vierundzwanzigjĂ€hrige ist genauso ratlos fĂŒr die Polizei.
00:17:31
Sie weiĂ nichts dergleichen und auĂerdem will sie auch keine Fragen mehr beantworten.
00:17:35
Denn in Sabine macht sich damals ein ungutes GefĂŒhl breit, hat sie uns erzĂ€hlt.
00:17:40
Du siehst dein Elternhaus und du sitzt an dem Tisch, an dem ihr noch vor zwei Monaten ungefÀhr zusammen gegessen habt und ja in einer schönen Situation war.
00:17:53
Das war der Geburtstag von meiner Schwester, das letzte Mal, als ich da war.
00:17:58
Und da sitzt du auf einmal mit Polizisten und musst Fragen beantworten ĂŒber deine Familie, ĂŒber FamilienzustĂ€nde, ob die viel Streit hatten, ob irgendwas vorgefallen ist, was du denen erzĂ€hlen kannst.
00:18:09
Menschen durchsuchen das Haus, deine Eltern pflĂŒcken sĂ€mtliche Sachen auseinander, machen sogar vor der DreckwĂ€sche nicht halt.
00:18:17
Und wÀhrenddessen sollst du dich auf Fragen konzentrieren, die sich auf die persönliche Ebene deiner Eltern bezieht.
00:18:24
Ja, ich wollte schnell raus aus dieser Szenerie.
00:18:27
einfach sehr zu schaffen gemacht.
00:18:30
Die Polizei kommt Sabines bitte nach, sie darf gehen.
00:18:32
Schnellen Schritt ist, tritt sie durch die HaustĂŒr hinaus in den Vorgarten und lĂ€uft dabei fast Menschen in schwarz-gelben Uniformen in die Arme, die sich auf dem GrundstĂŒck ihrer Familie versammeln.
00:18:42
Es sind Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr-Drage, die sich bereit halten fĂŒr eine lange Nacht.
00:18:46
Denn wĂ€hrend Sabine nun am Ende dieses schlimmen Tages erschöpft, ins Auto steigt und sich auf den nach Hause Weg macht, geht die Arbeit fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte nun erst richtig los.
00:18:56
Die Dunkelheit hat sich bereits ĂŒber Drage gelegt, als an diesem spĂ€ten Freitagabend, im Juli, die Suche nach Familie Schulze beginnt.
00:19:04
Die Polizei nimmt den vermissten Fall sehr ernst.
00:19:07
SchlieĂlich ist es ungewöhnlich, dass von heute auf morgen eine dreiköpfige Familie ohne jegliche ErklĂ€rung verschwindet.
00:19:14
Das ganze Wochenende lang durchkÀmmen EinsatzkrÀfte den Wohnort von Sylvia, Marco und Miriam und nehmen nahezu jeden Zentimeter Drages unter die Lupe.
00:19:22
Hunderschaften der Polizei sind im Einsatz Personenschwörhunde sowie Polizeihubschrauber, die aus der Luft ausschauen, nach den Dreien halten.
00:19:30
Zudem erteilt die Polizei-Kriminalhauptkommissar Michael DĂŒcker, die Aufgabe, eine Sonderkommission aufzustellen.
00:19:36
Die sogenannte Soko-Schulze ist fortan fĂŒr den vermissten Fall zustĂ€ndig und knĂŒpft sich in den ersten Tagen der Ermittlungen vor allem den nahegelegenen Elbstrand immer wieder grĂŒndlich vor.
00:19:46
Wieso, das hat uns Michael DĂŒcker erklĂ€rt.
00:19:49
Also der Wohnort liegt direkt an der Elbe und das Wohnhaus ist auch nicht weit entfernt.
00:19:55
Und es ist einfach das schönste Spazierweg, dort an die Elbe zu gehen, an den Elbstrand zu gehen.
00:20:01
Und es war bekannt, dass die Familie doch hÀufig spazieren geht.
00:20:04
Und aus diesem Grund lag es nahe, dass sie möglicherweise, das Haus sah ja frisch verlassen aus, einen Spaziergang an die Elbe gemacht haben.
00:20:13
Es war Sommer, es bestand auch die Möglichkeit dort zu baden.
00:20:16
Die Soko entschlieĂt sich dazu, den Elbstrand mit Personensperhunden umfangreich abzusuchen.
00:20:21
Und tatsÀchlich schlagen die Hunde an.
00:20:24
Sie fĂŒhren die Ermittlenden zu einer Badesstelle und einer angrenzenden Wiese, woraufhin unter Zunahme der Feuerwehr eine groĂangelegte Suche vor Ort beginnt.
00:20:33
Doch letztendlich fĂŒhrt der Einsatz am Elbstrand ins Leere, genauso wie alle anderen Suchaktionen an diesem Wochenende.
00:20:40
Sylvia, Marco und Miriam bleiben verschwunden.
00:20:43
Sabines Familie.
00:20:45
Sie hat das GefĂŒhl, die Situation immer noch nicht richtig greifen zu können.
00:20:48
Unglaubigkeit bestimmt ihre Gedanken und lĂ€sst wenig Raum fĂŒr Emotionen wie Angst und Panik.
00:20:54
Immer wieder zĂŒckt Sabine ihr Handy, öffnet die WhatsApp-Chats mit ihrer Familie und schickt ihnen Nachrichten.
00:21:00
In einigen wettet sie demĂŒtig um ein Lebenszeichen.
00:21:03
In anderen schlÀgt sie einen strengeren Ton an, hat sie uns erzÀhlt.
00:21:07
Ich weiĂ, dass ich bei meiner Schwester noch darauf geachtet habe, sie nicht zu beunruhigen, falls ich sie lesen sollte.
00:21:13
Bei meiner Schwester habe ich nur so was geschrieben, wie Mary weiĂ, wo Mama und Marco sind.
00:21:19
Und wenn du das liest, wo bist du?
00:21:21
So was habe ich da geschrieben.
00:21:23
Und zu meiner Mutter habe ich tatsÀchlich geschrieben, also da bin ich... Ich glaube, ich war ein bisschen ausfallend.
00:21:29
Ich habe so geschrieben, falls das jetzt hier irgendjemand witzig findet, das ist es nicht.
00:21:33
Da sind gerade Menschen in eurem Haus, fremden Menschen und die haben auch die ganzen privaten Sachen auf den Kopf gestellt.
00:21:40
Also, falls euch da noch irgendwas dran liegt, solltest du dich langsam mal melden.
00:21:44
Auch ihrem Stiefvater Marco schreibt Sabine immer wieder.
00:21:47
Doch ihre Nachrichten gehen nicht durch.
00:21:49
Das verrÀt ihr jedes Mal der einzelne Haken am Ende ihrer Zeilen.
00:21:53
Da ihr das verschwinden ihrer Familie laut eigenen Worten wie der Prank einer geschmacklosen Comedy-Show vorkommt, gibt Sabine sich keinen Katastrophenszenarien hin.
00:22:02
Sie ist nach wie vor davon ĂŒberzeugt, dass es sich hier um ein riesengroĂes MissverstĂ€ndnis handelt und alles wieder gut werden wird.
00:22:09
Schon bald, sagt sie sich, werden ihre Mama Marco und ihre kleine Schwester wieder auftauchen, ihr eine ErklĂ€rung fĂŒr das ganze Theater liefern und sie fest in ihre Arme schlieĂen.
00:22:18
Es ist ein wohltunnder Gedanke, an den sie sich festklammert.
00:22:22
Denn die Alternative wÀre schlichtweg nicht zu ertragen.
00:22:27
Drei Personen, die von heute auf morgen verschwunden sind, eine ganze Familie, die wie aus dem Leben gerissen wirkt.
00:22:33
FĂŒr die Menschen im beschaulichen Trage ist das ein groĂer Schock.
00:22:37
Immer wieder werfen AnwohnerInnen an diesem Wochenende wehmĂŒtige Blicke auf das rote Klinkerhaus, dessen HaustĂŒr nun von einem polizeilichen Absperrband versiegelt ist.
00:22:46
Noch vor wenigen Tagen gingen die Schulzes hier ein und aus, doch wo sich vor kurzem noch Familienalltag abspielte, herrscht nun eine beklemmende Stille.
00:22:55
Die Sorge um die drei gleicht einer Gewitterwolke, die tief ĂŒber dem Ort hĂ€ngt und ihnen in Dunkelheit taucht.
00:23:01
Die Schulzes gelten in Trage als zurĂŒckhaltende Familie, als höfliche, freundliche und unauffĂ€llige Menschen.
00:23:08
Umso rÀtselhafter wirkt ihr Vermisstenfall und lÀsst die Vermutung zu, dass die Familie möglicherweise nicht freiwillig verschwunden ist.
00:23:15
möglich, dass die drei entfĂŒhrt wurden.
00:23:18
Könnte es sein, dass Marco oder Sylvia Feinde oder Kontakte zu den falschen Leuten hatten und in ihrem eigenen Haus vielleicht mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurden, ihr zu Hause zu verlassen?
00:23:29
Das wĂŒrde zumindest erklĂ€ren, warum kaum private GegenstĂ€nde fehlen, ihre Autos noch immer vor dem Haus stehen und auch Sylvia's Handtasche gefunden wurde.
00:23:37
Befinden sich die drei möglicherweise derzeit geknebelt und gefesselt an einem unbekannten Ort?
00:23:43
Eine schaurige Vorstellung.
00:23:45
Doch die Polizei geht nicht davon aus.
00:23:47
Neben einer spontanen Reise ist eine EntfĂŒhrung mittlerweile das einzige, was die Ermittlenden als Ursache fĂŒr das Verschwinden der Familie ausschlieĂen können.
00:23:55
Die Soko hat herausgefunden, dass die Schulzes keine wohlhabende Familie sind.
00:23:59
Mit ihren zwei GehĂ€ltern kommen sie eher gerade so ĂŒber die Runden.
00:24:03
AuĂerdem ist seit ihrer Abwesenheit keine Lösegeldforderung eingegangen.
00:24:07
Die Ursache fĂŒr das Verschwinden von Sylvia, Marco und Miriam muss woanders liegen.
00:24:12
Womöglich sogar innerhalb der Familie.
00:24:15
Die ermittelnden StoĂen schlieĂt nicht auf eine Information, die ihre Aufmerksamkeit erregt.
00:24:19
Miriam war die letzten zwei Tage vor den Sommerferien nicht in der Schule.
00:24:24
Ihre Mutter hatte die zwölfjÀhrige krank gemeldet, angeblich wegen Bauchschmerzen.
00:24:30
Eine Tatsache, die die Soko uns grĂŒbeln bringt.
00:24:32
War Miriam wirklich krank?
00:24:34
Oder war es ein vorgetÀuschter Grund, um sie zu Hause zu lassen?
00:24:38
Vielleicht um einen Abtauchen vorzubereiten?
00:24:41
dass die Familie selbst bestimmt alle Zelte abgebrochen hat, ist eine Option, die auf den ersten Blick absurd erscheint.
00:24:47
SchlieĂlich haben die Schulzes ihre PĂ€sse, Sylvias Geldbörse sowie sĂ€mtliche BesitztĂŒmer im Haus zurĂŒckgelassen.
00:24:53
Aber es ist eine Theorie, die im Raum steht.
00:24:55
Und das nicht nur wegen Miriams Fehltagen, sondern auch aufgrund einer merkwĂŒrdigen Beobachtung.
00:25:01
Von Miriams Klassenlehrerin erfÀhrt die Polizei das Mutter Sylvia am Dienstag, dem vorletzten Schultag und drei Tage vor der Vermisstenmeldung in die Schule gekommen sei.
00:25:11
WĂ€hrend Miriam dem Unterricht fernblieb, habe die dreinvierzigjĂ€hrige den Spind ihrer Tochter ausgerĂ€umt, alle persönlichen Sachen darin mitgenommen und sogar die SchulbĂŒcher abgegeben.
00:25:20
Ganz so, als habe sie gewusst, dass ihre Tochter nach den Ferien nicht zurĂŒckkehren werde.
00:25:26
Und nicht nur das.
00:25:27
Durch eine Schulfreundin von Miriam kommt noch ein weiteres Detail ans Licht.
00:25:31
Eins, das die Emmettinnen stutzig macht.
00:25:34
Das MĂ€dchen berichtet, dass Miriam ihr kurz vor ihrem Verschwinden etwas MerkwĂŒrdiges anvertraut habe.
00:25:40
Sie habe gesagt, dass sie nicht wisse, ob sie wirklich in den geplanten Reiturlaub fahren könne.
00:25:45
Warum habe sie verschwiegen?
00:25:47
Miriams Krankheitstage, das AusrÀumen ihres Schulspins und ihr Bangen um die Reiterferien.
00:25:52
FĂŒr die Polizei sind es Teile eines Puzzles, die noch kein Ganzes ergeben.
00:25:57
Und doch zeichnen sie das Bild einer Familie, in der offensichtlich irgendetwas vor sich ging.
00:26:02
Am Montag, drei Tage nach Eingang der vermissten Meldung, beschlieĂen Michael DĂŒcker und sein Team den nĂ€chsten Schritt, in der Ermittlungsarbeit zu gehen.
00:26:09
Es ist an der Zeit, die Ăffentlichkeit mit ins Boot zu holen.
00:26:12
Schon bald bedecken Fahndungsplakate, auf denen die biometrischen Passbilder der drei abgebildet sind, Werbe sollen und Schaufenster.
00:26:20
Norddeutsche Radiosender berichten ĂŒber den Fall und Soko-Leiter Michael DĂŒcker tritt vor die Fernsehkameras, um in der Sendung Aktenzeichen XY um mithilfe zu bitten.
00:26:29
Die Polizei hofft auf Menschen, die die Familie kurz vor oder nach ihrem Verschwinden gesehen haben.
00:26:34
Doch trotz der groĂen medialen Reichweite bleiben die Telefone der Ermittlenden ungewöhnlich ruhig, erinnert sich Michael DĂŒcker.
00:26:42
Ja, es war erschreckend wenig.
00:26:44
Wir waren also ganz erstaunt.
00:26:45
Wir haben fast gar keine Hinweise bekommen.
00:26:48
Wir haben letzten Endes Hinweise bekommen, wann Marco Schulze zuletzt, wo gesehen wurde.
00:26:55
Aber es kam fast nichts.
00:26:57
Es kam fast nichts an Hinweisen, die man hÀtte abarbeiten können.
00:27:03
Das war sehr erstaunlich.
00:27:05
Das ist absolut ungewöhnlich.
00:27:06
Zuletzt gesehen wurde Marco Schulze am frĂŒhen Donnerstagmorgen einen Tag vor der Vermisstenmeldung als er mit dem Auto durch Drage fuhr.
00:27:15
Dieser Hinweis hilft den Emmettlenden aber nicht wirklich weiter, zumal ja im Zuge der Hausdurchsuchung beide Fahrzeuge der Familie sichergestellt wurden.
00:27:22
Also sprich, Marco muss nach dieser Fahrt wieder nach Hause gekommen sein.
00:27:26
hat Michael DĂŒger selbst betont, dass es die absolute Ausnahme ist, dass im Zuge einer Ăffentlichkeitsverhandlung so wenig Hinweise eingehen.
00:27:34
Oft ist nĂ€mlich ja das Gegenteil der Fall und Polizisten mĂŒssen auf einer Flut an Anrufen und Hinweisen herausfiltern, was wirklich nĂŒtzlich sein könnte und was nicht.
00:27:44
Dass das jetzt hier im Fall der Familie Schulze nicht so ist, hĂ€ngt laut EinschĂ€tzung von DĂŒger auch damit zusammen, dass insbesondere Sylvia und Marco sozial nicht sonderlich gut vernetzt sind.
00:27:55
Wir haben festgestellt, dass die Familie doch relativ in sich gekehrt, offensichtlich gelebt hat.
00:28:02
Denn wir haben keine richtig beste Freundin und keinen besten Freund von den EhelÀuten herausfinden können.
00:28:10
Die Miriam hatte Kontakte, die war ... Junge ist ein niedliches MĂ€dchen, was Freundin hatte und da haben wir schon erfahren, wie sie so ist.
00:28:19
Aber eben bei den Ehleuten selbst, da sind wir ziemlich ins Leere gelaufen mit unseren Ermittlungen.
00:28:25
So frustrierend die Ermittlungen fĂŒr die Polizei angesichts fehlender Hinweise auch sind.
00:28:30
Mit ganz leeren HĂ€nden stehen sie nicht da.
00:28:32
Zwar sind die Handys der Schulzes ebenso verschwunden wie sie selbst, doch den Beamtinnen gelingt es, mithilfe eines richterlichen Beschlusses auf sogenannte Verbindungsdaten zu zugreifen.
00:28:41
Das sollte euch jetzt aus den letzten Folgen bekannt vorkommen.
00:28:44
Da hatten wir nĂ€mlich in letzter Zeit einige, bei denen diese Daten am Ende zu wichtigen Ermittlungshinweisen gefĂŒhrt haben.
00:28:50
Diese Daten können nĂ€mlich verraten, wann sich die Mobiltelefone der Familie zuletzt im WLAN eingefĂŒhrt.
00:28:55
gelockt haben, aber auch waren die Schulzis telefoniert und mit wem sie gesprochen haben.
00:29:00
Und so gelingt es den Ermittlenden schlieĂt sich mittels technischer Spuren und Befragung des Umfelds die letzten zwei Tage der Familie vor der offiziellen Vermisstenmeldung, wenn auch nicht lĂŒckenlos, zu rekonstruieren.
00:29:12
Es ist der twenty-zwanzigste Juli, zweitensundfĂŒnfzehn, der letzte Schultag im Bundesland Niedersachsen vor Beginn der Sommerferien.
00:29:20
WĂ€hrend sich zahlreiche SchĂŒlerinnen an diesem Mittwochmorgen auf den Weg in ihre Klassenzimmer machen, um ihre Zeugnisse in Empfang zu nehmen, bleibt Miriam Schulze zu Hause.
00:29:29
Nachdem die ZwölfjÀhrige bereits am Tag zuvor wegen Bauchschmerzen nicht zum Unterricht erschienen ist, meldet Mutter Sylvia sie auch heute wieder telefonisch ab.
00:29:37
Kurz darauf bricht die dreinvierzigjĂ€hrige mit dem Auto zu ihrer Arbeitsstelle in einem Supermarkt auf, wo sie als Stellvertretender fĂŒr Jahrleiterin tĂ€tig ist.
00:29:45
Marco dagegen bleibt zu Hause.
00:29:47
Nach einer kleinen Knie-OP ist er krankgeschrieben und geht seine Arbeit in einer Gestachter Chemie verblickt, derzeit nicht nach.
00:29:54
Der einundvierzigjĂ€hrige wird sich daher heute um Miriam kĂŒmmern.
00:29:57
Gegen vierzehn Uhr bekommt Sylvia Schulze einen Anruf von ihrem Mann Marco.
00:30:02
Er bittet sie, vorzeitig nach Hause zu kommen, so berichten es Kolleginnen.
00:30:05
Miriam wĂŒrde es schlechter gehen.
00:30:07
Als Sylvia zweieinhalb Stunden spĂ€ter schlieĂlich eine Ablöse auf der Arbeit fĂŒr sich findet, macht sie sich auf den nach Hause Weg.
00:30:14
Um sixteen Uhr fĂŒnfzig verbindet sich ihr Mobiltelefon mit dem HauswĂ€hlan.
00:30:18
Sylvia ist offensichtlich zu Hause angekommen.
00:30:21
Doch dieses Signal ist zugleich das letzte Lebenszeichen von ihr.
00:30:25
Eine gute halbe Stunde spĂ€ter, gegen siebzehn Uhr zwanzig, telefoniert Marco ĂŒber das Festnetztelefon mit dem Besitzer eines Pferdehofs, auf dem er und Tochter Miriam viel Zeit verbringen.
00:30:35
Mindestens einmal pro Woche nimmt die zwölfjÀhrige dort Reitunterricht.
00:30:38
Marco hilft wĂ€hrenddessen im Stall, misstet aus oder ĂŒber einem kleinen Hausmeister arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen.
00:30:45
An diesem Mittwoch bittet der Hofbesitzer ihn telefonisch um UnterstĂŒtzung fĂŒr den nĂ€chsten Tag.
00:30:50
Doch Marco reagiert ungewohnt zögerlich und bittet um Bedenkzeit.
00:30:55
Gegen neunzehn Uhr klingelt bei den Schulzes erneut das Festnetztelefon.
00:30:58
Silvias Vater, Sabines und Miriams Opa, versucht die Familie zu erreichen, doch niemand hebt ab.
00:31:05
Erst dreiĂig Minuten spĂ€ter um neunzehn Uhr dreiĂig ruft Marco ihn zurĂŒck und erklĂ€rt Silvia und Miriam hĂ€tten sich hingelegt.
00:31:12
Am spĂ€ten Abend sehen Nachbarin wie Marco die MĂŒlltonne vor dem Haus platziert, die am kommenden Tag gelehrt werden soll.
00:31:18
Und am nÀchsten Morgen beobachten ZeugInnen wie der einundvierzigjÀhrige im grauen PKW-Durchdrage fÀhrt.
00:31:24
Ab dann verliert sich auch seine Spur.
00:31:27
Wir hatten also fest, Marco Schulze wird das letzte Mal am Donnerstagmorgen gesehen, einen Tag bevor die Familie als vermisst gemeldet wird.
00:31:34
Die Spur von Sylvia und Miriam verliert sich aber schon am Mittwoch, kurz nach dem Sylvia wegen Miriams angeblicher Krankheit, die Arbeit verlĂ€sst und sich ihr Handy am frĂŒhen Abend zu Hause ins WLAN einloggt.
00:31:45
Miriam hÀtte an diesem Tag eigentlich einen Arzttermin gehabt, doch dort erschien sie nie.
00:31:50
Abgesagt wurde der Termin aber auch nicht.
00:31:53
Irgendetwas muss in der Zwischenzeit passiert sein.
00:31:55
Und genau das ist der Punkt, an den die Ermittlungen ins Stocken geraten.
00:32:00
Was ist in diesem Haus passiert?
00:32:02
Warum hat Marco Gezögert, als ihn der Pferdehofbesitzer fragte, ob er am nÀchsten Tag helfen könne?
00:32:07
Und warum taucht Miriam nie in der Arztpraxis auf?
00:32:10
Mit jeder neuen Erkenntnis scheinen mehr Fragen aufzutauchen als Antworten.
00:32:15
Was hat sich zwischen den WĂ€nden des Hauses der Schulzes und Rage abgespielt?
00:32:19
Wie kann es sein, dass eine gesamte Familie einfach so verschwindet?
00:32:24
Jedes Mal, wenn Sabine sich diese Frage stellt, beschleunigt ihr Herzschlag.
00:32:28
Denn es könnte ja auch sein, dass Silvia, Marco und Miriam in einer Notsituation sind.
00:32:32
Dass sie Hilfe brauchen und darauf warten, dass jemand sie rettet.
00:32:36
Oder wÀre jede Form der Hilfe lÀngst zu spÀt.
00:32:39
Die Vorstellung davon versucht Sabine mit aller Kraft von sich zu schieben.
00:32:43
Sie darf sich solchen grausamen Gedankenspielen nicht hingeben.
00:32:46
Sie muss gerade jetzt auf sich achten.
00:32:48
Nicht nur fĂŒr ihre zweijĂ€hrige Tochter, die weiterhin ihre Mama braucht, auch fĂŒr das kleine Wesen, das in ihr heran wĂ€chst.
00:32:54
Sabine ist nÀmlich schwanger.
00:32:56
Erst vor wenigen Wochen hat sie die Nachricht bekommen, dass sie zum zweiten Mal Mutter wird.
00:33:00
Die Neuigkeit hatte sie kurz darauf auch mit Sylvia und Marco geteilt, doch statt sich auf ihr Baby zu freuen, findet sie sich nun in diesem Albtraum wieder.
00:33:08
Seit mittlerweile einer Woche gibt es von ihrer Familie kein Lebenszeichen.
00:33:12
Sabine fÀhrt es zunehmend schwer, optimistisch zu denken.
00:33:15
Sorge und Angst lassen schwer auf ihr und machen aus der vierundzwanzigjĂ€hrigen ein hibbeliges NervenbĂŒndel, wie sie uns selbst erzĂ€hlt hat.
00:33:23
Ich war sehr schlaflos, ich war ruhrlos, rastlos, bin durch meine Wohnung gelaufen wie ein Tiger im KĂ€fig.
00:33:29
Also so hat sich es angefĂŒhrt und so wurde es mir vor meinem Umfeld beschrieben.
00:33:33
Mensch, setz dich doch mal, du lÀufst ja hier wie ein Tiger im KÀfig, weil ich von Raum zu Raum bin, ohne in irgendeinem Raum irgendwas zu machen.
00:33:40
Und ja, bei mir die Bewegung einfach in dem Moment geholfen hat, nachzudenken beziehungsweise auch nicht nachzudenken oder weniger nachzudenken.
00:33:50
Sabine versucht ihren Alltag irgendwie aufrecht zu erhalten.
00:33:53
inmitten dieses SchwĂ€bezustands aus Bangen und Hoffen zumindest ein StĂŒck weit NormalitĂ€t zu bewahren.
00:33:59
Doch Wasserbiene zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt.
00:34:02
Schon bald wird sie eine Nachricht bekommen, die ihr den Boden unter den FĂŒĂen wegziehen wird und die zugleich so viele neue Fragen in ihr hervorrufen wird.
00:34:12
Es ist Freitag, der einundreiĂigste Juli, zweitausendfĂŒnfzehn.
00:34:16
Er schĂŒttert, stehen die EinsatzkrĂ€fte am steinigen ElbrĂŒfer und blicken auf den Leichnamen, den sie soeben aus dem Wasser geborgen haben.
00:34:23
BliedmaĂen und Gesicht sind aufgedunsen, doch noch tragischer als der Anblick ist die Gewissheit, die dieser Fund mit sich bringt.
00:34:30
Das ist Markus Schulzer.
00:34:32
WĂ€hrend von Sylvia und Miriam nach wie vor jede Spur fehlt, steht die Polizei nun acht Tage nach Beginn der SuchmaĂnahmen vor seinem Leichnamen.
00:34:39
Eine Passantin hatte den leblosen Körper am frĂŒhen Morgen im Wasser treibend entdeckt, auf Höhe einer BrĂŒcke in Launenburg, rund von rund zuzwanzig Kilometer von Trage entfernt.
00:34:48
Die Polizei muss nicht lange rĂ€tseln, was dem einundvierzigjĂ€hrigen zugestoĂen ist.
00:34:53
Denn tatsĂ€chlich spricht bereits die aufhinde Situation fĂŒr die Ermittlenden um Kriminalhauptkommissar Michael DĂŒcker BĂ€nde, wie er uns erklĂ€rt hat.
00:35:01
Wir haben das Fahrrad des Marco Schulze im Wasser gefunden.
00:35:05
Des Weiteren fehlte auf der BrĂŒcke ein.
00:35:08
Betonklotz eines Absperrgitters.
00:35:11
Und dieser Betonklotz war mit dem Leichnam verbunden mit einem Spannengurt.
00:35:17
Das Makoschulze trotz dieses Betonklotzes von twenty-fĂŒnf Kilogramm auf der WasseroberflĂ€che trieb, liegt einzig und allein an den Gasen, die der Leichnam entwickelt hat und die ihm Auftrieb verschafft haben.
00:35:29
FĂŒr DĂŒcker und sein Team gibt es keine Zweifel.
00:35:31
Makoschulze hat sich suizidiert.
00:35:33
Er hat sich selbst das Leben genommen.
00:35:35
WÀhrend die Polizei in den vergangenen Tagen nach ihm und seiner Familie suchte, öffentlich verhandelte und nahezu jeden Quadratmeter seines Wohnorts unter die Lupe nahm, trieb er verbunden mit dem Betonklotz Tod in der Elbe.
00:35:48
Eine tragische Vorstellung.
00:35:50
FĂŒr die Ermittlenden ist schnell klar, dass ein Fremdeinwirken nicht infrage kommt.
00:35:54
SchlieĂlich weiĂ der Leichnam keine Spuren von Gewalt auf, die darauf hinlĂ€utend, dass es zuvor einen Kampf gegeben haben könnte und Marco sich womöglich gewĂ€hrt haben könnte.
00:36:03
Marco Schulze, da sind sich die Beamtinnen sicher, ist selbst aus dem Leben getreten.
00:36:08
Der Fund von Markus Leichnam und die damit verbundene Erkenntnis, dass es sich hier offenbar um einen Suizid handelt, sind Grund genug fĂŒr Schwermut.
00:36:15
Doch die schwerste Aufgabe steht der Soko nun erst noch bevor, denn sie mĂŒssen es den Angehörigen sagen.
00:36:22
Dazu gehört auch Sabine.
00:36:24
Einige Stunden spÀter sitzt die regungslos zu Hause auf dem Sofa, wÀhrend die sanften Blicke zweier Polizisten auf ihr ruhen.
00:36:32
Wie ein Echo hallen die Worte der Beamten in ihren Ohren nach.
00:36:35
Worte, die Sabine's Welt soeben in TrĂŒmmern gelegt haben.
00:36:39
Marco ist tot, er hat sich suizidiert.
00:36:42
Die vierundzwanzigjÀhrige kann nicht glauben, was sie da hört.
00:36:45
Ihr fröhlicher, liebevoller Stiefvater soll selbst bestimmt aus dem Leben getreten sein?
00:36:51
Das kann eigentlich nicht sein, das darf nicht sein.
00:36:54
Sabine hat das GefĂŒhl zu fallen, tiefer und tiefer in einen seelischen Abgrund, ohne zu wissen wann und wo sie aufschlagen wird.
00:37:01
Sie weiĂ nicht, was sie denken, geschweige denn fĂŒhlen soll.
00:37:04
Doch dann nach wenigen Minuten kehrt die RationalitĂ€t zurĂŒck.
00:37:07
Unser Biene formuliert einen konkreten Wunsch.
00:37:10
Welcher das war, hat sie uns im Interview erzÀhlt.
00:37:13
Dann habe ich gesagt, okay, ich möchte gerne die Leiche sehen.
00:37:16
Ich möchte das gerne machen, weil ich wusste und weiĂ, dass Abschied nehmen nur möglich ist, wenn das Gehirn was hat, was es fassen kann.
00:37:27
Und wenn man den Leichnam sieht und sich in dem Zuge verabschieden kann, dann kann der Trauerprozess starten und dann kann man da gut durchkommen.
00:37:38
bei jeder Person anders und kommt auch auf die individuellen BedĂŒrfnisse an.
00:37:42
Ich kenne jemanden, der durch so einen Prozess gut durchgekommen ist, ohne die Leiche zu sehen.
00:37:47
Bei mir war das bei einem Trauerfall so, dass ich, obwohl ich die Leiche gesehen habe, dass da mein Kopf noch sehr lange nicht mitgekommen ist.
00:37:53
FĂŒr mich war das trotzdem total wichtig, dafĂŒr diesen Tod ĂŒberhaupt zu akzeptieren.
00:37:57
Deswegen kann ich den Wunsch da total nachvollziehen.
00:38:00
Aber die Polizisten machen Sabine jetzt klar, dass sie das fĂŒr keine gute Idee halten.
00:38:06
Sie bitten Sabine von ihrem Wunschabstand zu nehmen und erklÀren, dass eine Wasserleiche ein schlimmer Anblick sei.
00:38:11
Die vierundzwanzigjÀhrige solle sich diese Tortur nicht antun.
00:38:15
An sich und ihr ungeborenes Kind denken und ihren Stiefvater lieber so in Erinnerung behalten wie er war.
00:38:20
Sabine machen diese Worte wĂŒtend.
00:38:22
Sie fĂŒhlt sich bevormundet, beginnt zu diskutieren und betont, dass es ihr Recht sei, die Leiche zu sehen.
00:38:27
Doch schlieĂlich gibt sie nach.
00:38:29
Sie wird keinen Blick auf Markus Totenkörper werfen.
00:38:32
DafĂŒr gibt es eine andere schmerzhafte Sache, der sie nun ins Auge sehen muss.
00:38:37
Denn die Polizisten erzĂ€hlen ihr auch, dass Markus Tot nur einen RĂŒckschluss auf das Schicksal von Sylvia und Miriam zulĂ€sst.
00:38:44
Beichen, erzĂ€hlt Michael DĂŒker.
00:38:46
Als wir dann den Leichnamen aufgefunden haben und wussten, ist es ein Suizid, dann mussten wir eigentlich vom Schlimmsten aus gehen.
00:38:53
FĂŒr uns war dann sehr schnell klar, es muss eigentlich so gewesen sein, dass Marco ... seine Ehefrau und seine Tochter getötet hat, auf welche Art und Weise auch immer.
00:39:04
Wir vermuten auf eine unblutige Art und Weise, denn wir haben im Haus ja keinerlei Spuren gefunden, die auf einem Gewaltdelikt hindeuteten.
00:39:13
Die Polizei geht also von einem sogenannten erweiterten Suizid aus, also wenn TÀter innen nah stehende Menschen umbringen, bevor sie sich selbst töten.
00:39:20
Oft aus der Ăberzeugung heraus, diese Menschen könnten ohne sie nicht leben und wĂ€ren tot besser dran.
00:39:26
Sabine ist von dieser Vorstellung erschĂŒttert.
00:39:28
Markus soll ihre Mutter und Schwester getötet haben, bevor er sich selbst das Leben nahm.
00:39:32
Er soll die Menschen umgebracht haben, die ihm die Welt bedeutet haben.
00:39:36
Sabine kann das einfach nicht glauben.
00:39:39
All das, was die Polizisten hier schildern, das Bild, was sie von ihm zeichnen, das passt ĂŒberhaupt nicht zu dem Marco, den sie kennt.
00:39:45
Ihr Stiefvater war einer von den Guten, ein Familienmensch durch und durch und ein liebender Ehemann.
00:39:50
Doch allen voran war er eins, ein aufopferungsvoller Vater.
00:39:54
Ihre kleine Schwester Miriam war Markus ein und alles, das weiĂe Biene.
00:39:58
Nicht Mutter Sylvia, sondern Markus war es, der neben seinem Hauptjob noch im Pferdestall schuftete, um Miriam Reitstunden finanzieren zu können.
00:40:05
Er war es, der sie Woche fĂŒr Woche zu ihrem Hobby fuhr.
00:40:08
Er war es, der regelmĂ€Ăig vor Ort lieb und seinem kleinen MĂ€dchen dabei zusah, wie es in den Sattel stieg.
00:40:14
Und dieser Mensch soll sie gewaltsam getötet haben?
00:40:17
FĂŒr Sabine klingt das alles sobald hergeholt.
00:40:20
Doch die Polizisten machen ihr klar, dass sie an ihrer Theorie festhalten, dass sie davon ausgehen, dass Marco Silvia und Miriam tötete, bevor er sich selbst das Leben nahm.
00:40:29
Und so bleibt Sabine schlieĂlich nichts anderes ĂŒbrig, als den Gedanken zuzulassen, dass jener Mensch, der ihr nĂ€her war als ihre eigene Mutter, der ihr Leben mit seiner WĂ€rme und LiebenswĂŒrdigkeit immer bereichert hat und die Familie wie ein Band zusammengehalten hat, nun offensichtlich derjenige ist, der sie auf tödliche Weise auf auseinandergerissen und ausgelöscht hat.
00:40:49
Doch um ihre Mutter und Schwester trauern, wird Sabine erst können, nachdem ihre Leichen gefunden wurden und ihr Tod sich damit sicher bewahrheitet.
00:40:58
Nachdem das GesprĂ€ch mit den Beamten beendet ist, legt sich Sabine auf Sofa statt an die Decke und ĂŒberlegt.
00:41:04
Sie kann nicht anders als sich wieder und wieder vorzustellen, wie Marco unter Wasser einen qualvollen Todeskampf gefĂŒhrt haben muss.
00:41:11
Und das ist noch nicht mal das Schmerzhafteste, worum Sabines Gedanken kreisen.
00:41:15
Sie denkt an das, was er ihrer Mutter und ihrer Schwester angetan haben soll.
00:41:19
Sabine kann nicht aufhören, sich darĂŒber den Kopf zu zerbrechen, wie er es gemacht haben könnte.
00:41:24
Hat er Sylvia und Miriam erwĂŒrgt oder er drosselt?
00:41:26
Hat er eine Waffe?
00:41:29
Die vierundzwanzigjĂ€hrige beginnt ĂŒber die letzten Minuten im Leben der beiden zu spekulieren.
00:41:33
DarĂŒber, ob sie Angst hatten, um Hilfe geschrien oder sich gewĂ€hrt haben.
00:41:38
Fakt ist, Marco war ein groĂer, krĂ€ftiger Mann, ihre Mutter, der ging mit ihren einen Meter, sechsundfĂŒnfzig, zart und klein.
00:41:44
Wieder sie noch mehrere haben, hÀtten körperlich den Hauch einer Chance gegen ihn gehabt.
00:41:48
Je weiter Sabine ihren Gedanken folgt, desto lauter wird die Frage, die alle anderen ĂŒbertönt.
00:41:54
Warum um Himmels Willen sollte Marco das getan haben?
00:41:58
Dieses RÀtsel beschÀftigt nun auch die Polizei.
00:42:00
Nach dem Fund von Markus Leichnam und der Annahme eines erweiterten Suizids hat die Soko nun kaum noch Hoffnung, Sylvia und Miriam leben zu finden.
00:42:08
Ab jetzt suchen sie also nach zwei Leichen.
00:42:10
FĂŒr die Ermitteln sind nun vor allem zwei Fragen relevant.
00:42:14
Was könnte Marco dazu bewogen haben, sowohl sein eigenes Leben als auch das seiner Liebsten auszulöschen?
00:42:20
Und wenn er wirklich zum TÀter geworden ist, wo sind dann die Körper von Sylvia und Miriam?
00:42:26
Um die endlich zu finden, setzt die Polizei ihre SuchmaĂnahmen fort.
00:42:29
Neben dem Bereich der Elbe, in dem Marco gefunden wurde, durchkĂ€mmen die EinsatzkrĂ€fte nun auch umliegende Waldgebiete und nehmen die grĂŒnen Weiten der Elbmarsch unter die Lupe.
00:42:38
Zeitgleich versucht die Soko sich einen Reim darauf zu bilden, mit welchen unsichtbaren DÀmonen Marco womöglich zu kÀmpfen hatte.
00:42:45
Mittlerweile steht die Theorie der Ehekrise im Raum.
00:42:48
Die Polizei hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass Sylvia sich trennen, das Haus in Drage verlassen und gemeinsam mit ihrer Tochter Miriam einen Neuanfang wagen wollte.
00:42:55
Vielleicht an einem anderen Ort, vielleicht sogar mit einem anderen Mann.
00:43:00
Dazu passt auch, dass sie den Schulspind ihrer Tochter vor Beginn der Sommerferien leer rĂ€umte und sĂ€mtliche SchulbĂŒcher abgab.
00:43:07
FĂŒr Marco, der vor allem zu seiner Tochter ein inniges VerhĂ€ltnis hatte, wĂ€re das in jedem Fall eine persönliche Tragödie gewesen.
00:43:15
Die Polizei hat diese Option daher durchaus fĂŒr möglich.
00:43:18
Doch festlegen wir sich die Soko nicht, wie uns Michael DĂŒcker erzĂ€hlt hat.
00:43:22
Ein Motiv könnte theoretisch sein, dass die Frau sich trennen wollte.
00:43:27
Aus welchen GrĂŒnden auch immer.
00:43:29
Aber es hat uns niemand konkret so gesagt.
00:43:32
Und wir haben auch keinerlei Hinweise gefunden, dass sie zum Beispiel in Zeitungsannunzen nach einer neuen Wohnung umschau gehalten hÀtte.
00:43:40
Jetzt muss man sagen, dass niemand aus dem Umfeld was von dem Beziehungsproblem wusste, hat bei Familie Schulze jetzt nicht wirklich was zu heiĂen, weil Sylvia war eine Frau, die sehr viel Wert auf AuĂenwirkung gelegt hat.
00:43:51
Das hat Sabine uns erzÀhlt.
00:43:53
Und die beiden hatten ja auch keinen richtigen Freundeskreis, wo sie das mal hÀtten andeuten oder thematisieren können.
00:43:59
Denkbar wÀre auch, dass die finanzielle Situation der Schulze etwas damit zu tun hat.
00:44:03
Michael DĂŒcker und sein Team finden heraus, dass die Familie trotz ihres groĂen Hauses alles andere als wohlhabend war.
00:44:09
Na zu jeder Euro beider Einkommen wurde verwendet und am Ende des Monats blieb selten was ĂŒbrig.
00:44:14
Die Soko kann zwar keine groĂen Schulden ausfindig machen, aber womöglich stand irgendein finanzieller Engpass bevor, fĂŒr den Marco sich schĂ€mte, der der Ehe von Marco und Sylvia so schwer zusetzte, dass die dreiviertigjĂ€hrige wiederum mit Trennung drohte und Marco in seinem von Scham und Verzweiflung vernebelten Verstand keinen anderen Ausblick sah.
00:44:33
Es wurde dann auch erklÀrt, warum Miriam, einer Freundin kurz vor ihrem verschwindenen Anvertraut hatte, dass sie nicht wisse, ob sie wirklich in den geplanten Reiterurlaub fahren könne.
00:44:40
Plötzlich kann die Sokoschulze aber keine dieser Theorien eindeutig belegen.
00:44:45
Sie sind genauso ratlos wie Sabine.
00:44:47
Seitdem Sabine erfahren hat, dass ihr Stiefvater tot ist und alles darauf hindeutet, dass er neben seinem eigenen Leben auch das ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester ausgelöscht hat, fÀhrt ihr Gedanken Karussell Tag und Nacht ohne Pause.
00:44:59
Immer wieder geht sie die letzten Treffen und GesprÀche mit ihrer Familie im Kopf durch.
00:45:04
Gab es Anzeichen?
00:45:07
Sabine macht sich groĂe VorwĂŒrfe, dass sie nichts bemerkt hat.
00:45:10
Sie stand Marco nahe, hat regelmĂ€Ăig mit ihm telefoniert und ihm erzĂ€hlt, wenn sie Sorgen oder Probleme hatte.
00:45:16
Sie erinnert sich an etwas, das Marco ihr als Teenager oft gesagt hat.
00:45:20
Rede mit mir, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.
00:45:23
Kommunikation war ihm sehr wichtig.
00:45:25
Er beharrte immer darauf, dass man gemeinsam fĂŒr alles eine Lösung finden könne.
00:45:29
Dass ihr Stiefvater diesen Leitsatz selbst offensichtlich nicht beherzigt hat, kann Sabine nicht verstehen.
00:45:35
Warum hat er sich keine Hilfe gesucht, wenn er offensichtlich Probleme hatte?
00:45:39
Uns hat Sabine erzÀhlt, dass das so gar nicht zu ihm passte.
00:45:42
Marco war kein ungebildeter Mensch, kein ... sag ich jetzt mal ... Trottel, der nicht weiĂ, was man in gewissen Lebenssituationen tun kann.
00:45:53
Also wenn mein Auto kaputt ist, fahre ich in die Werkstatt.
00:45:56
Wenn mein Dach undicht ist, dann muss ich einen Dachdecker holen.
00:45:59
So hÀtte ich ihm auch bis zum Schluss zugetraut.
00:46:02
Und wenn ich Probleme habe, mit denen ich alleine nicht mehr zurechtkomme, dann gehe ich irgendwo hin zu Menschen, die mir helfen können.
00:46:11
Und dass er das nicht getan hat, zeigt mir, dass da wahrscheinlich eine Menge Scham und Wut und auch das GefĂŒhl, die Situation gar nicht ernst genug genommen zu haben.
00:46:23
Also er wollte dann lieber die Situationen, der er war, komplett beenden, anstatt sich Hilfe zu suchen.
00:46:32
Warum auch immer.
00:46:33
Sabine erinnert sich am Miriams zwölften Geburtstag, den sie alle gemeinsam im Haus und Rage gefeiert haben.
00:46:39
An diesem Tag schien alles in Ordnung zu sein.
00:46:42
Ihre Mutter, ihre Schwester, Marco, sie wirkten ausgeglichen, fröhlich und ganz normal.
00:46:47
Doch je lĂ€nger Sabine ĂŒber diesen Nachmittag nach denkt, desto unsicherer wird sie.
00:46:52
War wirklich alles so harmonisch, wie sie es in Erinnerung hat?
00:46:55
Sie geht den Tag in Gedanken immer wieder durch, sucht nach etwas, das ihr entgangen sein könnte, einem Blick, einem Satz, einem Moment, der nicht passte.
00:47:04
Doch da ist nichts.
00:47:05
Alles hat so normal gewirkt, dass es ihr heute fast unheimlich vorkommt.
00:47:10
Erst Tage nach dem Fund von Markus Leiche, als Sabine zum Wiederholten mal die alten Chats mit ihrer Familie liest, entdeckt sie etwas, das sie stutzig macht.
00:47:18
Eine Nachricht, die Marco ihr wenige Wochen vor dem Verschwinden geschickt hatte, nachdem sie ihm das Foto ihres positiven Schwangerschaftstests gesendet hatte.
00:47:26
Der einundvierzigjĂ€hrige schreibt darin, wie sehr er sich fĂŒr Sabine freut, dass er ihr nur das Beste wĂŒnscht und hofft, dass ihr weiteres Leben so verlĂ€uft, wie sie es sich vorstellt.
00:47:37
Sabine hatte diese Nachricht damals einfach nur als etwas ĂŒberschwĂ€nglich verbucht.
00:47:41
Doch heute lieĂ sich die Nachricht fĂŒr sie wie ein Abschied, den sie damals nicht erkannt hat.
00:47:46
Sabine ist ĂŒberzeugt, dass Marco zu diesem Zeitpunkt lĂ€ngst beschlossen hatte, was er tun wĂŒrde.
00:47:51
Die Erkenntnis trifft sie mit voller Wucht.
00:47:54
Der Mann, den sie als Vaterfigur gesehen hat, der ihr Halt gegeben und die Familie zusammengehalten hat, hat offenbar ihre Familie ausgelöscht.
00:48:01
In Sabine macht sich eine tiefe, lÀhmende Traurigkeit bereit.
00:48:05
Aber erstaunlicherweise keine Wut oder Hass, wie sie uns erzÀhlt hat.
00:48:12
Er hat deine Mutter umgebracht, er hat deine Schwester umgebracht.
00:48:18
Die war erst zwölf, die hatte ihr Leben noch vor sich.
00:48:21
Ich habe versucht, ihn zu hassen, weil ich mir eingeredet habe, dass es das einfacher macht, dass es die TrauerschmÀlert oder so.
00:48:29
Ich habe aber gemerkt, erstens, das funktioniert so nicht.
00:48:32
Und zweitens, dann wĂŒrde ich mich auch selbst mit belĂŒgen irgendwo.
00:48:37
Das ist es einfach nicht.
00:48:38
Das GefĂŒhl ist einfach nicht da.
00:48:41
Sabine trifft fĂŒr sich eine wichtige Entscheidung.
00:48:44
Sie will Marco trotz der Unbegreiflichkeit seiner Taten nicht darauf reduzieren.
00:48:48
Sie weigert sich, ihn in die Rolle des Bösen zu drÀngen.
00:48:51
Das wĂ€re zu einfach und wĂŒrde ihm nicht gerecht werden.
00:48:54
Denn Marco war mehr als das, was an jenem Tag geschehen ist.
00:48:58
Er ist damals in ihr Leben getreten, als sie kaum wusste, wie es sich anfĂŒhlt, Teil einer Familie zu sein.
00:49:03
Er hat sie gesehen.
00:49:04
etwas, das ihre eigene Mutter nie geschafft hat.
00:49:07
Marco hat sie ermutigt, beschĂŒtzt und ihr das GefĂŒhl gegeben wertvoll zu sein.
00:49:10
Das kann Sabine nicht einfach leugnen.
00:49:13
Sie kann den Menschen, der ihr gezeigt hat, was NĂ€he bedeutet, nicht nur noch als TĂ€ter betrachten.
00:49:18
Und doch weiĂ sie, dass sie sich dem Schmerz stellen muss.
00:49:21
Wenn Marco wirklich derjenige war, der Silvia und Miriam das Leben genommen hat, dann will sie es wissen.
00:49:27
Sie braucht Gewissheit, so schmerzhaft sie auch sein mag.
00:49:30
Denn nur die Wahrheit kann den Albtraum beenden, indem sie seit Monaten gefangen ist.
00:49:34
Und dann, im August, im August, scheint dieser Moment gekommen.
00:49:38
Es sieht so aus, als wĂŒrde Sabine endlich erfahren, was wirklich mit ihrer Familie passiert ist.
00:49:44
Etwa drei Wochen nach dem Verschwinden der Schulze, meldet sich eine Frau bei der Polizei, die angibt, die Familie am Mittwoch, dem zwanzigsten Juli, gegen Abend gesehen zu haben, also an dem Tag, an dem Sylvia zuletzt auf der Arbeit erschienen ist und frĂŒher nach Hause gefahren ist, nachdem Marco sie angerufen hatte.
00:49:59
Die Zeugin berichtet, dass sie Mutter, Vater und Tochter im Bereich des sogenannten MĂŒllenteils in HolmsĂ€ttensen gesehen habe, etwa forty-fĂŒnf Minuten Autofahrt von Drager entfernt.
00:50:10
Die Familie sei nebeneinander hergelaufen und habe gestritten, dabei sei der Name Biene gefallen.
00:50:16
Wenig spÀter habe sie gehört, wie eine Frauenstimme gerufen habe, spinnst du, was soll das?
00:50:21
Und eine kindliche Stimme habe gesagt, nein, Papa, lass das.
00:50:24
Dann habe sie zwei KnallgerĂ€usche vernommen, vergleichbar mit einer AutotĂŒr, die zugeschlagen wird.
00:50:30
FĂŒr die Beamtinnen scheint es, als wĂ€re er da endlich.
00:50:33
Der vielversprechende Hinweis, auf den sie so lange gewartet haben.
00:50:37
Womöglich ist der MĂŒllenteich der Ort, der ihnen Antworten geben wird.
00:50:41
Vielleicht ist das der Tatort.
00:50:42
Vielleicht werden sie dort die Leichen von Sylvia und Miriam finden.
00:50:46
Dutzende Beamtinnen rĂŒcken aus, in der Hoffnung am MĂŒllenteich endlich spuren und somit die Wahrheit zu finden.
00:50:52
Der SeppensamĂŒhlenteich ist ein ruhiges idyllisches Fleckchen Erde.
00:50:56
Eingebettet in ein WaldstĂŒck und umgeben von sattgrĂŒnen BĂ€umen ist die Gegend um den Teich vor allem bei SpaziergĂ€ngerinnen beliebt.
00:51:03
Auch Anglerinnen werfen am Ufer regelmĂ€Ăig ihre Routen aus.
00:51:07
Heute jedoch ist der MĂŒhlenteich Schauplatz eines polizeilichen GroĂaufgebots.
00:51:12
Nach der vielversprechenden Aussage der Zeugen startet die Polizei heute eine groĂ angelegte Suchaktion nach Silvia und Miriam.
00:51:18
So wird das GewÀsser selbst als auch die Umgebung sollen durchsucht werden.
00:51:22
Leiter Michael DĂŒcker erklĂ€rt, wie die Lage vor Ort aussah.
00:51:25
Wir haben Planea dort umfangreiche SuchmaĂnahmen eingeleitet, zunĂ€chst mit Personen SpĂŒrhunden.
00:51:32
Da haben wir drei Hunde eingesetzt, die jeweils eine extra Spur bekommen haben, nÀmlich einmal von dem Marco, einmal von der Silvia und einmal von der Miriam.
00:51:44
Wir haben die Hunde an einem bestimmten Punkt, nÀmlich an einem Parkplatz, dort starten lassen.
00:51:48
Und alle drei Hunde haben uns an den See gefĂŒhrt, an die gleiche Stelle, was sehr erstaunlich war.
00:51:55
Und ein Hund, nĂ€mlich der die Spur von dem Marco hatte, hat den Weg weiter verfolgt um den See rum und zurĂŒck zum Parkplatz.
00:52:03
Bedeutet, die Vermutung liegt nahe, dass alle drei Mitglieder der Familie am MĂŒllenteich waren, aber nur Marco den Ort auch wieder verlassen hat.
00:52:11
Die EinsatzkrÀfte sind deswegen voller Hoffnung.
00:52:13
Sie rechnen fest, damit heute die Leichen von Sylvia und Miriam zu bergen und dem mysteriösen Vermisstenfall damit nach drei Wöchigen RÀtseln ein trauriges Ende zu bescheren.
00:52:23
WÀhrend Polizistinnen das dicht bewachsene Uferabsuchen fÀhrt ein Sonarbot den Teich ab, um auffÀllige Stellen zu identifizieren.
00:52:31
Polizeithaucherinnen sind im Einsatz und wagen sich immer wieder hinab in die Tiefe.
00:52:35
Doch jedes Mal, wenn sie an die WasseroberflĂ€che zurĂŒckkehren, zeigen sie den Beamtinnen am Ufer den Daumen nach unten.
00:52:43
Die Polizei beendet schlieĂlich die Suche, ohne Sylvia und Miriam gefunden zu haben.
00:52:48
Eine bittere Pille fĂŒr die Ermittlenden.
00:52:50
Und wirklich sicher zu gehen, dass in dem Teilchen mit schlammigen Untergrund nichts ĂŒbersehen wurde, ĂŒberlegt die Soko-Unterleitung von Michael DĂŒcker das GewĂ€sser abzulassen, hat DĂŒcker uns erzĂ€hlt.
00:52:59
Ich habe es zwischenzeitlich schon prĂŒfen lassen, ob wir nicht einfach das Wasser mal ablassen.
00:53:04
Das ist also nicht ein normaler, nur ein Teich, sondern da flieĂt der MĂŒhlenbach durch.
00:53:10
Es ist also ein leichtes FlieĂgewĂ€sser, was durch den Teich geht, aber auch durch einen Seitenkanal an dem Teich vorbei gefĂŒhrt wird.
00:53:19
Man hÀtte das theoretisch absperren können, die eine Seite und die andere Seite öffnen können.
00:53:25
Und dann wurde mir mitgeteilt von der zustĂ€ndigen Stelle, dass das eine riesige Gefahr wĂ€re, wenn wir das öffnen wĂŒrden, dass dann der ganze Schlamm mit den ganzen Ablagerungen letzten Endes in diesem MĂŒhlenbach flieĂt und mir wurde gesagt, wir wĂŒrden ein Fischsterben auslösen.
00:53:45
Aber das ist nicht das einzige Problem mit dem Teich.
00:53:48
Die Polizei bekommt Zweifel an der Genauigkeit der Aussage der Zeugen.
00:53:52
Vielleicht waren die Schulzes hier, vielleicht erinnert die Zeugen das richtig, das wĂŒrde auf das Anschlagen der Hunde erklĂ€ren, aber vielleicht hat sie sich in dem Tag geirrt.
00:54:00
Gegen die Theorie spricht nĂ€mlich auĂerdem die Zeit.
00:54:03
Die Zeugen will die Familie am Mittwochabend vor Beginn der Sommerferien dort gesehen haben.
00:54:08
Wir erinnern uns, das war der Tag, an dem Miriam krank zu Hause war.
00:54:11
Silvia frĂŒher von der Arbeit kam und Marco gegen halb sechs noch mal mit dem Besitzer des Ferdehofes telefonierte.
00:54:17
und um halb acht rief er dann seinen Schwiegervater zurĂŒck.
00:54:20
Selbst wenn Marco direkt nach dem Telefonat mit dem Hofbesitzer aufgebrochen wĂ€re, hĂ€tte er angesichts von anderthalb Stunden fĂŒr Hin- und RĂŒckfahrt fĂŒr die Tat selbst nur eine halbe Stunde Zeit gehabt.
00:54:31
Das ist schlichtweg unrealistisch, sagt Michael DĂŒcker.
00:54:34
In dieser Zeit hĂ€tten sie vom Parkplatz an diese Stelle des Sees gehen mĂŒssen.
00:54:39
Dann hĂ€tte er beide, die er vorher noch gelebt haben, dann umbringen mĂŒssen.
00:54:45
Dann hĂ€tte er ins Wasser gehen mĂŒssen, in den Schlamm und sie im Wasser versenken mĂŒssen.
00:54:51
Und er hÀtte sie auch nicht mitten in den See bringen können.
00:54:54
Er hĂ€tte dann noch ein Boot haben mĂŒssen.
00:54:57
Das war alles unlogisch.
00:54:59
Das hÀtte eigentlich nicht sein können.
00:55:01
Denn am direkten Uferbereich, dort hÀtten die Taucher die Leichen gefunden.
00:55:06
und weiter rein hÀtte sie eigentlich nicht bringen können.
00:55:09
Also war das sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, dass es tatsÀchlich so gewesen ist, obwohl die Hunde uns das da angezeigt haben, obwohl es diese Zeugenaussage gab.
00:55:18
Dass die Suche im MĂŒllenteich erfolglos blieb, enttĂ€uscht nicht nur die Polizei, sondern auch Sabine.
00:55:23
Als sie vierundzwanzig jÀhrige erfahren hatte, dass die Zeuge in ihren Spitznamen Biene gehört haben will und die Ermittlende das Wasser unter die Lupe nehmen, war ihr das Herz regelrecht in die Hose gerutscht.
00:55:33
Das GewÀsser liegt ganz in der NÀhe ihres Wohnorts.
00:55:35
Ein Fund hĂ€tte bedeutet, das Leben von Sylvia und Miriam endete unweit ihrer HaustĂŒr.
00:55:41
Doch zugleich hĂ€tte ein Bergen der Leichen fĂŒr einen Schlussstrich gesorgt, fĂŒr Gewissheit, die sie sich so sehr wĂŒnscht.
00:55:47
Dass die Polizei ihre Idee, den Teich abflieĂen zu lassen verworfen hat, macht Sabine sauer.
00:55:52
Dieser Schritt wÀre wichtig gewesen, um ihr Klarheit zu verschaffen.
00:55:55
Es könnte immer noch sein, dass ihre Mutter und ihre Schwester dort auf dem Seegrund liegen, begraben von Schlamm und Matsch.
00:56:02
Sabine ist verzweifelt.
00:56:04
Wie soll sie um ihre Sylvia und Miriam trauern, wenn sie nach wie vor verschwunden sind?
00:56:08
Wie soll man mit etwas abschlieĂen, das völlig unklar ist?
00:56:12
Um ihrer Ohnmacht etwas entgegenzusetzen, klammert sich Sabine an jeden Strohhalm.
00:56:17
Und dazu gehört auch, dass sie online alles liest, was ĂŒber die Familie und das vermeintliche Verbrechen geschrieben wird.
00:56:23
Indem sie jedes Detail aufsaugt, versucht Sabine das GefĂŒhl von Kontrolle zurĂŒckzugewinnen, dass ihr mit dem Verschwinden ihrer Familie genommen wurde.
00:56:31
Sie beginnt, sÀmtliche Zeitungsartikel zu lesen, Foren- und Facebook-Gruppen zu durchforsten, in denen Menschen den Fall ihrer Familie diskutieren, der lÀngst deutschlandweit bekannt ist.
00:56:40
Und schon bald stöĂt sie dabei auf Kommentare, die den erweiterten Suizid in Zweifel ziehen, die ihre eigenen teilst abstrusen Theorien aufstellen, als wĂ€ren sie nĂ€her dran an der Wahrheit als sie selbst.
00:56:55
Da kriegt man ja schon Bauchweh, wenn man das nur hört.
00:56:57
Ich kann den Drang nachverziehen, dass man das, was man nicht weiĂ, also die LĂŒcken, die man hat irgendwie auffĂŒllen will.
00:57:04
Aber ich frage mich, ob das immer online passieren muss.
00:57:07
Also muss man da immer schreiben, was man denkt.
00:57:09
Ich hatte hier fĂŒr den Podcast auch schon mal einen Fall recherchiert und da Kontakt mit einer Frau gehabt, die im Umfeld eines TĂ€ters gelebt hat und deren ganzes Leben nachher zusammengebrochen ist, als sie erfahren hat, dass er in der Zeit dieser Beziehung jemanden umgebracht hat.
00:57:24
Und bei der Recherche bin ich dann auch auf Sofuren gestoĂen und war auch in geschlossenen Facebook-Gruppen unterwegs und habe dann Strenge gefunden, wo Leute geschrieben haben.
00:57:34
Die muss das gewusst haben oder die steckt da selbst mit dem unter einer Decke irgendwie so, ja.
00:57:40
Also wie kommt man darauf?
00:57:41
Man interpretiert irgendwas in einen Verhalten rein und stellt das dann als Fakten.
00:57:45
Und das Ding ist, ich hatte jetzt zu der Zeit das Urteil und da stand halt drin, dass kurzzeitig auch wÀhrend der Ermittlung gecheckt wurde, ob sie vielleicht etwas mitbekommen haben könnte.
00:57:55
Und das war aber sofort wieder vom Tisch wegen Grund X, Y und auch noch wegen Grund Z. Und ich find das so absurd, dass es halt Menschen gibt, die da nicht einmal drĂŒber nachdenken.
00:58:05
Das ist ja bei so einem Fall auch Ermittlende gibt, die viel mehr wissen, die das ganze Leben durchleuchtet haben von den Personen und die dann aufgrund von Fakten nicht von einem GefĂŒhl oder von der vermeintlichen Unstimmigkeit zu einem Ergebnis gekommen sind.
00:58:18
Und das tat mir halt so leid fĂŒr sie, weil ich wusste, dass die das auch liest und sich das immer wieder anhören muss.
00:58:24
Also wenn man schon das BedĂŒrfnis hat zu spekulieren und Menschen möglicherweise zu beschuldigen, Und dann wĂŒnsche ich mir, dass man das in den eigenen vier WĂ€nden macht, wenn ĂŒberhaupt, und dass man das nicht immer auf eine öffentliche Plattform heben muss.
00:58:35
Weil viele Betroffene mit so einem Schicksal ja echt schon genug bestraft sind.
00:58:40
Und so ist das natĂŒrlich jetzt auch bei Sabine und bei ihr drehen sich die Theorien jetzt um Menschen und Organhandel.
00:58:46
Womöglich, mutmaĂen einige Leute, sind die Schulzes einem mafiosen Verbrechen zum Opfer gefallen, wurden Silvia und Miriam zur Zwangsprostitution nach Osteuropa verschleppt und sind eigentlich noch am Leben.
00:58:58
Andere BeitrÀge und Kommentare beharren auf den Tod der beiden und formulieren furchtbar bildlich, dass ihre Körper ausgeweitet und ihre Organe auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden.
00:59:08
FĂŒr Sabine ist es furchtbar, all diese Dinge zu lesen.
00:59:12
Auch wenn sie ihnen kein Glauben schenkt, lösen sie ein Unbehagen in ihr aus.
00:59:16
Doch noch schlimmer als die wilden Spekulationen sind fĂŒr sie die Kommentare, die sie online ĂŒber ihre Familie findet.
00:59:22
Sabine liest gemeine, abwertende Dinge, vor allem ĂŒber Marco.
00:59:26
Eine Aussage ist ihr da besonders im GedÀchtnis geblieben.
00:59:29
Also ich glaube am meisten hat mich die Aussage getriggert.
00:59:34
Es wurde ja mit den Ausweisfotos gesucht.
00:59:37
Auf den Ausweisen sind biometrische Fotos, auf denen du ernst gucken musst.
00:59:42
Und dann diese unbedachte Aussage einer Person, ja, der sieht ja schon so aus wie.
00:59:48
Das hat mich tief getroffen, weil ich zu Marco die Meinung habe, die ich nun mal habe, das GefĂŒhl habe, welches ich nun mal habe.
00:59:55
Und weiterfĂŒhrend gab es dann natĂŒrlich sĂ€mtliche anderen Schrott, den Menschen dann so von sich geben.
01:00:02
Sabine weiĂ, dass viele dieser Kommentare Rainer-Woyerismus sind, dass sie besser tĂ€te, sie einfach zu ignorieren.
01:00:08
Und doch kann sie nicht anders.
01:00:10
Sie fĂŒhlt sich verpflichtet, ihre Familie und Marco zu verteidigen.
01:00:13
Manchmal antwortet sie sogar, versucht mit Fakten und klarer Logik die wilden Spekulationen zu entkrÀften und die AbsurditÀt offen zu legen.
01:00:21
Doch das sorgt erst recht fĂŒr Gegenwind.
01:00:23
Teilweise muss sie sich sogar anhören, dass sie höchstwahrscheinlich mehr als nur vĂ€terliche GefĂŒhle fĂŒr Marco hegte.
01:00:31
Zeilen, die Sabine fassungslos machen.
01:00:33
Und auch wenn sie versucht, darĂŒber zu stehen, wird ihr All das schlieĂlich zu viel.
01:00:37
Die wilden Spekulation, die Ungewissheit ĂŒber das Schicksal von Mutter und Schwester, der Tod ihrer Stiefvaters.
01:00:43
Das alles lasse so schwer auf ihr, dass Sabine eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt.
01:00:48
Ab sofort, bestimmte depressive Verstimmung, Flashbacks und endlose Gedanken schleifen ihren Alltag.
01:00:54
Und auch nachts findet Sabine kaum Ruhe, wie sie uns erzÀhlt hat.
01:00:58
Also ein Traum, den ich immer wieder und ĂŒber Jahre hatte, war, dass Marco auf der BrĂŒcke steht.
01:01:05
Ich schrÀg hinter ihm, stehe den Arm ausstreck und sage, nein, tu's nicht, kann dir helfen.
01:01:11
Er mich nur mit LĂ€rmblick anguckt und sagt, keiner kann mir helfen und dabei springt und ich ihn dabei zusehe, wie er in die Tiefe stĂŒrzt, mit dem Wissen, dass er niemals auftaucht.
01:01:22
Ja, und so schlimm das auch ist, was Sabine da beschreibt, so typisch ist das auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen, also dass das Gehirn versucht, durch wiederkehrende TrÀume ein Trauma zu verarbeiten.
01:01:32
WĂ€hrend Sabine daran nagt, dass sie keine Antworten findet und das RĂ€tsel um das Verschwinden ihrer Familie sie immer weiter zermirbt, geraten auch die Ermittlungen in Stocken.
01:01:41
Kriminalhauptkommissar Michael DĂŒcker erinnert sich an die Zeit.
01:01:44
Es gab keine Spuren mehr, es gab keine Hinweise.
01:01:49
Sie mĂŒssen sich das vorstellen, wenn man eine Sonnekommission hat, dann kommt man genauso wie bei einer Mordkommission jeden Tag ein, zweimal zusammen und man ĂŒberlegt und trĂ€gt zusammen, was man in Informationen hat.
01:02:01
Und irgendwann sitzt man am Tisch und weiĂ nicht mehr weiter, weil es nichts mehr gibt.
01:02:06
Und jeder bringt sich ein und hat Ideen und geht auch kriminalistisch denken und vor, aber irgendwann ist das alles abgearbeitet.
01:02:15
Im September, zweizehnzehn, keine zwei Monate nach der Vermisstenmeldung, wird die Sokoschulze daher erst verkleinert und kurz darauf ganz aufgelöst.
01:02:23
Ende Juni, zweizehnzehn, wird der Fall ein zweites Mal bei Aktenzeichen XY vorgestellt.
01:02:28
Doch auch dieses Mal bleibt ein entscheidender Hinweis auf den Verbleib von Sylvia und Miriam aus.
01:02:34
Nur wenige Wochen spÀter jÀhren sich das Verschwinden der Familie und der Tod von Marco Schulze zum ersten Mal.
01:02:40
FĂŒr Sabine ein Anlass fĂŒr eine schmerzvolle Bestandsaufnahme.
01:02:44
In den vergangenen zwölf Monaten gab es fĂŒr die mittlerweile fĂŒnfundzwanzigjĂ€hrige viele traurige erste Male.
01:02:50
Sie hat die Geburtstage ohne Sylvia, Marco und Miriam gefeiert und Weihnachten ohne sie verbracht.
01:02:54
Zudem ist die Mama eines kleinen Jungen geworden, der nicht nur seinen Opa Marco, sondern auch seine Oma Sylvia und Tante Miriam vermutlich niemals kennenlernen wird.
01:03:04
Vor allem Miri, ihre kleine Schwester, die sich am Telefon bei ihr so oft ĂŒber die Verbote und StrĂ€nge ihrer Mutter beschwert hat, fehlt Sabine sehr.
01:03:11
Und selbst die Streitigkeit mit ihrer Mutter vermisst sie irgendwie.
01:03:14
Zwischen all dem Schmerz hat Sabine mittlerweile einen Weg gefunden, sich mit ihrer verstorbenen Mutter in Verbindung zu fĂŒhlen.
01:03:21
Die twenty-fĂŒnf-JĂ€hrige schreibt ihr Nachrichten ĂŒber den Facebook Messenger.
01:03:24
Obwohl sie weiĂ, dass Sylvia sie vermutlich nie lesen wird, tut es ihr gut, sich ihr mitzuteilen.
01:03:30
FĂŒr Sabine sind die digitalen Monologe wie ein Tagebuch, mit dem sie das GefĂŒhl hat, ihre Mutter weiterhin an ihrem Leben teilhaben zu lassen, sagt sie.
01:03:38
In Halte waren einfach banal.
01:03:39
Also ich hab sie irgendwie ĂŒber meinen TagesablĂ€ufe so ein bisschen alle paar Monate mal irgendwie, wenn irgendwas gewesen ist, speziell in der Zeit, wo ich dann schwanger war, als dann das Kind gekommen ist, die ersten Schritte von dem Kind und wie das so lĂ€uft, alles, sowas stand da drin.
01:03:58
Und natĂŒrlich wie sehr ich sie vermisse, wie sehr ich mir wĂŒnsche, dass sie wieder da ist, wie sehr ... Wie sehr ich sie lieb habe und dass wenn sie jetzt vor mir stehen wĂŒrde, wĂŒrde ich alles vergessen wollen, was passiert ist und mit ihr als Mutter und Tochter gespannt noch mal von vorne anfangen.
01:04:16
In den kommenden Monaten und Jahren wird es ruhig um den Fall der Familie Schulze.
01:04:20
Die mediale Berichterstattung nimmt ab und der Fall wird den Aktenweige legt.
01:04:24
Zwar schon Beamtinnen der Polizeieinspektion Harburg in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden immer wieder die Unterlagen durch, doch neue Anhaltspunkte bringt die Zeit nicht wirklich mit sich.
01:04:33
Bis im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz, im MĂ€rz.
01:04:58
Die Polizei macht die Frau dann ausfindig und so sitzt ihnen wenig spĂ€ter eine Person gegenĂŒber, die offenbar regelmĂ€Ăigen Kontakt mit Marco und Miriam hatte.
01:05:07
Diese Person hatte die Polizei damals aber nicht vernommen.
01:05:10
Bei der Zeugen handelt es sich um eine Pferdewirten und Besitzerin eines kleinen Steilsentrages.
01:05:16
Seit MÀrz, so erfahren die Beamtinnen im GesprÀch, ritt Miriam dort ein bis zweimal in der Woche.
01:05:24
Bedeutet, neben dem Pferdehof, auf dem sie Reitunterricht nahm und auf dem Mako seinen Nebenjob ausĂŒbte, gab es noch einen Hof im Leben der Schulzes, den die Polizei bis dato nicht auf dem Schirm hatte.
01:05:36
Da stellt sich natĂŒrlich die Frage, wie kann das sein?
01:05:38
Und es ist wohl so, dass die Soko damals im Zuge der Ermittlungen sĂ€mtliche Reiterhöfe in der Umgebung gecheckt hat, auf diesen Hof aber nicht gestoĂen ist, weil es kurz vorher einen Wechsel bei den Besitzerinnen gab und er deswegen auch nicht regulĂ€r gelistet war.
01:05:54
So hat es uns die Presse Stelle der zustÀndigen Polizeieinspektion Harburg erklÀrt.
01:05:58
Jedenfalls gibt die Frau nun an, dass Miriam und Marco am zwanzwanzigsten Juli Schultag vor den Sommerferien, an dem Miriam wegen Bauchschmerzen zu Hause geblieben war, gegen fĂŒnfzehn Uhr zu ihr auf den Hof kam.
01:06:14
Miriam habe wir jeden Mittwoch an einer Reizstunde teilgenommen, sei jedoch auffallend still und in sich gekehrt gewesen.
01:06:20
Und auch Vater Marco, der sie wie immer begleitet habe, sei ungewöhnlich, maulig und schlecht gelaunt aufgetreten.
01:06:27
Nach dem Reiterunterricht habe Miriam ihr schlieĂlich verkĂŒndet, dass das ihre letzte Stunde gewesen sei, dass sie aufhören werde zu reiten und nicht mehr wiederkomme.
01:06:35
Und ihr Vater Marco habe das bestÀtigt.
01:06:38
Die Zeugen gibt an, dass sie geschockt gewesen sei und Marco gefragt habe, ob diese Entscheidung finanzielle GrĂŒnde habe.
01:06:44
Aber der einundvierzigjÀhrige habe sich auf kein richtiges GesprÀch eingelassen, stattdessen ohne eine ErklÀrung mit Miriam den Hof verlassen.
01:06:52
Also zum einen wĂŒrde das ja die Annahme stĂŒtzen, dass es tatsĂ€chlich Geld sorgen innerhalb der Familie gab, aber die Beamtinnenbegegnung der Aussage mit Skepsis, denn das Verschwinden der Schulzes liegt hier mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahre zurĂŒck.
01:07:06
Warum erzÀhlt die Frau Ihnen erst jetzt all die Dinge und vor allem warum schreibt sie in Facebook-Gruppen statt sich direkt an sie zu wenden?
01:07:15
Die Zeugin versichert ihnen darauf hin, dass sie bereits im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer im Sommer.
01:07:42
Jedenfalls entscheidet sich die Polizei nach der Aussage der Hofbesitzerin, dennoch das GelÀnde genauer unter die Lupe zu nehmen.
01:07:49
Womöglich, so ein neuer Gedanke, hat Marco seine Familie oder zumindest Miriam an diesem Ort verscharrt.
01:07:55
LeichenspĂŒrhunde kommen erneut zum Einsatz und sogar Grabungen werden punktuell vorgenommen, aber letztendlich verlĂ€uft auch diese Suchaktion erfolglos.
01:08:03
Dass Markus Schulze Geldprobleme hatte und Sylvia sich deswegen vielleicht von ihm trennen wollte, ist fĂŒr die Polizei mittlerweile das wahrscheinlichste Szenario.
01:08:12
Zum einen weil ZurĂŒckweisungen und ExistenzĂ€ngste, vor allem bei MĂ€nnern hĂ€ufig das Motiv hinter einer solchen Tat sind.
01:08:18
Zum anderen, weil es wenig bis gar keine alternativen ErklĂ€rungen fĂŒr das Verschwinden gibt.
01:08:25
In den kommenden Jahren gibt es immer wieder Funde, die dem Fall kurzzeitig neue Aufmerksamkeit verleihen.
01:08:31
So werden in dem Jahr zwanzigundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
01:08:52
Der Fall der Schulzis hat den Ort Drage nachhaltig verÀndert.
01:08:55
Das unbekannte Schicksal der Familie geht den Menschen bis heute nah und hat sich tief ins kollektive GedÀchtnis eingebrannt.
01:09:01
Und doch geht das Leben in dem kleinen beschaulichen Ort weiter.
01:09:04
Seit Jahrzehnten steht ein neuer Name auf dem Klingelschild des roten Klinggehouses, das einst das Zuhause von Silvia, Marco und Miriam war.
01:09:13
Grablichter, die nach dem Fund von Markus Leiche vor der HaustĂŒr aufgestellt wurden, sind lĂ€ngst erloschen.
01:09:18
Und ein neu aufgestellter Zaun macht Symbole deutlich, dass es an der Zeit sei, einen Schlussstrich zu ziehen und nach vorne zu blicken.
01:09:26
Ein Gedanke, den sich auch Sabine zu Herzen nimmt.
01:09:28
Sie ist heute thirty- vier Jahre alt und Mutter von vier Kindern.
01:09:31
Mithilfe einer Therapie hat sie das Erlebte aufgearbeitet und in eingeriegelten Alltag zurĂŒckgefunden.
01:09:37
Immer wieder denkt sie an die schmerzhafteste Zeit ihres Lebens zurĂŒck.
01:09:41
Mittlerweile ist Sabine dankbar, dass die Polizisten sie damals davon abgehalten haben, Markus Wasserleiche zu sehen.
01:09:47
Danke war sie wĂŒtend darĂŒber, weil sie glaubte, das Bild zu brauchen, um begreifen zu können, was passiert ist.
01:09:53
Heute weià sie, wahrscheinlich hÀtte sie nie wieder losgelassen.
01:09:57
Die Ungewissheit ĂŒber das Schicksal ihrer Mutter und ihrer Schwester nagt noch immer an ihr.
01:10:02
Doch Sabine hat gelernt, dem nicht mehr viel Raum zu geben.
01:10:05
Sylvia und Miriam sind tot, davon ist die thirty- vierjĂ€hrige ĂŒberzeugt.
01:10:10
Sie ist sich sicher, dass ihr Stiefvater sie getötet hat, bevor er auch sich selbst das Leben genommen hat.
01:10:15
Und genauso wie die Polizei, vermutet auch Sabine, dass ihre Mutter sich trennen wollte, woraufhin ihr Stiefvater sein Lebenswerk Familie gefÀhrdet sah und in eine mentale Krise geriet.
01:10:24
Vielleicht war aber alles auch ganz anders.
01:10:27
Sabine hat sich heute damit abgefunden, dass sie auf die Frage nach dem, warum, nie eine finale Antwort erhalten wird.
01:10:33
Doch wer weiĂ, vielleicht bekommt sie eines Tages zumindest die Möglichkeit, ihre Mutter und Schwester zu beerdigen.
01:10:39
Vor wenigen Jahren hat Sabine angefangen zu joggen.
01:10:42
Die Bewegung einer frischen Luft tut nicht nur ihrem Körper, sondern auch ihrer Seele gut.
01:10:47
Vor zwei Jahren hat sie sich bei einer ihrer Runden erstmals getraut, den MĂŒllenteich aufzusuchen.
01:10:52
Am seichten Ufer ist sie stehen geblieben, hat einen Moment inne gehalten und aufs Wasser geblickt.
01:10:58
Und in diesem Moment fĂŒhlte sich Sabine, Sylvia und Miriam so nah wie lange nicht mehr.
01:11:05
Und ich glaube, man kann gar nicht so richtig erahnen, was das fĂŒr ein GefĂŒhl sein muss, vor so einem See zu stehen und denken zu wissen, dass darin die Antwort liegt, aber dass die Wahrheit offenbar unter Wasser bleiben wird.
01:11:17
Bei dem Fall habe ich wirklich einige Fragezeichen, die mich wahnsinnig machen.
01:11:21
Ja, also, wenn der Vater einen erweiterten Suizid begangen hat und gewaltsam und fĂŒr die beiden ĂŒberraschend das Leben von Sylvia und Miriam beendet hat.
01:11:31
Wieso hat die Mutter diesen Spind zwei Tage vorher ausgerÀumt?
01:11:35
Wieso hat sie alle BĂŒcher zurĂŒckgegeben?
01:11:36
Wieso hat sie Miriam aus der Schule genommen?
01:11:39
Ich hatte kurzzeitig darĂŒber nachgedacht, ob Sylvia und Marco diesen Entschluss vielleicht gemeinsam gefasst haben.
01:11:45
Aber ich weiĂ natĂŒrlich nicht mehr, als die Ermittlenden und die Familie.
01:11:47
Und wenn die alle davon ausgehen, dass Sylvia sich trennen wollte und Marco diese Tat dann alleine durchgefĂŒhrt hat, kann ich dem natĂŒrlich wenig entgegensetzen.
01:11:56
Ich finde allerdings die Theorie, dass sie mit einem neuen Mann durchbrennen wollte, nicht so richtig logisch.
01:12:01
Weil ich glaube, dieser neue Mann, der hÀtte sich doch dann gemeldet.
01:12:05
Der hÀtte doch dann irgendetwas gesagt.
01:12:08
Ich finde bei dieser Geschichte sehr interessant, wie Sabine ihren Stiefvater sieht.
01:12:13
Ich glaube, dass die wenigsten Leute ihre Sicht auf ihn verstehen können.
01:12:20
Mir selbst fĂ€hrt das auch schwer, also die Vorstellung keinerlei Wut in sich zu tragen, obwohl er die Mutter und vor allem ihre ĂŒber alles geliebte kleine Schwester gewaltsam getötet haben muss.
01:12:32
FĂŒr sie ist das natĂŒrlich der beste Weg, nicht diese Wut in sich zu tragen und damit vermutlich auch ein StĂŒck weit weniger verbittert durchs Leben gehen zu können.
01:12:42
Sabine hat uns erzĂ€hlt, dass sie bis heute nie an Markus Grab war, obwohl sie das sehr, sehr gerne machen wĂŒrde.
01:12:47
Sie weiĂ nicht einmal, wo er beerdigt wurde.
01:12:50
Und es ist so, dass Markus Eltern... wo nie sehr viel von Sylvia gehalten haben.
01:12:56
Also auch da zeichnet sich ab.
01:12:58
Sylvia war sicherlich keine einfache Frau.
01:13:00
Sie hatte ja auch kein Umfeld und selbst zu ihren Töchtern irgendwie ein schwieriges VerhÀltnis.
01:13:05
Und Sabine hat ein bisschen das GefĂŒhl, dass diese Einstellung ihrer Mutter gegenĂŒber sich vielleicht auf sie ĂŒbertragen hat von Markus' Familie.
01:13:14
Und sie vermutet auch, dass die Eltern ihr das Ăbel genommen haben könnten, dass sie mit den Medien geredet hat.
01:13:20
Ob das so ist, wissen wir nicht, aber... Sabine hĂ€tte natĂŒrlich jedes Recht der Welt, ihrem Schmerzausdruck zu verleihen, auf jede Art, die ihr irgendwie gut tut.
01:13:29
Michael BĂŒger, der leitende Kommissar der Sokoschulze, der ist seit einigen Jahren pensioniert und nicht mehr im Polizeidienst.
01:13:36
Und er hat uns erzÀhlt, dass das einer der wenigen FÀlle ist, die er bis heute nicht vergessen kann.
01:13:41
Und dass es ihn bis heute traurig macht, dass er Sabine und den anderen Angehörigen nicht die Leichen von Miriam und Silvia bringen konnte.
01:13:48
Und in der Fall.
01:13:50
bis heute schwer beschĂ€ftigt, deshalb auch er natĂŒrlich hofft, dass irgendwann nochmal Bewegung reinkommen könnte.
01:13:56
TatsÀchlich wurde Mitte September in Winsen-Ludorf, also nicht weit von Trage entfernt, ein menschlicher Knochen gefunden.
01:14:03
Daraufhin wurde dann natĂŒrlich spekuliert, ob es sich dabei umstĂ€bliche Ăberreste von Silvia oder Miriam handeln könnte.
01:14:09
Ist aber aktuell noch unklar, weil der Knochen halt auch offensichtlich schon Àlter ist.
01:14:14
Der wird aktuell untersucht und mit den Daten der Bundesweiten Datenbank zu ungeklÀrten Vermissten- und KriminalfÀllen verglichen.
01:14:20
Ein Polizeisprecher hat uns erzÀhlt, dass noch einige Wochen dauern wird, bis da ein Ergebnis vorliegt.
01:14:25
Er hat aber angemerkt, dass es seltsam ist, dass keine weiteren Knochen gefunden wurden.
01:14:31
Und dass der Fundort das Ufer eines Flusses ist, also dass auch die Möglichkeit besteht, dass dieser Knochen angespĂŒlt wurde.
01:14:38
FĂŒr die Angehörigen ist so ein Fund natĂŒrlich immer auch ein wenig Hoffnung darauf, dass das RĂ€tsel- und familie-Schulze irgendwann gelöst werden kann.
01:14:46
Deswegen bitten Sie und die Polizei die Ăffentlichkeit darum, sich an die zustĂ€ndige Polizeidienststelle zu wenden, falls man an Hetzpunkte zum Aufenthaltsort der Leichen hat.
01:14:55
Die Kontaktdaten haben wir euch in der Folgenbeschreibung verlinkt, genauso wie ĂŒbrigens Kontakte zur Telefonseelsorge.
01:15:00
Diese Folge hat von Suizid gehandelt.
01:15:03
Wir haben mal wieder gesehen, dass viele Probleme unter der OberflĂ€che bleiben, dass Menschen nicht bereit sind oder sich nicht trauen, Hilfe zu holen, bevor, wie Marke frĂŒher gesagt hat, das Kind in den Brunnen gefallen ist.
01:15:13
Deswegen, falls euch solche Gedanken beschÀftigen.
01:15:15
oder ihr jemanden kennt, der damit zu kÀmpfen hat, vertraut euch eure Umfeld an, es ist wichtig, damit nicht alleine zu bleiben und Hilfe ist jederzeit und kostenlos erreichbar, anonym und rund um die Uhr, auch per Mail oder Chat.
01:15:27
Auch dazu haben wir euch die Kontaktdaten in der Folgenbeschreibung verlinkt.
01:15:31
In der nÀchsten Folge ist Laura wieder hier und dann berichten wir von einem Fall, bei dem ein Mann vorgibt, heilen zu können, allerdings bei den Menschen, die sich ihm anvertrauen, nur unheil anrichtet.
01:15:46
Das war ein Podcast der Partner in Crime.
01:15:49
Hosts und Produktionen Paulina Graser und Laura Wohlers.
01:15:53
Redaktion Jennifer Fahrenholz und wir.
01:15:56
Schnitt Pauline Korb.
01:15:58
Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.