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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mordlust.
00:00:19
Mein Name ist Paulina Kraser und ich bin Laura Wohlers.
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Ich habe mir vor kurzem darĂŒber Gedanken gemacht, wenn wir jetzt ganz, ganz viele Folgen produzieren,
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was wir ja vorhaben, dass uns eventuell irgendwann die MordfĂ€lle ausgehen wĂŒrden.
00:00:33
Und deswegen habe ich mich gefragt, wie viele MordfÀlle gibt es eigentlich in Deutschland?
00:00:37
Also im Sinne nach Strafgesetzbuch 211. Was glaubst du?
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Pro Jahr? ScheiĂe, ich hasse das. Warum muss ich jetzt sagen? Ich bin so schlecht in sowas.
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Okay. Wie viele MordfÀlle? Okay. 350.
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Ist nicht schlecht. TatsÀchlich, also 2017 waren es 405. Es waren auch schon mal weniger.
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Du meinst jetzt deine SchÀtze.
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Also ja, das ist natĂŒrlich viel. Also wir werden immer Futter haben fĂŒr neue Folgen.
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Ja, hoffentlich machen die auch ein bisschen besondere Morde. Nicht einfach nur jemanden abknallen oder so, oder?
00:01:18
Sonst können wir die nicht nehmen.
00:01:20
Also bitte, wenn ihr jemanden umbringen wollt, strengt euch an. Vielleicht mal was mit einer Geheimbotschaft.
00:01:28
Ja, finde ich gut.
00:01:29
Du bist diese Woche dran.
00:01:31
Genau. Ich fange an mit meinem Mordfall.
00:01:33
Mein Fall ist der Exorzismus von Anneliese Michel.
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Nein, kenne ich. Ich kenne Anneliese Michel, aber wie lange ist das her?
00:01:46
Also es geht um einen Fall ĂŒber den Kampf von Wissenschaft gegen Religion, der auf dem RĂŒcken eines kranken MĂ€dchens ausgetragen wird.
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Und Anneliese Michel wird am 21. September 1952 im bayerischen Leibelfingen geboren.
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Dort wÀchst sie mit drei Schwestern in einem streng katholischen Elternhaus auf.
00:02:04
Als Kind ist Anneliese Mitglied in einem Sportverein, spielt Klavier und Akkordeon und ist eigentlich ein ganz normales Kind.
00:02:12
Nur, dass sie eben sehr religiös ist.
00:02:14
Mehrere Male in der Woche geht sie in die Kirche und um die SĂŒnden anderer zu sĂŒhnen, schlĂ€ft sie manchmal auf dem Boden.
00:02:20
So lÀuft das bei den Katholiken anscheinend.
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Mit 16 Jahren hat Anneliese ihren ersten Krampfanfall und knapp ein Jahr spÀter kommt der zweite und daraufhin wird sie dann auch untersucht.
00:02:34
Bei einem EEG wird eine HirnschÀdigung im linken SchlÀfenbereich entdeckt.
00:02:39
Daraufhin wird bei ihr Epilepsie diagnostiziert und sie bekommt auch Medikamente dagegen.
00:02:45
Kurz danach bekommt Anneliese auch noch eine LungenentzĂŒndung und muss dann sechs Monate in so ein spezielles Krankenhaus dafĂŒr.
00:02:51
Und in der Zeit hat sie trotz der Medikamente immer wieder so epileptische AnfÀlle.
00:02:55
Und in einer Doku, die ich darĂŒber geguckt habe, spricht eine Freundin, die Anneliese dort kennengelernt hat in der Klinik und erzĂ€hlt hat, wie diese AnfĂ€lle aussahen.
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Und zwar hat sich Anneliese wĂ€hrend dieser AnfĂ€lle zusammengekrĂŒmmt und hat immer mal wieder kurz aufgeschrien und hatte auch Schaum vor dem Mund.
00:03:12
SpÀter erklÀrt Anneliese, dass sie wÀhrend dieser AnfÀlle zum ersten Mal Stimmen gehört und teuflische Fratzen gesehen hat.
00:03:20
Und nach den sechs Monaten in der Klinik muss Anneliese dann in eine neue Schulklasse, weil sie halt so viel verpasst hat.
00:03:25
Und dort findet sie keine Freunde, vereinsamt und bekommt auch Depressionen.
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Was ihr dabei sicherlich nicht hilft, ist, dass ihre Mutter ihr verbietet, Jungs zu treffen, feiern zu gehen und auch nur Freundinnen zu besuchen.
00:03:38
Mit 21 klagt Anneliese dann ĂŒber ein stĂ€ndiges Klopfen im Schrank, unter dem FuĂboden und ĂŒber der Zimmerdecke.
00:03:45
AuĂerdem hört sie Stimmen aus der Hölle, die sagen ihr, dass sie verdammt ist und auch in der Hölle schmoren wird.
00:03:51
Anneliese fÀhrt dann 1973 mit einer Reisegruppe zu dem Wallfahrtsort San Damiano in der Schweiz.
00:03:58
Und die Leiterin dieser Gruppe meint Anzeichen zu erkennen, dass Anneliese vom Teufel besessen ist.
00:04:04
Diese Leiterin spricht auch in dieser Doku und da erzÀhlt sie halt eben, dass sie Anneliese Weihwasser zum Trinken gegeben hat.
00:04:10
Und Anneliese das auch trinken wollte, aber es wohl nicht konnte.
00:04:14
Und sie hatte gesagt, das stinkt, das kann ich nicht trinken.
00:04:17
AuĂerdem konnte Anneliese wohl auch nicht an einem Kreuz vorbeigehen.
00:04:20
Und das waren eben alles Anzeichen fĂŒr diese Leiterin, die dann anfĂ€ngt, verschiedene Pfarrer abzuklappern, die sich Anneliese mal angucken sollten.
00:04:28
Aber alle Pfarrer, die gefragt werden, sehen keinen Anhaltspunkt fĂŒr eine Besessenheit.
00:04:34
Darunter ist auch der Pfarrer Ernst Alt, dessen Name wir uns merken mĂŒssen.
00:04:38
Und er rÀt Anneliese erstmal zum Arzt zu gehen, was sie dann auch macht.
00:04:42
Der Arzt diagnostiziert daraufhin eine beginnende, paranoide Psychose.
00:04:46
Und trotz dieser Krankheiten schafft Anneliese es irgendwie in diesem Jahr Abitur zu machen und auch noch ein Studium an der Uni WĂŒrzburg anzufangen.
00:04:55
Sie will Lehrerin werden und studiert, man hÀtte es gedacht, ReligionspÀdagogik.
00:04:59
Und dafĂŒr zieht sie in ein katholisches Wohnheim in WĂŒrzburg.
00:05:03
Und dort scheint es ihr in der Anfangszeit besser zu gehen.
00:05:06
Sie verliebt sich sogar, findet viele Freundinnen und geht auch feiern.
00:05:09
AuĂerdem lĂ€sst sie sich dort auch in der Uniklinik behandeln, weil es ihr eben immer noch nicht besser geht.
00:05:14
Dort kriegt sie dann wieder eine neue Diagnose und zwar neurotische Depressionen mit Entwicklungskarakter.
00:05:20
Im Wohnheim lernt Anneliese Anna und Maria kennen.
00:05:24
Und die drei jungen Frauen werden eine eingeschworene Clique, die sich immer mehr von den anderen abschottet.
00:05:29
Und die beten jeden Tag mehrmals und die steigern sich richtig in ihre Religion rein.
00:05:34
1974 ist Anneliese dann wieder bei unserem Pfarrer Ernst Alt und er gibt dann doch eine Diagnose und zwar Umsessenheit.
00:05:44
Das ist halt eben noch keine Besessenheit, denn die DÀmonen haben von den Betroffenen noch keinen Besitz ergriffen, aber sie bedrÀngen ihn schon.
00:05:52
Die Familie freut sich ĂŒber diese Diagnose, weil sie sich dann eben endlich erklĂ€ren können, warum es ihrer Tochter noch immer nicht besser geht, obwohl sie ja behandelt wird und Medikamente bekommt und so weiter.
00:06:00
Am 1. Juli 1975 spricht der Pfarrer Ernst Alt dann seinen ersten Exorzismus.
00:06:05
Das ist ein Probeexorzismus und der erzÀhlt in der Doku, dass es so war, dass er vor Anneliese stand und ein Gebet sprach, das aber nur leise, also ohne die Lippen zu bewegen.
00:06:15
Und nach diesem Gebet wÀre Anneliese ausgerastet und hÀtte ihren Rosenkranz zerrissen.
00:06:21
Und ab diesem Tag verschlechtert sich ihr Zustand noch weiter.
00:06:24
Sie kann nicht schlafen, muss sich die ganze Zeit bewegen, sitzt unter anderem mehrere Stunden lang unter dem Esstisch und bellt.
00:06:33
AuĂerdem isst sie Insekten und leckt ihren eigenen Urin vom Boden auf.
00:06:38
Der Pfarrer rÀt den Eltern, Anneliese in eine Nervenklinik einzuweisen, als er das mitbekommt.
00:06:44
Das wollen die aber nicht, weil die Eltern Angst haben, dass Anneliese dann spÀter nicht als Lehrerin arbeiten darf.
00:06:51
Dann rĂ€t er ihnen, den sogenannten groĂen Exorzismus bei Anneliese durchzufĂŒhren.
00:06:56
Dazu braucht man aber das EinverstĂ€ndnis des WĂŒrzburger Bischofs damals.
00:06:59
Und der erteilt dann auch die Erlaubnis, aber nicht alt soll ihn durchfĂŒhren, sondern ein anderer Pfarrer, und zwar Arnold Renz.
00:07:06
Der groĂe Exorzismus findet dann am 24. September 1975 zum ersten Mal statt und ihm folgen 66 weiterer dieser Art.
00:07:17
66 bei Anneliese.
00:07:19
WeiĂt du, was man bei einem groĂen Exorzismus ungefĂ€hr macht?
00:07:25
Nein, ich weiĂ nur, dass man die Person meistens irgendwie fixiert und versucht, den Teufel durch Gebete etc. auszutreiben.
00:07:33
Also ich wusste nicht so ganz genau, wie das aussieht.
00:07:35
Ich dachte, das wÀre halt irgendwie spektakulÀrer so.
00:07:38
Ich habe dann gelesen, also es ist so, dass als erstes die Betroffenen mit Weihwasser besprengt werden.
00:07:43
Dann werden Gebete gesprochen, wie du gesagt hast, HĂ€nde aufgelegt und auch das Kreuz gezeigt.
00:07:49
Und das SpektakulĂ€re sind eigentlich immer eher die Reaktionen der Besessenen, der in AnfĂŒhrungszeichen Besessenen.
00:07:55
Möchtest du hören, wie sich sowas anhört?
00:07:58
Denn ab der zweiten Sitzung lÀuft bei Anneliese ein Tonband mit.
00:08:02
Ja, mach mal, zeig es mir gerne.
00:08:05
Ich muss dazu sagen, mein absoluter, absoluter Horror, Horrorfilm war der Exorzismus von Emily Rose.
00:08:11
Ich konnte danach jahrelang nicht mehr einschlafen, wenn ich um drei Uhr wach geworden bin.
00:08:17
Und das ist auch heute noch so.
00:08:18
Wenn ich heute nachts wach werde, um drei, dann habe ich das immer im Kopf, dass das ja die Geisterstunde ist.
00:08:24
Und du weiĂt ja, ich bin sehr anfĂ€llig fĂŒr sowas.
00:08:29
Weil, wusstest du, dass Emily Rose auf einer deutschen Vorlage...
00:08:36
Nee, ich nÀmlich auch nicht.
00:08:37
Ist das Anneliese Michel?
00:08:39
Also das war die Vorlage.
00:08:40
Emily Rose ist Anneliese Michel.
00:08:42
In Italien fĂŒhren die ja immer noch ganz viele Exorzismen durch.
00:08:45
und als ich in Rom war, saĂen wir am Tisch mit einer, die Emily Rose hieĂ.
00:08:51
Und sie hat meinen Blick gesehen und sagte sofort, es tut mir leid.
00:08:55
Sie wusste sofort, warum ich sie so angestarrt habe.
00:08:57
Die Arme, alle Arme Emily Rose dieser Welt.
00:09:00
Okay, ich mach an.
00:09:02
Die Arme, alle Arme, alle Arme, alle Arme, alle Arme, alle Arme, alle Arme.
00:09:27
Das ist das Blödsinn.
00:09:29
Oh Gott, wie ein Tier.
00:09:31
Wenn es ein Tier ist.
00:09:33
Ich mach aus, okay?
00:09:34
Das waren jetzt 30 Sekunden.
00:09:40
Ich werde vom Teufel besessen, wann ich es angehört habe.
00:09:46
Du glaubst nicht, wie das fĂŒr mich war, das anzuhören.
00:09:50
Ich musste ja eine Stelle raussuchen, die ich dir zeige.
00:09:52
Das dauert eine Stunde 30.
00:09:53
Ich hab mir das nicht ganz angehört, aber ich hab immer wieder reingehört und es war so schrecklich.
00:09:58
Und dann musste ich das ja auf meinen Laptop ziehen.
00:10:01
Und ich glaub ja nicht an Gott und auch nicht an den Teufel.
00:10:03
Aber ich hatte so ein komisches GefĂŒhl, als ich das runtergeladen habe und dachte mir,
00:10:08
wenn jetzt irgendwie das Licht anfÀngt zu flackern oder so, dann kriege ich einen Herzinfarkt.
00:10:12
Du glaubst auch nicht an den Teufel, nachdem Satan durch mein Handy, durch deine Stimme zu mir gesprochen hat,
00:10:18
als ich den Satansmord gemacht habe?
00:10:20
Ich hab das ja nicht gehört, nur du hast es gehört.
00:10:22
Ich wĂŒrde dir raten, fang besser an zu glauben.
00:10:25
Gut, ich komme zurĂŒck zur Anneliese, okay?
00:10:33
Der Exorzist Arnold Renz, also der das durchgefĂŒhrt hat, erklĂ€rt ĂŒbrigens,
00:10:37
dass Anneliese von Lucifer, Judas, Nero, Kain und, jetzt kommt's, Hitler besessen ist.
00:10:45
Du hast es jetzt eben nicht gehört, was eine andere Stelle war, aber an einer Stelle ruft sie
00:10:50
Heil, Heil, Heil.
00:10:52
Renz hat auch gleich einen Grund fĂŒr ihre Besessenheit.
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Und zwar soll Anneliese eben SĂŒhne besessen sein.
00:10:58
Das heiĂt, sie ist besessen davon, andere vor der Hölle zu bewahren.
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Du erinnerst dich an das Auf-dem-Boden-Schlafen.
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Und diese SĂŒhne-Besessenheit, die sei auf einen Fluch zurĂŒckzufĂŒhren, den eine Nachbarin von Anneliese vor ihrer Geburt ausgesprochen hat.
00:11:12
Gut, am 3. MÀrz 1976 beginnt dann mit Aschermittwoch die Fastenzeit und Anneliese stellt ab dem Tag dann das Essen komplett ein, weil sie Stimmen gehört hat, die ihr das Essen verboten haben.
00:11:26
Das war bestimmt Hitler. Der wollte ja auch nie Fleisch essen.
00:11:32
Sie fĂ€ngt an, auĂerdem stundenlang zu knien und ihren Kopf auf den Boden zu schlagen.
00:11:37
Ab Mitte April geht es Anneliese so schlecht, dass sie zurĂŒck nach Hause ziehen muss.
00:11:41
Und dort geht dann das Maltretieren weiter.
00:11:43
So macht sie 600 Kniebeugen am Tag, schlĂ€gt um sich, beiĂt, kratzt und verletzt sich auch immer wieder selbst, zum Teil auch schwer.
00:11:51
So versucht sie zum Beispiel ein Loch in die Wand zu beiĂen und bricht sich dabei einen Zahn aus.
00:11:57
Zeitweise wird sie dann ans Bett gefesselt, damit sie sich nicht weiter verletzt.
00:12:00
Und Anneliese glaubt auch, dass sie die Wundmale Jesus an sich erkennt.
00:12:05
So hat sie auch wirklich wunde FĂŒĂe, aber das kommt daher, weil sie immer zu kleine Schuhe anhat.
00:12:11
Und sie ist der Meinung, sie hÀtte die Wunden auch an den HÀnden gehabt, aber die wÀren unsichtbar, weil sie den Heiland, so sagt sie, gebeten hat, die nicht aufbrechen zu lassen, damit sie ihre Examsarbeit noch fertig schreiben kann.
00:12:23
Was sie ĂŒbrigens dann auch noch gemacht hat.
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Aber zu dem Zeitpunkt wiegt Anneliese nur noch 31 Kilo bei einer KörpergröĂe von 1,66, also so groĂ wie ich.
00:12:32
Sie sieht schrecklich aus, die Fotos kann man auch im Internet anschauen.
00:12:37
Also sie sieht viel Àlter aus, als sie ist.
00:12:39
Und sie hat ĂŒberall blaue Flecken und auch um die Augen und sieht aus, als hĂ€tte man ihr halt die Augen eingeschlagen.
00:12:45
Hat wunde Stellen ĂŒberall, auch so um den Mund herum alles eingerissen.
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Und am 30. Juni 1976 wird der letzte groĂe Exorzismus an ihr durchgefĂŒhrt, der 67.
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Einen Tag spÀter und somit ein Jahr nach dem Probeexorzismus stirbt Anneliese dann an den Folgen der UnterernÀhrung.
00:13:06
Und eineinhalb Jahre nach ihrem Tod lassen Annelieses Eltern ihre Leiche ĂŒbrigens wieder ausgraben.
00:13:11
An diesem Tag soll nÀmlich ein Wunder geschehen und Anneliese soll auferstehen.
00:13:14
Sie ist nÀmlich einer Ordensschwester im Traum erschienen und hatte gesagt, dass ihr Körper nicht verwest sei und sie jetzt aufersteht.
00:13:22
Und die Eltern von Anneliese sehen das als Beweis an, dass der Tod von ihr eben doch ĂŒbernatĂŒrlicher Art war.
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Dann wird der Sarg geöffnet und wer hÀtte es gedacht, Annelieses Körper ist verwest und sie ist immer noch tot.
00:13:35
Im April 1978 werden dann die Eltern und die zwei Pfarrer wegen fahrlÀssiger Tötung mit Unterlassung zu jeweils sechs Monaten Haft verurteilt,
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die dann aber auf drei Jahre zur BewÀhrung ausgesetzt sind.
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AuĂerdem werden sie alle als vermindert schuldfĂ€hig eingestuft, weil sie wirklich an den Teufel glauben wĂŒrden.
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Dieser Punkt wird kritisiert, da es im Umkehrschluss bedeutet, dass alle glÀubigen Christen vermindert schuldfÀhig sind.
00:13:58
Ja, natĂŒrlich. Also jeder, der an Religion glaubt, ist quasi geisteskrank.
00:14:04
Was auch noch interessant war, ist, dass ich bei meiner Recherche nach einem Buch gesucht habe, das den Fall wissenschaftlich einordnet,
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weil ich halt immer gerne ein Buch habe, das alles schon vereint sozusagen.
00:14:14
Aber das einzige Buch, das sich eingehend mit dem Fall beschÀftigt, ist von einer Frau Goodman.
00:14:20
Und die ist der Meinung, dass Anneliese vom Teufel besessen war.
00:14:23
Und es war aber die einzige, der Einsicht in alle Akten gewÀhrt wurde.
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Und sie ist der Meinung, der Exorzismus hÀtte auch funktioniert, wenn Anneliese nicht diese Medikamente gegen die Epidepsie genommen hÀtte.
00:14:35
Denn die hĂ€tten Annelieses Gehirn beruhigt und deshalb war das Gehirn nicht anfĂ€llig fĂŒr den Exorzismus.
00:14:41
Und das war quasi das Problem.
00:14:42
Und die katholische Kirche freut sich natĂŒrlich sehr ĂŒber dieses Buch und sieht es auch als wissenschaftlichen Beweis fĂŒr die Besessenheit von Anneliese an.
00:14:50
Ja, und im Internet finden sich ganz viele Seiten und Foren, in denen die Menschen sich ganz sicher sind, dass es eben genauso war.
00:14:57
Ich habe halt irgendwie gedacht, dass der Fall schon viel, viel lĂ€nger zurĂŒckliegt.
00:15:01
Ich war jetzt total ĂŒberrascht, dass du in den 70ern gesagt hast, ich hĂ€tte halt gedacht, das wĂ€re irgendwie in den 50ern gewesen oder so.
00:15:07
Ist ja Wahnsinn.
00:15:08
Habe ich auch gedacht.
00:15:09
Mein Aha-Moment hatte ich bei meiner Recherche zur Epilepsie.
00:15:16
Ich weià nicht, wie es bei dir ist, aber wenn ich an Epilepsie denke, denke ich eigentlich nur an KrampfanfÀlle und auch daran, dass man mit den richtigen Medikamenten heute eigentlich damit normal leben kann.
00:15:26
Allerdings habe ich gelernt, dass eine Epilepsie in schÀtzungsweise 50 Prozent der FÀlle mit psychischen Krankheiten wie Psychosen, Depressionen, AngstzustÀnden oder Persönlichkeitsstörungen einhergeht.
00:15:36
Bei den auftretenden Psychosen haben die Epileptiker Wahn- und SinnestÀuschungen, optische und manchmal auch akustische Halluzinationen.
00:15:45
Sie sind aggressiv und oft auch fanatisch-religiös.
00:15:48
Und wenn dann eben zwei Exorzisten vorbeikommen und 67 Teufelsaustreibungen ausfĂŒhren, dann ist es nicht verwunderlich, dass sich die Psyche bei Anneliese nicht verbessert hat.
00:15:57
Im Gegenteil war es ja so, dass es ihr immer schlechter ging und zwar, weil ihr Umfeld und sie selber sich auch einredeten, dass sie vom Teufel besessen ist und somit die Psychose verstÀrkt haben.
00:16:08
Zum GlĂŒck ist es ja heute so, dass die Ărzte weiter sind und dass Epileptiker, die unter psychologischen Krankheiten leiden, psychotherapeutisch behandelt werden, auch Medikamente dafĂŒr bekommen und auch im Alltag sonst unterstĂŒtzt werden.
00:16:20
Denn wenn es eine Ă€rztliche Diagnose gibt und auch Medikamente ausgegeben werden, die helfen, dann gibt es ja auch gar keinen NĂ€hrboden fĂŒr irgendwelche religiösen Vorstellungen oder Lösungen.
00:16:30
Das Problem ist aber ja, dass man erst so wenig ĂŒber das Gehirn weiĂ und erst fĂŒnf Prozent der Funktionen erforscht sind, gibt es immer wieder neue Krankheiten, die entdeckt werden.
00:16:40
Und die waren dann vorher möglicherweise falsch diagnostiziert und wurden auch mit den falschen Medikamenten behandelt.
00:16:47
Und wenn solche Menschen, die diese Krankheiten haben, die falsch diagnostiziert werden und so weiter, in einem falschen Umfeld sind, wie jetzt beispielsweise bei Anneliese in einem streng katholischen, dann werden eventuell solche ĂŒbernatĂŒrlichen Lösungen gesucht.
00:16:59
Und leider ist es auch heute noch so, denn jeden Tag werden in Deutschland schÀtzungsweise bis zu zehn Exorzismen abgehalten.
00:17:06
Das ist doch nicht dein Ernst. Jeden Tag in Deutschland. Wo? In Bayern.
00:17:17
Ja, das war mein Fall.
00:17:18
Also glaubst du, Anneliese hatte auch schon vorher den Verdacht, dass sie vom Teufel besessen ist? Oder glaubst du, das kam erst durch den Pfarrer?
00:17:28
Ich kann mir schon vorstellen, dass sie vorher schon, weil sie auch gesagt hat, dass sie diese Stimmen und diese teuflische Fratze schon gesehen hat, bevor sie ĂŒberhaupt auf diesen Wallfahrtsort gefahren ist und wo die Leiterin das gesagt hat.
00:17:41
Und es ist ja jetzt auch eben bewiesen, dass es eben ganz oft so ist, wenn man eine Epilepsie hat, dass man dann diese Psychosen hat und sich sogar so religiös fanatisch verhÀlt.
00:17:51
Aber eben, die haben es natĂŒrlich total verstĂ€rkt und sie damit auch umgebracht letztendlich.
00:17:56
Und sie wurden ja auch deswegen verurteilt, also fahrlÀssige Tötung, weil sie hÀtten ihr helfen können.
00:18:01
Das hat auch nach der Obduktion der Arzt gesagt, dass man ihr hÀtte jederzeit noch helfen können, halt mit ZwangsernÀhrung zum Beispiel.
00:18:09
Weil sie ist ja am Ende durch die UnterernÀhrung verhungert und verdurstet.
00:18:13
Das war auch dann, als es dann um die Verhandlungen ging, sodass die Eltern die Schuld auf den Pfarrer natĂŒrlich geschoben haben, gesagt haben, wir haben das Leben unseres Kindes in die HĂ€nde der Kirche gegeben.
00:18:25
Und der Pfarrer hat natĂŒrlich gesagt, ich war fĂŒr den Exorzismus zustĂ€ndig und die Eltern mĂŒssen aber gucken, dass sie isst und so.
00:18:32
Genau, also echt krass.
00:18:34
Ich habe mal so eine Doku gesehen ĂŒber den Vatikan, wo die das natĂŒrlich auch immer noch durchfĂŒhren.
00:18:41
Ja, Papst Franziskus hat, wann war er, vor zwei, drei Jahren, hat er das ja auch nochmal begrĂŒĂt.
00:18:47
Wow, ja, guter Fall.
00:18:49
Dann bist du jetzt dran.
00:18:51
Jetzt kann ich da nicht schlafen.
00:18:53
Also bei meinem Fall muss ich dazu sagen, dass das quasi mein Einstieg in meine Crimesucht war.
00:19:01
Der bewegt mich bis heute wahnsinnig.
00:19:04
Und macht mich fertig.
00:19:07
Macht mich fix und fertig.
00:19:09
Oh Gott, ich bin gespannt.
00:19:13
Es geht um Frauke Liebs.
00:19:15
Frauke Liebs ist eine aufgeweckte, lebensbejahende und vor allem eine hilfsbereite junge Frau.
00:19:21
Im Jahr 2006 ist sie 21 Jahre alt und vor allem Dreivierteljahr nach Paderborn gezogen.
00:19:27
Dort macht sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin.
00:19:29
Vorher hatte sie bereits eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und in ihrem FSJ in einer Behinderteneinrichtung gearbeitet.
00:19:37
Einfach nur, damit du ein Bild von ihr hast, was sie fĂŒr ein Mensch war.
00:19:40
In Paderborn wohnt sie gemeinsam mit ihrem Exfreund Chris, mit dem sie vorher vier Jahre zusammen war in einer Wohngemeinschaft.
00:19:47
Zu dem Zeitpunkt sind die beiden aber schon ĂŒber ein Jahr kein Paar mehr.
00:19:52
Und die kommen sehr gut miteinander aus, obwohl Fraukes Mutter zunÀchst sehr skeptisch war.
00:19:57
Frauke hat zwischenzeitlich sogar eine neue Beziehung, aber die hÀlt nicht lang.
00:20:00
Sie chattet leidenschaftlich gern, vor allem ĂŒber ICQ.
00:20:04
Mein Freund weiĂ immer noch seine ICQ-Nummer auswendig.
00:20:09
Nicht dein Ernst.
00:20:11
Am Abend des 20. Juni treffen sich Frauke, Chris und Fraukes Mutter zum Abendessen.
00:20:17
WÀhrenddessen piept Fraukes Handy öfter mal und sie bekommt eine Nachricht von ihrer Freundin Isabella.
00:20:22
Mit der macht sie zusammen diese Ausbildung.
00:20:25
Wir sitzen jetzt im Pub. Gute Sicht auf die Leinwand. Komm gerne vorbei.
00:20:28
Wir erinnern uns, 2006 war ja die Weltmeisterschaft in Deutschland und an dem Abend spielt England gegen Schweden.
00:20:34
Nach dem Essen setzen Chris und Fraukes Mutter sie in diesem Irish Pub ab, wo ihre Freundin auf sie wartet.
00:20:40
Aber zu Hause merkt Chris, dass er seinen SchlĂŒssel nicht mehr an sich hat und fĂ€hrt mit Fraukes Mutter wieder zurĂŒck in den Pub.
00:20:46
An dem Abend ist es sehr voll in dem Pub und Frauke ist gut gelaunt, wirkt aber etwas mĂŒde.
00:20:51
Statt sich auf das Spiel zu konzentrieren, erzÀhlt Isabella spÀter, schreibt sie lieber SMS mit einem neuen Bekannten.
00:20:57
Es ist ein Freund von Isabella und auch wenn die Handys von damals ja total langlebige Akkus hatten, geht Fraukes Handy aus.
00:21:07
Isabella hat das gleiche Modell wie Frauke, ein Nokia 6230 und leitet ihren Akku, bekommt ihn aber dann spĂ€ter wieder zurĂŒck.
00:21:15
Gleich nach dem Spiel gegen 23 Uhr macht sich Frauke auf den Weg nach Hause.
00:21:18
Chris wartet da ja auf sie, weil sie keinen SchlĂŒssel hat.
00:21:21
Mehr als 5 Euro hat Frauke nicht dabei, aber sie braucht zu Fuà nicht lÀnger als 15 bis 20 Minuten und es ist ja Sommer, deswegen lÀuft sie.
00:21:30
Beide wollen nicht, dass Deutschland im Achtelfinale gegen England spielen muss, das war quasi eine Art Insider.
00:21:44
Chris versucht sich noch eine Zeit lang wach zu halten, aber als er dann doch fast einstift, beschlieĂt er sie anzurufen.
00:21:50
Frauke hat das Handy aus.
00:21:51
Am nĂ€chsten Morgen wundert sich Isabella in der Berufsschule ĂŒber den leeren Platz in ihrer Klasse, auf dem sonst Frauke sitzt.
00:21:58
Sie fragt die Lehrerin, ob Frauke sich krank gemeldet hÀtte.
00:22:01
Keine Krankmeldung, kein Lebenszeichen.
00:22:03
Als sowohl Chris, Isabella, Fraukes Mutter und Fraukes Schwester nichts von ihr hören, werden sie nervös.
00:22:09
Eine Vermisstenanzeige nimmt die Polizei aber nicht auf, weil Frauke volljÀhrig ist und ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen kann.
00:22:17
Am Donnerstag verteilt Fraukes Familie zusammen mit ihren Klassenkameraden aus der Berufsschule FlugblÀtter.
00:22:43
Und noch am selben Abend klingelt das Handy von Chris.
00:22:47
Soweit er sich erinnern kann, sagt sie,
00:22:50
Hallo Christos, wollte sagen, dass es mir gut geht und dass ich bald nach Hause komme.
00:22:55
Sagt Mama und Papa und den anderen Bescheid.
00:22:57
Danach legt sie sofort auf.
00:22:59
Er ist erleichtert, dass sie sich gemeldet hat, aber irgendetwas stimmt nicht.
00:23:04
A, Christos nennt sie Chris nur, wenn sie sauer auf ihn ist oder wenn sie ihm etwas erklÀren will.
00:23:09
B, sie klang sehr benommen, sagt Chris spÀter.
00:23:12
Als hÀtte man sie unter Drogen gesetzt oder so.
00:23:15
Aber sie kommt bald, denkt er sich.
00:23:17
Und deswegen werden jetzt alle alarmiert und warten gemeinsam in der WG auf sie.
00:23:21
Aber Frauke kommt nicht.
00:23:23
Damit sie ihre Telefonverbindung ĂŒberwachen können, leiten die Ermittler ein Verfahren wegen des Verdachts auf Geiselnahme ein.
00:23:28
Das heiĂt aber nicht, dass sie mithören können.
00:23:31
So wie man das aus dem Fernsehen kennt, zumindest hieĂ es das damals nicht.
00:23:34
Nur, dass sie wissen, in welchen Sendemast sich das Handy einloggt.
00:23:37
WÀhrenddessen lÀuft die Suchaktion von der Polizei.
00:23:39
Sie befragen Leute, bei denen sich Frauke aufhalten könnte, aber keiner gibt einen Hinweis.
00:23:44
In dem Moment, als Frauke ihr Handy wieder einschaltet, bekommt Fraukes Bruder eine Nachricht, dass sie wieder erreichbar ist.
00:23:59
Er ruft sie an und sie hebt sogar ab.
00:24:01
Und das ist das GesprÀch, so wie er sich erinnert.
00:24:13
Aber wieder kommt Frauke nicht heim.
00:24:17
Die Ermittler können nicht viel Hilfe leisten, weil Frauke sich ja regelmĂ€Ăig meldet und sagt, dass es ihr gut geht.
00:24:24
Am Samstag meldet sie sich wieder bei Chris, um wieder zu beteuern, dass sie nach Hause kommt.
00:24:28
Er fragt sie, ob sie verletzt sei.
00:24:30
Frauke sagt nein und am Ende betont sie wiederholt, ich bin in Paderborn, ich bin in Paderborn, ich bin in Paderborn.
00:24:37
Sonntag ruft sie Chris wieder an.
00:24:40
Ich komme heute nach Hause.
00:24:42
Bist du in Gefahr?
00:24:45
Warum bist du gestern nicht nach Hause gekommen?
00:24:47
Kann ich dir spÀter erklÀren.
00:24:49
ErklÀre ich dir, wenn ich zu Hause bin.
00:24:51
Wieder nur ein Versprechen, was sie nicht halten kann.
00:24:54
In dieser Zeit verbringt Karin, Fraukes Schwester, sehr viel Zeit in Fraukes Wohnung zusammen mit Chris.
00:25:01
Montag ist der erste Tag, an dem sie sich nicht meldet.
00:25:04
Dienstagnacht, als Karin wieder in der WG mit Chris zusammen ist, klingelt sein Telefon.
00:25:11
Hallo Chrissy, mir geht's gut.
00:25:13
Kann ich nicht sagen.
00:25:14
Komm doch nach Hause.
00:25:15
Nein, das geht nicht.
00:25:17
Warum denn nicht?
00:25:18
Kann ich dir nicht sagen.
00:25:19
Bist du festgehalten?
00:25:24
Wer ist bei dir?
00:25:25
Kann ich nicht sagen.
00:25:29
WeiĂt du, dass die Polizei nach dir sucht?
00:25:32
Woher weiĂt du das?
00:25:33
Naja, ich bin ja fast eine Woche weg.
00:25:35
Warum bist du denn weg?
00:25:37
Das weiĂt du doch, Chris.
00:25:38
Hast du einen anderen Typen kennengelernt?
00:25:40
Du weiĂt doch, dass ich nicht wegen einem Typen eine Woche lang wegbleibe.
00:25:43
Du kennst mich doch.
00:25:44
Karin ist bei mir.
00:25:46
Wir machen uns alle ganz groĂe Sorgen.
00:25:48
Sind Mama und Papa auch da?
00:25:51
Sag ihnen, dass ich sie ganz doll liebe.
00:25:53
Wann kommst du zurĂŒck?
00:25:55
Ich weiĂ nicht.
00:25:57
Warum bist du nicht gekommen, obwohl du gesagt hast, dass du heute zurĂŒckkommst?
00:26:01
ErklÀre ich dir spÀter.
00:26:02
Soll ich dich abholen?
00:26:03
Nein, das geht nicht.
00:26:05
Können wir uns irgendwo treffen?
00:26:14
Wann meldest du dich?
00:26:16
WeiĂ ich noch nicht.
00:26:17
Melde dich doch wenigstens einmal am Tag.
00:26:19
Habe ich doch die anderen Tage auch gemacht.
00:26:21
Ich war sehr traurig, dass du dich gestern nicht gemeldet hast.
00:26:24
Ja, weiĂ ich, dass du sehr traurig warst.
00:26:26
Gib mir Karin bitte.
00:26:27
Das hier ist jetzt der zweite Teil des GesprÀchs zwischen Frauke und Karin.
00:26:35
Bitte frag mich nicht aus.
00:26:36
Hast du Angst, nach Hause zu kommen?
00:26:39
Wir rÀumen auch die Wohnung und keiner fragt dich, was passiert ist.
00:26:42
Komm doch wieder.
00:26:45
Bist du mit einer oder mehreren Personen zusammen?
00:26:49
Frag bitte nicht.
00:26:50
Ich wĂŒrde gerne bei euch sein.
00:26:52
Ich wĂŒrde gerne nach Hause.
00:26:54
Jetzt nimmt Chris das Handy weg und sagt, melde dich wenigstens einmal am Tag.
00:26:58
Dieses GesprÀch hinterlÀsst bei allen Beteiligten einen Eindruck.
00:27:06
Vor allem, weil sie wieder völlig benommen klingt und Chris ist der Meinung aber, dass es ein Fortschritt war, weil das das erste Mal ein richtiges GesprÀch war und sie lÀnger miteinander reden konnten.
00:27:16
Karin wird das GesprĂ€ch aber fĂŒrchterlich auf, weil sie meint, dass es sich wie ein Abschied angehört hat.
00:27:21
Fraukes Mutter denkt darĂŒber nach, ob sie mit Mama Mama einen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort geben wollte, weil das war ja auch die Frage von Chris.
00:27:31
TatsÀchlich sollte Karin recht behalten.
00:27:32
Es war Fraukes letzter Anruf.
00:27:35
Danach ist Funkstille.
00:27:36
In der Zeit schiebt die Polizei keine neuen Ermittlungen an, weil sie keine weiteren Anhaltspunkte erhalten.
00:27:42
Die Familie engagiert einen Privatdetektiv, der zwar viel Geld kostet, aber keine neuen Informationen bringt.
00:27:48
Am 4. Oktober 2006 geht ein Anruf bei der Polizei ein.
00:27:55
Ein JĂ€ger hat einen Leichnam an einer verlassenen LandstraĂe gefunden und von der Kleiderbeschreibung her passt das auf Frau.
00:28:01
Der Ablageort heiĂt Totengrund.
00:28:03
Erst zwei Tage spÀter können die Ermittler Fraukes Familie endlich sagen, dass es sich um ihre Tochter handelt.
00:28:09
Ihre Leiche ist wegen der WitterungsverhÀltnisse stark skelettiert.
00:28:13
Sie finden keine Drogen in Knochen oder Haaren, wobei man dazu sagen muss, dass K.O.-Tropfen auch relativ schnell abgebaut gewesen wÀren.
00:28:22
Nicht mal die Todesursache können sie ermitteln.
00:28:25
Sie wissen nur, es gab keine Gewalteinwirkung auf die Knochen oder auf die Kleidung
00:28:29
und das Zungenbein ist nicht gebrochen.
00:28:31
Also das heiĂt, dass sie wahrscheinlich nicht erwĂŒrgt wurde.
00:28:35
Anzeichen auf einen Missbrauch werden nicht gefunden, aber ausschlieĂen können sie das natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht.
00:28:40
Die Ermittlungen gehen weiter.
00:28:43
Sogar bei Fraukes Beerdigung sind Kriminalpolizisten anwesend, um nach VerdÀchtigem Ausschau zu halten.
00:28:48
Sie nehmen vor allem Chris und ihren neuen Bekannten genauer unter die Lupe.
00:28:53
Der Bekannte, mit dem sie an dem Abend in den Pub so lange geschrieben hat, scheint im ersten Moment sehr verdÀchtig, weil sein bester Freund sich ein paar Wochen vorher das Leben genommen hat.
00:29:02
Das heiĂt, er war emotional sehr instabil.
00:29:04
Und er wohnt in einem Ort in der NĂ€he von Paderborn, der im gleichen Sendemastgebiet liegt, woher die meisten Anrufer kamen.
00:29:11
Aber auch diese Ermittlungen laufen ins Leere, weil die Polizei irgendwann ausschlieĂt, dass er was damit zu tun hat, weil sein Alibi genauso wasserfest ist wie das von Chris.
00:29:20
Chris hÀtte ja auch schlecht sie festhalten können und sie gleichzeitig die Anrufe tÀtigen lassen können, wenn er mit ihrer Schwester zusammen ist.
00:29:28
Fraukes Handyakku war beim Verlassen des Papps leer, weil sie hatte sich ja das von ihrer Freundin ausgeliehen, hat ja aber eine SMS geschrieben.
00:29:38
Das heiĂt, sie muss Gelegenheit gehabt haben, ihr Handy aufzuladen.
00:29:42
Und die erste SMS halten sowohl ihre Freunde als auch die Polizei fĂŒr echt, also im Sinne von glaubwĂŒrdig, dass sie wirklich meint, also dass es ihr wirklich gut ging.
00:29:52
Die SMS wurde aus dem Raum Nieheim, das ist eine sehr lÀndliche Gegend mit kleinen Ortschaften, gesendet.
00:29:59
Und das ist circa 40 Kilometer von Paderborn entfernt.
00:30:01
Und die kam ja zwei Stunden nach dem Verlassen des Papps an.
00:30:05
Das heiĂt, der TĂ€ter muss sie in dem Auto irgendwo hingefahren haben.
00:30:11
Alle Anrufe, die danach kamen, kamen aber irgendwo aus der Gegend von Paderborn.
00:30:15
Also muss er mobil gewesen sein und mit ihr hin und her gefahren sein.
00:30:20
Eine Theorie ist, dass er mitbekommen hat, dass sie noch diese SMS aus Nieheim geschickt hat und sie dann immer an diese anderen Orte fĂŒr die Telefonate gebracht hat.
00:30:30
Weil warum hÀtte er sie auch sonst telefonieren lassen sollen?
00:30:35
AuĂerdem wiederholte sie ja stĂ€ndig, dass sie in Paderborn ist, das hat sie ja immer wieder gesagt.
00:30:40
Also glaubt die Polizei, dass es quasi eine Art Ablenkungsmanöver gewesen sein soll.
00:30:44
Die Polizei geht davon aus, dass der TÀter Frauke also in dieser lÀndlichen Gegend festgehalten hat und dass er Ortskenntnisse hatte.
00:30:52
Weil der Ort, an dem die Leiche gefunden wurde, sagen sie, war nur der Ablageort.
00:30:58
Und ihre Schwester sagt in einem Interview in einer Dokumentation, dass sie nicht darĂŒber hinweg kann, dass man Frauke wie ein StĂŒck MĂŒll dort einfach irgendwo abgelegt hat.
00:31:07
Es wurden mehr als 900 Leute ĂŒberprĂŒft und etlichen Hinweisen wurde nachgegangen.
00:31:11
Von ihrem Handy und von ihrer Uhr und ihrer Handtasche fehlt bis heute jede Spur.
00:31:16
Bei der Leiche wurde aber ein KreuzanhÀnger gefunden, das habe ich bei Aktenzeichen XY ungelöst gesehen, der von der Familie und von den Freunden nicht zugeordnet werden konnte.
00:31:26
Ein Reporter vom Stern Crime hat ĂŒber diese ganze Story einen Megaartikel geschrieben.
00:31:31
Der hat diesen Fall quasi als GesprĂ€ch zwischen allen Beteiligten dargestellt und hat dafĂŒr auch den Axel Springer Preis bekommen.
00:31:40
Könnte man denken, dass ich fĂŒr den Stern arbeite, so oft wie ich ihn erwĂ€hne?
00:31:43
Bis 2016 wird es medial still um den Fall von Frauke Liebs.
00:31:48
Bis die Geschichte von einem sadistischen Ehepaar, das Frauen festgehalten und misshandelt hat, in Deutschland bekannt wird.
00:31:55
Wir alle kennen den Fall besser als das Horrorhaus von Höxter.
00:31:59
Die Ermittler stellen einen Zusammenhang her, weil erstens die SMS, die in der Nacht ihres Verschwindens geschrieben wurde, aus Nieheim kam,
00:32:09
was zum Kreis Höxter gehört.
00:32:11
Und zweitens, bei der Auswertung der Handys von Frauke und von Wilfried W., also das war der Höxter-Mörder,
00:32:17
gab es ĂŒberraschend viele Ăbereinstimmungen, was die Aufenthaltsorte betrifft.
00:32:21
Drittens, er hatte mehrere Autos angemietet auf seinen Namen.
00:32:25
Das heiĂt, er ist mit den Frauen auch immer hin und her gefahren.
00:32:28
Bisher gibt es dafĂŒr aber offenbar keine konkreten Beweise, dass er der Mörder war.
00:32:35
Und mit dieser Theorie beschÀftigen sich aber noch andere viele Menschen,
00:32:39
und jetzt kommt mein Aha.
00:32:41
Ich habe nÀmlich eine neue Sucht entwickelt.
00:32:44
Und zwar gibt es ein Forum in Deutschland, das heiĂt All Mystery.
00:32:51
UrsprĂŒnglich war das mal ein Forum fĂŒr Verschwörungstheoretiker, aber jetzt geht es da hauptsĂ€chlich um mysteriöse oder religiöse oder politische Themen.
00:33:00
Also quasi um fast alles, worĂŒber man eigentlich diskutieren möchte.
00:33:04
Und es gibt da mehrere Threads zu Frauke Liebs und einer heiĂt AktivitĂ€ten und Aktionen, der ist von 2014.
00:33:10
Und die sprechen da auch von einem Einsatz vor Ort.
00:33:14
Und das ging dann aber nicht, weil sie die Zustimmung der Polizei nicht bekommen haben.
00:33:19
Aber die wollten da irgendwie an Àltere Fotos von Leuten von damals kommen.
00:33:22
Ich weiĂ nicht, ob du das auch mal hattest.
00:33:23
Wir hatten so eine lokale, so was wie ein lokales Fotoalbum, wo die Fotos online gestellt wurden von Partys.
00:33:30
So was wollten die suchen, um irgendwelche Hinweise zu finden.
00:33:34
Also es geht da hauptsÀchlich darum, dass man sich Informationen hin und her schiebt.
00:33:38
Und in diesem Thread ging es aber auch darum, den Fall zu lösen.
00:33:42
In einem der Foren ging es um den Zusammenhang von Frauke und Höxter.
00:33:48
Und da finden sich mehrere Gemeinsamkeiten.
00:33:51
Einmal eine Buchung seines Handys am Leichenfundort.
00:33:54
Wann genau das war, hat die Polizei aber nicht bekannt gegeben.
00:33:57
Ortskenntnisse, auch im Wald, weil er als Bauer tĂ€tig war und als HundefĂŒhrer.
00:34:04
Verwendung von Medikamenten, um das Opfer willenlos zu machen.
00:34:07
Versenden von SMS zur Beruhigung der Angehörigen.
00:34:11
Und angeblich hat die Mutter von Frauke mal in einem Sterninterview einen Schrauber aus Nieheim erwÀhnt.
00:34:17
Und Frauke hÀtte sie gefragt, wo Nieheim eigentlich liegt.
00:34:21
Und jetzt glauben die Leute aus dem Forum, dass das der Mörder von Höxter war,
00:34:25
weil der auch an Autos geschraubt hat.
00:34:27
Einer mutmaĂt da, dass sich die beiden kannten und er Frauke,
00:34:33
als Krankenschwester fĂŒr ein anderes Opfer gebraucht hat.
00:34:36
Und weil sie so hilfsbereit war, einfach helfen wollte.
00:34:39
Und natĂŒrlich nicht gewusst hat, was der Hintergrund war.
00:34:43
Ich habe gerade erst gelesen, dass das in Amerika auch so ein Ding ist,
00:34:47
dass sich da viele Hobbydetektive im Internet zusammentun und sich mit diesen FÀllen beschÀftigen.
00:34:52
Und dass das manche aber natĂŒrlich auch total einnimmt, dass sie dann ihre ganze Zeit damit verbringen.
00:34:57
Und jetzt weiĂ ich auch, warum du Cold Cases halt nicht so gerne magst.
00:35:01
Weil ich finde es einfach so absurd, dass es keine Hinweise gibt auf gar nichts, dass sie keiner gesehen hat.
00:35:09
Es gibt so eine Karte, da zeichnen sie quasi ein, welchen Weg sie gegangen sein könnte.
00:35:16
Weil sie nicht mal wissen, welchen Weg sie genommen hat.
00:35:19
Also man weiĂ nichts.
00:35:21
Und der Typ aus Höchster, hat der irgendwas zu der gesagt?
00:35:25
Die haben ihn doch wahrscheinlich dazu gefragt.
00:35:27
Ja, hat nichts gesagt.
00:35:29
Ach, vor allem, wenn der Typ das war, dann weià man auch, was sie vorher ungefÀhr erlebt haben muss,
00:35:37
weil das ein sadistisches Arschloch war.
00:35:40
Und das macht es halt noch viel schlimmer irgendwie.
00:35:42
Aber die Eltern und die Familie, die sagen natĂŒrlich bis heute, sie möchten gerne wissen, was passiert ist.
00:35:47
Auch wenn, also die Ungewissheit ist schlimm und vielleicht ist das, was sie erfahren, noch schlimmer.
00:35:52
Aber dann können sie vielleicht irgendwann damit abschlieĂen.
00:35:55
Ich glaube, man stellt sich immer das Allerschlimmste vor.
00:35:57
Und dann ist es immer besser, das halt auch zu wissen.
00:36:00
Was ich so krass finde, ist, dass er sie so oft hat telefonieren lassen.
00:36:04
Ja, eine Woche fast jeden Tag.
00:36:06
Okay, dann machen wir mal lieber mit was anderem weiter, oder?
00:36:09
Genau, und zwar habe ich ja letzte Woche von einer Situation erzÀhlt,
00:36:14
wo ich offenbar sieben Meter neben einem Tatort saĂ, der aber fĂŒr mich nicht einsichtig war.
00:36:22
Und wir auch das ganze Geschehen nicht wirklich mitbekommen haben.
00:36:26
Die Polizisten haben mich und diese Gruppe, in der ich saĂ, gefragt, ob wir Informationen geben könnten
00:36:31
zu dieser Gruppe, wo drin sich das Opfer befunden hat.
00:36:35
Und wir haben alle ganz unterschiedliche Wahrnehmungen gehabt, was uns auf die Idee gebracht hat,
00:36:40
dass wir mal ĂŒber Erinnerungen reden, weil die immer sehr verfĂ€lscht sind,
00:36:44
gerade auch sehr subjektiv sind von der Wahrnehmung.
00:36:48
Genau, und als du mir deine Story erzÀhlt hast, musste ich direkt an einen Tatort denken,
00:36:51
den ich geguckt habe, der genau das zum Thema hatte.
00:36:54
Ich weiĂ nicht, ob du den kennst, einen MĂŒnchner Tatort mit dem passenden Titel Die Wahrheit.
00:36:58
Ich gucke keine Tatorte?
00:37:00
Und in dem Film wird ein Mann vor einem Supermarkt erstochen und es gibt ganz viele Zeugen,
00:37:06
aber alle machen unterschiedliche Aussagen.
00:37:09
Und in dem Film haben sie es ganz cool dargestellt, indem sie das so crossgecuttet haben von den Vernehmungen,
00:37:16
dass jeder was anderes gesagt hat.
00:37:18
Und ich habe mich nach dem Tatort gefragt, warum ist das eigentlich so?
00:37:21
Weil im Film hatten schlieĂlich alle dieselbe Szene erlebt und auch keiner hatte irgendwie einen Nutzen,
00:37:27
was Falsches zu sagen.
00:37:28
Aber tatsÀchlich ist es so, dass das Vergessen und Uminterpretieren wichtige Funktionen unseres Gehirns sind.
00:37:35
Das Vergessen zum Beispiel schĂŒtzt uns davor, sinnlose Daten mit uns herumzuschleppen.
00:37:39
Und wenn wir nicht vergessen könnten, dann wÀren wir nicht lebensfÀhig,
00:37:42
weil das Gehirn dann halt komplett ĂŒberfordert wĂ€re.
00:37:46
Und wenn wir Erinnerungen nicht vergessen, dann interpretieren wir sie um.
00:37:49
Denn unsere IdentitÀt wird im Wesentlichen dadurch bestimmt,
00:37:53
dass wir uns in der Vergangenheit auf uns selber beziehen.
00:37:57
Das brauchen wir, um unsere IdentitÀt zu stabilisieren sozusagen.
00:38:01
Und da wir stÀndig damit beschÀftigt sind, unsere IdentitÀt zu finden und zu stabilisieren,
00:38:06
werden auch die Erinnerungen stÀndig neu interpretiert und inszeniert,
00:38:10
damit sie halt dann zu unserer momentanen IdentitÀt passen.
00:38:13
Und dafĂŒr gibt es auch einen Beweis.
00:38:16
Also erinnere dich mal an eine Situation, in der du ein kleines Kind warst.
00:38:20
Schwierig. Sowas wie Einschulung oder so?
00:38:24
Siehst du das jetzt vor dir gerade in deinem inneren Auge?
00:38:28
Ja, ich hatte eine ganz groĂe SchultĂŒte.
00:38:30
Mit einer Maus drauf.
00:38:33
Siehst du dich selber, also siehst du dich vor dir oder siehst du diese Situation aus deinen Kinderaugen?
00:38:40
Also die Situation sehe ich quasi eigentlich von einer anderen Perspektive aus.
00:38:47
Also ich sehe mich.
00:38:49
Das ist ganz oft so, wenn man sich erinnert an Sachen, die schon lange her sind.
00:38:53
Und daran wird deutlich, dass eben so eine Umdeutung stattgefunden haben muss,
00:38:57
weil das ja eben physikalisch nicht möglich ist, dass du dich selber siehst.
00:39:02
Das Interessante bei Alzheimer-Patienten ist ĂŒbrigens, dass durch die fehlenden Erinnerungen
00:39:06
diese IdentitÀtsabgleichung nicht mehr stattfinden kann, weshalb sie auch nach und nach
00:39:10
ihre Persönlichkeit dann verlieren.
00:39:12
Das wusste ich auch nicht, aber das macht Sinn, ne?
00:39:16
Ja, schrecklich.
00:39:17
Aber wir deuten eben nicht nur um, sondern reduzieren auch die Erinnerungen, die wir haben.
00:39:22
Das kann man zum Beispiel daran erkennen, dass wir Erinnerungen ĂŒblicherweise in Standbildern
00:39:26
haben, anstatt in bewegten Bildern, was ich auch noch gar nicht realisiert hatte.
00:39:32
Aber es ist wirklich so, wenn man dran denkt.
00:39:36
AuĂerdem erinnern wir uns nur an das Wichtigste und Details gehen verloren.
00:39:41
So sieht man nur Bildausschnitte mit einem Radius von etwa 10 Grad Ăffnungswinkel.
00:39:46
Das heiĂt, dass alles um unser Gesicht fĂ€llt herum, also was links und rechts neben uns passiert,
00:39:50
dass wir das nicht abspeichern, also gar nicht.
00:39:53
Das ist auch ganz wichtig bei Aussagen ĂŒber eine Tat oder ĂŒber den TĂ€ter oder sowas.
00:39:59
Und wir verĂ€ndern auch unsere Erinnerungen, indem wir mit anderen darĂŒber sprechen.
00:40:05
Da gibt es auch ein Beispiel.
00:40:07
Als du mir von deinem Urlaub in Lissabon erzÀhlt hast, hast du mir vor allem davon erzÀhlt,
00:40:12
dass das PĂ€rchen in deinem Nebenzimmer nachts ziemlich laute Dinge getrieben hat und du deswegen
00:40:17
nicht schlafen konntest.
00:40:17
Und damit, dass du mir das erzÀhlt hast, hast du deine Erinnerungen selber beeinflusst.
00:40:22
Denn beim nÀchsten Mal, wenn du es jemand anderem erzÀhlst, erscheinen dir die Nachbarn,
00:40:26
die so laut waren, wichtiger als alles andere.
00:40:28
Und insgesamt der Urlaub dir dann auch schlechter, als er eigentlich war.
00:40:32
Naja, auf jeden Fall. Noch eine Sache.
00:40:34
Genau. Wir schreiben nÀmlich nicht nur die Erinnerungen selber um, also wie du das jetzt
00:40:37
gemacht hast, indem du mir das erzĂ€hlt hast, sondern auch andere Leute fĂŒr uns.
00:40:42
Und das ist zum Beispiel so, wenn wir mit anderen Leuten ĂŒber Vergangenes sprechen, das man zusammen
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erlebt hat. Also zum Beispiel wir beide waren ja auf diesem Poetry Slam zusammen.
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Und wenn du mir danach irgendeinen Detail dazu erzÀhlst, an das du dich erinnern kannst,
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speicherst du das ab in deiner Erinnerung.
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Genau. Ich speichere das ab, als wÀre das meine Erinnerung dann auch und kann das nicht
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mehr unterscheiden.
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Ja, gerade nach einer gewissen Zeit. Du weiĂt es vielleicht noch die nĂ€chste Woche, aber
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irgendwann wird das alles ein Gemisch.
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Das ist ĂŒbrigens auch so mit Fotos. Fotos beeinflussen das nĂ€mlich auch. Gerade
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Kindheitserinnerungen. Deswegen kann ich mir auch vorstellen, dass man sich vielleicht
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auch deswegen eher aus einer anderen Perspektive sieht, weil bei meinem Einschulungsbeispiel
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weiĂ ich natĂŒrlich, wie ich aussah und wie meine SchultĂŒte aussah hauptsĂ€chlich.
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Durch die Fotos.
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Durch die Fotos, genau.
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Ja. Ja, das ist auf jeden Fall da auch ein Punkt. Und eben, das kann halt gefÀhrlich
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werden, weil so unsere Erinnerungen von anderen manipuliert werden können.
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Ăbrigens, Kinder sind dafĂŒr fast gar nicht anfĂ€llig fĂŒr Erinnerungsbeeinflussung, aber Erwachsene.
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Also als Erwachsener ist das quasi einfacher, deine Erinnerungen von dir als Kind zu beeinflussen,
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als in dem Moment, wo du Kind bist.
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Warum ist das so?
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Weil du dich als Erwachsener an diese Erinnerungen viel öfter erinnert hast.
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Also je öfter du dich erinnerst, desto mehr verwechselst du und dichtest dazu.
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Ich habe das ĂŒbrigens auch manchmal so, dass ich mich selber manipuliere.
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Also zum Beispiel habe ich frĂŒher meiner Mutter erzĂ€hlt, ich war bei Katja Lernen und eigentlich
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war ich aber mit Katja Party machen.
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Und irgendwie nach einer Woche habe ich mir dann eingeredet, wenn ich eine schlechte Note
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bekommen habe, warum war die so schlecht?
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Ich habe doch mindestens dreimal gelernt, einmal bei Katja.
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Und dabei war ich ja gar nicht bei Katja Lernen.
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Kennst du das, dass du manchmal irgendwie dir selber Sachen so einredest, bis du dir selber
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Zum Beispiel, wenn ich sage, dass ich krank bin.
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Dann habe ich auch das GefĂŒhl, dass ich wirklich krank bin.
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Und dann gibt es ja Leute, die das absichtlich machen mit anderen Menschen.
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Und zwar geht es da um die induzierte Erinnerung.
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Das nennt man auch False Memory Syndrome.
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Und eine amerikanische Forscherin hat nÀmlich ein Experiment gemacht und das sah so aus.
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Ich wĂŒrde dir jetzt quasi ganz viele Fotos von einem HeiĂluftballon zeigen.
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Und dann stelle ich dir suggestive Fragen dazu.
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Solange bis du glaubst, dass klein Laura wirklich als Kind mit diesem HeiĂluftballon geflogen ist.
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Das wÀre jetzt ja keine schlimme Erinnerung.
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Aber jetzt stell dir mal vor, das macht man quasi mit Patienten, die Missbrauchserinnerungen
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aus der Kindheit haben oder eben nicht.
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Es gibt nĂ€mlich einige FĂ€lle in Deutschland und natĂŒrlich auch aus Amerika, wo Therapeuten
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immer diese suggestiven Fragen gestellt haben und die Personen dann irgendwann geglaubt
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haben, sie wurden als Kind missbraucht.
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Da gibt es wirklich ganz, ganz viele FĂ€lle zu.
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Ich habe jetzt echt Dutzende davon gelesen.
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Und deswegen warnt man vor Erinnerungen, die erst wÀhrend der Therapie auftreten.
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Manchmal macht das der Therapeut gar nicht absichtlich, sondern er vermutet das dann, fragt dann
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dahingehend und damit entwickelt man auf einmal diese falschen Erinnerungen.
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Also hier geht es dann hauptsÀchlich um die Fragestellungen.
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Und noch ein Beispiel.
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Probanden wurde ein Video von AutounfÀllen gezeigt und danach wurde die eine Gruppe befragt, wie hoch
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war wohl die Geschwindigkeit der Autos beim ZusammenstoĂen?
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Und die andere Gruppe wurde gefragt, wie hoch war wohl die Geschwindigkeit der Autos beim Zerschmettern?
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So, dann passiert erstmal nichts.
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Und eine Woche spÀter wurden diese beiden Gruppen erneut befragt, ob sie Scherben in dem Video gesehen haben.
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Und was meinst du, welche Gruppe öfter ja gesagt hat?
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Wahrscheinlich die zweite, wo die Frage war nach dem Zerschmettern.
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Und da siehst du, dass alleine ein Wort deine Erinnerung trĂŒgt, weil auf dem Video waren keine Scherben zu sehen.
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So, und dieses falsche Erinnerungen hervorrufen, das hat man ĂŒbrigens auch eine Zeit lang bei Vernehmung gemacht.
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Und da kam dann noch erschwerend hinzu, dass die Vernommenen unter Hypnose gesetzt wurden, um sich besser erinnern zu können.
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Da wurden dann eben auch diese suggestiven Fragen gestellt.
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Und plötzlich ist eine ganze Stadt der Meinung gewesen, den Teufel gesehen zu haben.
00:45:01
Das zumindest passiert im Film Regression und der bezieht sich auf einen Fall in den USA, allerdings ein bisschen abgewandelt.
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Und da geht es eben um diese Regressionstechnik.
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Und die wurde spÀter bei Vernehmung verboten, weil man eben davon ausgegangen ist, dass die absichtlich falsche Erinnerung hervorruft, alleine durch die Fragestellung.
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Es gibt aber eine andere Art von Hypnose, die sehr wohl bei der Polizei benutzt wird.
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Und die heiĂt forensische Hypnose.
00:45:30
Aber auch das ist umstritten, weil manche Leute eben sagen, dass du nicht mehr so richtig Herr deiner Sinne bist bei der Hypnose.
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Aber bei der forensischen Hypnose ist es eben so, dass deine Willensfreiheit nicht beeintrÀchtigt wird.
00:45:43
Und angewandt wurde das zum Beispiel bei einem NSU-Mord an einer Polizistin.
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Und ihr Kollege hatte nÀmlich neben ihr im Auto gesessen, als sie durch einen Kopfschuss getötet wurde.
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Und er wurde dabei auch schwer verletzt und konnte sich nachher an gar nichts mehr erinnern.
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Und erst nach einer Weile kehrten dann so ein paar ErinnerungsstĂŒcke zurĂŒck, auch als er wieder zurĂŒck zum Tatort gefĂŒhrt wurde.
00:46:05
Aber die entscheidenden Hinweise konnte er erst liefern, als er eben unter dieser forensischen Hypnose befragt wurde.
00:46:14
Die musste damals abgebrochen werden, weil es ihm gesundheitlich nicht so gut ging.
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Und einem zweiten Versuch hat er aber nicht zugestimmt.
00:46:22
Und das ist natĂŒrlich deswegen so, weil die Befragten meistens halt traumatische Erlebnisse nochmal durchleben.
00:46:28
Und das dann natĂŒrlich auch alles viel intensiver erleben, als die eigene Erinnerung eigentlich normalerweise zulassen wĂŒrde.
00:46:35
Besser erinnern kann man sich, weil man sich entspannt und viel mehr konzentriert.
00:46:40
Und das Ganze wird dann Video ĂŒberwacht.
00:46:42
Und der Vernommene muss das aber nachher freigeben.
00:46:46
Also es ist nicht, dass du es einfach so benutzen kannst.
00:46:48
Weil wenn er der Meinung ist, da habe ich irgendwas gesagt, was nicht stimmt, dann kann er das quasi widerrufen.
00:46:54
Aber wie gesagt, auch dafĂŒr gibt es viele Kritiker.
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Also es wird nicht so oft eingesetzt.
00:46:58
Es gibt aber zwei Hypnotiseure in Deutschland, die halt fĂŒr die Polizei solche Sachen machen.
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Was du gesagt hast mit den, was du gesagt hast mit den suggestiven Fragen.
00:47:09
Das ist ja auch so, habe ich zumindest gelesen, dass ganz, ganz viele Leute in Amerika Taten gestanden haben, obwohl sie unschuldig waren.
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Und zwar nur, weil die Ermittler eben auch diese Art von Fragen halt die ganze Zeit gestellt haben.
00:47:25
Und wenn du neun Stunden mit diesen zwei Cops, die dann wahrscheinlich noch beide Bad Cops sind, dir Sachen einreden, ja fast schon, obwohl sie dich fragen, dass du irgendwann unter diesem Druck irgendwie zusammenbrichst und selber dann wirklich auch glaubst, dass du es warst und das dann gestehst.
00:47:41
Das finde ich auch echt gefÀhrlich.
00:47:42
WeiĂt du, weiĂt du, wo sie es gemacht haben?
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Bei Making a Murderer, da hast du ja diese Videoaufnahmen von diesem Verhörzimmer und der war ja auch noch sehr minder intelligent und galt ja, glaube ich, als fast behindert.
00:47:52
Und bei dem ist es natĂŒrlich noch mal einfacher und die haben dann immer gesagt, ihr seid doch da hingegangen und habt sie vergewaltigt.
00:47:58
Wie habt ihr sie angekettet?
00:48:00
Und da musste der ja nachher sogar noch ein Bild davon malen.
00:48:03
Vor allen Dingen, bei dem war es ja auch so krass, dass er ohne seine Eltern interviewt wurde oder verhört wurde und das ist auch gar nicht rechtens gewesen.
00:48:11
Apropos, manchmal vermischen sich ja auch Erinnerungen, so wie zum Beispiel bei unserer letzten Folge.
00:48:19
Netterweise wurden wir von ein paar Zuhörern darauf aufmerksam gemacht, dass der Fall Kroll, den du besprochen hattest, nicht der war, worĂŒber in dem Zeitverbrechen-Podcast geredet wurde.
00:48:30
Da ging es nĂ€mlich um Hennes JĂŒrres und Otto Debesch und die beiden FĂ€lle haben so ein paar Gemeinsamkeiten und deswegen habe ich die verwechselt.
00:48:39
Vielen Dank, dass ihr so aufmerksam zuhört.
00:48:42
Ja, und wie so oft haben wir auch in dieser Folge eine Empfehlung fĂŒr euch, diesmal ein Podcast mit dem Namen Serial und dieser liegt mir halt sehr am Herzen, weil das fĂŒr mich auch so ein Einstiegsfall war, der mich nicht mehr losgelassen hat und der auch wahrscheinlich der Grund ist, warum Paulina und ich hier heute sitzen.
00:48:59
Es ging von Serial zu My Favorite Murder, zu Mordlust.
00:49:03
Genau, denn nach Serial war ich eben sĂŒchtig nach True Crime Podcast und als Paulina dann in Lissabon wegen zu lautem Sex nicht schlafen konnte, habe ich ihr dann Serial empfohlen und du warst dann auch abhĂ€ngig direkt, oder?
00:49:17
Ich habe es ja in Lissabon noch komplett durchgehört, obwohl es 13 Stunden sind insgesamt, ne?
00:49:22
Ja, ich habe es auch sogar zweimal gehört, weil ich wollte unbedingt, dass mein Freund es hört und dann habe ich es einfach nochmal gehört.
00:49:28
Du bist ein Freak.
00:49:29
Ja, Serial gehört zu den erfolgreichsten Podcasts der Welt, es sind also nicht nur Paulina und ich, die das gut finden, sondern es wurde insgesamt mehr als 80 Millionen Mal runtergeladen.
00:49:40
Die Produzentin ist die Journalistin Sarah Koenig aus Baltimore und sie beschĂ€ftigt sich mit dem Fall Adnan Sayed und dabei geht es um den Mord an der 18-jĂ€hrigen SchĂŒlerin Hayman Lee aus Baltimore im Januar 1999, fĂŒr den dann auch ihr Ex-Freund Adnan Sayed wegen Mordes verurteilt wurde.
00:49:57
Die Journalistin arbeitet investigativ in diesem Podcast und spricht mit Zeugen und auch mit Adnan selber und Paulina und ich sind sehr neidisch auf diese Art von Arbeit, wĂŒrden das auch sehr gerne machen.
00:50:09
Wenn uns jemand finanzieren möchte, dann klÀren wir auch MordfÀlle auf.
00:50:13
Und Sarah Koenig deckt Fehler in den Ermittlungen auf und in der Arbeit der AnwÀlte und schafft es am Ende sogar mit dem Podcast ein Wiederaufnahmeverfahren zu erwirken.
00:50:23
Und warum diese Empfehlung heute kommt, ist, weil sie so gut zu unserem Special Falscherinnerung passt.
00:50:28
Denn in der ersten Folge erzĂ€hlt Sarah Koenig, dass sie das ganze letzte Jahr damit verbracht hat, herauszufinden, wo Adnan am 13. Januar 1999 fĂŒr genau 21 Minuten und zwar zwischen Viertel nach zwei am Nachmittag und 36 Minuten nach zwei war.
00:50:44
Und sie sagt, bevor sie mit der Recherche zu dem Podcast anfing, hatte sie nie darĂŒber nachgedacht, wie schwierig es tatsĂ€chlich ist, sich zu erinnern und zwar richtig zu erinnern, also an die genaue Zeit der Geschehnisse.
00:50:55
Um ihren Zuhörern die Schwierigkeit zu verdeutlichen, fragt sie, wissen sie noch, wie sie letzten Mittwoch zur Arbeit gekommen sind? Zu FuĂ, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad? Hat es geregnet?
00:51:05
Paulina, sag doch mal, warst du letzten Mittwoch in irgendwelchen LĂ€den? Was hast du gekauft? Hast du mit jemandem geredet? Und wenn ja, mit wem?
00:51:12
Nee, natĂŒrlich weiĂ ich gar nichts mehr von letzten Mittwoch.
00:51:16
Ja. Und jetzt stell dir mal vor, du musst sagen, was du vor sechs Wochen an einem bestimmten Mittwoch gemacht hast. Das ist nÀmlich die Situation, vor der Koenig steht.
00:51:25
Und die Tat geschah ja 1999, das heiĂt, es gab keine Erinnerungshilfen wie Instagram, Facebook, WhatsApp oder Ă€hnliches. Und wenn du keinen Kalender hast, in den du alles penibel reinschreibst, wie du, Paulina, dann wird das wirklich schwer.
00:51:39
Was man als SchĂŒler in der Highschool auch nicht hat, weil du hast keine Termine und du hast keine Verpflichtungen, du gehst zur Schule und danach machst du irgendeinen Kram.
00:51:46
Richtig. Und auch damals haben verschiedene Zeugen unterschiedliche Erinnerungen, was Adlans Aufenthaltsort um genau 2.15 bis 2.36 Uhr betrifft. Er selber sagt, er glaubt, in der Bibliothek gewesen zu sein.
00:51:59
Sein Freund Jay, der ĂŒbrigens Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft ist, sagt allerdings etwas ganz anderes. Und zwar sagt er, dass Adnan in der Zeit seine Ex-Freundin Hayman Lee umgebracht hat.
00:52:09
Und diese einzelne Aussage besiegelt Adlans Schicksal und er geht dann ins GefÀngnis.
00:52:15
Und wie wir gerade gelernt haben, sind Erinnerungen und somit auch Aussagen ĂŒber Erinnerungen Ă€uĂerst manipulierbar.
00:52:21
Und auch deswegen ist der Fall so kontrovers, weil letztlich Aussage gegen Aussage steht.
00:52:25
Und warum Sarah Kenick es schafft, ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen, mĂŒsst ihr euch dann selber anhören.
00:52:31
Ăbrigens ganz interessant. Komischerweise kann sich ja jeder erinnern, was er am 11. September 2001 gemacht hat.
00:52:39
Und das ist ja eben deswegen der Fall, weil an dem Tag etwas ganz SpektakulĂ€res passiert ist, weshalb du auch Jahre spĂ€ter immer noch weiĂt, wo warst du, als es passiert ist.
00:52:49
Du hast diese Bilder auch noch vor Augen. Und wenn das ein ganz normaler Mittwoch war, erinnert sich quasi keiner mehr dran.
00:52:56
Und es ist natĂŒrlich auch noch was anderes, wenn du mich am Donnerstag fragst, was ich Mittwoch gemacht habe, als tausend Wochen spĂ€ter.
00:53:04
Ja, beim 11. September finde ich das so krass, weil wir waren da ja elf und wir beide können uns perfekt daran erinnern und eben, wenn etwas Besonderes passiert, was mit viel Emotionen zu tun hat, dann können wir uns so gut daran erinnern, weil Emotionen eben so ein Katalysator fĂŒr die Erinnerungen sind.
00:53:26
Du wolltest noch was erzÀhlen.
00:53:30
Ich habe ja noch was fĂŒr dich.
00:53:39
Und zwar habe ich in der zweiten Folge mich gefragt, wie Inhaftierte eigentlich an neue Bekanntschaften kommen, weil es ja auch oft zu Hochzeiten oder zu neuen Liebesbeziehungen kommt und hatte ein paar Inhaftierte angeschrieben.
00:53:56
Ich habe nicht den angeschrieben, von dem ich gesprochen habe.
00:53:59
Ich werde den Brief jetzt auch nicht vorlesen und ich werde auch nicht sagen, von wem der ist.
00:54:02
Du darfst ihn dir gleich.
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Du darfst ihn dir gleich durchlesen.
00:54:06
Ich habe dieser Person auch gesagt, dass ich nicht selber an der Brieffreundschaft interessiert bin und sondern eher wissen möchte, wie sowas zustande kommt, was er damit fĂŒr Erfahrungen gemacht hat etc.
00:54:19
Ich habe ĂŒbrigens fĂŒnf Leute angeschrieben.
00:54:20
Das ist der einzige, der mir geantwortet hat.
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Und wir nennen ihn jetzt mal Eduard. Und Eduard sitzt laut eigener Aussage halt weder wegen Gewalt oder Sexualverbrechen hinter Gittern, sondern wegen Hinterziehung.
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Er ist auch nicht so lange eingeknackt.
00:54:34
Schon Àlter. Ein Àlterer Jahrgang.
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Und er hat mir dazu zu meiner Frage geschrieben, warum so viele Frauen denn eben auch den Kontakt suchen, dass er das GefĂŒhl hat, dass viele Frauen eben ein Helfer-Syndrom haben.
00:54:49
Und deswegen halt das GlĂŒck bei den, wie er es nennt, knackig suchen.
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Und er sagt, das schlĂ€gt halt sehr schnell danach ein UnglĂŒck um, weil nirgendwo so viel gelogen wird wie im Knast.
00:55:00
Das sollte ich ihm glauben.
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Und er sagt aber auch, und das fand ich total spannend, dass er schon ganz viele Briefe von Frauen bekommen hat, die quasi wissen wollten, ob er jemanden erschossen hat oder die ihn gefragt haben, wieso sein Leben als Krimineller war.
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Die sich quasi so ein bisschen daran aufgegeilt haben.
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Aufgegeilt haben.
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Und die sein Leben so spannend finden.
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Und deswegen hat er gesagt, sind zu den Frauen, mit denen er Kontakt hatte, im Endeffekt nicht sehr viele ĂŒbrig geblieben.
00:55:26
Weil er, also er schreibt sehr respektvoll ĂŒber Frauen und ja, das ist kein blöder Typ und er sagt halt eben, er hat keine Lust, Kontakt zu Frauen zu haben, die irgendwie den Thrill darin suchen, in dem, was er gemacht hat.
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Und es war ja Unrecht, das weiĂ er auch.
00:55:43
Und das möchte er sich halt eben nicht antun.
00:55:46
Krass, dass er dir zurĂŒckgeschrieben hat.
00:55:48
Ich schreibe dem auch nochmal.
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Also ich finde es tatsÀchlich ja auch ein bisschen spannend und ich möchte ein bisschen wissen, wie sein Alltag aussieht und so.
00:55:58
Und dann wollten wir nochmal Danke sagen.
00:56:01
Ja, fĂŒr euer ganzes Feedback, das ihr uns bei Instagram gebt und eure Privatnachrichten und so.
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Und die sind super motivierend und wir haben ĂŒberhaupt nicht gedacht, dass das da so ankommt und dass ihr euch dann auch die Zeit nehmt, uns dann zu schreiben, dass ihr es toll findet oder ja, was ihr besonders gut findet oder so.
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Ja, da sind wir sehr happy.
00:56:20
Die Resonanz ist halt echt groĂ und da freuen wir uns wahnsinnig drĂŒber und wir freuen uns auch darĂŒber, dass uns so viele Frauen hören.
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Wenn ihr auch noch was loswerden wollt, dann immer auf Mordlust auf Instagram oder Mordlustpodcast.gmx.de.
00:56:36
Genau, dann war es das schon mit unserer vierten Folge.
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Die fand ich wirklich gut.
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Ich fand sie auch gut, hat mir sehr viel SpaĂ gemacht.
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Bis zum nÀchsten Mal.